miniatur|Der Garten der Gerechten unter den Völkern Die Liste der Gerechten unter den Völkern aus Armenien führt in alphabetischer Reihenfolge diejenigen Armenier und Armenierinnen auf, die von der Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Titel Gerechter unter den Völkern geehrt wurden.

Hintergrund Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstand 1918 die unabhängige Demokratische Republik Armenien. Sie bestand bis Ende 1920, als nach einem unblutigen Putsch armenische Bolschewiki an die Macht gelangten und unterstützt durch den Einmarsch der 11. Abteilung der Roten Armee die Armenische Sozialistische Sowjetrepublik (ArSSR) errichtet wurde. Die ArSSR wurde 1922 Teil der Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik und nach deren Auflösung im Jahr 1936 wieder eine eigenständige Unionsrepublik innerhalb der Sowjetunion.

Die jüdische Bevölkerung der Armenischen Sozialistischen Sowjetrepublik war vor dem Zweiten Weltkrieg sehr klein. Bei der sowjetischen Volkszählung von 1939 wurden 512 Juden gezählt, die etwa 0,04 Prozent der Bevölkerung ausmachten.Mordechai Altshuler: Distribution of the Jewish Population of the USSR 1939. Centre for Research and Documentation of East European Jewry, Hebrew University of Jerusalem, Jerusalem 1993, S. 38–40. Wie andere Religionsgemeinschaften waren Juden in der Sowjetunion von der staatlichen Einschränkung und Unterdrückung religiösen Lebens betroffen. Die besonders ausgeprägten antisemitischen Kampagnen der Stalinzeit erreichten ihren Höhepunkt jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 stieß die Wehrmacht während ihrer Sommeroffensive 1942 weit in den Kaukasus vor. Die Offensive zielte unter anderem auf die Erdölgebiete des Kaukasus; der deutsche Vormarsch erreichte den Nordkaukasus, jedoch nicht die Armenische Sozialistische Sowjetrepublik. Armenien wurde während des Zweiten Weltkriegs somit nicht von deutschen Truppen besetzt, und die dort lebenden Juden waren nicht der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in den besetzten sowjetischen Gebieten ausgesetzt. Zugleich fanden während des Holocaust jüdische Flüchtlinge und Evakuierte aus anderen Teilen der Sowjetunion in Armenien Zuflucht.

Die von Yad Vashem Armenien zugeordneten Rettungsaktionen fanden außerhalb der Armenischen Sozialistischen Sowjetrepublik statt. Yad Vashem nennt die Ukraine, die Krim, Frankreich, Ungarn und Österreich als Schauplätze der Rettungsaktionen und weist darauf hin, dass Armenier nach dem Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich während des Ersten Weltkriegs in diese Gebiete geflohen waren. Einige der Retter wurden nach Angaben von Yad Vashem durch die Erinnerung an die Verfolgung der Armenier zu ihrer Hilfe für Juden motiviert. Zu ihnen gehörten Grigori und Pran Tashchyan, die beide die Verfolgung der Armenier im Osmanischen Reich überlebt hatten und mit ihren Kindern in Simferopol zwei jüdische Kinder versteckten.

Israel hat nach der Staatsgründung 1948 den Ehrentitel Gerechter unter den Völkern () eingeführt, um nichtjüdische Einzelpersonen zu ehren, die unter nationalsozialistischer Herrschaft während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten.

Bis zum 1. Januar 2024 wurden von Yad Vashem 24 Armenier und Armenierinnen als Gerechte unter den Völkern anerkannt. Für die Orte der Rettungen

Liste Die Liste ist alphabetisch nach Nachnamen geordnet. Hinter dem Namen ist – soweit bekannt – das Geburts- und das Sterbedatum angegeben sowie der Ort der Rettung, der Grund und das Jahr der Ehrung. Quelle der Informationen ist die Righteous Among the Nations Database der Gedenkstätte Yad Vashem. NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrOdessaAshkhen Agopyan, die mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Odessa wohnte, rettete das Leben ihrer Nachbarin und Freundin Olga Rabinovich und deren halbjüdischen Kleinkinder Dina und Manya. Als Olga Rabinovich mit ihren Kindern Ende Dezember 1941 zunächst ins Gefängnis und dann ins jüdische Ghetto verschleppt wurden, versorgte Agopyan sie einige Monate mit Lebensmitteln, Decken und Windeln. Im Sommer 1942 gelang es Olga Rabinovich mit ihren Töchtern aus dem Lager zu fliehen. Ashkhen Agopyan und ihre Nachbarn, die Familie Bilich, versteckten sie 18 Monate lang im Kohlenkeller des Hauses.2010OdessaPeruza Bagdasarian und ihr Sohn Sarkis Bagdasarian waren in Odessa Nachbarn der jüdischen Familie Josef und Shura-Rivka Khasin und deren beiden Kinder Rosa und Avraham. Nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion im Sommer 1941, dem Einmarsch der Rumänen in Odessa im Oktober 1941 und der damit beginnenden Judenverfolgung versorgten und versteckten die Bagdasarians die Kinder der Familie Khasin, da ihre Eltern verhaftet wurden. Außerdem brachten sie Josef und Shura-Rivka Khasin Essen ins Gefängnis und unterstützten die Familie Khasin, nachdem sie ab Januar 1942 im Ghetto leben musste. Shura-Rivka Khasin und ihre beiden Kinder überlebten auch die Deportation und kehrten im März 1944, als die Stadt befreit war, nach Odessa zurück. Da ihre Wohnung zerstört war, lebten sie mehrere Monate im Haus von Peruza Bagdasarian.2013ColombesDie armenischen Christen Yervante Beurkdjian und Elbis Beurkdjian versteckten 1942 in Colombes acht Monate lang das jüdische Ehepaar Goldhamer.1982Brunoy, Seine et OiseGeorges Dilsizian war Ende des 19. Jahrhunderts wegen der Verfolgung der Armenier durch die Türken nach Frankreich geflohen, hatte hier geheiratet und war Vater von dreizehn Kindern. Während der deutschen Besetzung Frankreichs versteckte er ab Sommer 1942 – zusammen mit seinem Sohn Andre-Gustave Dilsizian – in seinem Haus seine jüdische Schwiegertochter Lea Albohair sowie drei Mitglieder aus deren Familie.2011LyonAlbert Hougassian, seine Frau Makrouhi Hougassian und deren sechzehnjährige Tochter Berthe Hougassian versteckten in ihrem Haus in Lyon die dreiköpfige jüdische Familie Tancmans, die Anfang 1942 auf der Flucht vor den Deutschen von Paris nach Lyon gezogen war. Die Tacmans blieben bis zur Befreiung Lyons im September 1944 im bescheidenen Haus der Hougassians. Albert Hougassian, der als Dolmetscher im Polizeipräsidium von Lyon arbeitete, nutzte seine dortigen Verbindungen, um die Tancmans außerdem mit gefälschten Papieren zu versorgen.1993BudapestAra Jeretzian, ein in Istambul geborener Armenier, war 1944 Kommandeur der Zivilverteidigung im sechsten Bezirk von Budapest. Hier eröffnete und betrieb er ein Krankenhaus, das unter dem Schutz der schwedischen Botschaft stand und in dem verletzte Zivilisten und Soldaten kostenlos behandelt wurden. Jeretzian beschäftigte dort etwa vierzig jüdische Ärzte, die er mit gefälschten arischen Papieren ausgestattet hatte, und ließ sie mit ihren Familien im Krankenhaus wohnen. Zusätzlich zu den Ärzten und ihren Familien schützte Jeretzian mit seinen Helfern bis zur Befreiung das Leben von 400 Juden.1981Velikiye LukiHarutyun Khachatryan, ein Militärarzt armenischer Herkunft, und Iosip Kogan, ein sowjetischer Offizier jüdischen Glaubens, befanden sich im August 1941 in deutscher Kriegsgefangenschaft. Khachatryan rettete das Leben des schwer verwundeten Iosip Kogan, versorgte ihn mit Lebensmitteln und verschaffte ihm eine neue Identität.2013CharkiwDer Armenier Arut Kisheshyan, seine ukrainischen Frau Natalya Kisheshyan-Zagoruyko und ihre Tochter Almaza Kisheshyan versteckten in einem kleinen Lagerraum in ihrem Haus in Charkiw ab Ende Dezember 1941 die Jüdin Reiza Krasova mit ihren zwei Söhnen Vadim und Yakov. Aufgrund des Mangels an Lebensmitteln lebte Reiza Krasova nur drei Monate bei den Kisheshyans, ihre beiden Kinder konnten bis Dezember 1942 bei der Familie bleiben.2003CharkiwVartan Mkrtchyan, ein armenischer Jugendlicher, seine Mutter Arakel Mkrtchyan und seine Cousine Knarik Shakhbazian nahmen im Dezember 1941 den 16-jährigen jüdischen Jugendlichen Josef Taraszinsky bei sich in Charkiw auf, der durch glückliche Umstände der Erschießung der Charkower Juden durch die Deutschen entgangen war. Josef Taraszinsky konnte sich bis Februar 1943, als die Rote Armee die Stadt zum ersten Mal befreite, im Haus der Familie Mkrtchyan verstecken und Vartan Mkrtchyan besorgte ihm außerdem falsche Papiere.1999WienAram Taschdjian, ein Armenier und Freimaurer, lebte mit seiner Frau Felicia Taschdjian und ihrer achtjährigen Tochter in Wien. Hier versteckten sie für drei Jahre Valentin Skidelsky, den Freund von Aram Taschdjians Schwester.1992SimferopolGrigori Tashchyan und Pran Tashchyan, beide Überlebende des Völkermordes an den Armeniern in der Türkei, lebten mit ihren Kindern Tigran und Asmik in Simferopol in der Autonomen Republik Krim der Russischen Föderation. Als die Deutschen Simferopol am 1. November 1941 besetzten und die Ermordungen und Deportationen der Juden begannen, versteckte die Familie Tashchyan Anatoly Golberg und Rita Golberg, die Kinder des ermordeten Ehepaares Evgenia und David Golberg bis zur Befreiung der Stadt am 13. April 1944.2002

Siehe auch

Judentum in Armenien

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Einzelnachweise

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