mini|Eric Gauthier (2018) Eric Gauthier (* 13. März 1977 in Montreal) ist ein franko-kanadischer Tänzer und Choreograph. Im Jahr 2007 gründete er am Theaterhaus Stuttgart die Ballet-Compagnie Gauthier Dance, die er seither leitet.

Leben Karriere bis 2007 Eric Gauthier studierte Tanz bei den in Montreal und anschließend an der in Toronto. Dort ließ er sich auch in Musik und Gesang unterrichten. 1995 wurde er Schüler beim unter der Leitung von Reid Anderson. 1996 wechselte Anderson als künstlerischer Leiter zum Stuttgarter Ballett und lud Gauthier ein, als Tänzer in die Stuttgarter Compagnie einzutreten. 2002 wurde er dort zum Solotänzer ernannt.

Gauthier tanzte in Stuttgart in mehreren klassischen Rollen, darunter den Mercutio in John Crankos Choreographie Romeo und Julia. In den Cranko-Stücken Jeu de Cartes und The Lady and the Fool tanzte er den Joker beziehungsweise den Bootface. Ferner tanzte er den Alain in Frederick Ashtons La fille mal gardée sowie Rollen in Stücken von George Balanchine und Kenneth MacMillan.

Besonders ausgeprägt war jedoch seine Neigung zum zeitgenössischen Tanz. In den zehn Jahren von 1996 bis 2006 tanzte Gauthier in fast allen Premieren im Staatstheater des Stuttgarter Ballets. Er tanzte Stücke von Hans van Manen, John Neumeier, Jiří Kylián, Nacho Duato, Paul Lightfoot, Uwe Scholz und James Kudelka und arbeitete mit einigen von ihnen persönlich zusammen. Einen Namen machte er sich als Interpret von William Forsythe. Er arbeitete mit ihm in Stuttgart und Frankfurt zusammen und interpretierte fünf seiner Stücke als Tänzer.

Etliche Choreographen entwickelten Rollen für ihn, darunter Christian Spuck, Haus-Choreograph des Stuttgarter Balletts. Spuck schuf die Rollen des Schigolch in Lulu und die Rolle des Malers in …la peau blanche… für ihn. Gauthier tanzte in elf Weltpremieren von Spuck. Ferner schufen Mauro Bigonzetti, Itzik Galili, Kevin O’Day, Marguerite Donlon, Daniela Kurz, Dominique Dumais, Nicolo Fonte, Matjash Mrozewski, Douglas Lee, Marc Spradling, James Sutherland, Pascal Touzeau und Trey McIntyre Rollen für Eric Gauthier.

Sein Debüt als Choreograph hatte Gauthier 2005 im Programm Junge Choreographen der Noverre-Gesellschaft. 2006 wurde er erneut eingeladen. Mit Ballet 101 gewann er sowohl den Publikumspreis als auch den Preis der Kritik beim 21. Internationalen Wettbewerb für Choreographen der Ballett Gesellschaft Hannover. Für die Noverre-Gesellschaft schuf Gauthier 2007 die Choreographie Air Guitar.

Gründung der Compagnie Gauthier Dance Im September 2007 tanzte Eric Gauthier mit Egon Madsen in Christian Spucks Don Q. Das Stück gastierte anschließend in Österreich, Italien, Spanien, Luxemburg und vielen deutschen Städten.

Seit 2007 leitet er am Theaterhaus Stuttgart die Compagnie Gauthier Dance, die 2008 ihre Premiere mit Six Pack hatte. Es folgten bis 2012 die Choreografien High Five, Four Play, M.M. & More, Out of the Box I und II, POPPEA//POPPEA und Lucky Seven. Mauro Bigonzetti, Alejandro Cerrudo, William Forsythe, Itzik Galili, Jiří Kylián, Paul Lightfoot, Sol León, Hans van Manen, Christian Spuck und Philip Taylor stellten Werke für die Compagnie zur Verfügung oder schufen eigens für sie Stücke. 2011 wurde Eric Gauthier mit dem deutschen Tanzpreis Zukunft für Choreographie ausgezeichnet.

2014 brachte er mit Alice seine bis dahin größte Produktion auf die Bühne des Theaterhauses: Ein abendfüllendes Handlungsballett, choreografiert von Mauro Bigonzetti. Bigonzetti illustriert darin die Geschichten Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln von Lewis Carroll. Für die Musik engagierte Bigonzetti das süditalienische Trio Assurd zusammen mit Antongiulio Galeandro und Enza Pagliara. Deren Rhythmen und Gesänge, vorgetragen in süditalienischen Dialekten und mitunter in Spanisch, unterstützen die Tänze der zauberhaften Figuren aus Carrolls Geschichten.Gabriele Metsker: Ein Teil von ihr bleibt im Wunderland, Stuttgarter Zeitung, 26. Juni 2014, abgerufen am 6. Juli 2014

Für sein soziales Engagement, mit dem er unter anderem seine Tanzkunst zu Menschen bringt, die ihn nicht im Theater besuchen können, wurde er im April 2015 mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet., Pressemitteilung des Staatsministeriums Stuttgart vom 25. April 2015, abgerufen am 26. April 2015 links|mini|350x350px|Haupteingang des Theaterhaus Stuttgart am Pragsattel. Eric Gauthier hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Choreografen zu fördern, beispielsweise 2017 im Rahmen des Colours International Dance Festival. 2018 ermöglichte er einem dieser Choreografen, dem Israeli Nadav Zelner, dessen erste abendfüllende Choreografie Bullshit bei Gauthier Dance zu inszenieren. Auch von Ende Juni bis Mitte Juli 2019 fand dieses Festival wieder statt. Die dritte Auflage des Festivals fand zudem vom 25. Juni bis 17. Juli 2022 statt.

Im März 2019 wurde bekannt, dass dem Theaterhaus Stuttgart die Insolvenz droht und damit auch das Bestehen von Gauthier Dance gefährdet ist. Um dies abzuwenden, soll Gauthier Dance von der Stadt Stuttgart künftig einen eigenen Etat bekommen.

Zum 40. Bühnenjubiläum des Theaterhauses Stuttgart bat Gauthier zehn Choreografen, jeweils ein Stück auszuwählen und daraus einen Tanz zu formen. Herausgekommen ist The FireWorks Project, das neben Altbewährtem zwei randvolle Programmhälften auf die Bühne bringt, die das weite Genre-Spektrum der Compagnie ehren. Die Premiere war am 30. April 2025.

Für die Spielzeit 2025/26 unternahm die Compagnie eine ausgedehnte Tournee durch Deutschland, Polen, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden und Italien. Begonnen wurde sie mit Mixed program am 26. September 2025 in der Terme di Caracalla in Rom und beendet im Theaterhaus Stuttgart mit Radical Classical (Juniors) vom 22. bis 26. Juli 2026. Im Juli 2026 wurde ihm die Bürgermedaille der Stadt Stuttgart verliehen.

Weitere Tätigkeiten ARD-Dokumentarfilm-Serie Dance around the world – Tel Aviv (5.8.2022), erste TV-Dokumentarfilm-Serie des SWR über die professionellen Tanz-Ensembles in verschiedenen Ländern, Regie: Andreas Ammer, Dauer: je 59 Minuten. Dance around the world – Montreal (5. 11. 2023) Dance around the world – St. Petersburg (5. 11. 2023) Dance around the world – Kuba (5. 11. 2023) Dance around the world – Niederlande (5. 11. 2023) Dance around the world – Tel Aviv (7. 11. 2023) Dance around the world – London (13. 11. 2023) Dance around the world – Skandinavien (10. 12. 2025) Dance around the world – Brasilien (8. 1. 2026) Neben seiner Arbeit als Choreograph ist Eric Gauthier auch als Musiker auf der Bühne zu erleben. Als Eric Gauthier & Band präsentiert er mit dem Schlagzeuger Reinhardt Albrecht-Herz und weiteren Mitmusikern Songs, die vom britischen Gitarrenpop beeinflusst sind. Als musikalisches Vorbild nannte er in einem Interview Ryan Adams.

Seit März 2020 betreibt Eric Gauthier einen Youtube-Kanal unter dem Kennwort #Wohnzimmerballett, um seinem Publikum auch während der Coronakrise die Freude am Tanz zu vermitteln und es zum Mittanzen zu animieren.

Gautier Dance JUNIORS//Theaterhaus Stuttgart Angesichts der Tatsache, dass unzählige junge Tänzer kein Engagement finden, weil ihnen die Erfahrung fehlt, hat Eric Gauthier in 2022 für Tänzer im Alter von 18 bis 22 Jahren JUNIORS ins Leben gerufen. Er berichtet dazu: „Wir hatten über 2.000 Bewerber für sechs Plätze. Diese junge Compagnie gibt nun 25 Vorstellungen pro Jahr und füllt das Theater mit 300 Plätzen jedes Mal bis auf den letzten Platz.“

Privates Im August 2020 gaben Eric und Laura Gauthier nach 17 Jahren Partnerschaft und 11 Jahren Ehe ihre Trennung bekannt. Sie haben zusammen drei Kinder.Eric und Laura Gauthier haben sich getrennt. In: stuttgarter-zeitung.de, 19. August 2020.

Einzelnachweise

Weblinks Gauthier Dance am Theaterhaus Stuttgart Trailer-Video zu Lucky Seven „Ich zeige die ‚sunny side‘ of modern dance“ Gespräch mit Gauthier in der SWR2-Reihe Zeitgenossen

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