Isaak le Febvre, auch Isaac Le Febvre oder Isaac Le Fèvre geschrieben (* um 1648 in Château-Chinon, Nivernais, Frankreich; † 13. Juni 1702 in Marseille), war ein französischer Jurist und evangelisch-reformierter Christ (Hugenotte). Da er wegen seines Glaubens für lange Zeit inhaftiert wurde und aufgrund der schlechten Haftbedingungen starb, wird er bisweilen als evangelischer Märtyrer betrachtet.

Familie Isaak le Febvre war das erste Kind des aus Paris stammenden, ebenfalls evangelisch-reformierten Pierre le Febvre und seiner ersten Frau Marie Elinard. Seine Mutter starb früh. Auch seine Großeltern, die in hohem Alter starben, gehörten bereits der evangelisch-reformierten Kirche an. Er hatte drei Schwestern sowie einen Halbbruder und drei Halbschwestern aus einer zweiten Ehe seines Vaters. Isaak wurde im Sinne des reformierten Glaubens erzogen, wobei ihm seine Eltern zeitlebens als Vorbilder galten.

Pierre le Febvre starb an einem Stein- und Kolikleiden, das ihn zunächst zur Hälfte lähmte. Noch in dieser Situation soll er eine tiefe Glaubenszuversicht ausgestrahlt und Besucher getröstet haben. So urteilte ein Besucher: „Ich kam, um eine kranke Person zu erbauen und zu trösten, aber er hat mich erbaut und getröstet.“ Isaak le Febvre half seinem Vater, indem er ihn von Bett zu Bett trug, da dieser immer in Sichtweite seines Sohnes bleiben wollte. Schließlich verursachte ein zusätzlicher Schlaganfall einen viertägigen Todeskampf. Isaak le Febvre berichtete später, er habe beim Tode seines Vaters gesagt: „Herr Jesus, nimm seinen Geist in deine Hände!“

Leben Ausbildung Isaak le Febvre galt als sehr gebildet. Er studierte ab 1663 Philosophie in Genf, später schloss er ein Studium der Rechtswissenschaft in Orléans ab. In Paris erhielt er nach Vorlage seiner Zeugnisse beim Generalanwalt Talon die Würde eines Advokaten des Pariser Gerichtshofes. Seine Tätigkeit als Jurist übte Isaak le Febvre überwiegend in Nevers aus.

Arbeit für die Marquise von Saint-André-Montbrun Isaak le Febvre trat in die Dienste der reichen, ebenfalls evangelischen Marquise von Saint-André-Montbrun ein. Sie war die Witwe des ersten Hauptmanns der Grands-Mousquetaires. Der zerstreute Besitz der Marquise brachte weite und zahlreiche Reisen le Febvres mit sich, unter anderem nach Poitou und Saintonge. Dort geriet er in Verdacht, dass er auf diesen Reisen seine evangelischen Glaubensgeschwister moralisch zu unterstützen suchte und wurde vor den Intendanten von Rochfort geladen. Er folgte der Vorladung trotz einer Fiebererkrankung und wurde freigesprochen.

Aufhebung des Ediktes von Nantes Am 18. Oktober 1685 wurde das Edikt von Nantes aufgehoben. Die Hugenotten galten damit als vogelfrei. Genau zu dieser Zeit befand sich Isaak le Febvre auf dem Weg vom Intendanten nach Paris. Als er von dem Edikt hörte, ging le Febvre nach Burgund, um die Marquise zu informieren und dann ins Ausland zu fliehen.

Die Marquise wurde bedrängt, ihrem Glauben abzuschwören, unter Androhung des Verlusts ihres Besitzes und ihrer Freiheit und der Androhung von persönlichen Leiden. Monchanin de Monceau diente ihr in dieser Situation, in der sie zunächst auf Zeit spielte, dann aber nachgab, als Bote.

Feindschaft des Intendanten von Rochfort und des Bischofs von Autun Der Intendant gab Monchanin gegenüber bekannt, er wolle ein Dutzend Bogenschützen entsenden, um Isaak le Febvre festzunehmen. Auch Gabriel de La Roquette, der Bischof von Autun, war sehr an der Festnahme le Febvres interessiert. Angesichts der Reise le Febvres nach Poitou, die angeblich der Unterstützung der dortigen evangelischen Christen gegolten hatte, fürchteten sie, dass er weiterhin solche Reisen unternehmen würde, in die Provinzen Nivernais und Berry.

Monchanin versuchte, le Febvre zu verteidigen, indem er bemerkte, dieser sei kein bösartiger Mensch; wenn es ein Verbrechen sei, an seiner Religion festzuhalten, sei jedermann ein Krimineller. Als er weiter auf die harten Maßnahmen gegen die evangelischen Christen einging, unterbrach der Intendant Monchanin mit den Worten: „Worüber beschweren sie sich? Sie haben noch nicht bis aufs Blut widerstanden.“ Diese Formulierung machte einen starken Eindruck auf le Febvre, als er davon erfuhr, wie er später schrieb. Sie entstammten Hebr 12,4, waren hier aber, wie le Febvre urteilte, wohl eher im Sinne Julian Apostatas gemeint, der auf die Beschwerden der verfolgten Christen antwortete: „Ihr solltet es ertragen, denn euer Meister hat euch vorhergesagt, dass es kommen würde.“ Le Febvre fühlte sich in seiner Einschätzung der Staatsmacht als antichristlich bestätigt.

Reise des Bischofs nach La Nocle Monchanin informierte Isaak le Febvre darüber, dass der Intendant den Generalleutnant und den königlichen Anwalt in Autun mit der Ausführung seiner Befehle beauftragt hatte, und dass der Bischof in deren Begleitung mit einer Kompanie Dragoner aus Dijon und Autun und seiner üblichen Begleitung auf dem Weg zu ihm nach La Nocle sei. Monchanin riet le Febvre, zu fliehen.

Die Marquise sprach sich gegen le Febvres Fluchtbemühungen aus, da sie sich von ihm im Stich gelassen fühlte und ein Fluchtversuch ins Ausland streng bestraft wurde. Sie meinte: „Wo wollen sie hingehen, mein Herr? Sie sind nicht fit für die Galeeren. Sind sie darauf vorbereitet, ein Märtyrer zu werden? Eine Gefangenschaft von zwei Wochen würde sie umbringen. Tun sie es uns gleich.“ Le Febvre antwortete, er habe nicht den Geist eines Märtyrers, Gott aber würde Kraft geben, und dass er es ihr nicht gleichtun könne, da er ewige Strafe fürchtete.

Le Febvre verließ La Nocle zu Pferd zwei Stunden, bevor seine Verfolger eintrafen. Er ritt zu seiner Schwester nach Château-Chinon, die von den Gesandten des Bischofs von Nevers, Edouards I. Valot, dem Pfarrer und ihrem eigenen Ehemann bedrängt wurde, zur römisch-katholischen Kirche zu konvertieren, und ihren Bruder dringend treffen wollte. Er musste danach nach Nevers reisen, um einen Pachtvertrag für die Marquise zu erneuern. In der Zwischenzeit brachte der Bischof von Autun le Febvres Schwester und ganz La Nocle mit Drohungen und Versprechungen dazu, zu konvertieren. Nachdem er im Schloss des Marquis von Montbrun verpflegt wurde, zog der Bischof befriedigt fort. Die Marquise von Saint-André-Montbrun schrieb le Febvre nach Nevers, der Bischof sei ihm sehr zugeneigt, und habe bedauert, dass er ihn nicht getroffen habe, dass er ihm nichts angetan hätte, und ihm in seiner Diözese kein Leid geschehe.

Vorladung vor den Bischof Es sollte sich das Gegenteil zeigen: Der Pfarrer von La Nocle versuchte, Isaak le Febvre zu überreden, den Bischof in seinem Palast in Autun zu besuchen. Als le Febvre dies ablehnte, schrieb der Prälat wütende Briefe an die Marquise:

„Wenn dieser Mann sich nicht innerhalb von vier Tagen fügt, dann haben die Gesandten der Intendanten von Dijon und Nevers den Befehl, ihn festzunehmen, wo auch immer er gefunden werden mag, selbst wenn es in Ihrem Haus sein mag. Das wird sie bekümmern, Madame. Bis jetzt habe ich das verhindert. Sowohl göttliches als auch menschliches Recht erfordern es, dass er tut, was Sie getan haben; und Sie sollten ihn zwingen, es zu tun, oder ihn fallenlassen.“

Verhaftung Erneut auf der Flucht, wurde Isaak le Febvre am 14. Februar 1686 nahe Portarli in Burgund verhaftet, als er versuchte, sich in Begleitung des Schweizers La Tour in die Schweiz abzusetzen. Er wurde nach Besançon gebracht, misshandelt, gefesselt und um seinen gesamten Besitz gebracht. Seine Waffen und eine Uhr im Wert von 23 Louis d’or wurden ihm abgenommen, sein Pferd gab der Intendant dem Bogenschützen als Belohnung, der Rest wurde verteilt. Üblich war es dagegen, den persönlichen Besitz zu erfassen und zurückzuerstatten.

Urteil Nach drei Wochen Haft mit einigen anderen, die in die Freiheit entlassen wurden, nachdem sie ihrem Glauben abgeschworen hatten, wurde Isaak le Febvre zur Ratskammer geführt und vor Gericht gestellt. Ein Anwalt beobachtete, dass das Gehen in eisernen Fesseln ihm schwer fiel und spottete über seine Schwäche: „Wenn ein Mann überzeugt ist, der wahren Religion anzugehören, sollte er sich in alles ergeben, sogar den Tod selbst.“ Le Febvre fühlte sich durch diesen Zuruf, wie er später schrieb, tatsächlich gestärkt und stimmte zu. Er wurde zu lebenslanger Galeerenstrafe verurteilt.

Kerkerhaft in Besançon Am nächsten Tag wurde Isaak le Febvre in einen Kerker gebracht, in dem er zwei Monate lang blieb, Tag und Nacht gefesselt. Ständig wurde versucht, ihn zum Konvertieren zu bringen. Da man befürchtete, le Febvre könne seine Glaubensgeschwister stärken, wurde er streng bewacht, um sich nicht mit ihnen austauschen zu können. Für einen Zeitraum von mehreren Wochen wurde es niemandem gestattet, seinen Kerker zu betreten. Durch Zellenwechsel wurden die Haftbedingungen immer unangenehmer. Einen Geldvorrat, der ihm gesandt wurde, lehnte er ab, da er meinte, sein Besitz solle ihm zurückerstattet werden, ferner merkte er an, dass er bald auf die Galeere gebracht würde. Ihm wurde vorgeschlagen, eine Petition zur Rückerstattung seines Besitzes und zur Erleichterung der Haftbedingungen zu schreiben, was er aber ablehnte, damit niemand sagen könne, man habe alles für ihn getan, was er wollte. In einem Brief drückte er aus, wie sein Glaube ihm Kraft gegeben habe, und dass er Mitgefühl für seine Verfolger habe, da sie glaubten, Gott zu dienen, was er aber besser wüsste.

Ein Jesuit überbrachte ihm die Nachricht vom Intendanten (dieses Amt sollte den Jesuiten übergeben werden), dass er bald als einziger Häftling auf die Galeere gebracht würde. Er teilte ihm ferner mit, dass seine Schwester, die allen römisch-katholischen Bekehrungsversuchen widerstanden hatte, in ein Kloster in Moulins in Bourbonnais bei Nevers gebracht worden war. Le Febvre rief aus: „Heiliger Vater! Behalte uns in deinem Namen! Hier ist Glaube und Geduld der Heiligen.“

Es wurde ihm empfohlen, ein Gnadengesuch an den König zu richten, zum einen, wie er meinte, da ihm nicht klar nachgewiesen werden konnte, dass er das Land verlassen wollte, zum anderen, weil man hoffte, ihn doch noch dazu zu bringen, aus Angst vor weiteren Leiden zu konvertieren. Sowohl seine Richter als auch Personen, die ihm Freunde als Boten geschickt hatten, versuchten, ihn dazu zu bringen.

Haft in Dijon Aus Besançon wurde Isaak le Febvre nach Dijon gebracht, das er am 30. Mai 1686 erreichte. Auf der Fahrt in dem ruckelnden Wagen setzten ihm seine eisernen Fesseln so sehr zu, dass er seine schmerzenden Gliedmaße kaum noch gebrauchen konnte. Er war in einer unbequemen Position fixiert und die Körper anderer Gefangener lasteten auf ihm. Er meinte später, wenn ihm in Aussone nicht die Fesseln gelöst worden wären, wonach er auf ein Pferd gesetzt wurde, wäre er gestorben.

Die Haftbedingungen in Dijon waren wesentlich besser als in Besançon. Es gab hier weder Fesseln noch Kerker. Seine Freunde sandten ihm mehr Geld als er brauchte, er wollte aber nicht mehr als notwendig erhalten, da Überfluss eine Belastung für ihn sei. Teils sollte sein Schwager den Überschuss den Spendern zurückerstatten, teils gab er ihn an bedürftige Mitgefangene weiter. In Dijon wurde ihm dringend empfohlen, den Intendanten um eine Abmilderung der Galeerenstrafe zu ersuchen. Er empfand es aber als feige, gegenüber seinen Mitgefangenen bevorzugt behandelt zu werden. Er schrieb, er habe weniger Angst vor der Strafe, als vor der Gemeinschaft mit Verbrechern, die aus anderen Gründen bestraft wurden. Häufig wurde er von dem Jesuiten Corbigni de l’Orme aus Vézelay besucht.

In Ketten nach Marseille