Ensembles Ensemble Altstadt Weißenburg in Bayern mini|Historischer Grundriss, Matthäus Merian 1656 mini|Historische Ansicht von 1725 mini|Marktplatz Westseite mit Spitaltor und Schweppermannbrunnen mini|170px|Das Ellinger Tor zur Weihnachtszeit Der erstmals 867 genannte karolingische Königshof am Rande der Talniederung der Schwäbischen Rezat ist die ausschlaggebende Keimzelle der späteren Stadt; in ihrem Grundriss ist dessen Zentrum zwischen Andreaskirche, Martin-Luther-Platz und dem vorgelagerten Dreiecksplatz Am Hof erkennbar. Wahrscheinlich nach Norden hin entfaltete sich bis zur Ellinger Straße und zum Platz Auf der Kapelle das suburbium der Kaufleute. Eine dörfliche Siedlung lag um eine Urpfarrei auf dem Platz An der Schranne. Aus diesen drei präurbanen Bereichen wuchs die frühe bürgerliche Siedlung zusammen und ordnete sich im 12./13. Jahrhundert zur einheitlich befestigten Stadt.
Der Markt breitet sich als Rechteck an der Straßenachse aus, die nach Süden zum Spitaltor und weiter nach Augsburg führt. Im rechten Winkel dazu wurde planmäßig, über die frühe Grenze Bräugasse-Heigertgasse hinausgehend, der Holzmarkt (Luitpoldstraße) angelegt, ein langgezogenes Rechteck, bemerkenswert in seiner für fränkische Stadtanlagen außerordentlichen Weitläufigkeit. Die Verlängerung dieses Rechteckes leitet zum Obertor und in die Straße nach Eichstätt. Die dritte Hauptstraße (Ellinger Straße) stößt von Norden, von Nürnberg her, durch das Ellinger Tor in die Stadt, erreicht den Markt aber erst nach scharfer östlicher Abwinkelung (Rosenstraße). Ihr ursprüngliches Ziel war zweifellos in gerader Richtung der Königshof.
Von den deutschen Königen mehrfach privilegiert und 1338 mit dem großen Königsforst östlich der Stadt beschenkt, errang Weißenburg im frühen 14. Jahrhundert den Status einer Freien Reichsstadt, den es bis 1802 behaupten konnte. Von der Erringung der Souveränität bis zum Jahre 1481, als die Stadt finanziell bankrott war, dauerte Weißenburgs Blütezeit, in der sich der spätgotisch-bürgerliche Grundcharakter der Stadt ausprägte. Am nordwestlichen Rand der Stadt wurde die Pfarrkirche St Andreas errichtet und 1327 geweiht; schon im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts wurde ihr Chor durch eine hohe Hallenanlage ersetzt, der an ungewöhnlicher Stelle, am Scheitel des Chores, zwischen 1459 und 1520 ein Ostturm angefügt wurde. Dieser ist nicht nur als Pfarr-, sondern auch als Stadtturm zu verstehen, er ist bewusst auf den Straßenzug Rosenstraße/Luitpoldstraße ausgerichtet. Zusammen mit dem Chordach schafft er die unverwechselbare Dominante im Weißenburger Stadtbild.
Die zweite große Leistung der Blütezeit ist die Stadterweiterung von 1376. Der ganze südliche Stadtteil jenseits des Straßenbogens Untere Stadtmühlgasse und Wildbadstraße, in welchem sich schon ein 1242 gegründetes, nie zu großer Entfaltung gelangtes Augustinerinnenkloster befunden hatte, wurde damals der hochmittelalterlichen Kernstadt angeschlossen; die Erweiterung war so großzügig geplant, dass sich die Stadt bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nicht weiter ausdehnen musste. Die Grenze zwischen beiden Stadthälften, eine bandartige Folge von Weihern, die erst im 19. Jahrhundert zugeschüttet wurden, und das noch erhaltene, auf das 14. Jahrhundert zurückgehende Spitaltor, ist im Stadtgrundriss klar erkennbar. Den neuen Bereich hat man mit einer Befestigung umgeben und die älteren Partien wurden verbessert.
Im 14./15. Jahrhundert war der gesamte Mauerring mit seinen gedeckten Wehrgängen, 3 Toren, 40 Türmen, Graben- und Schanzanlagen vollendet. Die dichte Turmfolge zeichnet die Befestigung besonders aus; fast drei Viertel der Türme und Mauern sowie das im Kern gotische, 1510 durch Vorwerke verbesserte Ellinger Tor sind erhalten. Auch die Anlage des Karmeliterklosters am Holzmarkt, 1325 gestiftet und in die Längsseite der nördlichen Platzwand eingestellt, sowie die Spitalkirche, um 1450/80, die dem erhalten gebliebenen Torturm (Spitaltor) der ältesten Stadtbefestigung angeschlossen wurde, gehören der Hochphase Weißenburgs an. Reichsstädtisches Selbstverständnis spricht sich in dem freistehenden Sandsteinbau des Rathauses aus, der über dem Schnittpunkt, der drei Hauptachsen der Stadt zwischen 1470 und 1476 (Turm 1567) errichtet wurde und sich mit seiner Schauseite dem Holzmarkt, der größten Platzanlage der Stadt, zuwendet.
Die bürgerlichen Wohnstätten waren über Jahrhunderte Fachwerk-Giebelbauten. Erst im 18. Jahrhundert entstanden in nennenswerter Zahl massive Bauten, gegen Ende des Jahrhunderts oft dreigeschossig und mit Walm- oder Mansarddächern, oder es wurden den Fachwerkbauten massive Fassaden vorgelegt. Die bürgerlichen Neubauten und Erneuerungen älterer Bürgerhäuser in der Spätzeit der Reichsstadt ordneten sich in die vorgegebenen spätmittelalterlichen Dimensionen ein. Auch als man dem Spitaltor 1729 durch Gabrieli eine Barockisierung angedeihen ließ, geschah dies mit größter Zurückhaltung. Aktennummer: E-5-77-177-1.
Stadtbefestigung Weißenburg hatte eine Stadtbefestigung mit Mauerring und Wehrgang, überwiegend aus Quader- und Bruchsteinmauerwerk bestehend und mit Türmen besetzt. Im Wesentlichen ist sie im 14./15. Jahrhundert entstanden und wurde teilweise im 18./19. Jahrhundert zu Wohnzwecken ausgebaut. Siehe Ellinger Tor, Spitaltor sowie Auf dem Schrecker, Auf der Kapelle, Ellinger Straße, Frauentorstraße, Friedrich-Ebert-Straße, Froschgasse, Mohrenzwinger, Nördliche Ringstraße, Obertorstraße, Schanzmauer, Schießgrabenmauer, Schulhausstraße, Seeweihermauer, Südliche Ringstraße, Untere Stadtmühlgasse, Westliche Ringstraße, Wildbadstraße. Aktennummer: D-5-77-177-1.
Ältere Stadtbefestigung Südabschnitt Die hochmittelalterliche Kernstadt wurde im 14. Jahrhundert südlich erweitert und im 15. Jahrhundert befestigt. Infolgedessen wurde, die nun innerhalb der Stadt liegende Befestigung größtenteils abgetragen. Der Verlauf der älteren Stadtbefestigung ist im Straßenbild noch erkennbar und wird als Bodendenkmal unter der Aktennummer D-5-6931-0412 geführt. Verlauf: Martin-Luther-Platz, Pfarrgasse, Am Hof, Untere Stadtmühlgasse, Spitaltor, Höllgasse, Nördlich Wildbadstraße, Nördlich Bortenmachergasse, Seehweihermauer Nr. 8.
Spitaltor Als Baudenkmal des Südabschnitts der älteren Stadtbefestigung ist nur das Spitaltor erhalten.
Äußerer Mauerring Die Objekte der ringförmigen Stadtbefestigung des 14. und 15. Jahrhunderts sind im Folgenden, beginnend an der Stadtpfarrkirche St. Andreas, im Uhrzeigersinn aufgeführt. Nordmauer vom Martin-Luther-Platz bis Ellinger Tor Der Mauerabschnitt am Martin-Luther-Platz wurde abgebrochen. Der erhaltene Teil der Nordmauer beginnt am Martin-Luther-Platz und führt entlang der Froschgasse zum Ellinger Tor.
Ellinger Tor Das Ellinger Tor ist das einzige erhaltene Tor des äußeren, im 15. Jahrhundert nach Süden erweiterten Mauerrings.
Vor dem Ellinger Tor an der Straße nach Nürnberg:
Nordmauer vom Ellinger Tor bis Mohrenzwinger Östlich des Ellinger Tors ist der Mauerabschnitt bis zum nächsten Turm, Nördliche Ringstraße Nr. 2, nicht mehr vorhanden. Von dort ist die Mauer durchgehend bis Auf dem Schrecker zwischen Nr. 15 erhalten. Östlich davon wurde für einen Straßendurchbruch die Mauer abgerissen.
Nordmauer vom Mohrenzwinger bis Obertor Der Mauerabschnitt und die Türme vom Straßendurchbruch Am Plerrer bis zur Obertorstraße sind vorwiegend in angrenzenden Gebäuden verbaut und von außen kaum erkennbar.
Obertor Das Obertor wurde 1874 abgerissen.
Seeweihermauer Die Seeweihermauer beginnt an der Obertorstraße und erstreckt sich bis zur südlichen Ringstraße. Der Mauer ist südöstlich der Seeweiher vorgelagert. Die Türme wurden für Wohnzwecke umgebaut. Auf Stadtseite sind zahlreiche Häuser an der Stadtmauer angebaut. Zwischen den Häusern sind die Wehrgänge noch deutlich erkennbar. Der Mauerabschnitt zwischen Seeweihermauer Nr. 39 bis Schießgrabenmauer Nr. 26, sowie der in diesem Abschnitt befindliche Turm wurde im 19. Jahrhundert abgerissen, um einen Durchbruch zur Oberen Stadtmühlgasse herzustellen.
Schießgrabenmauer Die Schießgrabenmauer verläuft vom Seeweiher westlich bis zum Standort des abgegangenen Frauentors. Der Name Schießgraben stammt von der dort gelegene Übungsstätte der Weißenburger Schützen.
Frauentor Das Frauentor wurde mit der Erweiterung der Stadtmauer im 15. Jahrhundert errichtet und war das äußere Gegenstück zum Spitaltor an der Straße nach Augsburg. Das Frauentor wurde 1878 abgerissen.
Schanzmauer Die Schanzmauer bildet den westlichen Abschnitt der Stadtbefestigung vom Frauentor bis zur St.-Andreas-Kirche. Im Bereich der heutigen Bahnhofstraße wurde im 19. Jahrhundert ein Mauerdurchbruch geschaffen. Dabei wurden auch zwei Türme abgerissen. Im Bereich Schanzmauer Nr. 14 bis Nr. 8 wurde der obere Teil der Mauer im 19. Jahrhundert abgetragen.
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Siehe auch Liste der Bodendenkmäler in Weißenburg in Bayern
Anmerkungen
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Einzelnachweise
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