mini|Das Wappen der „Familie des fleischgewordenen Wortes“. Die Buchstaben stehen für „“ (‚Das Wort ist Fleisch geworden‘), ein Satz aus dem Prolog des Johannesevangeliums.

Das Institut des fleischgewordenen Wortes (spanisch: Instituto del Verbo Encarnado, Ordenskürzel: IVE) ist ein Institut des geweihten Lebens. Die Ordensgemeinschaft wurde 1984 in San Rafael (Argentinien) gegründet und ist der männliche Zweig in der Ordensfamilie des Fleischgewordenen Wortes. Zu dieser Ordensfamilie gehören als weiblicher Zweig die 1988 errichteten Dienerinnen des Herrn und der Jungfrau Maria von Matará (Servidoras del Señor y de la Virgen de Matará, SSVM) sowie ein Dritter Orden. Die Gemeinschaft befindet sich in einer schweren Krise, nachdem 2010 massive Missbräuche des Ordensgründers gegenüber Ordensmitgliedern aufgedeckt wurden.

Namensgebung, Ziele und Aufgaben Der Name der Gemeinschaft nimmt auf eine Stelle aus dem Prolog des Johannesevangeliums Bezug: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“ .Institut des fleischgewordenen Wortes. Profil der Gemeinschaft auf der Homepage des Bistums Eichstätt, abgerufen am 6. November 2020.

Der Orden verfolgt auf dieser Grundlage das Ziel, mit allen Kräften das Evangelium zu verkünden und damit in Einheit mit dem Magisterium der römisch-katholischen Kirche zum Werkzeug einer christlich begriffenen Inkarnation im Sinne der Inkulturation des Evangeliums zu werden. Zur Charakterisierung dieser Aufgabe verwendet die Gemeinschaft auch die Selbstbeschreibung „Institut zur Evangelisierung der Kultur“. Die Spiritualität wird auf Ignatius von Loyola zurückgeführt und ignatianische Exerzitien gehören nach eigenem Verständnis zum Fundament des Apostolats der IVE-Priester. Neben den üblichen Ordensgelübden legen Mitglieder auch ein besonderes marianisches Gelübde ab.

Die Gemeinschaft besitzt neben den in der Seelsorge und Mission tätigen Priestern auch einen kontemplativen Zweig aus Mitgliedern, die in Klöstern leben. Die Klöster sind intern eigenständig, unterstehen aber der Generalleitung des Ordens.Nuove, piccole e grandi realtà della Chiesa. Fides-Dossier (Presseorgan der Päpstlichen Missionswerke) vom 28. Juli 2007, S. 18.

Die übrigen Ordensangehörigen arbeiten in Pfarreien, Bildungszentren und Weiterbildungseinrichtungen. Sie lehren in Seminaren, arbeiten als Seelsorger an Wallfahrtskirchen oder in Missionsstationen, führen Exerzitien und Volksmissionen durch und betreuen Kinder und Jugendliche.

Geschichte Der männliche Zweig der Familie des fleischgewordenen Wortes besteht vorwiegend aus Ordenspriestern und wurde 1984 von dem aus Buenos Aires stammenden Diözesanpriester Carlos Miguel Buela (1941–2023) in Argentinien gegründet. 1987 wurde in Peru die erste Auslandsniederlassung errichtet. 1989 dehnte sich das Institut in die Vereinigten Staaten aus, wo sich einige Priester der Diözese Brooklyn der Neugründung anschlossen, die zu dieser Zeit noch keinen kirchlichen Rechtsstatus besaß. Im gleichen Jahr wurde ein Studienhaus in Rom gegründet, in dem die Mitglieder während ihrer Studienzeit an römischen Universitäten untergebracht sind. In den folgenden Jahren verzeichnete die Priestervereinigung ein starkes Wachstum, das allerdings auch von heftigen Konflikten und Widerständen seitens kirchlicher Behörden und Gemeinden überschattet war, in denen Priester des Werks tätig wurden. Die Konstitutionen wurden 1992 fertig gestellt. 1993 wurden Häuser in Russland, Jerusalem und Taiwan und 1994 in der Ukraine eröffnet. Bis 1994 übte der Gründer, der 1988 auch den weiblichen Zweig der Gemeinschaft gegründet hatte, die Führung des Instituts persönlich aus. 1997 errichtete Papst Johannes Paul II. für die Gemeinschaft die Apostolische Mission sui juris Tadschikistan, als deren Superior von 1997 bis 2013 Carlos Ávila amtierte.

In den Jahren 1995 bis 2001 zog der Vatikan nach internen Untersuchungen die Leitung der Gemeinschaft erstmals an sich. Nacheinander leiteten neben dem Generaloberen José Luis Solari (1994–2000) drei externe Priester als Päpstliche Delegaten das Institut: 1995–1998 José Antonio Rico OSB, 1998/1999 Aurelio Londoño CM und 1998–2001 Alfonso Delgado Evers, der damalige Bischof von Posadas (Argentinien). Im Gefolge der schweren Konflikte mit den argentinischen Ortsbischöfen sollte das Institut aufgelöst werden, verlegte jedoch nach Protesten der Mitglieder und Sympathisanten am 11. April 2001 seine Seminare und Leitungsstrukturen mit Duldung des Vatikans von San Rafael nach Segni in Italien, wo sich seither die Generalkurie des IVE befindet. Der fluchtartige Umzug wurde möglich, weil Buela im Vatikan hochrangige Unterstützer besaß und insbesondere von Kardinal Angelo Sodano protegiert wurde. Bei dem auf Anordnung des Vatikans im Mai 2001 in Segni durchgeführten Generalkapitel wurde Carlos Miguel Buela erneut zum Generaloberen gewählt, sodass die bisher gegen seine Leitung verhängten Maßnahmen gegenstandslos wurden; anschließend weihte der italienische Bischof von Velletri-Segni, Andrea Maria Erba, in einem überraschenden Handstreich am 9. August 2001 gegen den Willen der Mehrheit der argentinischen Bischöfe 49 IVE-Mitglieder in der Kathedrale von La Plata (Argentinien) zu Priestern. Am 8. Mai 2004 wurde das IVE als Kongregation bischöflichen Rechts vom Diözesanbischof von Velletri-Segni approbiert.Veronica Gimenez Beliveau: Comunidad, autoridad e institución en el catolicismo. Lógicas de construcción comunitaria en grupos tradicionalistas católicos en Argentina. In: Si Somos Americanos. Revista de Estudios Transfronterizos. Band 11 (2011), Nr. 2, S. 113–141, hier: S. 116. Das Mutterhaus (offizieller Gründungssitz) der Ordensgemeinschaft liegt seitdem in der Diözese Velletri-Segni in der Umgebung Roms.

In den USA wurde das Institut seit dessen Amtsantritt im Jahr 2001 von Kardinal Theodore McCarrick, dem Erzbischof von Washington, gefördert. Er unterstützte die Ordensleute vor allem finanziell und logistisch und reiste 2004 ebenfalls nach Argentinien, um IVE-Seminaristen zu Priestern zu weihen. Auch noch nach der Verurteilung des Ordensgründers Buela setzte sich McCarrick in Rom erfolglos dafür ein, das Institut als Kongregation päpstlichen Rechts anzuerkennen.Report on the Holy See’s institutional knowledge and decision-making related to former Cardinal Theodore Edgar McCarrick (1930 to 2017), Rom 2020, S. 200 f., S. 277 Anm. 910, S. 364. Zusammen mit Pater Buela konnte die Kongregation noch ihr 25-jähriges Gründungsjubiläum im Jahr 2009 begehen. Mitteilung der Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom vom 1. August 2009, abgerufen am 4. Dezember 2016.

Anfang 2010 wurde der Ordensgründer Carlos Miguel Buela nach vorausgegangenen internen Ermittlungen des Bischofs von San Rafael, Eduardo Maria Taussig, vom Vatikan wegen bestätigter Missbrauchsvorwürfe mit lebenslanger Wirkung abgesetzt und erhielt ein Kontaktverbot zu seinen Gemeinschaften.El caso Próvolo reavivó denuncia de abuso en el sur, in: Los Andes vom 2. Dezember 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016. Er wurde zum Aufenthalt in dem französischen Kloster La Pierre-Qui-Vire verurteilt. Da Verdunklungsgefahr bestand und sich das IVE nicht an die (intern geheim gehaltene)Das päpstliche Dekret vom 22. Januar 2010 wurde in der Öffentlichkeit erst im November 2015 durch Veröffentlichung auf Blogs von Ex-Mitgliedern bekannt. Kontaktsperre hielt und dem Gründer weiterhin Zutritt zu seinen Niederlassungen gestattete, wurde das Institut am 16. Dezember 2015 auf Weisung der Ordenskongregation neuerlich unter Aufsicht gestellt. Die Leitung übten seitdem die Visitatoren Vito Angelo Todisco, ein Beamter der päpstlichen Rota, und der Dominikaner Philippe Toxé aus. Dem VII. Generalkapitel im Juli 2016, das die Maßnahmen gegen die frühere Ordensleitung bestätigte, saß Kurienkardinal Francesco Coccopalmerio vor. Zum neuen Generaloberen wurde der Argentinier Gustavo Nieto gewählt; der bis 2015 amtierende Generalobere Carlos Walker wurde auf eigenen Wunsch nach Taiwan versetzt.Cambia la dirección del IVE y se confirma la condena al P. Buela por abusos. Bericht auf InfoCatólica vom 5. August 2016 (spanisch), abgerufen am 7. August 2016.IVE General Chapter – The Election of New Authorities. Mitteilung auf dem Ordensblog vom 14. Juli 2016 (englisch), abgerufen am 7. August 2016.

Buela selbst wurde wegen psychologischen Missbrauchs Abhängiger, finanzieller Unregelmäßigkeiten und massiver, jahrzehntelang wiederholter sexueller Übergriffe gegenüber (volljährigen) Ordensangehörigen kirchlich verurteilt und 2013 vom Priesteramt suspendiert. Ende November 2016 gelangten die Missbrauchsvorwürfe gegen Buela und andere IVE-Angehörige erneut in die öffentliche Berichterstattung, nachdem in Argentinien ein anderer Missbrauchsfall Aufsehen erregt hatte, der aber nichts mit dem IVE zu tun hat. Daraufhin wandten sich eine Anzahl ehemaliger argentinischer IVE-Seminaristen aus dem Stammhaus des Ordens in San Rafael (Argentinien), die nach ihren Angaben von Priestern des Instituts missbraucht worden waren, mit Einzelheiten ihrer Erlebnisse an die Öffentlichkeit. Unter den früheren Opfern sollen sich den Berichten zufolge auch minderjährige Seminaristen befunden haben. Zugleich wurde bekannt, dass der selbst aus Argentinien stammende Papst Franziskus die Maßnahmen gegen den Ordensgründer 2013 bestätigt und seinen Zwangsaufenthalt in dem Kloster San Isidro de Dueñas bei Palencia in Spanien angeordnet hatte, das er ohne kirchliche Erlaubnis nicht verlassen darf, was er in der Vergangenheit allerdings dennoch tat. Bereits 2016 lebte er in einem Kloster im Erzbistum Genua. Ebenfalls bekannt wurde, dass von den 450 in der Ordensgemeinschaft seit den 1980er Jahren geweihten Priestern etwa die Hälfte das Ordensinstitut später wieder verließen, worunter sich zahlreiche Opfer von Übergriffen Buelas und anderer von der Ordensleitung gedeckter Täter im Institut befinden sollen., in: Diario de Mendoza vom 30. November 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016; Los abusos del fundador del Instituto del Verbo Encarnado, in: Religión Digital, Madrid (Spanien); , in: Diario Vox, Mendoza (Argentinien); El Obispado mendocino admitió antiguos casos de manipulación y abusos sexuales en el instituto Verbo Encarnado, in: télam, Mendoza (Argentinien); alle vom 1. Dezember 2016, alle abgerufen am 6. Dezember 2016 (alle spanisch).

mini|Screenshot der englischen Wikipediaseite aus April 2019 mit dem Bild des Ordensgründers Mit dem Wechsel der Generalleitung mussten auf Anweisung des Vatikans auch sämtliche Provinzobere ersetzt werden, und die bisherigen Amtsinhaber durften nicht wiedergewählt werden. Bereits 2013 war auch der langjährige Superior von Tadschikistan vom Papst ausgetauscht und durch Pedro Ramiro López ersetzt worden, einen anderen IVE-Priester. Die Mission liegt aber weiterhin in den Händen des Ordens. Im Sommer 2016 wurde zeitgleich mit dem Austausch der männlichen Ordensleitung auch die Leitung des weiblichen Zweiges der Gemeinschaft, die 18 Jahre lang in den Händen einer engen Vertrauten des Gründers gelegen hatte, auf einem außerordentlichen Generalkapitel neu gewählt.Madre Anima Christi – Superiora General. Mitteilung auf der Webseite der weiblichen Kongregation, abgerufen am 7. August 2016 (spanisch).M. Anima Christi kijkt ‘met dankbaarheid’ terug op tijd als overste Blauwe Zusters. Meldung im Katholiek Nieuwsblad vom 4. Juli 2016 (niederländisch), abgerufen am 7. August 2016.