Die IDT Biologika GmbH ist ein deutsches Unternehmen der Biopharmazie mit Sitz in Dessau-Roßlau. Das Unternehmen ist ein Auftragshersteller (CDMO) bei der Entwicklung und Produktion von Virusimpfstoffen, Gen- und Immuntherapeutika und der Abfüllung steriler Injektabilia.

IDT Biologika gehört mehrheitlich zur koreanischen SK Bioscience. Die Klocke-Gruppe hält eine Minderheitsbeteiligung.

Standorte

Dessau-Roßlau, Deutschland Hauptsitz des Unternehmens ist der BioPharmaPark in Dessau-Roßlau. Als ein Full-Service-Provider, wird die gesamte Wertschöpfungskette von der Auftragsentwicklung über die klinischen Phasen I bis III bis hin zur kommerziellen Produktion von Impfstoffen, Gen- und Immuntherapeutika und Biologika einschließlich Qualitätskontrolle, Verpackung und Lagerung abgedeckt. Das Unternehmen zählt zu einem der größten Arbeitgeber der Region und bildet in verschiedenen Berufen und dualen Studiengängen aus. mini|zentriert|Zufahrtsstraße in Tornau

Magdeburg, Deutschland Am Standort in Magdeburg sind ca. 30 Mitarbeiter tätig. Der Entwicklungsstandort befasst sich mit der Entwicklung von Herstellprozessen für Humanimpfstoffe.

Geschäftsbereiche 2020 beschäftigte das Unternehmen rund 1500 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 213 Mio. Euro. Bis zu 20 Prozent des Jahresumsatzes investiert das Unternehmen jährlich in Forschung und Entwicklung eigener Produkte. IDT Biologika ist in den Geschäftsfeldern Virusimpfstoffe, Gen- und Immuntherapeutika und Abfüllung und Verpackung von Biologika aktiv.

Im Bereich Virusimpfstoffe beschäftigt sich die IDT mit der Auftragsentwicklung und kommerziellen Produktion von Impfstoffen gegen Pocken, Schweinegrippe, Ebolafieber, Chikungunya, AIDS, Dengue-Fieber, Malaria, Lassafieber, Middle East Respiratory Syndrome (MERS) und SARS-CoV 2. Bei Gen- und Immuntherapeutika werden Herstellung onkolytischer Viren sowie Gen- und Immuntherapeutika im Kampf gegen Krebs, Stoffwechsel-, neurologische und andere genetisch bedingte Erkrankungen entwickelt und produziert. Angeboten wird das komplette Leistungsspektrum (End-to-End-Leistungen).

Das Unternehmen ist mehrfach erfolgreich von der Food and Drug Administration (FDA), der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sowie der brasilianischen ANVISA inspiziert worden.

Öffentliche Wahrnehmung

Engagement im kulturellen und sozialen Bereich Das Unternehmen unterstützt kulturelle Einrichtungen und engagiert sich in sozialen regionalen Projekten und Aktionen wie z. B. der NOVENTI Initiative gegen Corona. Auch Jugend-, Kinder- und Sportförderung stellen einen Teil des sozialen Engagements dar. Darüber hinaus fördert das Unternehmen aktiv den Transfer innovativer Produktideen, ist Preisstifterin des IQ Innovationspreises Mitteldeutschlands und ist Mitglied der VfA sowie der Vereinigung Vaccines Europe.

PMSG IDT Biologika importiert das Hormon PMSG, welches aus dem Blut trächtiger Stuten gewonnen wird. 2015 deckte die Animal Welfare Foundation auf, dass auf Blutfarmen in Uruguay und Argentinien der Tierschutz massiv verletzt wird. Drei Jahre darauf, 2018, entschied IDT Biologika PMSG nur noch aus europäischen Quellen zu beziehen.

Geschichte Vorgeschichte: Bakteriologisches, Serum- und Hygienisches Institut in Dessau Am 1. Juli 1921 fand die Gründung des Bakteriologischen Instituts der Anhaltischen Kreise in Dessau durch Friedrich Richter statt. Das Institut widmete sich unter anderem der Aufdeckung und Diagnostik von Tuberkulose bei Mensch und Tier. Am 1. April 1924 übernahm Ludwig Wolters die Leitung des Instituts. Das Institut entwickelte sich bis 1945 zu einem Zentrum des Gesundheitsschutzes. Erste Anfänge der Herstellung von Impfstoffen, Seren und Schädlingsbekämpfungsmitteln wurden gemacht. Die Herstellung von Immunsera gegen das Erysipeloid begann. Das Anhaltische Serum-Institut GmbH Dessau (ASID) wurde am 31. Mai 1930 unter Leitung von Wolters und Herbert Hoffmann neu gegründet. Neben der Erzeugung von Seren und Impfstoffen zur Bekämpfung von Tierkrankheiten umfasste das Leistungsspektrum auch die bakterielle Schädlingsbekämpfung sowie die der Erforschung und Bekämpfung des Schafrauschbrandes. Das Hygienische Institut wurde am 3. November 1933 in eine öffentlich-rechtliche Körperschaft umgewandelt. Das Institut war nunmehr dem Anhaltischen Staatsministerium unterstellt. Ihm oblagen jetzt die reichs- und landesgesetzlichen Hoheitsaufgaben der öffentlichen Gesundheitspflege und der Sicherung der Tierbestände. Die Gesellschaft erhielt am 9. April 1947 den Status eines wissenschaftlichen Forschungsinstituts.

Geschichte während der DDR: VEB Kombinat Veterinärimpfstoffe Dessau Das Institut wurde am 1. Januar 1951 in VEB Serum-Werk Dessau umbenannt und galt in der DDR als wichtiger Betrieb der Impfstoff- und Arzneimittelbereitstellung für Veterinär- und Humanimpfstoffe. Das Serum-Werk Dessau wurde am 1. Juli 1953 nach einem Beschluss des Ministerrats der DDR (1950–1954) direkt dem Ministerium für Land- und Forstwirtschaft zugeordnet.

Aus dem produktionsorientierten VEB Serum Werk Dessau wurde am 1. Januar 1954 das wissenschaftlich orientierte Forschungsinstitut für Impfstoffe Dessau. Das Institut erhielt den Auftrag, für alle bedeutenden tierischen Infektionskrankheiten Impfstoffe für die DDR – und auch für den Export – bereitzustellen. Im Bereich der Humanmedizin wurden Präparate neu bzw. weiterentwickelt, z. B. Tuberkulin und Seren gegen Tetanus und Diphtherie.

Neuer Institutsdirektor wurde am 23. Januar 1973 Wilfried Heinicke, vormaliger Leiter der Abteilung Veterinärwesen im Ministerium für Land, Forst und Nahrungsgüterwirtschaft. Während das Forschungsinstitut für Impfstoffe sich in den Jahren von 1954 bis 1973 vorwiegend der anwendungsorientierten Grundlagenforschung sowie der Entwicklung von Impfstoffen, Seren und Diagnostika für Veterinär- und Humanmedizin widmete, wurde nun in die Erforschung der immunologischen Grundlagen bakteriell bedingter Tierkrankheiten, die angewandte Impfstoffforschung und auch die Forschung zur Technologie der Impfstoffproduktion intensiviert. 1985 hatte das Institut für Impfstoffe Dessau annähernd 1.500 Beschäftigte.

Das VEB Kombinat Veterinärimpfstoffe Dessau wurde am 1. Januar 1985 gegründet und war unmittelbar dem DDR-Landwirtschaftsministerium unterstellt. Das Kombinat setzte sich aus drei Einrichtungen zusammen: dem Impfstoffwerk Dessau-Tornau mit seinem als Forschungszentrum in den Stammbetrieb integrierten Institut für Impfstoffe Dessau sowie dem sich im Bau befindlichen Tornauer Werk; dem VEB Friedrich-Loeffler-Institut Insel Riems, einem Kombinatsbetrieb mit schwerpunktmäßiger Produktion von Impfstoffen gegen Viruserkrankungen von Tieren – und dem volkseigenen Gut Seehausen/Plaußig. Das Dessauer Institut für Impfstoffe beschäftigte sich ab 1988 im Rahmen eines Entwicklungsprogramms schwerpunktmäßig mit veterinärmedizinischen Diagnostika und bereitete die industriemäßige Diagnostika-Produktion vor. Auch die Entwicklung von Virus-Impfstoffen wurde weiter vorangetrieben. Auf der Agenda standen beispielsweise Lebendimpfstoffe gegen Entenpest und Gänseinfluenza oder Impfstoffe gegen Virusinfektionen von Pelztieren, Caniden und Feliden. Als Eigenentwicklung wurde ein Tollwut-Lebendimpfstoff zur Zulassung gebracht.

Auf Beschluss des Ministerrates der DDR begann am 1. Mai 1990 die Auflösung bzw. Entflechtung des Kombinats Veterinärimpfstoffe Dessau. In deren Konsequenz wurden das Impfstoffwerk Dessau und die anderen beiden Kombinatsbetriebe, der VEB Friedrich-Loeffler-Institut Insel Riems und das VEG Seehausen-Plaußig, zum 1. Mai 1990 wieder der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften Berlin unterstellt und später in die Forschungslandschaft der Bundesrepublik überführt.

Umfirmierung und Privatisierung: Impfstoffwerk Dessau-Tornau GmbH Am 24. Juli 1990 wurde das Impfstoffwerk Dessau-Tornau als „GmbH im Aufbau“ ins Handelsregister eingetragen. Als Geschäftsführer des ab Oktober 1990 als „Impfstoffwerk Dessau-Tornau GmbH“ firmierenden Unternehmens bestätigte die Treuhandanstalt Heinz Hofmann. Die etwa zeitgleich mit der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 1. Juli 1990 einsetzende erste Entlassungswelle betraf etwa 800 Mitarbeiter, nach weiteren Massenentlassungen verblieben nur noch ca. 125 Mitarbeiter im Unternehmen. Hartmut Klocke stellte aufgrund der Zusammenarbeit im Juni 1992 den Kaufantrag bei der Treuhandanstalt Halle für das Impfstoffwerk Dessau-Tornau. Am 1. März 1993 wurde die Impfstoffwerk Dessau-Tornau GmbH als bis dahin wirtschaftlich nicht selbstständiger Teil der Impfstoffwerk Dessau-Tornau Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft mbH privatisiert.

Mit 16 bundesweiten Zulassungen und 12 Zulassungsverfahren wurde 1994, als im Unternehmen wieder 172 Mitarbeiter beschäftigt waren, mit einem eigenen Außendienst die Erschließung des westdeutschen Marktes begonnen. Produziert wurden vor allem Rabifox, Salmonella-Impfstoffe, Hormon- und Serumpräparate sowie Pilzimpfstoffe. Weitere vier Zulassungen erhöhten 1997 die Zahl der zugelassene Biologika auf 29. Die Nischenstrategie mit dem Fokus auf Zytostatika, Betäubungsmittel und Röntgenkontrastmittel sowie Glasfertigspritzen, Zitzenapplikatoren und Technik für lyophilisierte Ampullen erhöhte den Umsatz im Jahr 1997 auf DM 41 Mio. Mit der Fertigstellung und der Inbetriebnahme des neuen Impfstoffwerkes („IDT 2000“) wurde die Basis für die Herstellung eigener Impfstoffe und die Auftragsfertigung für Dritte gelegt. Zur Jahrtausendwende arbeiteten nun wieder 249 Mitarbeiter in Dessau-Tornau. Erfolgreich verlief die Implementierung eines großtechnischen Herstellungsverfahrens für Pocken-Lebendimpfstoffe. Eine geheime US-Depesche sah die Pockenimpfstoffe als Grund dafür, dass IDT Biologika für die USA als essentielle Einrichtung gilt.WikiLeaks

Investitionen und Erwerbungen Ab dem Jahr 2004 wurden Investitionen in den Neubau des Laborgebäudes für Forschung und Entwicklung, in ein Lager mit barcodegestütztem Lagerverwaltungssystem und in eine neue Gefriertrocknungsanlage getätigt.Neuer Forschungskomplex eingeweiht. Website der IDT Biologika. Abgerufen am 1. Juni 2015.Neubau Lager- und Konfektionierung. Website der IDT Biologika. Abgerufen am 1. Juni 2015. 2005 begann der Neubau der Virusproduktion, 2006 wurde die Impfstoffproduktion erweitert und eine Konfektionierungslinie für Pockenverpackungen in Betrieb genommen.. Website der IDT Biologika Tiergesundheit. Abgerufen am 1. Juni 2015. Der Firmenname wurde im Oktober 2007 geändert. Aus der Impfstoffwerk Dessau-Tornau GmbH wurde die IDT Biologika GmbH.IDT zwischen Gestern und Heute. Website der IDT Biologika. Abgerufen am 1. Juni 2015. 2010 erfolgte die Markteinführung eines Schweineinfluenza-Tierimpfstoffes mit allen drei aktuellen Subtypen.Dreifach-Impfstoff gegen Influenza. Website von top agrar online. Abgerufen am 1. Juni 2015.

mini|Abfüllung, Gebäude 202 Den Ausbau des Standorts in Dessau setzte die IDT mit einem neuen Gebäude für Impfstofffertigung fort, das 2013 feierlich eingeweiht wurde.Pharmahersteller erweitert Anlagen. Website der Volksstimme. Abgerufen am 1. Juni 2015. Zusätzlich wurde die Infrastruktur um ein neues Lager, ein Abfallerfassungszentrum und ein Blockheizkraftwerk erweitert.IDT Biologika nimmt neues Blockheizkraftwerk in Betrieb. Website der Mitteldeutschen Zeitung vom 18. Juli 2014. Abgerufen am 1. Juli 2021.