mini|Standbild von Dimitar Peschew, der entscheidend zur Rettung der 50 000 bulgarischen Juden beitrug, in Kjustendil Die Liste der Gerechten unter den Völkern aus Bulgarien führt in alphabetischer Reihenfolge diejenigen Bulgaren und Bulgarinnen auf, die von der Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Titel Gerechter unter den Völkern geehrt wurden.

Hintergrund Um 1940 lebten im bulgarischen Staatsgebiet ungefähr 48.000 bis 50.000 Juden, mehr als die Hälfte davon in Sofia. Sie machten weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Ende 1940 verabschiedete das bulgarische Parlament das „Gesetz zum Schutz der Nation“, das im Januar 1941 in Kraft trat und die politischen und bürgerlichen Rechte der jüdischen Bevölkerung erheblich einschränkte. Weitere Bestimmungen führten zur Kennzeichnung und Enteignung, zur Beschränkung der Berufsausübung und des Aufenthalts sowie zur Heranziehung jüdischer Männer zur Zwangsarbeit.

Bulgarien trat am 1. März 1941 dem Dreimächtepakt bei und beteiligte sich im April 1941 am deutschen Angriff auf Jugoslawien und Griechenland. Anschließend erhielt es von Deutschland die Befugnis, den größten Teil Vardar-Mazedoniens, Teile des griechischen Thrakiens und das serbische Gebiet um Pirot zu besetzen und zu verwalten. In diesen Gebieten lebten zusammen ungefähr 12.000 bis 13.000 Juden – etwa 7.200 bis 8.000 in Vardar-Mazedonien, rund 4.000 bis 4.300 im bulgarisch besetzten Thrakien und ungefähr 160 bis 200 im Gebiet von Pirot. Damit unterstanden ab 1941 insgesamt ungefähr 60.000 bis 63.000 Juden bulgarischer Staatsgewalt.

Die bulgarische Regierung behandelte die jüdischen Einwohner der besetzten Gebiete anders als die Juden im bulgarischen Vorkriegsgebiet. Während anderen Einwohnern der besetzten Gebiete der Erwerb der bulgarischen Staatsangehörigkeit ermöglicht wurde, blieb er den dort lebenden Juden versagt. Dadurch besaßen sie nicht einmal den begrenzten Schutz, der mit der bulgarischen Staatsangehörigkeit verbunden war. Auch in den besetzten Gebieten wurden die bulgarischen antijüdischen Vorschriften angewandt.

Im Februar 1943 vereinbarten der bulgarische Judenkommissar Aleksandar Belew und der deutsche SS-HauptsturmführerTheodor Dannecker die Auslieferung von zunächst 20.000 Juden. Da in den besetzten Gebieten erheblich weniger als 20.000 Juden lebten, sollte die vorgesehene Zahl durch mehrere Tausend Juden aus dem bulgarischen Vorkriegsgebiet ergänzt werden. Im März 1943 verhafteten bulgarische Polizei- und Militäreinheiten die jüdische Bevölkerung der besetzten Gebiete. Insgesamt wurden 11.343 Menschen – 7.122 aus Vardar-Mazedonien und 4.221 aus Thrakien und dem Gebiet von Pirot – deportiert, von Skopje aus bzw. über Lom und dann per Schiff über die Donau transportiert und den Deutschen übergeben. Nahezu alle wurden anschließend im Vernichtungslager Treblinka ermordet.

Zugleich bereiteten die bulgarischen Behörden die Deportation von Juden aus dem Staatsgebiet in den Grenzen vor 1941 vor. Dagegen protestierten Vertreter der jüdischen Gemeinden sowie Abgeordnete, Geistliche, Intellektuelle und weitere Teile der bulgarischen Gesellschaft. Zu den bekanntesten Gegnern der Deportation gehörten der stellvertretende Parlamentspräsident Dimitar Peschew sowie die Metropoliten Stefan von Sofia und Kyrill von Plowdiw. Die für März 1943 vorgesehenen Deportationen wurden angehalten und im Mai 1943 wurden die Pläne zur Auslieferung der Juden des bulgarischen Vorkriegsgebiets nicht weiterverfolgt.

Die Verfolgungsmaßnahmen innerhalb Bulgariens dauerten jedoch an. Im Mai und Juni 1943 vertrieben die Behörden fast 20.000 Juden aus Sofia in Provinzstädte und ländliche Gebiete, beschlagnahmten zurückgelassenes Eigentum und hielten zahlreiche jüdische Männer in Zwangsarbeitslagern fest. Zur Auslieferung der rund 48.000 bis 50.000 Juden des bulgarischen Vorkriegsgebiets an das Deutsche Reich kam es nicht. Die antijüdischen Bestimmungen wurden erst im August 1944 aufgehoben.

Einzelne Bulgaren halfen verfolgten jüdischen Mitbürgern durch Verstecke, Lebensmittel und Medikamente, durch falsche Dokumente, Fluchthilfe oder politische und kirchliche Interventionen. Einige dieser Rettungstaten fanden außerhalb des bulgarischen Vorkriegsgebiets statt, unter anderem im bulgarisch besetzten Skopje und im deutsch-rumänisch besetzten Odessa.

Israel hat nach der Staatsgründung 1948 den Ehrentitel Gerechter unter den Völkern () eingeführt, um nichtjüdische Einzelpersonen zu ehren, die unter nationalsozialistischer Herrschaft ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten.

Yad Vashem hat bis zum 1. Januar 2024 insgesamt 20 Bulgaren und Bulgarinnen für solche Rettungstaten als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Liste Die Liste ist alphabetisch nach Nachnamen geordnet. Hinter dem Namen ist – soweit bekannt – das Geburtsdatum, das Sterbedatum, der Ort der Rettung, der Grund der Ehrung und das Jahr der Ehrung angegeben. Quelle der Informationen ist die Righteous Among the Nations Database der Gedenkstätte Yad Vashem.

NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahr Sofia Spiro Denkow, der im jüdischen Viertel in Sofia lebte, unterstützte während der staatlich antisemitischen Verfolgung bedürftige jüdische Familien mit Nahrung und Geld. Außerdem schmuggelte er – als im Mai 1943 die Juden aus Sofia vertrieben wurden – jüdische Mitbürger über die Grenze nach Rumänien. 1971 Sofia Rubin Asen Dimitrow lebte in Sofia bei seiner Großmutter, die ein Haus und eine Bäckerei im Herzen des jüdischen Viertels Yuch Bunar besaß. Am 24. Mai 1943 demonstrierten viele Juden der Stadt gegen ihre geplante Deportation. Als die Polizei die Demonstration gewaltsam auflöste, gestattete Dimitrow etwa 20 jüdischen Mitbürgern sich in der Bäckerei zu verstecken und später durch den Hinterausgang zu fliehen. Den etwa 400 verhafteten Demonstranten an diesem Tag brachte er außerdem auf Wunsch ihrer Angehörigen Lebensmittelpakete ins Gefängnis. Auch er wurde daraufhin verhaftet, verhört und – mit bleibenden Schäden – misshandelt. Trotz der Prügel brachte Dimitrow den jüdischen Internierten in verschiedenen Arbeitslagern weiterhin Lebensmittelpakete, Kleidung und Briefe. 1963 Skopje Anna Popostefanowa und ihr Ehemann Stefan Popostefanow, sie Theaterschauspielerin und er Polizist aus Skopje, versteckten – als im März 1943 die Deportationen der Juden in die Konzentrationslager begannen – das jüdische Ehepaar Moni und Rachel Kario mit ihren drei Kindern bei sich in der Wohnung, organisierten weitere Verstecke in der Stadt und ermöglichten deren Flucht nach Albanien. 1983 Sofia Dr. Pavel Gerdschikow, ein Arzt und Offizier der bulgarischen Armee, war Leiter des Militärkrankenhauses in Sofia. Zu seinen Patienten gehörten hochrangige Beamte und prominente jüdische Familien. Im Mai 1943, als den Juden Sofia verlassen und in die Provinz ziehen mussten, bot Gerdschikow der befreundeten Familie Levi – Avraham Levi, seiner Frau und zwei jugendlichen Töchtern – an, sich in seinem Haus zu verstecken. Hier konnte die Familie Levi bis Januar 1944 bleiben. 1980 Sofia Wera Pasewa aus Sofia versteckte ab 1942 den befreundeten jüdischen Geschäftsmann Yaakov Levi und seinen siebenjährigen Sohn Nissim in ihrer Wohnung, beschaffte gefälschte Papiere für die beiden und organisierte später ein Versteck in dem kleinen Dorf Pestera im Süden des Landes. 1987 Sofia Mladen Iwanow lebte mit seinen Eltern im jüdischen Viertel von Sofia, hatte zahlreiche jüdische Freunde und wurde als „der Verteidiger des jüdischen Ghettos“ bekannt. Zahlreiche jüdische Mitbürger fanden bei ihm tage- und wochenlang Schutz, er verhinderte persönlich körperliche Angriffe auf Juden, beschaffte für sie falsche Papiere und neue Verstecke. 1991 Odessa Wassili Iwanow gelang es nach dem Einmarsch der deutschen und rumänischen Truppen in Odessa am 16. Oktober 1941 seine jüdische Frau Sarra Teplich, zwei ihrer Töchter aus erster Ehe, ein gemeinsames Kind und ein Enkelkind bis zur Befreiung der Stadt im April 1944 zu verstecken und sie vor Deportation zu bewahren. 2007 Sofia Dimo Kasassow, ein prominenter Parlamentarier und Publizist, setzte sich in seiner Zeitung für die jüdische Minderheit in seinem Land ein. Am 19. Mai 1943 protestierte er öffentlich – zusammen mit einer Gruppe von 20 prominenten Schriftstellern, ehemaligen Ministern und Armeeoffizieren – gegen den Befehl zur Vertreibung der Juden in die Provinz. Darüber hinaus versteckte er drei Führer der jüdischen Gemeinde – Josef Geron, Dr. Isaac Kalmy und Menachem Fianov – in seinem Haus. Gegen Ende 1943 wurde er Mitglied des bulgarischen Untergrunds und schrieb weiterhin Flugblätter gegen die Verfolgung der Juden. 1966 Skopje Dr. Atanas Kostow war 1941 in Skopje für die Organisation des medizinischen Dienstes zuständig. Unter den Ärzten und Apothekern befanden sich auch einige Juden, die durch die antijüdische Gesetzgebung der bulgarischen Regierung in Mazedonien und Thrakien diskriminiert wurden. Dr. Kostow lehnte diese Diskriminierungspolitik ab und bot seinen jüdischen Kollegen die Möglichkeit, an kleinen und weit entfernten Orten zu arbeiten. Als 1943 die Deportation der Juden begann, gelang es Dr. Kostow seine jüdischen Kollegen mit ihren Familien aus dem Lager zu befreien, insgesamt 58 Personen. 2002 Kyustendil Wladimir Kurtew, ein Lehrer aus Kjustendil, unterhielt enge Beziehungen zur jüdischen Gemeinde seiner Stadt. Als im Februar 1943 die Deportation der bulgarischen Juden in die Vernichtungslager vorbereitet wurde, gehörte er – zusammen mit Assen Suitschmesow, Petar Michalew und Iwan Momtschilow – zu einer Delegation seiner Stadt, die nach Sofia fuhr, um sich beim Parlament für die Aufhebung der Deportationsbefehle einzusetzen. Die Bemühungen der Delegierten zahlten sich – zusammen mit Bemühungen anderer Repräsentanten von Kirche und Staat – aus und es gelang die Deportationen in vielen Teilen Bulgariens zu verhindern. 2010 Plowdiw Patriarch Cyril, mit bürgerlichem Namen Konstantin Markow Konstantinow, war seit 1938 Metropolit von Plowdiw.