mini|hochkant|Hauptfassade (links) an der Gasse Hinter dem Lämmchen von Westen, 1910(Fotografie von Carl Andreas Abt) Das Goldene Lämmchen war ein im Kern der Altstadt von Frankfurt am Main zwischen Dom und Römer gelegener, bedeutender Messehof in der Gasse Hinter dem Lämmchen. Seine Ursprünge reichen in das Spätmittelalter, die zuletzt erhaltenen Bauten stammten aber überwiegend aus der Barockzeit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Anlage beim Bau der Braubachstraße in ihrem Bestand halbiert, der in die Straße einbezogene Rest im Zweiten Weltkrieg vernichtet. Im Rahmen des Dom-Römer-Projektes wurde das Goldene Lämmchen von 2014 bis 2017 äußerlich im Zustand der Vorkriegszeit rekonstruiert.mini|Nachbau des Goldenen Lämmchens im Mai 2018 Lage mini|Verlauf der Braubach und parzellengenaue Darstellung der Umgebung des Goldenen Lämmchens(Chromolithografie von Friedrich August Ravenstein von 1862 mit Überlagerung nach Nahrgang 1949) Die Anlage bestand aus zwei jeweils fast vollständig von Flügelbauten umschlossenen, quadratischen Höfen. Diese lagen zwischen der Schnurgasse (jetzt Berliner Straße) im Norden, der Neugasse im Osten, der nach dem Hof benannten Gasse Hinter dem Lämmchen im Süden und dem Nürnberger Hof im Westen. Der nördliche Hof war über das Haus Neugasse 3 zugänglich, der südliche, und da bis 1944 erhaltene bekanntere südliche Hof über das Gebäude Hinter dem Lämmchen 6.

Den nördlichen Hof begrenzte, wie an einem horizontal entlang dessen Nordseite verlaufenden Traufgang gut erkennbar, die Braubach, ein im ersten christlichen Jahrtausend verlandeter Nebenarm des Mains.Karl Nahrgang: Die Frankfurter Altstadt. Eine historisch-geographische Studie. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1949, S. 10 (Fußnote); nach Pollenanalysen und archäologischen Funden der Altwasserläufe von Rhein und Neckar. Dieser folgte im Altstadtbereich ungefähr dem Verlauf der heutigen gleichnamigen Straße.Karl Nahrgang: Die Frankfurter Altstadt. Eine historisch-geographische Studie. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1949, S. 13. Der vorgelagerten ersten Stadtmauer der Stadt, die nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung zur Zeit der ottonischen Herrscher um das Jahr 1000 entstand,Magnus Wintergerst: Franconofurd. Band I. Die Befunde der karolingisch-ottonischen Pfalz aus den Frankfurter Altstadtgrabungen 1953–1993. Archäologisches Museum Frankfurt, Frankfurt am Main 2007, ISBN 3-88270-501-9 (Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt 22/1), S. 95–98. diente sie als vorgelagerter natürlicher Graben. Die Anlage befand sich also noch innerhalb des ältesten Befestigungsrings der Stadt.

Das 2014 bis 2018 wiedererrichtete Goldene Lämmchen liegt zwischen seinen beiden ebenfalls rekonstruierten Nachbarn Alter Esslinger im Osten (Hinter dem Lämmchen 4) und Klein Nürnberg im Westen (Hinter dem Lämmchen 8).

Geschichte Mittelalter Ein Haus Zum Lämmchen lässt sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Nach Alexander Dietz rührt der Name von dem Gadenmann, also einem aus einer Verkaufsbude tätigen Tuchhändler,Karl Bücher: Die Berufe der Stadt Frankfurt a. M. im Mittelalter. B. G. Teubner, Leipzig 1914 (XXX. Band der Abhandlungen der philologisch-historischen Klasse der königl. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften No III), S. 48. namens Johannes Lämmchen her, der aus dem heute nicht mehr vorhandenen Ort Anröchte bei Arnsburg zugewandert war. Er wurde 1332 erstmals urkundlich genannt, wohnte ab 1354 im genannten Haus und findet 1358 letztmals Erwähnung.Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte – Band I. Herman Minjon Verlag, Frankfurt am Main 1910, S. 158.

mini|Goldenes Lämmchen als traufständiger Bau an der gleichnamigen Straße mit erkennbarem Innenhof, 1628(Kupferstich von Matthäus Merian d. Ä.) Ab 1361 befand sich das Haus Dietz weiter folgend im Besitz des für seine Zeit äußerst vermögenden Wein- und Metallhändlers Hans zu Lüneburg, der 1343 Frankfurter Bürger und wenig später Ratsmitglied geworden war.Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte – Band I. Herman Minjon Verlag, Frankfurt am Main 1910, S. 164. Nach seinem Tod 1396 ging es an seinen Bruder Henne, der 1410 starb.Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte – Band I. Herman Minjon Verlag, Frankfurt am Main 1910, S. 172. Danach wurde das Haus auf unbekanntem Wege, Urkunden deuten auf eine Erbteilung, Eigentum der Patrizierfamilie Weiß.Urkunde im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Bestand Glauburg Akten, Signatur 12. Durch die 1431 geschlossene Ehe der Agnes Weiß zum Lämmchen mit Wolf Blum,Richard Froning: Frankfurter Chroniken und annalistische Aufzeichnungen des Mittelalters. Verlag Carl Jügel, Frankfurt am Main 1884, S. 417; nach der Stammtafel der Familie Blum. einem der bedeutendsten Kaufmänner des 15. Jahrhunderts in der Stadt, kam der Hof an seine Familie, die ihn über zwei Generationen bis 1500 besaß.Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte – Band I. Herman Minjon Verlag, Frankfurt am Main 1910, S. 262–265. Während die Familie Blum seit 1441 das Haus Falkenstein in der Fahrgasse, Ecke Predigergasse als Hauptsitz der Blum-Gesellschaft unterhalten zu haben scheintMichael Matthäus: Die Familie Ugelheimer – Handel und Patriziat in Frankfurt, in: Hinter dem Pergament: die Welt. Der Frankfurter Kaufmann Peter Ugelheimer und die Kunst der Buchmalerei im Venedig der Renaissance. Ausstellungskatalog Dommuseum Frankfurt 2018, herausgegeben von Christoph Winterer Hirmer Verlag, München 2018, S. 13., wohnte hier wohl der 1491 in Venedig verstorbene Georg Blum, einer der jüngeren Söhne Wolf.Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte – Band I. Herman Minjon Verlag, Frankfurt am Main 1910, S. 208. Die gesamten vorgenannten Urkunden beziehen sich auf das Haus an der Gasse Hinter dem Lämmchen, die im Mittelalter als Esslinger- oder auch Glauburgergasse bekannt war.Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band III. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1864 (online), S. 129. Die neuzeitliche Bezeichnung scheint sich gemäß entsprechenden urkundlichen Nennungen ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts durchgesetzt zu haben, als der auf sie stoßende Nürnberger Hof nicht länger im Besitz der Familie Glauburg war.Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band III. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1864 (online), S. 168 u. 169. Der nördliche Teil des Lämmchens an der Neugasse wird erst 1494 als „Husung zum Lempchin zum alten Esslinger neben dem Eckehuss zum Esslinger und dem Huss in der Nuwengasse neben dem Thore hinden, so man uss dem Hoff im Lempchin inforet“ genannt.Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band III. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1864 (online), S. 119.

Über den baulichen Umfang und Zustand dieser Zeit ist wenig überliefert. Sicher ist, dass auf der Parzelle im 14. Jahrhundert zwei Häuser standen. Das östliche Gebäude, direkt neben dem Haus Alter Esslinger (Hinter dem Lämmchen 4), war das erstmals 1368 genannte Haus Gisenheimer, daneben befand sich eigentliche Haus Zum Lämmchen. Beide Gebäude werden urkundlich 1438 und 1444 noch einzeln genannt, ab 1444 ist nur noch vom Haus Zum Lämmchen die Rede.Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band III. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1864 (online), S. 131. Daher muss im Sinne eines terminus post quem 1438–1444, spätestens aber 1444 ein die Häuser zusammenfassender Umbau oder sogar vollständiger Neubau erfolgt sein. Dies fällt befriedigend mit der davon unabhängigen Überlieferung zu den neuen Eigentümern ab 1431 zusammen, so dass in Wolf Blum und Agnes Weiß zum Lämmchen die Bauherren zu sehen sind.

Ob die Bauten des Mittelalters bereits einen oder zwei Innenhöfe und ähnliche Grundrisse aufwiesen wie die bis 1904 respektive 1944 überkommene Anlage, ist unsicher. Die erste recht genaue Darstellung des Stadtgebietes durch Matthäus Merian d. Ä. aus dem Jahr 1628 lässt einen zweigeschossigen, traufständigen Bau erkennen, der sich über ein arkadiertes Erdgeschoss zu einem Innenhof hin öffnet. Auf der Nordseite des Innenhofs ist ein großer Torbogen angedeutet, der eventuell in den zweiten, nördlichen Hof der Anlage führte. Ein solcher ist aber wegen perspektivischer Schwächen des Plans nicht klar erkennbar.

Frühe Neuzeit mini|hochkant|Hausmadonna auf Konsole mit Wappenschilden, um 1896(Fotografie von Carl Friedrich Fay) mini|Blick von der Torfahrt in den südlichen Innenhof nach Westen, links die Rückseite des Haupthauses an Hinter dem Lämmchen, 1856(Aquarell von Carl Theodor Reiffenstein) mini|hochkant|Lämmchenbrunnen von 1755, um 1896(Fotografie von Carl Friedrich Fay) An wen Haus und Hof nach dem Ende der Ära Blum zu Beginn der frühen Neuzeit gingen, ist nicht direkt überliefert, es gibt nur Indizien. Sie deuten darauf hin, dass es wohl zumeist mehrere Eigentümer gab, was aufgrund der weit reichenden verwandtschaftlichen Beziehungen der Familie, auf die Alexander Dietz explizit hinweist,Alexander Dietz: Frankfurter Handelsgeschichte – Band I. Herman Minjon Verlag, Frankfurt am Main 1910, S. 267. kaum verwunderlich ist. 1537 brachte laut einem Ehevertrag Lucrecia Stalburg, eine Tochter des reichen Patriziers, Schöffen und Ratsherren Claus Stalburg und seiner Frau Margarethe vom Rhein, bei ihrer Heirat mit Hieronymus Glauburg, der aus einer der bedeutendsten Adelsfamilien der Stadt stammte, das Haus oder Anteile daran mit in die Ehe.Urkunde im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Bestand Holzhausen Urkunden, Signatur 907.

Eine spätgotische Madonna, die auf einer Konsole mit zwei Wappenschilden stand, war bis 1911 an der Südwestecke des ersten Obergeschosses zur Straße angebracht und wurde dann durch eine Kopie ersetzt. Skulptur und Konsole sind im Depot des Historischen Museums Frankfurt erhalten und werden auf die Zeit um 1460 geschätzt,Dietrich-Wilhelm Dreysse, Björn Wissenbach: Planung Bereich Dom – Römer. Spolien der Altstadt 1. Dokumentation der im Historischen Museum lagernden Originalbauteile Frankfurter Bürgerhäuser. Stadtplanungsamt, Frankfurt am Main 2008, S. 10 u. 11. () was sie in auffällige zeitliche Nähe zu dem vorgenannten zusammenfassenden Um- oder Neubau des Hauses rückt.

In gewissem Widerspruch dazu steht, dass Carl Theodor Reiffenstein eines der Wappen im 19. Jahrhundert noch als das der Familie vom Rhein erkannte, das andere beschrieb er als „zwei Messer schwarz auf goldenem Grund“.Hans Lohne: Frankfurt um 1850. Nach Aquarellen und Beschreibungen von Carl Theodor Reiffenstein und dem Malerischen Plan von Friedrich Wilhelm Delkeskamp. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1967, ISBN 3-7829-0015-4, S. 144. Dabei handelt es sich weder um das naheliegende Wappen der Familien Blum oder Weiß noch um das der Familien Stalburg oder Glauburg.Hans Körner, Andreas Hansert: Frankfurter Patrizier. Historisch-Genealogisches Handbuch der Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg zu Frankfurt am Main. Verlag Degener & Co, Neustadt an der Aisch 2003, ISBN 3-7686-5177-0, S. 95 u. 379.