mini|Streckenkarte am Bahnhof Valençay

Der Chemin de fer du Blanc-Argent ist eine Schmalspurbahn der Spurweite 1000 mm (Meterspur) in Zentralfrankreich. Ursprünglich verband sie Le Blanc im Département Indre über Romorantin mit Salbris an der Bahnstrecke nach Orléans und führte von dort weiter bis Argent-sur-Sauldre. Heute ist die Strecke auf den Reisezugverkehr im Abschnitt Valençay-Luçay-le-Mâle–Romorantin–Salbris beschränkt. Zwischen Argy und Luçay-le-Mâle verkehrt eine Museumsbahn.

Vorgeschichte Bereits unter Napoleon III. wurde eine Verbindung der Hauptachsen Paris–Orléans–Bordeaux und Orléans–Clermont-Ferrand erwogen. Den Ausschlag für den Bau der Bahn gab jedoch erst der Deutsch-Französische Krieg, als die preußischen Soldaten 1870 rasch bis Orléans vorgerückt waren. Damals wurde offenbar, dass die französischen Eisenbahnen des Zweiten Kaiserreichs nur schwer in der Lage waren, die eigenen Truppen zu versorgen. Charles de Freycinet, ab 1877 Ministre des travaux publics (etwa: Minister für öffentliche Arbeiten), sah daher vor, durch den Bau von 22.000 km zusätzlicher Strecken das Bahnnetz engmaschiger zu gestalten. mini|links|Zug der P.O. im Bahnhof Le Blanc, Anfang 20. Jahrhundert

Die politisch Verantwortlichen des Berry, der Brenne, der Gâtine und der Sologne wurden sich, was die Streckenführung betraf, jedoch nicht einig. Am 19. April 1878 wurde zunächst der Vorschlag des Bürgermeisters von Graçay angenommen, wonach die Bahn über Vatan und seine Stadt nach Vierzon geführt werden sollte. Veränderte politische Verhältnisse führten 1881 zur Festlegung auf die später gebaute Trasse von Le Blanc über Valençay und Romorantin nach Argent.

Die für den Bahnbau erforderliche Déclaration d’utilité publiqueDie Déclaration d′utilité publique (Erklärung der Gemeinnützigkeit) war die Voraussetzung für Landenteignungen wurde am 22. Mai 1882 veröffentlicht. Die Planung sah eine zweigleisige, regelspurige Strecke vor, dieses Projekt scheiterte jedoch an den wirtschaftlichen Gegebenheiten. Ende 1883 gaben die Chemins de fer de l’État (ETAT) den Auftrag an die Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (P.O.) weiter, die aber kaum Schritte zum Bau der Bahn unternahm.

Um ein Scheitern des Vorhabens abzuwenden, schlugen die Conseils généraux (etwa: Départementräte) der Départements Indre und Cher den Bau einer preiswerter zu realisierenden Schmalspurbahn vor. Die französische Regierung, der Freycinet mittlerweile als Premierminister vorstand, genehmigte 1893 den Plan. Die ETAT vergaben den Auftrag wiederum an die P.O., die mit der Firma Faugère et Chatelin ein neues Unternehmen für den Bau und den Betrieb der Bahn bildete. Am 12. Juni 1896 wurde die Konzession erteilt, im Laufe des Jahres 1898 wurden die notwendigen Grundstücke erworben.

Geschichte und Strecke

mini|hochkant|Abgestellte Güterwagen und Handweichen in Luçay-le-Mâle mini|Stationsgebäude des Haltepunkts Terre-Neuve und beschrankter Bahnübergang an der D 13 Mit dem Bau der meterspurigen Bahnstrecke wurde 1899 begonnen, in den Jahren 1901/1902 wurde sie in vier Etappen eröffnet. Im Hinblick auf eine mögliche Umspurung auf die Regelspur wurde die Trasse, anders als bei Schmalspurbahnen üblich, großzügig angelegt. Der minimale Kurvenradius betrug 300 m, verlegt wurden Schienen mit einem Gewicht von 25 kg/m. Die Arbeiten wurden von den Firmen Balavoine aus Salbris, die eigene Lokomotiven und Wagen einsetzte, und Beauséjour ausgeführt. Am 31. Dezember 1901 wurde der Abschnitt Romorantin–Salbris eröffnet, am 15. Mai 1902 dann Salbris–Argent und am folgenden 6. November Romorantin–Écueillé.Vincent Lepais, Michel Jacobs, Jean-Louis Audigué: Le chemin de fer du Blanc à Argent, S. 20 f. Die Strecke von Écueillé bis Le Blanc ging am 17. November 1902 in Betrieb, damit war die Gesamtlänge von 190,635 km erreicht.

Zunächst wurde die Bahn von der P.O. betrieben, 1906 dann die Compagnie du Chemin de Fer du Blanc à Argent geschaffen. Mit der Gründung der Staatsbahn SNCF im Jahr 1938 wurde der B.A. von jener übernommen, er blieb jedoch bis 1999 ein eigenständiger Betrieb. 2001 übernahm mit Keolis eine Tochtergesellschaft der SNCF den B.A. und betreibt die Bahn unter dem Namen Compagnie du Blanc Argent (CBA).

Ursprung der Kilometrierung ist der Pariser Fernbahnhof Gare d’Austerlitz. Sie beginnt im Kopfbahnhof Salbris mit km 178,655, in beide Richtungen wurde von dort aus getrennt gezählt.Vincent Lepais, Michel Jacobs, Jean-Louis Audigué: Le chemin de fer du Blanc à Argent, S. 64. Südlicher Endpunkt war der gemeinschaftlich mit der P.O. betriebene, oberhalb der Stadt liegende Bahnhof von Le Blanc am Nordhang des Tals der Creuse, auf dessen Vorplatz eine Strecke der ebenfalls meterspurigen Tramways de l’Indre begann. Die Anlagen der B.A. wurden auf der Gleisseite nordöstlich des Bahnhofs angelegt, um ein Kreuzen der regelspurigen Gleise zu vermeiden.Vincent Lepais, Michel Jacobs, Jean-Louis Audigué: Le chemin de fer du Blanc à Argent, S. 15.

In nordöstlicher Richtung durchquerte die Trasse zunächst das Pays aux mille étangs (Land der tausend Teiche) und kreuzte in Buzançais die regelspurige Bahnstrecke Châteauroux–Tours. Der Abschnitt von Le Blanc bis Buzançais wurde am 11. November 1953 stillgelegt.

Ab diesem Gemeinschaftsbahnhof wurde das Gleis für den Güterverkehr auf einigen Kilometern Länge bis Argy umgespurt. Reste der Schmalspurbahn blieben erhalten, nachdem der Abschnitt bis Luçay-le-Mâle am 26. September 1980 für den Personenverkehr und am 31. Dezember 1988 endgültig aufgegeben worden war. Ein Teil dieses Streckenabschnitts steht unter Denkmalschutz, seit 2002 verkehrt zwischen Argy und Luçay-le-Mâle der touristische Zug Train du Bas-Berry. Seit Oktober 2009 ist der – bis dahin von regulären Zügen bediente – Abschnitt Luçay-le-Mâle–Valençay für den Personenverkehr aus technischen Gründen gesperrt.

Im Bahnhof der kleinen Stadt Valençay beginnt der nach wie vor im regulären Reisezugverkehr betriebene Streckenteil. Im dortigen Gemeinschaftsbahnhof mit ehemals vier Bahnsteigen begann die bereits 1935 stillgelegte, ebenfalls meterspurige Strecke der Tramways de l’Indre nach Châteauroux.Le patrimoine en devenir des Tramways de l’Indre bei journals.openedition.org, abgerufen am 26. Juni 2019

Ein erster Umsteigebahnhof zur SNCF befindet sich nordöstlich in Gièvres an der Strecke Vierzon-Tours. Er hat vor allem für Umsteiger von und nach Romorantin Bedeutung, wohin zwar auch ein Regelspurgleis führt (Rest der ehemaligen Strecke Villefranche-sur-Cher–Blois), das aber nur im Güterverkehr genutzt wird.

Romorantin ist der größte Ort und sein Bahnhof der betriebliche Mittelpunkt der Strecke. Hier befinden sich das Depot und die ehemaligen Umladeanlagen des Güterverkehrs.

Hinter Romorantin wendet sich die Strecke nach Osten und erreicht in Salbris die SNCF-Hauptstrecke Orléans–Montauban. Der Restabschnitt bis Argent-sur-Sauldre, wo ebenfalls Anschluss an die Regelspur bestand, war im Reiseverkehr bereits am 1. Mai 1939 stillgelegt worden. Der dortige Güterverkehr wurde in zwei Etappen 1951 (28. Mai: Argent–Clémont) und 1973 (15. Dezember: Clémont–Salbris) eingestellt.

In Argent-sur-Sauldre endete auch die ebenfalls meterspurige Strecke von La Guerche-sur-l’Aubois. Sie war 98 Kilometer lang und wurde am 1. August 1948 stillgelegt.

Verkehr Der ab dem 1. Juni 1913 gültige Fahrplan wies erstmals die durchgehende Stundenzählung von 0–24 Uhr auf. Von Le Blanc bis Argent durchlaufende Personenzüge gab es nicht, die längsten Zugläufe waren von Le Blanc (ab 6.00 Uhr) nach Salbris (an 12.40 Uhr), von Argent (ab 8.20 Uhr) nach Buzançais (an 15.12 Uhr) und von Buzançais (ab 13.07 Uhr) nach Argent (an 21.10 Uhr). Dazu gab es Züge, die nur auf den Abschnitten Argent–Salbris, Salbris–Romorantin(–Valençay), Valençay–Buzançais und Buzançais–Le Blanc verkehrten.

Der Fahrplan des 1. Juni 1926 führte nur kürzere Zugläufe auf, unter denen der längste ein Zugpaar Buzançais–Romorantin (6.46–9.18 Uhr) und zurück (18.41–21.07 Uhr) war. Zwischen Le Blanc und Buzançais und gab es nur noch zwei Züge pro Tag und Richtung.

Im Fahrplan vom 20. Mai 1951 war der Abschnitt Argent-Salbris bereits Geschichte. Hingegen wurden drei Umsteigeverbindungen nach Paris-Austerlitz angeführt, jeweils mit 6 bis 12 Minuten Anschlusszeit in Salbris. Die längsten Durchläufe waren Buzançais–Salbris und retour (zwei Zugpaare, Fahrzeiten zwischen 2.01 und 2.14 Stunden) und Romorantin–Le Blanc (6.15 Uhr ab, 10.26 Uhr an, nur Hinfahrt). Ab diesem Fahrplan wurden im Reiseverkehr nur noch Triebwagen eingesetzt.

Aktuelle Situation mini|X 74501 und X 74505 in Salbris, links der Güterbahnhof und das Empfangsgebäude (Straßenseite) der Regelspur, 2009 Der Güterverkehr auf dem Schmalspurgleis wurde zum 23. Dezember 1988 endgültig eingestellt, jedoch brachte Lok 14 am 30. Dezember nochmals zwei Züge mit Dünger nach Luçay-le-Mâle.Geoffrey Nickson, Eric Martin: Le chemin de fer du Blanc à Argent, S. 129 ff. Lediglich bei Argy wird ein Silo über das neue Regelspurgleis weiterhin bedient.

Eigentümer der Strecke ist der RFF, Betreiber die seit 1999 zu Keolis gehörende Compagnie du Blanc Argent. bei compagnieduba.fr, abgerufen am 17. November 2016 Jährlich werden 400.000 Reisende befördert.

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wurde 2010 auf der gesamten Strecke aus Sicherheitsgründen von 70 km/h auf 40 km/h herabgesetzt. 2011 wurde zwischen dem RFF und der Région Centre ein Programm mit einem Umfang von 13,6 Millionen Euro zur Modernisierung der Strecke vereinbart.Fahrplan während der Bauarbeiten auf ter-sncf.com (PDF; 211 kB) Die im April 2012 begonnenen Bauarbeiten wurden mittlerweile abgeschlossen, die Höchstgeschwindigkeit beträgt seit dem 7. Januar 2013 wieder 70 km/h.

Während der Bauarbeiten verkehrten die Züge vom Betriebsmittelpunkt Romorantin nach Valençay und Salbris, ein durchgehender Verkehr zwischen den Endpunkten existierte nicht. Seit 2015 laufen die Triebwagen wieder durchgehend zwischen Valençay und Salbris.

Wichtige Bahnhöfe mini|Stillgelegter Bahnhof Argent-sur-Sauldre – mittig die Umladerampe Regelspur / Schmalspur, hinter dem Lademaß das Empfangsgebäude Zur Zeit seiner längsten Ausdehnung hatte der B.A. sechs Verknüpfungspunkte mit dem Regelspurnetz der P.O., die zum Teil umfangreiche Gleisanlagen aufwiesen. In den Bahnhöfen Le Blanc, Buzançais, Gièvres, Romorantin, Salbris und Argent gab es gemeinsam genutzte Bahnsteige und Güteranlagen. Der Bahnhof Valençay war 32 Jahre lang ein Gemeinschaftsbahnhof mit der ebenfalls meterspurigen Kleinbahn Tramways de l’Indre, im Bahnhof Écueillé endete zwischen 1907 und 1949 eine von Ligueil kommende Meterspurbahn der Compagnie de chemins de fer départementaux (CFD).Vincent Lepais, Michel Jacobs, Jean-Louis Audigué: Le chemin de fer du Blanc à Argent, S. 31 ff.Atlas des lignes de chemins de fer disparues bei Archéologie ferroviaire, abgerufen am 20. Juli 2019

Argent-sur-Sauldre Argent-sur-Sauldre war nördlicher Endpunkt des B.A., der sich den Bahnhof mit der regelspurigen Strecke Orléans-Sully-sur-Loire–Bourges der P.O. sowie der meterspurigen Strecke Argent–La Guerche der Société générale des chemins de fer économiques (SE) teilte. Auf dem weitläufigen Gelände hatte der B.A. ein kleines Betriebswerk mit einem zweiständigen Lokomotivschuppen in Holzbauweise. Der Bahnhof wies einen Hausbahnsteig und drei Mittelbahnsteige auf, von denen die beiden dem Empfangsgebäude am nächsten gelegenen der Regelspur, die zwei westlich parallel dazu angelegten der Meterspur vorbehalten waren.Geoffrey Nickson, Eric Martin: Le chemin de fer du Blanc à Argent, S. 15. mini|Einst beiderseits durch Schutzweichen gesicherte Kreuzung beider Spurweiten nördlich des Bahnhofs Buzançais, hinter dem Bahnübergang begannen die Bahnhofsanlagen mini|Empfangsgebäude des Bahnhofs Écueillé Buzançais