Herz-Jesu-Kirche, Aachen-Burtscheidrahmenlos|300px|Westseite der Herz-Jesu-Kirche Ort Aachen-Burtscheid, Nordrhein-Westfalen Religion römisch-katholisch Diözese Bistum Aachen Kirchengemeinde Name Katholische Pfarrgemeinde St. Gregor von Burtscheid Gründung 1. Januar 2010(vorher Pfarre Herz-Jesu: 9. Juni 1912) Anschrift Michaelsbergstr. 652066 Aachen Website www.st-gregor-von-burtscheid.de Kirchengebäude Typ neoromanische Werksteinbasilika Erbaut 1908–1910 von Josef Kleesattel Lage Viktoriaallee 5552066 Aachen Kirchturm 38 m Karte
Die katholische Herz-Jesu-Kirche (), umgangssprachlich: Frankenberger DomSilke Niewenhuis: Bürgerhäuser & Villen in Aachen. Frankenberger Viertel. Bremen 2009, S. 27 f. oder Öcher Sacre CoeurAlexander Barth: Die Herz-Jesu Kirche: Alles neu im Öcher Sacre Coeur. In: 111 Orte in Aachen und der Euregio, die man gesehen haben muss. 2012, ISBN 978-3-89705-931-3, S. 74. wurde 1908 bis 1910 als neoromanische Werksteinbasilika nach Entwurf des Architekten Josef Kleesattel im Frankenberger Viertel im Aachener Stadtteil Burtscheid errichtet. Das Mosaik über dem Altar ist nach dem im Aachener Dom das zweitgrößte im Bistum Aachen. Die Kirche ist dem Patrozinium des Heiligsten Herzens Jesu geweiht.
Geschichte Vorgeschichte Mit dem Ausbau des Frankenberger Viertels im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wuchs der Bedarf nach einer eigenen Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft. Am 23. April 1899 wurde auf Betreiben des Oberpfarrers der Pfarrei St. Michael, Hubert Emanuel Baurs, ein Kirchenbauverein für das Rektorat Herz Jesu gegründet.Bernd Küpper: Herz-Jesu-Kirche in Aachen-Burtscheid. Aachen 2002, ISBN 3-936342-03-2, S. 3. Die Grundsteinlegung erfolgte am 11. November 1908 in Anwesenheit des Kölner Kardinals Anton Fischer. Um den Bau der Kirche trotz noch ungeklärter Finanzierung realisieren zu können, sah Kleesattel die Errichtung des Gebäudes in drei Bauabschnitten vor. Der letzte Bauabschnitt, eine Erweiterung der Kirche nach Westen um zwei Joche und der Bau des Westturms, wurde nicht mehr durchgeführt.
Die Weihe der im Stil der rheinischen RomanikKlaus Bischops: 1000 Jahre Burtscheid. Aachen 1997, ISBN 3-930701-31-6, S. 93 f. errichteten Rektoratskirche wurde am 5. Juni 1910 ebenfalls durch Kardinal Anton Fischer vorgenommen.Bernhard Dautzenberg: Burtscheid und seine engeren Randgebiete einst – damals – heute. Dargestellt in Daten 997 bis 1976. Aachen 1976, S. 64. In die Altarplatte des Hochaltars wurden die Reliquien des heiligen Agilolfus, des heiligen Gereon und der heiligen Ursula eingelassen. Die Erhebung zur Pfarre wurde am 9. Juni 1912 gefeiert., abgerufen am 14. Juni 2012 Als erster Rektor wurde Wilhelm Diersdorf am 17. Juni 1912 in sein Amt eingeführt.Walter Kaemmerer, Wilhelm Mummenhoff, Friedrich Reiff, Erich Stephany: Geschichte Aachens in Daten. Teil 1, Aachen 2003, ISBN 3-87519-214-1, S. 251.
Pfarrgemeinde bis 1945 In der Pfarrgemeinde Herz Jesu wurde 1912 der katholische Jünglingsverein, Vorläufer der späteren DJK Frankenberg Aachen, gegründet.
Während des Ersten Weltkrieges wurden die meisten Bronzeglocken der Aachener Kirchen eingeschmolzen. Am 4. April 1917 mussten auch die kleineren Kirchenglocken von Herz Jesu abgeliefert werden.Bernhard Dautzenberg: Burtscheid und seine engeren Randgebiete einst – damals – heute. Dargestellt in Daten 997 bis 1976. Aachen 1976, S. 67. Sie konnten erst 1928 ersetzt werden. Am 6. Oktober 1927 erfolgte die Ernennung von Friedrich Fischer, dem Neffen von Kardinal Anton Fischer, zum Pfarrer der Kirchengemeinde Herz Jesu.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche durch Luftangriffe und Artilleriefeuer schwer beschädigt und teilweise zerstört. Während des Großangriffs auf Aachen in der Nacht vom 13. zum 14. Juli 1943 wurden die Sakristei, das Pfarrheim und das Pfarrhaus von Brandbomben getroffen und brannten aus.Bernd Küpper: Herz-Jesu-Kirche in Aachen-Burtscheid. Aachen 2002, ISBN 3-936342-03-2, S. 12. Bei dem Fliegerangriff auf Burtscheid am 11. April 1944 wurden außer der Herz-Jesu-Kirche auch St. Johann und St. Michael zerstört.Bernhard Dautzenberg: Burtscheid und seine engeren Randgebiete einst – damals – heute. Dargestellt in Daten 997 bis 1976. Aachen 1976, S. 83. Während der letzten Kriegstage in Aachen war die Kirche am 21. Oktober 1944 das Ziel von schwerem Artilleriebeschuss.Walter Kaemmerer, Wilhelm Mummenhoff, Friedrich Reiff, Erich Stephany: Geschichte Aachens in Daten. Teil 1. Aachen 2003, ISBN 3-87519-214-1, S. 338. Zum Kriegsende waren die Kuppel und Teile des Daches der Kirche eingestürzt, die Sakristei, die Apsis an der Südfassade und der Josefsaltar zerstört, der Hauptturm und das Altarmosaik stark beschädigt. Notdürftig wurde die erhalten gebliebene Kreuzwegkapelle vom zerstörten Kirchenraum abgetrennt, so dass am 26. November 1944 bereits wieder der erste Gottesdienst abgehalten werden konnte.Bernd Küpper: Herz-Jesu-Kirche in Aachen-Burtscheid. Aachen 2002, ISBN 3-936342-03-2, S. 13.
Nachkriegsära Zunächst wurde provisorisch das Dach wiederhergestellt, um insbesondere die Orgel vor den Einflüssen der Witterung zu schützen. Die Fenster der Rosette hinter dem Altar wurden mit Mauerwerk verschlossen. Am 23. Januar 1949 wurde die provisorisch wiederhergestellte Herz-Jesu-Kirche erneut ihrer Bestimmung übergeben.Bernhard Dautzenberg: Burtscheid und seine engeren Randgebiete einst – damals – heute. Dargestellt in Daten 997 bis 1976. Aachen 1976, S. 88. Ein umfassender Wiederaufbau des Bauwerks wurde im Jahr 1955 weitgehend abgeschlossen. Bei weiteren Sanierungsarbeiten in den 1960er Jahren stellte sich heraus, dass große Teile des Gebäudes einsturzgefährdet waren, so dass umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich wurden, die erst 1969 abgeschlossen wurden.
Zu Beginn der 1970er fasste man die bauliche Erweiterung der Kirche in Betracht, der dritte, von Kleesattel geplante Bauabschnitt sollte mit dem Bau zwei weiterer Joche und des Westturms ausgeführt werden. Infolge der Neuordnung der Pfarrgrenzen durch bischöflichen Erlass vom 1. Oktober 1971 verkleinerte sich das Pfarrgebiet von Herz Jesu erheblich, woraufhin die Baupläne nicht realisiert wurden.Bernd Küpper: Herz-Jesu-Kirche in Aachen-Burtscheid. Aachen 2002, ISBN 3-936342-03-2, S. 15. Im Jahr 1977 erfolgte eine umfassende Sanierung und Verblendung der Westfassade mit Tuffstein sowie die Einrichtung einer Tageskapelle. Im Jahr 1987 wurde der provisorische Holzaltar durch einen Volksaltar ersetzt, der am 11. November 1987 geweiht wurde.
Eine weitreichende Sanierung der Kirche und der Orgel wurde 2006 abgeschlossen. Eine Rekonstruktion der zum Teil schadhaften Mosaiken steht gegenwärtig noch aus.Der Frankenberger Dom wird gefeiert – Herz Jesu-Kirche ist jetzt 100 Jahre alt. In: Aachener Nachrichten, 19. Juni 2012, S. 15, online aufgerufen am 19. Juni 2012.
Zusammenlegung der Burtscheider Pfarren mini|hochkant|Flagge der am 1. Januar 2010 neu gegründeten katholischen Gesamtpfarrei „St. Gregor von Burtscheid“ Von 1912 bis 2009 besaß die Herz-Jesu-Kirche eine selbstständige Pfarrei.Holger A. Dux: Aachen von A-Z. Wissenswertes in 1500 Stichworten. Münster 2003, ISBN 3-402-05465-5, S. 215. 1998/99 schloss sich die damals vakante Herz-Jesu-Pfarre mit der Nachbarpfarrei St. Michael-Burtscheid und St. Aposteln zu einem Gemeindeverband unter der Leitung des Oberpfarrers Heribert August zusammen, der bis dato Pfarrer von St. Michael und St. Aposteln gewesen war.Herz Jesu. Informationen der Katholischen Pfarrgemeinde St. Gregor von Burtscheid (Abruf im Januar 2021). Aus wirtschaftlichen und pastoralen Gründen beschloss der Bischof von Aachen, Heinrich Mussinghoff, am 28. August 2009 die Zusammenlegung der vier Burtscheider Pfarren St. Michael-Burtscheid mit St. Aposteln, Herz Jesu, St. Gregorius und St. Johann Baptist mit Wirkung zum 1. Januar 2010 zu einer Gesamtpfarre „St. Gregor von Burtscheid“.Amtsblatt der Bezirksregierung Köln, 189. Jahrgang, Nr. 42, S. 425. Der Name der Pfarre geht auf Gregor von Kalabrien zurück, den ersten Abt der Reichsabtei Burtscheid. Die Pfarrkirche der neuen Großgemeinde ist St. Michael.
Die alte Sakristei der Herz-Jesu-Kirche wurde aus wirtschaftlichen Erwägungen zum Pfarrbüro für die Katholische Pfarrgemeinde St. Gregor von Burtscheid umgebaut. Die Sakristei der Herz-Jesu-Kirche wurde stattdessen in der Kreuzwegkapelle untergebracht. Das nahegelegene Pfarrhaus wurde einer anderen Bestimmung zugeführt.
Baugeschichte Baugrund Bei der Bebauung des Frankenberger Viertels mussten zahlreiche Geländeabschnitte eingeebnet werden, um eine geschlossene Wohnbebauung zu ermöglichen. Auf dem Gebiet der heutigen Herz-Jesu-Kirche befand sich ein Felsvorsprung, der aus oberdevonischen Condroz-Sandsteinen und Tonschiefern gebildet wurde. Um die ungünstige Topografie des Bauplatzes auszugleichen, war der Bau einer 5 Meter hohen Stützmauer erforderlich. Die Aktiengesellschaft Frankenberg, welche die Erschließung des Viertels betrieb, beteiligte sich an der Finanzierung der Kosten für die Stützmauer in Höhe von 30.000 Mark. Sie schenkte zusätzlich ein Grundstück für den Bau des Pfarrhauses und verkaufte der Gemeinde kostengünstig Grundstücke für kirchliche Einrichtungen, um die unvorteilhafte Lage des Bauplatzes der Kirche zu kompensieren.
Kirchengebäude mini|Kirchturmkonstruktion mini|Innenraum Die Herz-Jesu-Kirche gehört zu den wenigen Sakralbauten, die Anfang des 20. Jahrhunderts im Erzbistum Köln in neoromanischer Bauweise ausgeführt wurden. Bis 1913 war hier der neogotische Baustil üblich.Walter Schroeder: Der Westturm wurde nie gebaut. In: Aachener Nachrichten vom 5. Juni 2010, S. 19. Die Schwierigkeiten bei der Baufinanzierung lassen sich auch an der Architektur nachvollziehen. Während die zur Viktoriaallee gelegene nördliche Seitenfassade aufwändig gestaltet ist, wurde die gegenüber liegende Seite eher nüchtern und ohne Zierelemente ausgeführt. In der Planungsphase der Kirche wurde der Grundriss um 90° gedreht und das ursprünglich nach Süden ausgerichtete Gebäude geostet, so dass der Hauptaltar mit den byzantisierenden Mosaiken heute in Richtung der aufgehenden Sonne orientiert ist. Ursprünglich war geplant, den Altar in einer zur Südseite – in Richtung Erzbergallee – gewandten Apsis aufzustellen, die Orgelbühne sollte an der Nordseite – zur Viktoriaallee ausgerichtet – platziert werden. Erst Geldspenden, u. a. erhebliche Zuwendungen der Besitzer der Aktienspinnerei Hilden und Reuver, die während der Bauphase getätigt wurden, ermöglichten den Bau der nach Osten ausgerichteten Choranlage.Bernd Küpper: Herz-Jesu-Kirche in Aachen-Burtscheid. Aachen 2002, ISBN 3-936342-03-2, S. 4 Der von Josef Kleesattel geplante Westturm und die westlichen Joche wurde nie gebaut, so dass der Grundriss heute unsymmetrisch wirkt. Aufgrund der morphologischen erhöhten Position des Baugrundes bildet die detailreiche Nordfassade der Kirche heute den architektonisch dominierenden Abschluss der Viktoriaallee.
Der heutige Turm der Kirche hat eine Höhe von 38 m und überragt damit die Kirchenkuppel um mehr als 17,50 m. Der Schlussstein der gemauerten Kuppel wurde am 25. Juni 1909 eingefügt. Die beiden flankierenden Türme, in denen die Kirchenglocken untergebracht sind, sind mit 30 m Höhe etwas niedriger gehalten. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche durch Bombentreffer und Artilleriebeschuss, insbesondere in den letzten Kriegstagen, stark beschädigt und teilweise zerstört, da Soldaten der Wehrmacht von der Turmgalerie aus die vorrückende US-Armee an der Einnahme von Aachen hindern wollten. Insbesondere die Südwand mit einer Apsis, in der ursprünglich der Hochaltar aufgestellt werden sollte, wurde beim Bombenangriff vom 11. April 1944 schwer beschädigt, so dass die Apsis abgerissen werden musste. Sie beherbergte bis zu ihrer Zerstörung die Krippe und wurde nicht wieder aufgebaut.