mini|Werbeanzeige von 1894 mini|Buchtitel von 1713
Die Buchdruckerei Krabben in Koblenz am Mittelrhein war zugleich Verlagsbuchhandlung und Zeitungsverlag. Sie entstand Anfang des 18. Jahrhunderts aus der ehemaligen Ehrenbreitsteiner Hofbuchdruckerei Theodor Burggraf und existierte bis 1944.
Mitte des 18. Jahrhunderts führte die Witwe Christina Krabben das Unternehmen.
Christina Krabben Christina Krabben war vor etwa 250 Jahren – und damit auch für die gesamte Dynastie Krabben – eine solch außergewöhnliche Frau, dass sich bereits mehrere Autoren mit ihrem Leben und ihren beruflichen Tätigkeiten befassten. Trotzdem ist es offensichtlich bisher nicht gelungen, ihre Geburts- und Sterbedaten zu ermitteln. Nur dank der Kirchenbücher der Koblenzer Altstadtpfarrei Liebfrauen ist die Heirat einer Christina Krabben (geb. Frett) mit Peter Krabben am 7. Februar 1736 einwandfrei dokumentiert. Demnach hatte sie in eine seit 1704 in Koblenz nachweisbare Buchdrucker- und Verlegerdynastie eingeheiratet.
Geschichte Joannes Franciscus Krabben, Nachfahre einer aus Glaubensgründen zur Regierungszeit König Karls IX. (1604–1611) aus Schweden geflüchteten Familie, die sich im Raum Köln angesiedelt hatte, kam Ende des 17. Jahrhunderts nach Ehrenbreitstein bei Koblenz. Dort heiratete er am 22. Februar 1705 die Tochter Maria Catherina des Inhabers der Ehrenbreitsteiner Hofbuchdruckerei Theodor Burggraf. Dieser war – aus der Eifel stammend – auch erst seit 1669 Bürger der Stadt Koblenz und ist seit 1700 auch als Buchhändler nachweisbar. Im Haus Nr. 226 am Ehrenbreitsteiner Markt wurden Texte, Nachrichtenblätter und amtliche Dokumente für die kurfürstliche Residenz in der Ehrenbreitsteiner Philippsburg gedruckt und gehandelt. Außerdem erschienen religiöse Schriften.
Nach dem Tode seines Schwiegervaters Theodor Burggraf übernahm Joannes (Johannes) Franciscus (Franz) Krabben nicht nur die Buchdruckerei im rechtsrheinischen Ehrenbreitstein, sondern auch den inzwischen auf der anderen Rheinseite in der Stadt Koblenz am Plan (nahe der städtischen Wache) gelegenen Hauptsitz der Firma. Im Jahre 1716 wurde der neue Eigentümer Johannes (Johann) Franz Krabben sogar zum Typographus Serenissimi Electoris Trevirensis ernannt. 1730 wurde er kurfürstlicher Hofdrucker, starb allerdings schon im selben Jahr am 2. November.
Nach 1730 Nachfolger wurde der 32-jährige Sohn Peter Krabben, der mit der oben erwähnten Christina Krabben (geb. Frett) verheiratet war. Die Kinder des Paares waren Catharina Walburga (verheiratete Laymann; ihre Geschwister blieben unverheiratet), Gertrude Margarethe, Anna Christina, Johann Peter und Johann Balthasar. Drei Jahre nach dem frühen Tod ihres Ehemannes Peter 1754 erhielt dann die Witwe Christina Krabben am 20. September 1757– für eine Frau der damaligen Zeit völlig ungewöhnlich! – das Druckmonopol für den Großraum Koblenz (Untererzstift). Die Verleihungsurkunde stammte vom Kurfürsten und Erzbischof Johann Philipp von Waldersdorff (1701–1768). Von da an führte die Witwe Krabben das Unternehmen mit etwa 20 bis 30 Beschäftigten selbstständig. Als Hofbuchdruckerei wurde es sogar mit Urkunde vom 10. August 1771 erneut bestätigt. Im selben Jahr übernahmen nunmehr die schon als Drucker ausgebildeten Kinder Johann Balthasar und Catharina Walburga Krabben den Betrieb. Gedruckt und vertrieben wurden weiterhin Bücher, Hofkalender, amtliche Verordnungsblätter, Zeitschriften und Zeitungen. 1779 wurden Druckerei und Verlag dann vom bisherigen Gebäude Am Plan (nahe der Hauptwache) in das gegenüber neugebaute Maas’sche Haus am Plan Nr. 13 verlegt.
Weitere Entwicklung Im Jahre 1787 ging die Firma an Johann Balthasar Krabben (jüngerer Bruder des verstorbenen Peter) über. 1794 kam es zur Besetzung des Rheinlands durch französische Truppen mit gravierenden Auswirkungen auf alle Lebensbereiche: Durch die neue Gewerbefreiheit ging auch das Druckmonopol für die Krabben’sche Familie verloren. Trotzdem blieb die Druckerei weiterhin in der Familie.
1811 erhielt dann Gertrude Margarethe Krabben vom französischen Generaldirektor für Druckereien und Büchereien in Paris ein Brevet de tolerance au nom de l’empereur. Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts führte also die Familie Krabben, zum Beispiel die Geschwister Gertrude Margarethe und Anna Christina Krabben, das Verlagshaus. Somit war das Unternehmen Krabben mehr als 130 Jahre erfolgreich im Familienbesitz geblieben. Am 3. Juli 1829 wurde ein Enkel der Catharina Walburga Krabben (verheiratet mit dem kurfürstlichen Hofkämmerer Otto Laymann aus Koblenz), Caspar Doetsch (1805–1880), leitender Redakteur und Geschäftsführer: Seine Mutter Catharina Laymann hatte 1807 den Kärlicher Burghofmann und Schultheiß Johann Heinrich Doetsch (1777–1854) geheiratet.
Firmenübernahme Ein Jahr später übernahm Caspar Doetsch das gesamte Krabben’sche Unternehmen. Nach dem Tod von Caspar Doetsch führte 1880 sein Sohn Hermann (1847–1912) die Geschäfte fort. 1888 kaufte Doetsch, der auch Herausgeber der traditionsreichen nationalliberalen Coblenzer Zeitung war, ein Anzeigenblatt des Verlags Müller & Co. und entwickelte daraus den erfolgreichen und auflagenstarken Coblenzer General-Anzeiger. Diese Zeitung war das amtliche Anzeigenblatt für den Landkreis Koblenz und bot neben der regionalen Berichterstattung auch Informationen aus aller Welt. Das Blatt verfolgte das Konzept einer unparteiischen Zeitung. Am 31. Mai 1912 ging die Druckerei an die beiden Kinder Kaspar Doetsch und Louisa Aderholdt, geb. Doetsch, über. Sie gründeten die Firma Krabbensche Buchdruckerei, Geschwister Doetsch GmbH Coblenz. Durch den Erwerb von zwei weiteren Zeitungen wurde die Druckerei marktführend im Bereich Koblenz und überstand sowohl den Ersten Weltkrieg wie auch die Inflationszeit unbeschadet.
Erst 1923 unter der französischen Besatzungsmacht und der Separatistenregierung wurde die Verlagsarbeit erheblich eingeschränkt. Am 1. Februar 1923 erteilte die Besatzungsmacht der Druckerei ein dreitägiges Druckverbot für den General-Anzeiger, da sich die Redaktion geweigert hatte, Bekanntmachungen der Behörde zu veröffentlichen. Am 23. März wurde die Druckerei von den Franzosen beschlagnahmt und als Ersatzdruckort für die zum Teil von Schülern zerstörte Gutenberg-Druckerei verwendet. Jetzt wurden hier die Bekanntmachungen der Besatzungsbehörde und die Separatistenzeitungen gedruckt. Noch vor der Proklamation der unabhängigen Rheinischen Republik am 26. Oktober 1923 gelang es den Inhabern und Mitarbeitern, die Separatisten aus der Druckerei zu vertreiben und den General-Anzeiger neu aufzulegen. Allerdings hatte die Zeitung auch weiterhin unter den Repressalien der Besatzungsbehörde zu leiden. Nach dem Abzug der Besatzungstruppen am 30. November 1929 begannen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten neue Schwierigkeiten durch deren Gleichschaltungspolitik. 1944 wurde der General-Anzeiger dem Nationalblatt eingegliedert. Zuletzt firmierte das Unternehmen bis Mitte des 20. Jahrhunderts unter Druck und Verlag der Krabbenschen Buchdruckerei GmbH in Coblenz / Koblenz, bis es dann im Zweiten Weltkrieg bei Bombenangriffen im Jahre 1944 mit seinem letzten Firmensitz in der Koblenzer Rheinstraße 17 vollständig und endgültig zerstört wurde.
Insgesamt behielt das Unternehmen (mit Druckerei und Verlag) den Namen „Krabben“ über 250 Jahre lang und gehört damit zu den großen Druckern, Buchhändlern und Verlegern der Stadt Koblenz.
Druck- und Verlagserzeugnisse / Bücher und Schriften (Auswahl) 18. Jahrhundert mini|Buchtitel von 1758
Dero gesambten fünff Meillen umb Grenßhausen wohnenden Blau-Steinerne-Kannen und Krüg-Bäcker löbliche verfaste Zunfft-Ordnung, Coblentz: Krabben 1706 Krabben: Pax Perpetua Ex Virtutis Merito Inter Orbis Bella Cum Coelo Stabilata Conflventinae 1711 Caspar Adam Betz: Fasciculus Myrrhae Dilectus Trevirorum, Conflventiae: Krabben Caspar Adam Betz: Florilegium Mortis, Conflventiae: Krabben 1715 Churfürstlich-Trierische Scheffen-Gerichts-Verordnung, Coblentz: Krabben 1737 Johann Philipp (Trier, Kurfürst): Des Hochwürdigsten Fürsten und Herrn, Herrn Joannis Philippi, des Heiligen Römischen Reichs durch Gallien und das Königreich Arelaten Erz-Canzlern und [….] De 2. da Septembris 1758, Coblenz: Krabben Des Hochwürdigsten Fürsten und Herrn, Herrn Joannis Philippi, des Heiligen Römischen Reichs durch Gallien und das Königreich Arelaten Erz-Canzlern und Churfürsten, Administratorn zu Prüm &c. &c. Erklär- und Erläuterung der Churfürstlichen Hof-Gerichts-Ordnung, Puncto Remissionis Causarum Ad Instantias Priores: De 2.da Septembris 1758, 8 S. Coblenz, gedruckt bey der Wittib Petern Krabben, Hof-Buchdruckern. Ehrenbreitstein den 2.ten Septembris 1758. Coblenz Krabben 1758 Churfürstlich-Trierische Land-Ausschuss-Ordnung: samt darzu gehörigen Kriegs-Articulen / [Johann Philipp … Churfürst], Coblenz, Gedruckt bey der Wittib Petri Krabben, Churfl. Hof-Buchdruckerin. Anno 1765, Coblenz Krabben 1765 Anhang zur Churfürstlich-Trierischen Praeliminar-Ordnung De Anno 1719: Puncto Jurisdictionis Deren Geistlichen Consistorien / [Johann Philipp Churfürst], 8.S. Coblenz, gedruckt bey der Wittib Petri Krabben, Churfürstl. Hof-Buchdruckern. Anno 1765. Ehrenbreitstein den 10. Decembris 1765. Coblenz Krabben 1765 Coblentzer Wahlfahrt: worin alle Stationes von daraus nacher der Stadt Trier ordentlich bis zu S. Mathias angezeigt werden … / aufgerichtet von der Löblichen des H. Apostels Mathiae Bruderschafts-Vorsteheren, Brudermeisteren, und Beyständen, Coblenz: Krabben 1765 Churfürstlich-Gnädigstes Lands-Edict Die Wiederherstellung Deren Leinpfäden im Hohen Erzstift Trier betrefend, 8 S. Coblentz, gedruckt bey der Wittib Petri Krabben Hof-Buchdrudkerin. Ehrenbreitstein den 21. Mertz 1765. Coblenz Krabben 1765 Churfürstlich-Trierische Verordnung Die Gnädigste Abstellung des Accusations- und Einführung des Inquisitions-Processes betreffden.: vom 23. Februarii 1765 / [Johann Philipp Churfürst]BeteiligteJohann Philipp, 12 S. Coblentz, gedruckt bey der Wittib Kraben, Hof-Buchdruckerin. Coblenz Krabben 1765 Churfürstlich-Trierische Verordnung Den Silber-Handel und desselben Verarbeitung betreffend.: Vom 11. April 1765 / [Johann Philipp Churfürst], 8 S. Coblentz, gedruckt bey der Wittib Krabben, Hof-Buchdruckerin. Coblenz Krabben 1765 Anhang zur Churfürstlich-Trierischen Land-Ausschuß-Ordnung: Den 26. Martii 1767 / [Johann Philipp Churfürst], 12 S. Coblenz, gedruckt bey der Wittib Krabben, Hof-Buchdruckerin. Coblenz 1767, Coblenz Krabben 1767 Die heilige Helena an der Schedelstäte: ein geistliches Sing-Gespräch, welches auf gnädigsten Befehl des Höchwürdigsten, Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Clemens Wenceslaus … in der Churfürstlichen Hof-Capellen zu Ehrenbreitstein aufgeführet worden, 55 S. gedruckt bey Wittib Krabben in der Hofbuchdruckerey, Coblenz 1770, Krabben Weiß und Manier Wie die Bett-Stunden Sowohl in geschlossenen Kirchen zu Nachts, als in offenen Kirchen den Tag über Bey der ewigen Anbettung Des Unbefleckten Lamm Gottes Im Allerheiligsten Sacrament des Altars durch das ganze Hohe Erz-Stift auf das genaueste zu halten seynd / Aus Gnädigstem Befehl Des Hochwürdigsten Erz-Bischofen und Churfürsten Joannis Philippi, 48 S. Coblenz, gedruckt und zu finden bey J. F. Krabbischen Erben, Churfl. Hof-Buchdruckern 1772. Coblenz Krabben 1772 Kurze Anweisung Wie die Bett-Stunden bey Immerwährender Anbettung des allerheiligsten Altars-Sacraments Durch das ganze Hohe Erz-Stift Trier zu halten seyen, 24 S. Coblenz, gedruckt und zu finden bey J F Krabbischen Erben, Churfl. Hof-Buchdruckern. 1774. Des Hohen Erz-Stifts und Churfürstenthums Trier Hof-, Staats- und Stands-Kalender, Coblenz: Krabben, 1760–1789 (Serie) Ausweisung der in der Stadt Koblenz befindlichen Häuser: mit Beisetzung ihrer Nummern, Namen der Eigenthümer, der Bewohner, deren Gewerbe, Seelenzahl…, Koblenz: Krabben, 54 S., Ill.
19. Jahrhundert miniatur|Buchtitel von 1889