mini|Döttesfeld, Luftaufnahme (2015) Döttesfeld ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied im Norden von Rheinland-Pfalz. Die Gemeinde gehört der Verbandsgemeinde Puderbach an, die ihren Verwaltungssitz in der Gemeinde Puderbach hat. Döttesfeld ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographische Lage Die Gemeinde liegt im Westerwald im Tal der Wied und der Mündung des Holzbach in die Wied im Naturpark Rhein-Westerwald. Die Gemarkung ist von drei Himmelsrichtungen vom Landkreis Altenkirchen umgeben; Nachbargemeinden sind Oberlahr im Westen, Eichen im Nordwesten sowie Pleckhausen und Dürrholz im Süden.
Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Bauscheid, Breitscheid, Döttesfeld und Oberähren, sowie dem Wohnplatz Villa Hoffnungstal.
Geschichte
Namensherkunft Döttesfeld endet wie viele andere Orte im Westerwald auf -feld, was auf eine fränkische Herkunft deutet. Döttes steht für den Namen des Besitzers (Diuto, Dutto, Dudo), dem das Land gehörte: diuto > dutto > dötte. Der Name weist auf menschliche Benutzung, jedoch nicht festen Anbau in der Gründungszeit hin.
Der Name des Besitzers „Dudo“ erinnert an den Stammvater des Hauses Nassau, Dudo von Laurenburg, der durch seine Ehe mit einer Tochter des Grafen Ludwig I. von Arnstein mit den Herren von Isenburg verwandt war. Sollte sich der Name Döttesfelds von Dudo ableiten, wurde Döttesfeld Anfang des 12. Jahrhunderts gegründet.
Mittelalter Die Region um Döttesfeld war seit dem 8. Jahrhundert Teil des mittelrheinischen Engersgaues und lag nahe der Grenze zum Auelgau, die von der Wied gebildet wurde. Schon Anfang des 12. Jahrhunderts gehörte Döttesfeld zum Herrschaftsbereich der Herren von Isenburg, beziehungsweise mit der Herrschaft Horhausen seit 1171 zu der von Heinrich I. von Isenburg begründeten Älteren Linie Isenburg-Grenzau.
Bei der Ober-Isenburger Erbteilung des Jahres 1287 wurden dann die Herren von Isenburg-Arenfels Herforder Vögte von Horhausen und damit Herren über Döttesfeld. Eine der ersten Erwähnungen des Dorfes erfolgte daher im Herberegister des Stifts HerfordFranz Darpe (Ed.): Einkünfte- und Lehns-Register der Fürstabtei Herford sowie Heberollen des Stifts auf dem Berge bei Herford, Münster, 1892, S. 61 (Digitalisat)., dass nach Gensicke im 14. JahrhundertHellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1958/1999, ISBN 3-922244-80-7, S. 83 f., nach Wilmans sogar schon in der zweiten Hälfte des 13. JahrhundertsFranz Friedrich Roger Wilmans (Ed.): Die Kaiserurkunden der Provinz Westfalen, Münster, 1867, S. 161 (Digitalisat). verfasst wurde:
Diese Güter, darunter eben Döttesfeld, aber auch der heutige Ortsteil Breitscheid (Bredeskede), gehörten nach dem Herberegister zum Hof Güllesheim (Gundelshagen), eine Ortschaft der Vogtei zu Horhausen. Gerlach I. von Isenburg-Arenfels wird 1293 erstmals als Vogt zu Horhausen und Inhaber des Offizialats Güllesheim genannt.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1958/1999, ISBN 3-922244-80-7, S. 83, Anm. 17. Das Aussterben der Linie Isenburg-Arenfels im Jahr 1371 markierte den Beginn eines für etwa 300 Jahre andauernden Streits unter den Erben – den Herren von Nieder-Isenburg und Grafen von Wied – der Vogtei Horhausen und damit des Hofes Güllesheim samt der jeweiligen Güter.
Der sogenannte Burgberg (auch genannt „Köppel“), ein Teil der heutigen Gemarkung Döttesfeld, gelangte vielleicht schon im Jahr 1356Philipp Wirtgen: Neuwied und seine Umgebung in beschreibender, geschichtlicher und naturhistorischer Darstellung (nebst Geschichte des Fürstlich Wied’schen Hauses): Ein Familienbuch. Neuwied und Leipzig 1871, S. 183 ff. (Digitalisat) als Mitgift über die Ehe der Elisabeth von Isenburg-Arenfels mit Graf Wilhelm I. von Isenburg-Braunsberg-Wied an die Grafen von Wied, denn bei den auf dem Burgberg gefundenen Mauerresten soll es sich nach manchen Auffassungen um die im Jahr 1366 erstmals erwähnte und von Graf Wilhelm erbaute Burg Grebeneck handeln.Herbert Aufderheide, Gerhard Ebbinghaus, Ernst Zeller: Geschichte des Kirchspiels Urbach. Ein Westerwälder Heimatbuch. 1987, S. 45. Diese geriet aber nach einem Vergleich mit Heinrich von Reichenstein in Vergessenheit, weshalb ihr genauer Standort bis heute nicht mehr auffindbar ist.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1958/1999, ISBN 3-922244-80-7, S. 258 ff.
Von 1400 bis 1425 erscheinen die Herren von Nieder-Isenburg als Lehensträger des Hofes Güllesheim, bis der Hof im Jahr 1432 aufgrund von wiedischen Erbansprüchen ein wiedisches Lehen wird.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1958/1999, ISBN 3-922244-80-7, S. 83. Teile des Güllesheimer Hofes konnten wieder von den Salentinern eingetauscht werden, Döttesfeld, Breitscheid, Daufenbach, Raubach, Hümmerich und Wienau blieben allerdings als isenburg-herfordisches Lehen bei den Grafen von Wied. Seitdem war Döttesfeld auch dem Gerichtsbezirk sowie Kirchspiel Puderbach (siehe Wappen) zugehörig, als dessen Teil Döttesfeld im Jahr 1585 erstmals genannt wird.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1958/1999, ISBN 3-922244-80-7, S. 470.
Neuzeit und Heute Im Jahr 1594 überließ schließlich Graf Salentin VII. von Nieder-Isenburg seine Rechte an das wiedische Hofgericht zu Güllesheim vollständig den Grafen von Wied, wobei die Isenburger zu diesem Zeitpunkt den Besitz schon so von der Abtei Herford entfremdet hatten, dass das Stift gar nicht mehr in der Übertragung der Rechte genannt wurde.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1958/1999, ISBN 3-922244-80-7, S. 84, Anm. 30. Trotz der Zugehörigkeit Döttesfelds zur Grafschaft Wied forderte Nieder-Isenburg im Jahr 1601 weiterhin Haferrenten des Güllesheimer Gerichts, da die Nachbarn zu „Deutesfeld vor alters einmal gen Horhausen“ gehört hatten.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1958/1999, ISBN 3-922244-80-7, S. 84, Anm. 28. Noch dazu waren im Jahr 1671 die Gemeinden Pleckhausen und Bürdenbach in einen Grenzstreit mit Döttesfeld verwickelt, was an die Rechtsstreitigkeiten über den Hof Güllesheim erinnert, zu dem auch Bürdenbach und Pleckhausen gehörten.
Döttesfeld war bis 1806 landesherrlich ein Teil des Fürstentums Wied-Runkel und war ab 1815 Teil Preußens. Der Ort kam im Jahr 1816 in den neu gebildeten Standesherrlichen Kreis Neuwied innerhalb der Provinz Großherzogtum Niederrhein (ab 1822 Rheinprovinz). Als der Fürst Hermann zu Wied 1846 auffordert, die Fürstliche Regierung aufzulösen, gehen ab 1848 die Verwaltungsgeschäfte ganz auf den Landrat über.mini|Oberähren, Luftaufnahme (2016)
Die heutige Gemeinde Döttesfeld entstand am 7. Juni 1969 durch Zusammenschluss der Gemeinden Döttesfeld, Bauscheid und Oberähren. Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Döttesfeld bezogen auf das heutige Gemeindegebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 233 1835 247 1871 310 1905 382 1939 390 1950 439 1961 445 Jahr Einwohner 1970 493 1987 527 2005 684 2011 618 2017 619 2022 656
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Döttesfeld besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl WGB WGS Gesamt 2024 5 7 12 Sitze 2019 per Mehrheitswahl 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 per Mehrheitswahl 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2009 per Mehrheitswahl 12 Sitze
Bürgermeister Michael Schmid wurde am 11. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Döttesfeld. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 59,0 % gegen einen Mitbewerber durchgesetzt.
Sein Vorgänger Martin Fischbach hatte das Amt seit 1994 inne und kandidierte bei der Wahl 2024 nicht erneut als Ortsbürgermeister.
Wappen
Kulturdenkmäler Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Döttesfeld
Naturdenkmäler Siehe Liste der Naturdenkmäler in Döttesfeld
Verkehr In unmittelbarer Nähe der Gemeinde verläuft die Bundesstraße 256, die von Neuwied nach Altenkirchen führt. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Neuwied an der Bundesautobahn 3. Nächstgelegener ICE-Bahnhof ist Montabaur an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main.
Weblinks
Ortsgemeinde Döttesfeld in der Internetpräsenz der Verbandsgemeinde Puderbach
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Neuwied Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Rheinland-Pfalz