Die Grotte Scladina () unweit der Maas in der „Rue Fond des Vaux“ in Sclayn bei Andenne (Belgien) ist eine archäologische und paläoanthropologische Fundstätte. Sie wird seit ihrer Entdeckung im Jahre 1971 vom gemeinnützigen Verein „Archäologie der Ardennen“ unter Mithilfe der Stadt Andenne und der Region Wallonien mit wissenschaftlicher Unterstützung der Universität Lüttich erforscht.

Zwei Schichten zeugen von einer Nutzung durch die Neandertaler, von denen die ältesten Zeugnisse etwa 130.000 Jahre zurückreichen. Entdeckt wurden die Gebeine eines etwa 10- jährigen Mädchens. 2019 wurden Teile der DNA ihres Zellkerns sequenziert und – wie beim annähernd gleich alten Fund aus Hohlenstein-Stadel – Hinweise auf eine engere genetische Nähe des Fossils mit den späteren, vor 40.000 Jahren in Westeuropa lebenden Neandertalern gefunden als mit den annähernd gleich alten Neandertalern aus Sibirien,Stéphane Peyrégne, Viviane Slon, Fabrizio Mafessoni et al.: Nuclear DNA from two early Neandertals reveals 80,000 years of genetic continuity in Europe. In: Science Advances. Band 5, Nr. 6, eaaw5873, 2019, doi:10.1126/sciadv.aaw5873 was als Beleg für eine Besiedlungsgskontinuität in Westeuropa interpretiert wurde.

Die gute Erhaltung der Überreste und der umgebenden Sedimente hat aus dieser Fundstelle eine Referenz für die Erforschung der Klimaentwicklung in Nordwesteuropa gemacht und dazu beigetragen, dass diese vom Beginn der letzten Zwischeneiszeit bis in die Mitte der letzten Eiszeit von Forscher und Prähistorikern aus der ganzen Welt erforscht werden konnte.

Höhlen mit Neandertalerresten in Belgien sind die Schmerling-Höhlen (Engis), Grotte la Naulette, Grotte von Spy, Grottes des Fonds-de-Forêt, Couvin-Trou de l'Abîme, Grotte Scladina, Walou und die Höhlen von Goyet.

Der anatomisch moderne Mensch (der sogenannte Cro-Magnon-Mensch) war im Jungpaläolithikum (zwischen 32.000 und 9.000 v. Chr.) ebenfalls vor Ort. In der Jungsteinzeit (zwischen 5.300 und 2.000 v. Chr.) wurde die Höhle als Bestattungsplatz genutzt.

Molekulargenetische Untersuchungen mit Hilfe der mitochondrialen DNA von Wollnashörnern aus der Grotte ergaben, dass die Tierart am nächsten mit dem Sumatra-Nashorn verwandt war.

Über die Ausgrabungsarbeiten und den Erhalt der archäologischen Relikte hinaus hat der Verein Archäologie der Ardennen sich die Aufgabe gestellt, das Publikum über die Vorgeschichte zu informieren.

Literatur Michel Toussaint, Dominique Bonjean: The Scladina I-4A Juvenile Neandertal – Palaeoanthropology and Context, Andenne 2014, ISBN 978-2-930495-20-0.

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