Der Boeing CH-47 Chinook ist ein zweimotoriger Transporthubschrauber ( für , CH) mit Tandem-Rotoranordnung. Die gegenläufigen Rotoren machen einen vertikalen Rotor am Heck unnötig, so dass die gesamte Triebwerksleistung zum Erzeugen von Auftrieb und Vortrieb genutzt werden kann. Zu den hauptsächlich geflogenen Einsätzen gehört der Transport von Soldaten, Fahrzeugen, Geschützen und anderem Material. Der Chinook wurde an 20 Staaten verkauft, darunter an sieben NATO-Staaten (Großbritannien, Deutschland, Griechenland, Kanada, Italien, Spanien und die Niederlande). Das US-Heer und die japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte haben die größten CH-47-Bestände. Weitere Kunden sind unter anderem Ägypten und Thailand.
Der CH-47 Chinook wird der neue schwere Transporthubschrauber der Luftwaffe. Dafür wird der Fliegerhorst Holzdorf ausgebaut.dbwv.de (August 2023): Basis für die neuen CH-47: Bundeswehrstandort Schönewalde/Holzdorf wird ausgebaut.
Geschichte mini|Cockpit einer CH-47 der Georgia Army National Guard (USA) mini|Offene Laderampe eines CH-47 Beim Doppelrotor-Hubschrauber muss der hintere Rotor hoch genug montiert werden, um beim Vorwärtsflug eine Kollision der Blätter mit dem Rumpf zu verhindern. Beim Piasecki H-21 der 1950er-Jahre wurde dies durch eine gewinkelte Bauweise erreicht, was zu den Spitznamen „fliegende Banane“ und „Bananen-Hubschrauber“ führte, insbesondere wenn der H-21 mit deutlicher Schieflage am Boden stand. Bei dem von der Vertol Aircraft Corporation als Model 107 entwickelten Boeing-Vertol 107 wurde eine abgestufte Bauweise mit horizontalem Rumpf gewählt. Dieser Hubschrauber gewann im September 1958 eine Ausschreibung der US-Streitkräfte; er ging als „CH-46 Sea Knight“ für das US Marine Corps in Serie. Die US Army interessierte sich für einen dem CH-46 ähnlichen, aber größeren taktischen Transporthubschrauber. Daraufhin wurde der CH-47 entwickelt und in Serie gebaut.
Der Name bezieht sich auf die Chinook, ein Volk aus dem pazifischen Nordwesten der USA.
Versionen ACH-47A Die ACH-47A war zunächst als Armed/Armored CH-47A (oder A/ACH-47A) bekannt. Bei der US Army, bei der sie im Dienst stand, wurde sie als ACH-47A bezeichnet: US Army – Attack Cargo Helicopter. Eine inoffizielle Bezeichnung war „Guns A Go-Go“. Vier CH-47A-Hubschrauber wurden Ende 1965 von Boeing Vertol in solche Kampfhubschrauber umgebaut. Drei wurden dem 53rd Aviation Detachment in Südvietnam unterstellt, wo sie erprobt wurden; der vierte blieb für Waffentests in den USA. 1966 wurde das 53rd Aviation Detachment in 1st Aviation Detachment (Provisional) umbenannt und dem 228th Assault Support Helicopter Battalion des 1st Cavalry Division (Airmobile) unterstellt. 1968 war nur noch eine der vier ACH-47A einsatzfähig und logistische und ökonomische Überlegungen sprachen gegen die Modifizierung weiterer CH-47A in ACH-47A. Es ist bekannt, dass sich 1970 noch ein „Guns A Go-Go“ in Vietnam befand: die „Easy Money“ stand dort weitgehend abgewrackt in Phu Loi.
Die ACH-47A war unter anderem mit fünf 7,62-mm-Maschinengewehren M60D oder fünf Maschinengewehren M2HB im Kaliber .50 bewaffnet. Zwei 20-mm-Maschinenkanonen M24A1, zwei 19-fach-2,75″-Raketenwerfer XM159B/XM159C oder alternativ zwei 7,62-mm-Maschinengewehre M18/M18A1 an Außenstationen und ein 40-mm-Granatwerfer M75 des XM5/M5-Waffensystems (bekannter als Bewaffnung von Bell-UH-1-Helikoptern) vervollständigten das Arsenal dieser Waffenplattform. Auch zwei XM159B-/XM159-Raketenstartbehälter mit je 19 ungelenkten 70-mm-FFAR-Raketen konnten montiert werden.
Verbleib der vier Exemplare:
Die „Stump Jumper“ wurde am 5. August 1966 zerstört, als sie auf der Landebahn mit einer anderen CH-47 zusammenstieß.
Die „Cost of Living“ wurde im Mai 1967 während eines Angriffs zerstört, als die 20-mm-Kanone wegen eines gebrochenen Sicherungsrings in den vorderen Rotor feuerte. Alle Besatzungsmitglieder starben.
Die „Birth Control“ wurde während des Gefechtes um Huế schwer getroffen und musste außerhalb der Zitadelle in einem Reisfeld niedergehen. „Easy Money“ unterstützte den abgestürzten Hubschrauber mit Deckungsfeuer, übernahm dessen Crew und konnte mit dem zusätzlichen Gewicht der acht Besatzungsmitglieder knapp entkommen. Vietcong-Soldaten zerstörten die „Birth Control“ durch Mörserbeschuss.
Das Einsatzkonzept für die ACH-47 sah vor, dass sich zwei Hubschrauber jeweils gegenseitig unterstützen; die allein verbliebene CH-47 wurde danach nicht mehr eingesetzt. Die „Easy Money“ stand auf einem Schrottplatz in den USA. 1997 wurde ihr Name unter Lackschichten entdeckt; sie wurde restauriert und ist heute im Redstone Arsenal in Huntsville (Alabama) ausgestellt.
CH-47A Die Boeing Vertol Modell 114 (Boeing hatte inzwischen Vertol übernommen), damals als YHC-1B/YCH-47A bezeichnet (siehe Bezeichnungssystem für Luftfahrzeuge der US Army von 1956 bis 1962), absolvierte mit dem Piloten Leonard La Vassar ihren ersten Schwebeflug am 21. September 1961 in Ridley Park bei Philadelphia. Im August 1962 folgte die erste Lieferung der noch als HC-1B bezeichneten Maschinen an die Army, die sie nach einem umfangreichen Erprobungsprogramm in der 11th Air Assault Division in Fort Benning in Dienst stellte. Erstmals unter Kampfbedingungen eingesetzt wurde die allwetterfähige CH-47A Chinook 1966 in Vietnam. Die CH-47A wurde entweder von Wellenturbinen des Typs Lycoming T55-L-5 mit je 1640 kW oder T55-L-7 mit je 1980 kW Leistung angetrieben, beide von AlliedSignal Engines. Die erste Version CH-47A wurde in 439 Exemplaren gebaut.
CH-47B Die CH-47B wurde von zwei leistungsgesteigerten T55-L-7C-Turbinen mit je 2130 kW angetrieben. Die CH-47B besaß einen abgestumpften Pylon für den hinteren Rotor, überarbeitete Rotorblätter und einen aerodynamisch leicht optimierten Rumpf. Von dieser Ausführung wurden ab Mai 1967 108 Exemplare ausgeliefert. Die CH-47B wurde zum Standard-Truppentransporter der 1. US-Kavalleriedivision in Vietnam. Die Chinook konnte mit zwei türmontierten und einem auf der Heckrampe montierten M60D-Maschinengewehren des NATO-Kalibers 7,62 mm ausgerüstet werden. Einige CH47 wurden versuchsweise mit ungelenkten Raketen bewaffnet, andere als „Bomber“ konfiguriert, die über ihre Heckrampe Fässer mit Tränengas oder Napalm auf Bunkerkomplexe des Vietcong werfen konnten. Alle CH-47 konnten mit Seilwinde und Frachthaken ausgestattet werden. Besonders wertvoll wurden sie für die Bergung abgestürzter Flugzeuge.
CH-47C Die CH-47C (Modell 234) erhielten verstärkte Getriebe, die neuen AlliedSignal-Turbinen vom Typ T55-L-11C mit je 2800 kW sowie GFK-Rotorblätter und hatten durch ihre erhöhte Tankkapazität eine größere Reichweite. Die CH-47C konnte zwischen 33 und 44 Soldaten oder 24 Krankentragen und zwei Sanitäter transportieren. Der Erstflug fand am 14. Oktober 1967 statt. Wie die Vorgängerversionen kam auch die CH-47C in Vietnam zum Einsatz. Es wurden 281 Maschinen (einschließlich Agusta-Lizenzbauten) gebaut.
CH-47D mini|Eine CH-47D der griechischen Armee Die CH-47D startete am 11. Mai 1979 zu ihrem Erstflug. Sie war mit verbesserten Rotorblättern und neuen Triebwerken ausgerüstet und wurde ursprünglich von zwei T55-GA-712-Turbinen angetrieben. Die meisten Hubschrauber der D-Version sind jedoch inzwischen mit dem Triebwerk T55-GA-714 ausgestattet. Mit ihrem Drei-Haken-System kann die CH-47D bis zu 10.500 kg schwere Lasten wie Planierraupen und ISO-Container heben und mit Geschwindigkeiten von mehr als 250 km/h transportieren. Die Nutzlast ist etwa zwei Tonnen höher als bei der weitverbreiteten CH-53. Bei luftgestützten Angriffsmissionen bringt sie häufig eine 155-mm-Haubitze M198 mit 30 Schuss Munition und elf Mann Besatzung in ihr Einsatzgebiet. Wie die meisten Hubschrauber des US-Heeres ist die Chinook heute mit moderner Avionik und Elektronik ausgestattet. Die CH-47D war ein wichtiger Bestandteil der Operation Enduring Freedom in Afghanistan und des Irakkrieges. Im Rahmen von Luftangriffsmissionen brachte sie große Mengen von Truppen in vorgeschobene Positionen und versorgte sie mit Feldrationen, Wasser und Munition. Besonders bewährte sie sich im gebirgigen Gelände Afghanistans, wo starke Erhebungen und Temperaturen den Einsatz von anderen Hubschraubern wie der UH-60 Blackhawk einschränkten. In Kampfsituationen werden CH-47 typischerweise von Kampfhubschraubern wie der AH-64 Apache eskortiert. Insgesamt wurden 635 Maschinen auf diesen Stand gebracht, davon etwa 100 neu gebaut. Die Bezeichnung GCH-47D erhielt ein Wartungstrainer für die US Army in Fort Eustis, als JCH-47D werden Testhubschrauber dieses Typs bezeichnet. HH-47D ist die lokale Bezeichnung von sechs in Südkorea betriebenen Maschinen.
CH-47SD Als CH-47SD Super D werden die Exportversionen der CH-47D für Singapur und Thailand bezeichnet. Der Erstflug dieser Variante erfolgte am 25. August 1999.
CH-47J Als CH-47J werden in Japan von Kawasaki in Lizenz gebaute CH-47D bezeichnet. Die Version CH-47JA besitzt vergrößerte Tanks.
CH-47F mini|Modell der CH-47F im Maßstab 1:9,3 im Hubschraubermuseum Bückeburg Die CH-47F () ist eine mit überarbeiteter Zelle, stärkeren Triebwerken und moderner Avionik ausgerüstete Variante. Dies umfasst die Vereinfachung der Rumpfstruktur durch weniger Bauteile und eine Reduktion der Schwingungen. Eine Hauptkomponente sind die beiden auf 3630 kW gesteigerten Honeywell-T55-GA-714A-Triebwerke mit FADEC. Dies lässt die Reichweite auf 609 km steigen. Das neue Glascockpit verfügt über das CAAS-System von Rockwell Collins mit fünf gleichen Flüssigkristall-Bildschirmen, Moving Map und Datenmodem für den Link zu alliierten Luftfahrzeugen und Bodeneinheiten. Die Cockpit-Besatzung kann in dem neuen Cockpit Restlichtverstärker-Brillen nutzen. Weiter gehören ein neues IFF und digitale Funkgeräte zur Ausstattung. Zur Orientierung ist ein Tiefflugradar AN/APQ-174A und ein Raytheon-AN/AAQ-16-FLIR-Turm (Wärmebildkamera) eingebaut. Zum Selbstschutz verfügt die CH-47F über vier M-130-Täuschkörper-Werfer hinter den Triebwerken, dies in Verbindung mit AAR-54-Raketenanflugs-Warnsensoren, Northrop Grumman ALQ-162 Shadowbox (CW-Radar-Jammer) und ITT ALQ-136(V)-Störgeräten sowie Raytheon-APR-39A-Radarwarnern. Der Erstflug erfolgte am 25. Juni 2001 und die ersten Maschinen wurden ab 2006 ausgeliefert. Im September 2007 wurde die modernisierte CH-47F von der US-Armee offiziell für einsatzbereit erklärt und mit der Lieferung an die ersten Einsatzverbände begonnen. Es handelt sich dabei um 202 neu gebaute und um 262 umgerüstete CH-47D, insgesamt 464 Hubschrauber für die US Army. (Stand Januar 2013 sind 440 bestellt bzw. im Bestellprozess)h
Eine modernisierte Block-II-Version mit unter anderem neuen Rotorblättern ist in Entwicklung.Boeing begins final assembly of Block 2 Chinook prototype, Janes, 27. Juni 2018. Deutschland beschloss im Jahr 2023, hiervon 60 Stück zu beschaffen. Die Lieferung ist ab 2027 geplant.
CH-47F(NL) Die Koninklijke Luchtmacht hat sechs Hubschrauber der als CH-47F(NL) bezeichneten Variante als Ergänzung ihrer elf CH-47D bestellt. Am 8. Dezember 2010 hatte die erste CH-47F(NL) ihren Erstflug. Diese Exemplare werden auf den Stand der später gelieferten 14 niederländischen (Standard-) CH-47F umgerüstet.
CH-147F Mit ihrem langen Engagement in Afghanistan bestellte die kanadische Regierung für die Royal Canadian Air Force 15 zusätzliche Hubschrauber des Typs unter der Bezeichnung „CH-147F“ bei Boeing. Die ursprünglichen sechs CH47D wurden auf denselben Stand aufgerüstet, so dass insgesamt 21 Maschinen zur Verfügung standen. Der letzte Hubschrauber des neuen Typs wurde 2014 ausgeliefert. Die volle Einsatzbereitschaft war 2018 erreicht.
Chinook HC.1