mini|Tartus im östlichen Mittelmeer mini|Tartus in Syrien mini|Satellitenbild der Marinebasis (aus dem Jahr 2024)

Die Marinebasis Tartus ist ein Marinestützpunkt der syrischen Marine in der syrischen Hafenstadt Tartus.

Die syrische Marinebasis nimmt eine Fläche von 0,4 km² (40 ha) ein, daneben beherbergt sie auf einer Fläche von 1,5 ha einen kleinen Stützpunkt (genau genommen nur eine technische Basis) und eine Pier, die im Wesentlichen aus zwei schwimmenden Schiffsanlegern von je 120 m Länge besteht.

Der Marinestützpunkt in Tartus wurde seit der Unterzeichnung eines entsprechenden bilateralen Abkommens mit Syrien im Jahr 1971 von der Sowjetunion mitgenutzt. Während des syrischen Bürgerkriegs, der im Jahr 2011 begann, nutzten die russischen Streitkräften den Hafen bis zum Jahr 2024 mit. Es war der einzige Stützpunkt, den die russische Marine im Mittelmeer unterhielt. 2026 ist die Wandlung der russischen Anlagen zu einem Ausbildungszentrum geplant.

Lage Der Stützpunkt liegt im östlichen Mittelmeer, in der rund 100.000 Einwohner großen syrischen Stadt Tartus, nach Latakia die größte Hafenstadt des Landes. Tartus liegt im Süden der syrischen Mittelmeerküste, 30 km von der libanesischen Grenze entfernt.

Gerundete Entfernungen zu benachbarten Orten und wichtigen Meerengen sind unter anderem:

110 Seemeilen (200 Kilometer) nach Larnaka auf Zypern im Westen 110 Seemeilen (200 Kilometer) zur israelischen Grenze im Süden 280 Seemeilen (520 Kilometer) zum Sueskanal in Ägypten 900 Seemeilen (1700 Kilometer) zum Bosporus in der Türkei 1200 Seemeilen (2200 Kilometer) zur Basis der Schwarzmeerflotte in Sewastopol auf der Halbinsel Krim 2100 Seemeilen (3800 Kilometer) nach Gibraltar 2800 Seemeilen (5100 Kilometer) nach Mogadischu in Somalia

Syrische Marinebasis mini|Grenzen der syrischen Marinebasis im Hafen von Tartus (blau umrandet); innerhalb der blauen Umrandung – grün: die beiden russischen Schiffsanleger; violett: Betonmole

mini|500px|Detailkarte der Marinebasis im Hafen von Tartus. 1a, b, c: Hallen; 2: Längshelling mit Querverschiebeanlage; 3 Abstellfläche für Kfz und Waffentechnik („Park“); 4 Appellplatz; 5 russische Pontonbrücken, die als Schiffsanleger für russische Kriegsschiffe und das Reparaturschiff dienen (Schlengel); 6 Betonsteg als Schiffsanleger; 7 Dalben-Brücke; 8 ziviles Hafenbecken; 9 Bahnlinie; 10 Hafenschutzmauer zum offenen Meer

Die syrische Marine hat ihre Stützpunkte in Baniyas, Latakia, Minat al Bayda (11 km nördlich von Latakia; ) und Tartus.

Hafenbecken Der Hafen liegt 2 km nordwestlich des Stadtzentrums von Tartus. Eine Hafenmole umschließt den gesamten Hafen und gibt nach Nordwesten die Ausfahrt auf das offene Mittelmeer frei. Der Hafen hat insgesamt fünf Hafenbecken, von denen das nördliche von der Marinebasis belegt ist. Der gesamte Hafen umfasst eine Fläche von 3 Mio. m² (300 ha), davon 1,8 Mio. m² Landfläche und 1,2 Mio. m² Wasserfläche. (engl., offizielle Webseite des Hafens von Tarus)

Das nördliche Hafenbecken, die syrische Marinebasis, ist 800 m lang und 220 m breit. Auf halber Länge ragt eine 120 m lange und 10 m breite Betonmole von der Südseite her in das Becken und unterteilt es in ein 370 m langes inneres Hafenbecken und ein 430 m langes äußeres Hafenbecken. Auf der Nordseite ragen noch zwei je 120 m lange Schiffsanleger, die „russischen Schiffsanleger“, von Norden her in das Hafenbecken. Dabei handelt es sich um Pontonbrücken, die als schwimmende Schiffsanleger dienen. (Weitere Einzelheiten: siehe unten.)

Anlage Der Landbereich der Marinebasis wird im Westen vom Hafenbecken und im Osten von der Bahnlinie begrenzt, die zum Hafen führt. Nach Norden grenzt die Marinebasis mit der Hafenmole ans offene Meer. Die Marinebasis umfasst eine Fläche von 40 Hektar. Auf dem Gelände stehen mehrere Hallen, von denen die größte Halle 150 mal 80 Meter groß ist. Neben zahlreichen Gebäuden gibt es auf dem Gelände unter anderem ein Trockendock, eine große Abstellfläche für Kraftfahrzeuge und Waffentechnik („Park“) und einen Appellplatz.

Russische Marinebasis

Die russische Marinebasis Tartus umfasst eine Fläche von ungefähr 1,5 Hektar und liegt innerhalb der syrischen Marinebasis. Es handelt sich nicht um eine vollwertige Marinebasis, sondern lediglich um einen kleinen Versorgungsstützpunkt, an dem hauptsächlich Treibstoff und Proviant aufgenommen werden können und ein Reparaturschiff zur Verfügung steht. Sie dient hauptsächlich als Versorgungsstation für Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte und für andere russische Flotteneinheiten, die das Mittelmeer passieren. An diesem Stützpunkt sind keine russischen Kriegsschiffe dauerhaft stationiert.Последняя база ВМФ России за границей Сирия (youtube-Film; russ.; 2:30 Min) ein interviewter Soldat berichtet bei Minute 1:45, dass ungefähr einmal im Monat ein russisches Kriegsschiff anlegt. Im Hintergrund ist der Ankerziehschlepper КИЛ 158 / KIL 158 (Bild; russ.: Килекторное судно) zu sehen. Der russische Kommandeur der Basis Gennadij Lipatow (Oktober 2011) gibt ein kurzes Interview.

Die russische Marinebasis Tartus untersteht dem Verteidigungsministerium der Russischen Föderation. Förmlich heißt dieser Marinestützpunkt: „720. Stützpunkt für materiell-technische Sicherstellung für Schiffe der Russischen Seekriegsflotte“ (russisch: „“ / „Punkt materialno-technitscheskowo obespetschenija“; kurz: „720. ПМТО“ / „720. PMTO“; englisch: „720th Logistics Support Point“; „720. Logistische Hilfsgruppe“).

Russland zeigt in Tartus in Form eines sich regelmäßig abwechselnden „Stationsschiffs“ Präsenz. Diese Einheit wird durch die russische Schwarzmeerflotte gestellt und ist meist durch ein Werkstattschiff (russisch: /plawutschaja basa; deutsch: schwimmende Basis) der seinerzeit in Polen gebauten AMUR-Klasse repräsentiert. 2011 war es die Regel, dass sich die Werkstattschiffe (Reparaturschiffe; russ.: , kurz: / plawmasterskaja; kurz: ПМ / PM; engl.: repair ship) „PM-56“ („ПМ-56“) und „PM-138“ („ПМ-138“) dort wechselseitig ablösten. Diese Werkstattschiffe sind Spezialschiffe, die alle sechs Monate abgelöst werden. Mit der An- und Abfahrt ist ein Werkstattschiff also sieben Monate von seinem Heimathafen auf der Krim weg. Es gibt verschiedene sowjetische bzw. russische Schiffstypen, die als Reparaturschiff eingesetzt werden.Category:Repair ships of the Soviet Union auf Wikimedia Commons

Anlage Bei den beiden schwimmenden Schiffsanlegern, an denen die russischen Kriegsschiffe anlegen können, handelt es sich um eine Art großen Schwimmsteg des Typs PM-61M (russ. ПМ‑61М; PM steht für Pontonbrücke; ПМ = понтонный мост / pontonny most).Anmerkung: Das Grundmodell PM-61 hat folgende Maße; Breite 8 m; Bordhöhe 2,20 m; Tiefgang 0,75 m; Belastbarkeit je Sektion 250 t Einer der beiden Schiffsanleger stammt aus dem Jahre 1999.ВМФ РФ модернизирует пункт базирования кораблей в Сирии (russ.; RIA novosti; 20. Juli 2009; Die russische Seekriegsflotte modernisiert die Marinebasis in Syrien.) Die schwimmenden Schiffsanleger haben einen Abstand von 150 m voneinander. Sie ragen auch nicht senkrecht in das Hafenbecken, sondern in einem Winkel von 45° in Richtung zur Einfahrt in das Hafenbecken, so dass anlegende Schiffe ohne große Kursänderung an der Pontonbrücke anlegen können. Wegen dieser schwimmenden Anleger ist die Durchfahrt in das Hafenbecken auf 120 m verengt.

Nach anderen Angaben gehören weiterhin zur russischen Basis Treibstofflager und andere Lager, eine Kaserne, zwei Hallen, ein „Autopark“ (Abstellfläche für Militärtechnik) und verschiedene Wirtschaftsobjekte.ВМФ России опроверг информацию о модернизации морской базы в Сирии (russ.; Lenta.ru; 13. Januar 2010; Die russische Seekriegsflotte dementiert Informationen über die Modernisierung der Marinebasis in Tartus.) Bei einer angeblichen Personalstärke von elf Personen im Jahr 2012 handelt es sich bei den aufgezählten Anlagen sicherlich um Angaben, die sich auf frühere Zeiten beziehen.

2008 wurde der etwas heruntergekommene Hafenbereich seitens der russischen Schwarzmeerflotte wieder durch umfangreichere Arbeiten instand gesetzt. Ab 2015 will Russland die Basis weiter modernisieren und etwa in neue Flugabwehrsysteme investieren.

Personalstärke Der Stützpunkt selbst wurde 2010 von der russischen Marine mit einer Dauerbesatzung von 50 Mann betrieben.Russland baut Marinestützpunkt im syrischen Tartus fertig (RIA Novosti; 23. April 2010) Jedoch gibt es auch verschiedene andere Angaben über die Personalstärke auf der Marinebasis Tartus, wobei sie zu verschiedenen Zeiten sicherlich unterschiedlich war. Zu finden sind Zahlen von 600, 300 (Januar 2012), 150, 50 oder 11Последняя база ВМФ России за границей Сирия (youtube-film; russ.; 2:30 Min; bei 0:30 Appell der Personal der Basis) russischen Marinesoldaten.

In einem kurzen Nachrichtenbeitrag des russischen Staatsfernsehens Perwy kanal vom Oktober 2011 wird berichtet, dass der „gesamte Personalbestand“ der Marinebasis aus „3 Offizieren, 4 Fähnrichen und 3 Matrosen“ bestand. Dazu kam noch die Besatzung des Reparaturschiffs, das in der Marinebasis angelegt hat.

Im Januar 2012 stand der Stützpunkt unter dem Kommando von Hauptmann Wladimir Gudkow, der ehemals bei der russischen Nordflotte war. Nach seiner Versetzung von Sewastopol nach Tartus forderte Gudkow zusätzliches Personal für die Instandsetzung der heruntergekommenen Basis an, so dass dann 300 Soldaten in der Basis arbeiteten. Die russischen Soldaten trugen syrische Uniformen, in einem kurzen Film der TV-Nachrichten sind sie jedoch in russischen Uniformen zu sehen. Die russischen Zeitsoldaten haben eine Vertragslaufzeit von drei Jahren, sie erhalten für ihre Dienstzeit in Syrien einen dreifachen Sold. Die Offiziere haben ihre Familie mit auf dem Stützpunkt, müssen jedoch auch ihre Freizeit in einem abgeschlossenen Bereich der Marinebasis verbringen.

In den Folgejahren wurde die Personalstärke deutlich erhöht.

Geschichte, politische und militärische Bedeutung Der Stützpunkt wurde von der sowjetischen Marine seit 1971 genutzt. In früheren Jahren beherbergte er vielleicht bis zu 600 Mann und umfasste ein größeres Areal als heute. Anfang 2012 handelte es sich noch um ein Gebiet von 1,5 Hektar (= 0,015 km²) mit einem Kommandeur und zehn Mann Besatzung sowie mit zwei Ponton-Anlegebrücken für maximal vier Schiffe von 120 Metern Länge. Im Vergleich dazu hat zum Beispiel die Marinebasis Rota der US Navy in der Nähe von Gibraltar eine Fläche von 24 km² und 3.000 Mann Personal.

Die Marinebasis Tartus ist der einzige „Marinestützpunkt“ für russische Kriegsschiffe im Mittelmeer und gegenwärtig auch die einzige Militärbasis der Russischen Föderation im „entfernten Ausland“ (ein russischer Militärbegriff für Gebiete außerhalb der GUS-Region, also außerhalb des postsowjetischen Raums). Russland bekräftigt mit dieser Marinebasis seine militärische Präsenz im Mittelmeer und im Nahen Osten.

Vorgeschichte 1964 unterzeichnete die Sowjetunion einen Vertrag mit Gamal Abdel Nasser über Marinestützpunkte in Ägypten in Alexandria und Marsa Matruh, von 1967 bis 1972 kam noch ein Stützpunkt in Port Said dazu. In diese Zeit fällt die Annäherung Ägyptens an die Sowjetunion, unter anderem wurde von 1960 bis 1971 der Assuan-Staudamm mit sowjetischer Hilfe gebaut, nachdem die Sowjetunion bereits in der Sueskrise 1956/57 Partei für Ägypten ergriffen hatte.