mini|Ida Tarbell nach dem College 1880

Ida Minerva Tarbell (* 5. November 1857 in Hatch Hollow in Erie County, Pennsylvania; † 6. Januar 1944 in Bridgeport, Connecticut) war eine US-amerikanische Schriftstellerin und als Journalistin eine Vorreiterin des investigativen Journalismus (Muckraker). Sie wurde insbesondere durch eine 1902 bis 1904 in McClure’s Magazine erschienene Artikelserie über das Geschäftsgebaren von John D. Rockefellers monopolistischer Standard Oil Company bekannt. Tarbells Enthüllungen führten schließlich zur Zerschlagung des Ölkonzerns.

Leben und publizistische Stationen Jugend und Ausbildung mini|So ähnlich lebte auch die Familie Tarbell in Rouseville.

Ida Minerva Tarbell, das erste Kind von Franklin Sumner und Esther Ann (geb. McCullough) Tarbell, wurde im Blockhaus ihres Großvaters, Walter Raleigh McCullough, geboren, einer Farm in Hatch Hollow, bei Wattsburg im Nordwesten von Pennsylvania. Ihre Mutter war vor der Ehe Lehrerin. Ihr Vater wollte für seine Familie Farmland in Iowa erwerben, musste jedoch seine Pläne aufgrund der Panik von 1857 in New YorkThe Panic of 1857 und der nachfolgenden Wirtschaftskrise aufgeben.

Am 27. August 1859 entdeckte Edwin Drake eine Ölquelle im nahe gelegenen Oil Creek, Titusville. Bald setzte ein Run auf die Ölfelder ein. Auch ihr Vater sah seine Chance als Zimmermann und Schreiner in dieser neuen Industrie und so zogen sie 1860 nach Rouseville, wo er hölzerne Tanks für die Lagerung des gewonnenen Öls herstellte. Die Mutter sorgte dafür, dass Ida Tarbell die Schule von Mrs. Rice besuchte und half bei den Hausaufgaben. Ihre Kindheit dort zwischen den Bohrtürmen beschrieb sie 1934 in ihrem Buch Pioneer Women of the Oil Industry. 1865 verlagerte Ida Tarbells Vater sein Geschäft nach Pithole City und sie hatte drei jüngere Geschwister bekommen. 1870 bezog die Familie ein neues Haus in Titusville. (PDF; 320 kB) History der Oil Region Alliance

Die meisten Leute jener Zeit waren der Meinung, dass es genüge, wenn Frauen lesen und schreiben können. Eine weiterführende Schule erschien als Geldverschwendung. Ida Tarbells Eltern sahen das nicht so und abonnierten sogar Harper’s Monthly,Harper’s New Monthly Magazine ein Literatur-Magazin, das Schriftsteller veröffentlichte. So lernte sie hierdurch die Werke z. B. von Dickens, Thackeray, Marian Evans und George Elliot kennen. Sie interessierte sich für die Natur und wollte Biologin werden. 1872 las sie das populär-wissenschaftliche Magazin Popular Science Monthly.Popular Science Monthly. In: Encyclopædia Britannica Online

1876 Ida Tarbell graduierte als Klassenbeste an der Titusville High School und begann im Herbst ihr Studium – als einzige Studentin - am Allegheny College in Meadville, PA, ca. 30 Meilen entfernt von Titusville, und graduierte 1880 in Biologie. Die folgenden zwei Jahre unterrichtete sie am Poland Union Seminary in Mahoning County, Ohio, für ein Jahresgehalt von 500 $.Tarbell: All in The Day’s Work. S. 48 ff. Sie machte die Erfahrung, dass der Beruf einer Lehrerin nicht ihr Lebensziel war. Im Juni 1882 kehrte sie in ihr Turmzimmer in Titusville zurück.

The Chautauquan 1882–1891 Im Herbst lernte Ida Tarbell im Haus ihrer Eltern Theodore L. Flood kennen,The Rev. Theodore L. Flood. The New York Times, June 27, 1915. einen Pastor im Ruhestand, der in Meadville, wo sie das College besucht hatte, das monatliche Magazin The Chautauquan herausgab und ihr eine Stelle anbot.The Chatauquan April 1897–September 1897. Volume XXV – New Series Volume XVL Ida Tarbell sollte Hintergrundinformationen zu Personen und Orten erstellen sowie Aussprachehinweise geben. Der Drucker, Adrian Coy, machte sie auf die Notwendigkeit ordentlicher Vorlagen aufmerksam und auf die Bedeutung von Anzeigen für das Blatt. Dr. Herbert B. Adams und Dr. Richard T. Ely von der Johns Hopkins University lernte sie während des Sommercamps kennen, als sie für die Herausgabe des Daily Herald zuständig war. Nachdem sie in der Chautauqua-Bewegung für Erwachsenenbildung aufgewachsen war, arbeitete sie zunächst mit Begeisterung für die Zeitung, doch bald wurde ihr die Arbeit unerträglich und sie verließ die Zeitung mit dem Plan, nach Paris zu gehen, um mehr über das Leben von Madame Roland zu erfahren, einer Person, die ihr Interesse geweckt hatte.Ida Tarbell and “The Business of Being a Woman” In den sieben Jahren beim The Chautauquan hatte sie drei wesentliche journalistische Eigenschaften gelernt: Ausgewogene Berichterstattung erfordert die Darstellung aller Seiten eines Problems. Die Informationen müssen klar und vollständig erklärt werden. Nur exakte Berichte geben dem Leser das Vertrauen in eine Publikation.

In Paris 1891–1894 Ida Tarbell sehnte sich nach einer neuen Herausforderung. Sie wollte mehr erfahren über die Frauen, die während der Französischen Revolution gelebt hatten. Josephine Henderson, eine Studienfreundin vom Alleghy College und Mary Handerson aus der Nachbarschaft wollten sie nach Paris begleiten – am Schiff schloss sich dann noch deren Freundin an, so dass sie bei der Abreise 1891 zu viert waren. Zur Vorbereitung ihrer Reise nahm sie beim einzigen Franzosen in Titusville, Monsieur Claude, einen Färber, Unterricht in Konversation, und las mit ihm France Adorée von Pierre-Jean de Béranger. Sie fanden Zimmer in einer Pension in der Nähe des Musée Cluny.All in a day’s work. S. 90. Die Winter 1891 und 1892 waren besonders kalt, und Ida Tarbell war froh, dass die Museen, Büchereien und Vorlesungsräume geheizt waren. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie durch Artikel, die sie einem Verbund von sechs Zeitungen anbieten konnte, bis ihre Beiträge dann 1892 der Politik Platz machen mussten.All in a day’s work. S. 97. In Erinnerung an Monsieur Claude verfasste sie einen Artikel über Béranger und schickte ihn als „Versuchsballon“ an Scribner’s Magazine. Die Freude war riesig, als ein Scheck über $100 eintraf.France Adoree Scribners, May 1892. Als Mr. Burlingame von Scribner’s im Frühjahr sich mit Ida Tarbell traf, trug sie ihm ihre Ideen zu Madame Roland vor. Er zeigte sich nicht abgeneigt, meinte aber, dass das in New York besprochen werden müsse.All in a day’s work. S. 99. Im November 1893 wurde ihr Artikel gedruckt.Madame Roland Scribners, November 1893. Besonders erfreut war sie, dass auch Harper’s Bazaar ihre Artikel kaufte. Eine Mitarbeiterin der Revue des Deux Mondes machte Ida Tarbell mit den Schriftstellerinnen in Paris bekannt. Sie war geschockt von Madame Dieulafoy, die Hosen trug, und freundete sich mit Judith Gautier an. Während der Sommermonate waren auch Amerikaner in Paris, so Dr. John Vincent und Charles D. Hazen von der Johns Hopkins University und Fred Parker Emery vom MIT in Boston. Diese luden die jungen Frauen an den Wochenenden ein zu Ausflügen nach den Schlössern von Versailles und Fontainebleau sowie der Kathedrale von Chartres und von Reims.All in a day’s work. S. 114–115. Im Juni 1892 erfuhr Ida Tarbell über Bekannte von Überflutungen und Feuer in Titusville,Gettysburg Compiler vom 14. Juni 1892. doch ein Telegramm ihres Bruders mit dem einzigen Wort „Safe“ (sicher) beruhigte sie.All in a day’s work. S. 118.

In ihrem letzten Jahr hörte sie einige Vorlesungen an der Sorbonne und am Collège de France. Samuel McClure, der 1884 das McClure’s Magazine gegründet hatte, war beeindruckt von ihren Beiträgen aus Paris und bei einem persönlichen Zusammentreffen in Paris bot er Ida Tarbell eine Stelle bei ihrer Rückkehr an. Er machte deutlich, dass seine Zeitschrift an Beiträgen über Wissenschaft, Erfindungen und Abenteuer interessiert sei. Sie wusste, dass Jules Janssen ein Observatorium auf dem Mont Blanc baute und dass Alphonse Bertillon sich mit einem neuen System zur Identifizierung von Kriminellen beschäftigte, aber sie gestand sich ein, dass sie Schwierigkeiten hatte, die Fachausdrücke zu verstehen. Schließlich schrieb sie doch über sein Labor.A Chemical Detective Bureau: The Paris Municipal Laboratory and What It Does for the Public Health. In: McClure’s. Juli 1894. Besondere Freude machte ihr ein Interview mit Louis Pasteur und sie überbrachte ihm später die Veröffentlichung im McClure’s Magazine vom September 1893.Pasteur at home. In: McClure’s. September 1893. mini|Portrait-Aufnahme um 1904 in Boston

Auf den Spuren von Madame Roland Die Freundinnen waren abgereist und nun wandelte Ida Tarbell auf den Spuren von Madame Roland. Madame Marillier, eine Ur-Enkelin von Mme Roland, empfing Ida Tarbell warmherzig und lud sie zu ihrer Soirée am Mittwochabend ein. Hier lernte sie Schriftsteller und Politiker kennen, und sie genoss die Abende sehr. In der Bibliothèque nationale de France erhielt sie Zugang zu den Papieren von Mme Roland, die gerade erst katalogisiert waren, und studierte eifrig in diesen Unterlagen. Im Frühjahr 1893 lud Madame Marillier Ida Tarbell ein, sie bei ihrer 14-tägigen Reise auf ihr Weingut «Le Clos» bei Theize Cartes Postales 1900. zu begleiten, auf dem ihre Heldin gelebt hatte. Sie fuhren mit dem Zug bis Villefranche-sur-Saône und per Pferdekutsche weiter nach Le Clos. Während Marillier ihren Geschäften nachging und Freunde aufsuchte, durchstöberte Ida Tarbell die Bibliothek.All in a day’s work. S. 136 ff.

Zurück in Paris erreichte auch Ida Tarbell die Wirtschaftskrise. Aus Amerika kamen keine Schecks mehr und ihr Geld ging zur Neige. Sie mochte niemand um Hilfe bitten – schon gar nicht Mme. Marillier – so dass sie sich im Sommer 1893 gezwungen sah, ihren Pelzmantel ins Pfandhaus zu bringen.All in a day’s work. S. 141. Mme Marillier reiste nach England und bat sie mitzukommen. Ida Tarbell blieb jedoch in Paris und arbeitete standhaft an ihrem Buch.

1894 kehrte sie nach Pennsylvania zu ihrer Familie zurück. Für das Chatauquan Magazine schrieb sie einen Artikel über The Principles and Pastimes of the French Salon (Prinzipien und Zeitvertreib des Französischen Salons), der im Februar 1894 erschien. Sie beendete ihr Buch über Madame Roland, das Scribner 1896 veröffentlichte.Madame Roland. A Biographical Study. Charles Scribner’s Sons, New York 1896.

McClure’s Magazine in New York 1894–1906 Als Ida Tarbell Ende des Jahres als Mitarbeiterin des McClure’s Magazine nach New York ging, mit einem Gehalt von 40 $ in der Woche, war dort gerade das Interesse an Napoleon groß. Gardiner Greene Hubbard, der Schwiegervater von Alexander Graham Bell, war ein glühender Verehrer von Napoleon und hatte eine beachtliche Sammlung von Bildern zusammengetragen und diese McClure zur Veröffentlichung angeboten.Gardiner Greene Hubbard Collection in der Library of Congress Sam McClure hatte aus England einen Artikel von Robert Sherard, einem Ur-Enkel von William Wordsworth mitgebracht, den Hubbard jedoch als „zu geringschätzig“ ablehnte. Nun beauftragte er Ida Tarbell mit dieser Aufgabe, die das Angebot von Samuel McClure freudig annahm und eine erneute Reise nach Paris erhoffte. Doch zuerst musste sie in Hubbards Sommersitz „Twin Oaks“ in Chevy Chasesie Hubbards Sammlung sichten und stellte dort fest, dass Hubbard die neuesten Bücher besaß und in Washington sowohl die Korrespondenz des Außenministeriums mit der Regierung als auch sämtliche Ausgaben der Zeitungen vorhanden waren. So musste sie ihren geheimen Wunsch nach der Paris-Reise aufgeben und sich stattdessen in der Congressional Library einrichten. Nach sechs Wochen Arbeit hatte sie ihren Entwurf fertig, der auch Hubbard sowie Charles Joseph Bonaparte gefiel, dem Enkel von Jérôme Bonaparte. Ida Tarbell meinte bescheiden, sie habe nur den Text geliefert, der die Bilder umrahmt.All in a day’s work. S. 150 ff. Die Auflage des McClure’s Magazine erhöhte sich auf 80.000 Exemplare nach der Publikation und McClure forderte Ida Tarbell zum Bleiben auf.McClure’s Januar 1905 Ida Tarbell gefiel die Atmosphäre dort und John S. Philips, der Herausgeber der Zeitschrift, wurde bald ein guter Freund und Helfer.