mini|hochkant=1.3|Die Lieberoser Wüste ist die größte Wüste Deutschlands.

Die Lieberoser Wüste, kurz auch nur Wüste oder Klein Sibirien genannt,Ina Matthes: ist eine rund fünf QuadratkilometerClaus-Rüdiger Seliger: Forstgeschichte von Lieberose seit 1990. In Torsten Richter, Heiko Schumacher, Claus-Rüdiger Seliger, Wolfgang Roick: Faszination Lieberoser Heide. Landschaft zwischen Wald, Wasser und Weite. Regia-Verlag, Cottbus 2010, S. 74. große sandige Offenfläche innerhalb der Lieberoser Heide in der brandenburgischen Niederlausitz, rund 95 Kilometer südöstlich von Berlin und 20 Kilometer nördlich von Cottbus. Sie ist damit die größte Wüste Deutschlands. In Mitteleuropa dürfte sie ansonsten wohl nur von der noch ausgedehnteren polnischen Błędów-Wüste übertroffen werden. Entstanden durch einen großen Waldbrand im Jahr 1942, war sie später Kern des sowjetischen Truppenübungsplatzes Lieberose. Durch die ständige Nutzung mit schwerem militärischen Gerät blieb das Gelände dauerhaft offen und entwickelte sich zu einer so genannten Panzerwüste. Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem endgültigen Abzug der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland blieb das Gelände seit 1994 weitgehend sich selbst überlassen und ist nun Teil des Naturschutzgebietes Lieberoser Endmoräne. Weite Teile der Wüste befinden sich seit 2006 im Besitz der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, die sich auch dort die Entwicklung eines Wildnisgebietes zum Ziel gesetzt hat.Vgl. dazu Heiko Schumacher: Faszination Lieberoser Heide. In Torsten Richter, Heiko Schumacher, Claus-Rüdiger Seliger, Wolfgang Roick: Faszination Lieberoser Heide. Landschaft zwischen Wald, Wasser und Weite. Regia-Verlag, Cottbus 2010, S. 14ff.

Lage und Landschaftscharakteristika mini|Die Lieberoser Wüste ist größtenteils von Waldkiefern-Wäldern umschlossen

Die Lieberoser Wüste erstreckt sich östlich der B 168 (Frankfurter Straße) zwischen den Städten Lieberose und Peitz auf der Lieberoser Hochfläche. Sie befindet sich überwiegend im Landkreis Dahme-Spreewald, ein kleiner Teil im Süden liegt auf dem Gebiet des Landkreises Spree-Neiße. Das gut fünf Quadratkilometer große Sandgebiet im Zentrum der Lieberoser Heide ist eine vollständig baumlose, annähernd rechteckige Offenfläche, die von ausgedehnten Kiefernwäldern umgeben ist. Von dort aus dringen vereinzelt Waldkiefern auf die Fläche vor. An den Rändern ist das Gebiet von größeren Binnendünen gekennzeichnet, die vor allem im südöstlichen Teil stellenweise auch den Charakter von Wanderdünen haben. Größere Sandverwehungen oder gar Sandstürme sind jedoch selten geworden. Das war früher anders: Zu Zeiten des Übungsbetriebs mit fahrenden Panzern wurde zum Beispiel die B 168 trotz Erosionsschutzpflanzungen aus verschiedenen Kiefernarten regelmäßig von Sand überweht.Horst Beutler und Doris Beutler: Landschaft in neuer Bestimmung. Russische Truppenübungsplätze. Findling – Buch- und Zeitschriften-Verlag, Neuenhagen 2000, S. 62–63. Noch Anfang der 1990er-Jahre prägten strahlend heller Sand und zahlreiche Dünen das Landschaftsbild der Lieberoser Wüste.

Als extrem degradiertes Gelände ist auch die Lieberoser Wüste von stark zerstörten und nährstoffarmen Sandböden gekennzeichnet, die ihre Funktionen für den Nährstoff- und Wasserhaushalt in der Landschaft weitgehend verloren haben. Zudem herrscht dort ein außergewöhnliches Mikroklima mit erheblichen Temperaturgegensätzen zwischen Tag und Nacht. So werden auf dem nackten Sandboden tagsüber Temperaturspitzen bis zu 60 °C erreicht, während der ungeschützte Boden nachts stark auskühlt. Die Verdunstungsrate ist sehr hoch.Horst Beutler und Doris Beutler: Landschaft in neuer Bestimmung. Russische Truppenübungsplätze. Findling – Buch- und Zeitschriften-Verlag, Neuenhagen 2000, S. 63–66.

Klima

Vom „Großen Brand“ zur „Panzerwüste“ Die Lieberoser Wüste entstand im Mai 1942, als sich aus einem Feuer, das Waldarbeiter der Brigade Paschke im Revier Burghof entzündet hatten, ein gewaltiger Waldbrand entwickelte. Der breitete sich vom Burghof in Richtung Steiner Berg/Lieberose bis zur Grenze der Königlichen Oberförsterei Peitz aus, übersprang die Bahnlinie von Preilack nach Jamlitz und kam erst vor Schönhöhe zum Stehen.Claus-Rüdiger Seliger: Forstgeschichte von Lieberose seit 1990. In Torsten Richter, Heiko Schumacher, Claus-Rüdiger Seliger, Wolfgang Roick: Faszination Lieberoser Heide. Landschaft zwischen Wald, Wasser und Weite. Regia-Verlag, Cottbus 2010, S. 66. Löschkräfte waren machtlos gegen die Flammen. Nach Räumung der Brandstelle blieb eine 1700 Hektar große Kahlfläche zurück. Wegen ihrer schieren Größe und aufgrund der kriegsbedingt nicht ausreichenden Zahl von Arbeitskräften konnte sie nicht sofort wieder aufgeforstet werden. Die Fläche erhielt bald den Namen Großer Brand (später oft nur kurz Brand genannt). 1944 wollte dann auch die Waffen-SS das kahle Gelände für ihren Truppenübungsplatz Kurmark nutzen.

Unmittelbar nach Kriegsende übernahm die Rote Armee das Gelände, zunächst für Schießübungen der Artillerie. Ab 1949 begann die Rote Armee dann mit zielgerichteten militärischen Baumaßnahmen und Nutzungen als Truppenübungsplatz Lieberose. Die Fläche der heutigen Wüste wurde dabei so in das Gelände integriert, dass sie genau gegenüber der Schießbahn lag. Panzerfahrer und andere Bodentruppen trainierten nun dort bis zur Wiedervereinigung. Das viel befahrene und teilweise beschossene Gelände wurde zur Panzerwüste. Westlich der Wüste entstand eine Kommandantur mit insgesamt 27 Gebäuden. Als „Generalshügel“ zur Beobachtung des Geschehens fungierte die „Tribüne“, ein erhöht angelegter Betonbau. Von dort verfolgten beispielsweise auch Leonid Breschnew und Erich Honecker 1970 das Manöver Waffenbrüderschaft der Vereinten Streitkräfte der Staaten des Warschauer Paktes. Dabei bewegten sich 50.000 Soldaten samt Panzern durch den Sand des Truppenübungsplatzes Lieberose.

Wie die übrigen sowjetischen Truppenübungsplätze kennzeichneten den Truppenübungsplatz Lieberose trotz der gewaltigen militärischen Nutzung insgesamt ein geringer Grad an Erschließung und Infrastruktur sowie eine recht flexible Flächennutzung. So gab es kein durch Pläne festgelegtes Fahrwegenetz, keine befestigten Straßen oder größeren versiegelten Bereiche.Horst Beutler und Doris Beutler: Landschaft in neuer Bestimmung. Russische Truppenübungsplätze. Findling – Buch- und Zeitschriften-Verlag, Neuenhagen 2000, S. 41. Brände, die bei den Schießübungen nicht selten entstanden, wurden nur im äußersten Notfall gelöscht.Horst Beutler und Doris Beutler: Landschaft in neuer Bestimmung. Russische Truppenübungsplätze. Findling – Buch- und Zeitschriften-Verlag, Neuenhagen 2000, S. 42.

mini|Vor allem im Südosten der Lieberoser Wüste gibt es noch völlig offene Flugsanddünen. Dort formen sich auch beständig schmale linienförmige Strichdünen.

Mit dem Ende der DDR ging auch der TÜP Lieberose im Zuge des Einigungsvertrages 1990 in das Allgemeine Grundvermögen (Bundesvermögen) der Bundesrepublik Deutschland über. Da an einer weiteren militärischen Nutzung kein Interesse bestand, wurde auch die Lieberoser Wüste nach dem Abzug des russischen Militärs zunächst weitgehend sich selbst und damit der natürlichen Sukzession überlassen. Als problematisch stellten sich vor allem unzählige ober- und unterirdische Munitionsreste heraus, da die Soldaten längst nicht alle ihre Hinterlassenschaften ordnungsgemäß entsorgt hatten.

Mit der Lieberoser Wüste hinterließen sie eine seinerzeit rund sieben Quadratkilometer große Panzerwüste aus fließendem Sand.Horst Beutler und Doris Beutler: Landschaft in neuer Bestimmung. Russische Truppenübungsplätze. Findling – Buch- und Zeitschriften-Verlag, Neuenhagen 2000, S. 57. Daraus formten sich einige Binnendünen, zumeist schmale linienförmige Strichdünen oder die haufenähnlichen Kupsten. Zudem entstanden einige niedrige Bogendünenketten, die von der Forstverwaltung später bepflanzt wurden. Daneben gab und gibt es auch von Flugsanden überwehte Altdünen und völlig offene Flugsanddünen.Horst Beutler und Doris Beutler: Landschaft in neuer Bestimmung. Russische Truppenübungsplätze. Findling – Buch- und Zeitschriften-Verlag, Neuenhagen 2000, S. 58–59. Insgesamt gehört die Lieberoser Wüste damit zu den größten zusammenhängenden Flugsandgebieten Deutschlands.Horst Beutler und Doris Beutler: Landschaft in neuer Bestimmung. Russische Truppenübungsplätze. Findling – Buch- und Zeitschriften-Verlag, Neuenhagen 2000, S. 61.

Die Entwicklung nach 1992 Nach dem Ende der militärischen Nutzung ab 1992 gab es auch für die Lieberoser Wüste und die dortigen Militäranlagen Ideen für mögliche Nachfolgenutzungen. Pläne, aus der Kommandantur eine alternative Siedlung zu machen, zerschlugen sich jedoch ebenso wie Projekte für Pyramidenstädte oder ein Testgelände für Flugzeugtriebwerke. Südöstlich der Wüste entstand jedoch 2009 mit dem Solarpark Lieberose eines der größten Sonnenkraftwerke Europas.

Als Alternative zu rein wirtschaftlichen Nachfolgenutzungen bot sich an, ehemalige Truppenübungsplätze dem Naturschutz zu widmen. Diese Idee formulierte im Zuge der politischen Wende als Erster der Ökologe Hermann Remmert.Horst Beutler und Doris Beutler: Landschaft in neuer Bestimmung. Russische Truppenübungsplätze. Findling – Buch- und Zeitschriften-Verlag, Neuenhagen 2000, S. 28. Mitte 1997 übernahm die Landesforstverwaltung Brandenburg auch die Bewirtschaftung der Lieberoser Heide.Horst Beutler und Doris Beutler: Landschaft in neuer Bestimmung. Russische Truppenübungsplätze. Findling – Buch- und Zeitschriften-Verlag, Neuenhagen 2000, S. 44. Große Teile davon – darunter auch die Lieberoser Wüste – wurden 1999 Teil des neuen rund 6800 Hektar großen Naturschutzgebiets Lieberoser Endmoräne.Vgl. dazu die Verordnung über das Naturschutzgebiet „Lieberoser Endmoräne“ im Brandenburgischen Vorschriftensystem (BRAVORS); abgerufen am 15. Juni 2012 Gleichzeitig gehört die Wüste zum Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Lieberoser Endmoräne und Staakower Läuche“ und zum Europäischen Vogelschutzgebiet (SPA) „Spreewald und Lieberoser Endmoräne“.Fugmann Janotta, Gruppe Planwerk und Dittmar Machule: Masterplan Region Lieberose, Berlin 2009, u. a. S. 17–18 (PDF)

Im Jahr 2006 erwarb die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg einen Großteil der Wüste. Nach den Vorstellungen des Ende 2009 fertiggestellten Masterplans Region Lieberose im Auftrag des brandenburgischen Umweltministeriums sollen diese Flächen auch künftig offen gehalten werden.Fugmann Janotta, Gruppe Planwerk und Dittmar Machule: Masterplan Region Lieberose, Berlin 2009, u. a. S. 36 (PDF) Da sich die Lieberoser Wüste im Zuge der Sukzession mittlerweile allmählich zu einer Steppe entwickelt, sind laut Masterplan im Zuge einer Landschaftspflege künftig Eingriffe angedacht, um eine Wiederbewaldung zu verhindern.

Außerdem soll die Lieberoser Heide – und als besondere Besucherattraktion auch die Wüste – nach diesem Plan touristisch erschlossen werden. Bislang darf das Gelände nur ansatzweise auf ausgewiesenen Wegen betreten werden. Grund dafür sind neben den generellen Einschränkungen in Naturschutzgebieten hauptsächlich die nach wie vor hohen Gefahren, die von den militärischen Hinterlassenschaften ausgehen. Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, der Landesforstbetrieb und weitere lokale Akteure sind beständig damit beschäftigt, kontaminierte Flächen zu untersuchen und räumen zu lassen. Dennoch setzen vor allem diese explosiven Altlasten Naturschutz und Tourismus Schranken.

mini|Anstelle der verfallenden „Tribüne“ soll ein Aussichtsturm errichtet werden