Kreuzen ist eine Ortschaft und Katastralgemeinde in der Marktgemeinde Paternion mit 132 Einwohnern (Stand ) im Bezirk Villach-Land in Oberkärnten / Österreich.
Geografie mini|Kreuzen, ein Bergtal in den Gailtaler Alpen mini|Äußere Kreuzen Richtung Drautal Das Bergdorf in kleinbäuerlich geprägter, gebirgiger Waldlandschaft liegt 8 km südlich von Paternion und ist über die Tauern Autobahn A 10 / Abfahrt Feistritz und die Kreuzner Straße L33 Richtung Windischen Höhe, einem Passübergang zwischen Drautal und Gailtal, erreichbar.
Katastralgemeinde Die Katastralgemeinde Kreuzen (KG-Nummer 75207) unterteilt sich in die Äußere und Innere Kreuzen. Das Gebiet ist über die Kärntner Landesstraße L33 erreichbar.Kärntner Landesstraßen im Wiki von openstreetmap.org. Die Äußere Kreuzen beginnt etwa drei Kilometer nach der Unterquerung der Tauernautobahn bei Nikelsdorf, wo sich der Kreuzengraben weitet und die Wiesen beginnen. Entlang der Weiler Orter, Landfraß und Weger führt die Straße zum Hauptort „Kreuzen – Auf der Eben“ mit der Pfarrkirche in 951 m Seehöhe auf einem Bergsattel. „Auf der Eben“ bezeichnet die relativ flachen Felder unmittelbar auf der Passhöhe. Die Grenze der Katastralgemeinde verläuft im Osten über den Altenberg () zum Koflachgraben, Beilgraben und Kobesnock (). Gleich nach der Ortschaft führt die Straße in die Innere Kreuzen, das Kreuzenbach-Tal in ca. 900 m Seehöhe hinunter. Die Innere Kreuzen ist ein von Westen nach Osten verlaufendes stark bewaldetes, kaum besiedeltes Tal mit einer Länge von ca. 10 km. Es endet bei Weißbach in der Nähe des Ostufers des Weißensees. Im westlichen Bereich liegt der Farchtensee. Die L33 verläuft nur kurz im Tal und führt nach Süden weiter.
Geschichte Jahrhundertelanges Suchen nach Gold Das keltische Königreich Noricum war schon Jahrhunderte vor Christi Geburt für seinen waffenfähigen Norischen Stahl und seine reichhaltigen Goldvorkommen berühmt. Der Bergbezeichnung Goldeck zeugt davon, dass auch im Gebiet um die Kreuzen seit Urzeiten danach gesucht wurde. Als ausgezeichnete Fundstätte für Schwemmgold galt das Ufer des Weißenbaches, bei dessen Mündung in die Drau sich „Auf der Görz“ Siedlungsspuren eines keltischen Oppidums aus der Latènezeit finden. Um 200 v. Chr. gehörte die Kreuzen zum Stammesgebiet der keltischen Ambidravi. Wahrscheinlich war das Gebiet aber schon steinzeitlich besiedelt. Die über 4500 Jahre alte Feuersteinklinge von Sappl wurde in weniger als 20 km Entfernung gefunden. Aus dem vier Kilometer entfernten Rubland kennt man tönerne Grubenlampen. Um das Jahr 1000 gehörte das Gebiet zum Lurngau, aus dem sich ab 1135 die Grafschaft Ortenburg verselbstständigte.
In der Freiherrschaft Paternion gab es weit über hundert bekannte Erzstollen und Schächte, welche zu verschiedenen Zeiten vom 15. bis ins 18. Jahrhundert nach Erz bearbeitet wurden. Sehr viele davon lagen am Gebiet von Kreuzen. Ein früher Indikator für die Bedeutung des Bergbaus in der Gegend ist die um 1330 errichtete hölzerne Kirche, die den Heiligen Vitus und Leonhard, den Schutzpatronen der Schmiede, geweiht sind. Um 1500 wurde sie durch eine gemauerte Kirche ersetzt.Gemeinde Paternion: Chronik von Kreuzen. Anschlagtafel. Zu dieser Zeit wurde das Schloss Kreuzen unter Kaiser Maximilian I. der Überlieferung nach als Jagdschloss zur Bärenjagd errichtet. Die Bärenjagd war in der Gegend selbst Jahrhunderte später noch sehr attraktiv. Der herrschaftliche Pfleger Johann Heinrich Ainether von und zu Aineth der Herrschaft Paternion berichtet in seinen Aufschreibungen über die [= seine] Jagdstrecke für die Zeit von 1710 bis 1734 von rund 25 er- oder angeschossenen Bären und 6 Wölfen.Jagdstrecke 1710 – 1734: Aufschreibungen über die Jagdstrecke des herrschaftlichen Pflegers Johann Heinrich Ainether v.u.z. Aineth für die Zeit von 1710 – 1734. In: Website der Gräfl. Foscari Widmann Rezzonico’schen Forstdirektion im Schloß Paternion, ohne Datum, abgerufen am 19. Juli 2019.
Das Gebiet der Kreuzen fällt in das Bergbau-Revier Kreuzen-Stockenboi. 1518 kamen die Ämter (Verwaltungseinheiten) Stockenboi und Feystritz durch einen Kauf der Freiherren von Dietrichstein von den Habsburgern zur Herrschaft Paternian.Lit.: Steiner, München 2007, S. 32f. 1519 erhielt die Herrschaft das Privileg des Bergrechts und unterstand nicht mehr dem Oberbergrichter von Kärnten. Im Kaufvertrag ist noch der Betrieb von Waschwerken die Rede, das heißt die Goldsuche und das Goldwaschen waren noch immer ergiebig.
Eisenbergbau-Boom ab Beginn der Neuzeit mini|Grabstein des Bergbau-Verwesers Matthias Rechbacher von 1626 Im Hochmittelalter etabliert sich ein völlig anders strukturierter Eisenbergbau als in der Antike. In kleinen, grundherrschaftlich oder bäuerlich organisierten Einheiten werden, ohne das großer Kapitaleinsatz nötig ist, kleinere Eisenvorkommen („Waldeisen“) erschlossen. Der Eisenbergbau in der Kreuzen dürfte mit dem Privileg von 1492 zur Errichtung von Hämmern und Hüttenwerken eingeleitet worden sein, das Kaiser Friedrich III. seinem Diener Hans Kaltenhauser für die Ämter Stochenboi und Feystritz, die zum Landgericht Ortenburg gehörten, verliehen hat.Lit.: Wiessner, Klagenfurt 1951, S. 163.
Von 1505 datiert die erste urkundliche Erwähnung des Namens „Kreuzen“ (Slowenisch: Krajcen).Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil, 1958, S. 130. In dieser Zeit beginnt eine intensivere Bergbauphase (Eisen, Blei), die ersten Hammerwerke und Blähöfen (Schmelzöfen mit Gebläse) zur Eisengewinnung werden errichtet. Die benötigte Holzkohle mit zahlreichen Kohlenmeilern stammt aus den weiten Wäldern der Gegend. Seit 1596 wurde Schloss Kreuzen Sitz der Bergbau-Verweser. 1599 (nach anderer Quelle: 1592) erwarb Bartholomäus (Bartlmä) Khevenhüller die Herrschaft Paternion. 1626 verstarb der „graffisch khevenhillerische Oberverweser in der Kreuzen“ Matthias Rechbacher, dessen Grabstein in der westlichen Außenmauer des Kreuzner Kirchturms eingemauert ist. Als Förderer des Protestantismus wurden die Khevenhüller 1629 gezwungen, die Herrschaft zu verkaufen und Kärnten zu verlassen. In diese Zeit der Gegenreformation fällt den Forschungen nach auch die Entstehung der sogenannten Hundskirche (im Volksmund auch Altar), ein dreieckiger Felsen in einem Graben zwischen Kreuzen und der Ortschaft Boden (ebenfalls in der Gemeinde Paternion). In den Felsen sind Zeichnungen und Inschriften geritzt, die auf eine Nutzung als geheimer Versammlungsort während des Geheimprotestantismus hindeuten.
Damit konnte von den Khevenmüllers der Villacher Handelsherr Hans Widmann die Herrschaft Paternion erwerben. 1655 erhielt die Herrschaft Paternion das Privileg des Blutbannes, womit alle Rechtsfälle bis hin zu jenen mit Todesstrafe vor Ort verhandelt werden konnten. Der berühmteste Bannrichter war Georg Wolfgang von Tschabueschnig, ein Sohn des Hammerwerksverwesers aus der Kreuzen. Weite Waldgebiete in der Kreuzen befinden sich noch heute im Besitz seiner Nachkommen, der Familie Foscari-Widmann-Rezzonico.
Schon ab ca. 1600 ist der Erzabbau in der Kreuzen nicht mehr ergiebig. Erze wurden aus der Gegend Eisentratten (45 km), später auch Hüttenberg (115 km) mit Ochsenkarren zur Weiterverarbeitung in die Kreuzner Blähöfen gebracht. Derart weite Schwertransporte waren deshalb wirtschaftlich, da die großen Mengen an Holzkohle in Kombination mit Wasserkraft zur Verfügung standen. Heute finden sich kaum mehr Spuren aus der Zeit, in der das Bergtal intensiv industriell genutzt wurde.
Blei-Bergbau Die Kreuzen liegt in der Nähe des größten Kärntner Bleivorkommens bei Bleiberg-Kreuth. Neben den kleineren Eisenvorkommen wurden auch verschiedene Blei-Gruben erschlossen. Eine erste schriftliche Erwähnung findet sich im Kaufvertrag der Dietrichsteiner von 1518, wo von einer „Pleyriesen in Weißenbach“ die Rede ist.Lit.: Wiessner, Klagenfurt 1951, S. 163. Damals gehörte das Gebiet westlich von Weißenbach u. a. mit der Waldglashütte Tscherniheim zur Kreuzen. Paternioner Marktbürgern wurden mit Bleischürfungen belehnt z. B. 1765 Matthias Mayr, der Postmeister im Ort, wurde mit den Gruben „Maria Empfängnis“, „Vorsehung Gottes“, „Heiliger Geist“, „Sanct Oswald“, „Sana Christoph“, „Sana Ulrich“, „Sana Nicolaus“ und „Sanct Martin“ am Mitterberg in der Kreuzen belehnt.Lit.: Forstner, Paternion 1980, S. 50.
Gestiftet vom Gewerken Paul Tschabuschnig wurde 1660 der Hauptaltar der Kirche errichtet. Der Seitenaltar folgte 1683. 1705 wurde der Turm dazu gebaut. Aufgrund der Pestepidemie von 1715, bei der im Gebiet von Paternion 50 Menschen starben,Lit.: Forstner, Paternion 1980, S. 25. wird der Bau der Kapelle St. Johannes, der heutigen „Hubertuskapelle“ gestiftet. 1753 kommt es zur Errichtung der Kreuzwegstationen bei der Johanneskapelle.
Im 18. Jahrhundert erlebte Kreuzen seinen bis dato größten wirtschaftlichen Aufschwung und hatte als Bergbauort mit Massenquartieren vermutlich mehr Einwohner als der Markt Paternion.Lit.: Steiner, München 2007, S. 45–46, 49. Kreuzen war nach Häusern die zweitgrößte Ortschaft in der Herrschaft Paternion.
Die Franzosen bringen die Freiheit Nach den Napoleonischen Kriegen (1792 bis 1815) wurde Oberkärnten dem französischen Königreich Illyrien zugeteilt. 1812 war die Äußere- und Innere-Kreuzen, zwei Gehstunden von Paternion entfernt, Teil der Werbbezirkskommissariats-Herrschaft Paternion. Es gab einen Eisenhammer, eine Nagelfabrik und Bleibergbau.Die Illyrischen Provinzen und ihre Einwohner. Camesiasche Buchhandlung, Wien 1812, S. 303 (). 1814 mit dem Ende der Herrschaft Napoleons I. kam das Gebiet wieder in den Besitz der Habsburger.
Als Folge der Französischen Revolution kam nach und nach die Auflösung des alten Untertanen- bzw. Grundherrschaftsverhältnisses. Auch die Kreuzner Bauern wurden als Folge der Märzrevolution 1848/49 von der Grundherrschaft befreit. Im Zuge der Bauernbefreiung wurden erstmals Ortsgemeinden gebildet. Mit dem Jahre 1848 wurden die Kreuzner Bauern durch die Aufhebung der Leibeigenschaft freie Bürger. Eine weitere Folge der Revolution von 1848 war die Einführung der kommunalen Selbstverwaltung, die es den Steuer- und Katastralgemeinden ermöglichte, sich mit anderen zu einer Ortsgemeinde mit einem zu wählenden Bürgermeister zu vereinigen.
Ende der letzten Bergbau-Periode 1842 wurde von Graf Abundius Widmann der letzte Floßofen zur Eisenverhüttung erbaut. Dieser Ofentyp, technologisch ein Vorfahre der Hochöfen, galt schon bald als unzeitgemäß klein, da er nur rund neun Meter hoch war. Ab 1845 beginnt der Niedergang der Eisenerzverarbeitung. 1849 wird Kreuzen noch als Pfarrdorf „im Gebirge in rauer wilder Gegend“ mit „mehreren Hammerwerken“ beschrieben.Eugen Kuhn: Topographisch-statistisch-historisches … Lexikon von Deutschland, eine vollständige deutsche Landes-, Volks- und Staatskunde. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1849, S. 830 (). 1851 zerstörte ein Hochwasser im Kreuznerbach die Hammerwerke.Lit.: Forstner, Paternion 1980, S. 25. 1872 gab es nur noch fünfzehn Gewerkarbeiter.