mini|Rheinseitige Stadtmauer zwischen Koblenzer Tor und kurfürstlicher Burg (Ansicht um 1856) mini|Rheinfront von Boppard aus dem Jahr 1655 gezeichnet von Matthäus Merian mini|Binger Tor mit Abschnitt der mittelalterlichen Stadtmauer mini|Mittelalterliche Stadtmauer der Oberstadt

Die mittelalterliche Stadtbefestigung von Boppard wurde im 12. und 13. Jahrhundert unter Einbeziehung des ehemaligen römischen Kastells Bodobrica in Boppard errichtet. Die Überreste der Stadtbefestigung stehen heute unter Denkmalschutz.

Römisches Kastell mini|Grundriss des römischen Kastells mini|Stadtansicht von Braun und Hogenberg aus dem Jahr 1588 mini|Ansicht von Boppard angefertigt von Tombleson um 1840 mini|Rheinseitige Stadtansicht von Boppard von Laurenz Janscha

Eine erste militärische Befestigung wurde in Boppard im 4. Jahrhundert nach Christus durch die Römer errichtet. Bis ins Mittelalter wurden diese Kastellmauern zur Sicherung und Verteidigung von Boppard genutzt. Selbst nach dem Bau der mittelalterlichen Stadtmauer verloren die Kastellmauern nicht ihren Nutzen, da sie in die mittelalterliche Stadtbefestigung nun integriert waren.

Baugeschichte

12./13. Jahrhundert Das in der Mitte des 4. Jahrhunderts errichtete Kastell Boppard wurde bis zum Teilabriss Anfang des 19. Jahrhunderts durchgehend als Stadtbefestigung genutzt. Die erste mittelalterliche Erweiterung der Stadtbefestigung wird im 12. Jahrhundert vermutet, da zu dieser Zeit das Anwachsen der Bevölkerung und die erweiterten städtischen Aufgaben einen höheren Platzbedarf ergaben. Außerdem wurde für den Bau des Nordturms sowie Langhauses von St. Severus die Niederlegung der nördlichen Kastellmauer erforderlich. Daraufhin soll das jenseits der rheinseitigen Mauer gelegene Fischer- und Kaufmannsviertel („Friesenviertel“) umschlossen worden sein. Für das Jahr 1241 sind allerdings Quellen belegt, nach denen aufgrund des weiterhin starken Bevölkerungszuwachses das neu erschlossene Stadtgebiet bereits nicht mehr für die weitere Stadtentwicklung ausreichte.Stadtbefestigung in regionalgeschichte.netOtto Volk: Boppard im Mittelalter. In: Heinz E. Mißling (Hrsg.): Boppard. Geschichte einer Stadt am Mittelrhein. Erster Band: Von der Frühzeit bis zum Ende der kurfürstlichen Herrschaft. Dausner Verlag, Boppard 1997, S. 276 ff.

Der römische Eckturm XXVI an der Nordwestecke wurde dagegen erst 1850 niedergelegt und an der Nordostecke ist heute noch ein Mauerrest oberirdisch sichtbar. Bemerkenswert ist der bei dem Abriss gemachte Fund einer Inschrift, die sich heute noch im Museum der Stadt sich befindet: „Dieser Turm ist jenen von Nieder-Lahnstein zugeordnet. Sie selbst sind verpflichtet, ihn zu erhalten; deswegen sind sie hier zollfrei.“inschriften.net Die Inschrift wird von Niktisch (epigrafisch) in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert. Diese Inschrift belegt die zu dieser Zeit wieder intensivierten Maßnahmen zur Erhaltung der Befestigung.

14. Jahrhundert Im Jahr 1312 verpfändete Heinrich VII. die bis dahin freie Reichsstadt Boppard an seinen Bruder, den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg. Dieses Pfand wurde jedoch nie eingelöst. Bis zur ersten militärischen Unterwerfung im Jahr 1327 hatte der neue Landesherr nur in sehr begrenztem Maße Veränderungen in der Stadt durchsetzen können. Jedoch unmittelbar nach der Unterwerfung ließ er seine Stellung militärisch nach innen und außen sichern. An strategisch günstiger Stelle am Rheinufer ließ Erzbischof Balduin die kurfürstliche Burg errichten und ausbauen. Außerdem ließ er etwa zur gleichen Zeit die Wohngebiete im Osten (Oberstadt) und Westen (Niederstadt) durch weitere Mauern schützen und band dabei die römischen Befestigungen der Altstadt mit ein. Die nördliche Mauer am Rhein ließ er ebenfalls verstärken.

Stadtbefestigung

Stadtmauer mini|Gemälde eines Tores der Stadtmauer Die erste mittelalterliche Erweiterung der römischen Kastellmauer verlief zwischen Rhein und ehemaliger, nördlicher römischer Mauer. Verbunden war diese durch eine hervorspringende Mauer mit dem nordwestlichen Eckturm des römischen Kastells. Sie führte über die Judengasse (heute Elzerhofstraße) mit dem Judentor. Die östliche Mauerfortführung zwischen nordöstlichem Eckturm der römischen Kastellmauer und der rheinseitigen, mittelalterlichen Stadtmauer ist nicht gesichert.

Die Stadtbefestigung der zweiten Erweiterung aus dem 14. Jahrhundert hatte durchschnittlich 180 cm und 200 cm dicke Mauern und bestand aus Bruchschiefer in unregelmäßiger Schichtung. Mit dieser zweiten Erweiterung wurden die westlich und östlich der römischen Kastellmauern gelegenen Gebäude ebenfalls durch eine Mauer geschützt. Die Oberstadt bestand aus dem Bereich zwischen östlicher Kastellmauer und östlicher mittelalterlicher Stadtmauer. Der Teil im ehemaligen römischen Kastell mit der Erweiterung zum Rhein bildete die Altstadt. Die Niederstadt bestand aus dem Bereich zwischen westlicher Kastellmauer und westlicher Stadtmauer. Diese war weniger dicht besiedelt als die Oberstadt und daher auch deutlich schwächer gesichert.

Da in Richtung Süden die Stadt kaum gewachsen war, wurde dort keine mittelalterliche Stadtmauer errichtet. Vielmehr war dort die römische Kastellmauer als Außenmauer in die Stadtbefestigung integriert.

Stadttore, Pforten und Türme Nachdem die Ummauerung der Ober- und Niederstadt fertiggestellt war, ermöglichten mindestens sechzehn Tore und Pforten sowie weitere kleinere Pforten den Zugang zur Stadt aus allen Himmelsrichtungen. Zwischen der Altstadt und der Niederstadt gab es zwei Tore und die Oberstadt war durch ein Tor mit der Altstadt verbunden. Außerdem war die Altstadt durch die Türme des mittelalterlichen Kastells gesichert. In die Stadtmauer der Ober- und Niederstadt und in die südliche Mauer der Altstadt waren mittelalterliche Türme integriert. Die zur Rheinseite gelegenen Tore und Türme sind heute besser erhalten als die zur Landseite.

Rheinseitige Stadtbefestigung der Oberstadt Die Eisbreche und das Sandtor mini|Das Sandtor im ursprünglichen Zustand (Turner 1819) mini|Zeichnung der Eisbreche mit Sandtor und dem Ritter-Schwalbach-Haus aus dem Jahr 1863 mini|Das Sandtor im heutigen Zustand Die Eisbreche war eine Mauer, die an die nordöstliche Ecke der Stadtmauer angebaut war und von dort am Ritter-Schwalbach-Haus vorbei direkt an den Rhein führte. Die Mauer erhielt den Namen, weil sie die Stadt bei Hochwasser und Eis-Gefahr vor der Strömung des Rheins schützen sollte.

Durch die Eisbreche verlief das spitzbogige Sandtor. Dieses wurde auch Eisbrechertor oder Windpforte genannt. Auf einer Zeichnung von Turner von 1818 wird das Tor viergeschossig mit abschließendem Rundbogenfries und ohne Dach dargestellt. Durch zunehmenden Verfall gingen 1851 die bis dahin erhaltenen Reste der oberen Geschosse verloren. In den Jahren 1979/80 wurden die heute noch erhaltenen Überreste weitgehend restauriert. Rheinseitig neben dem Torbogen wurde auf beiden Seiten des Tors jeweils eine vermutlich aus der St.-Severus-Kirche stammende Basaltlava-Grabplatte aufgestellt.

Am äußeren Ende der Eisbreche befand sich eine Statue des heiligen Johann von Nepomuk, des Patrons der Schifffahrer. Als im Jahr 1847 diese wegen Verwitterung herabstürzte, wurde sie durch eine neugotische Aussichtskanzel ersetzt. Der Kopf der Statue befindet sich heute im städtischen Museum in der kurfürstlichen Burg.

Anfang des Jahres 1880 wurde die Eisbreche abgebrochen, da man starken Eisgang auf dem Rhein erwartete. Man war nämlich zu der Überzeugung gekommen, dass die Eisbreche die Stadt nicht vor dem Strom des Rheins schützte, sondern ihn direkt auf die Stadt zuleite. Da das Sandtor auf höheren Befehl hin stehen bleiben musste, wurde die Kanzel im Jahr 1879 an das Sandtor angebaut.

Die Schwerterpforte Die Schwerterpforte war ein Torturm, der vom Rhein in die Oberstadt hineinführte und sich östlich der kurfürstlichen Burg befand. Der Torturm existiert jedoch schon seit 1742 nicht mehr. Die Stadtansicht von Matthias Merian zeigt ihn als zweigeschossigen Torturm mit Schwertdach.

Rheinseitige Tore und Türme der Altstadt Die Schwanenpforte Die Schwanenpforte ist nicht mehr erhalten. Sie führte von der Rheinallee in die Altstadt und befand sich dort, wo heute das Hotel Rebstock steht. Einen Turm besaß die Pforte nie.

Das Lilientor mini|links|Lilientor Im Bereich der Altstadt sind zwei Tore erhalten. Das Lilientor befindet sich am Ausgang der Liliengasse auf die heutige Rheinallee (). Stormseitig hat es eine spitzbogige Öffnung mit der Jahreszahl 1857. Das ist das Jahr der Wiederherstellung des Lilientors. Stadtseitig hat das Tor einen Korbbogen. Einen Turm hatte das Tor zu keiner Zeit. In Goswinus Klöckers Stadtansicht wird es als Spiegelpforte bezeichnet und hatte ein Obergeschoss aus Fachwerk mit zwei vergiebelten Erkern.

Das Kronentor mini|Kronentor

Das dem Lilientor westlich benachbarte Tor zur Altstadt heißt Kronentor. Es befindet sich am Ende der gleichnamigen Gasse (). Bei Klöckner und von Eltester wird es als Krahnen- oder Kranentor bezeichnet. In der Nähe dieses Tores befand sich der Bopparder Rheinkran. Die Stadtansicht von Klöckner zeigt einen zweiachsigen Obergeschossaufbau, der in das Haus Zur Krone (heute Rheinallee 36) integriert ist. Das Tor hat sowohl rhein- als auch stadtseits rundbogige Torbögen. Heute hat das Tor einen Segmentbogen und auch der Bogenfries wurde im 19. Jahrhundert verändert. Er besteht aus einem breiten Korbbogen und wird durch zwei schmale Seitenbögen flankiert, die auf profilierten Basaltlavakonsolen aufsitzen. Auf der Stadtseite war ebenfalls ein Bogenfries vorhanden, der heute fehlt.

Rheinseitige Tore und Türme der Niederstadt Die Brüderpforte Die Brüderpforte befand sich auf der Mündung des Brüdergrabens (heute Karmeliterstraße) auf die heutige Rheinallee. Der Namen des Tors beziehungsweise der des Grabens geht auf das vor dem Graben befindliche Karmeliterkloster zurück. Dieses Tor zur Niederstadt hatte rundbogige Torbögen auf Rhein- und Stadtseite. In Klöckers Stadtansicht ist der massiv vermauerte Teil zweigeschossig mit zwei Rechteckfenstern über den Torbögen dargestellt. Der dritte Stock bestand aus Fachwerk mit geschweiftem Giebel und Satteldach. Die 1798 entstandene Ansicht der Bopparder Rheinseite von Laurenz Janscha zeigt die Bürderpforte noch. Spätestens 1867 ist diese jedoch verschwunden.

Das Hospitaltor mini|links|Hospitaltor

Das Hospitaltor erscheint bei Klöcker als Turmtor mit zwei massiven Geschossen und einem dritten Fachwerkgeschoss. Diese waren durch Randbogenfriese voneinander abgesetzt. Das Dach war ein steiler Schwerthelm mit vier Ecktürmchen und Giebelgaube. Beim Neubau des Bopparder Hospitals wurde das Tor wahrscheinlich auch umgebaut. Das Fachwerkgeschoss und der Helm wurden durch ein Mansarddach ersetzt. Der Rundbogenfries über dem Tor blieb erhalten. Außerdem wurde im 18. Jahrhundert das Gewölbe verändert. Das Tonnengewölbe im Innenraum wird von einer korbförmigen Toröffnung begrenzt. Auf der Stadtseite des zweistöckigen Aufbaus befindet sich eine Kartusche mit der Chronogramminschrift „CLaMans In rVIna In proprIIs eX soLLs VInI reDItIbVs resVrreXI“, die auf das Jahr 1751 hinweist. Bis zum Jahr 1975 war sie am rheinseitigen Giebel des ehemaligen Hospitals zum Heiligen Geist angebracht. Im Gegensatz zu den meisten erhaltenen Toren führt durch das Hospitaltor heute keine Gasse mehr. Die ehemalige Hospitalsgasse fiel in den 1950er Jahren den Erweiterungsbauten des Krankenhauses zum Opfer.

Das Ebertor oder Eberbacher Tor mini|Ebertor

Das Ebertor hat seinen Namen nach dem ehemaligen in der Bopparder Niederstadt befindlichen Hof des Klosters Eberbach. Gebräuchlich für dieses Tor waren auch die Namen Eberbacher Tor oder Erbacher Tor.