Die Dresdner Verkehrsbetriebe AG, abgekürzt DVB, ist das kommunale Nahverkehrsunternehmen der Stadt Dresden. Die Gesellschaft ging am 16. August 1993 aus dem VEB Verkehrsbetriebe der Stadt Dresden hervor und ist in den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) integriert. Die Reihe der Vorläufer des öffentlichen Linienverkehrs in Dresden reicht bis in das Jahr 1838 zurück.
Die Aktiengesellschaft betreibt zwölf Straßenbahnlinien mit einer Gesamtlänge von 213 Kilometern auf einem rund 134 Kilometer umfassenden Schienennetz. Ergänzt wird die Straßenbahn von 27 Stadtbuslinien mit einer Gesamtlänge von etwa 310 Kilometern, den beiden Dresdner Bergbahnen und drei Elbfähren sowie bis Dezember 2020 der Güterstraßenbahn CarGoTram.
Im Jahr 2024 wurden von der DVB rund 180 Millionen Fahrgäste befördert, so viele wie seit 1990 nicht mehr (2019: 164,3 Mio.). Die Schwarzfahrerquote beträgt 2 Prozent.
Geschichte Vorläufer mini|links|Doppeldeckwagen von einer der ersten Dresdner Pferdestraßenbahnen, Böhmischer Bahnhof – Tannenstraße (nach 1881)
Im Jahr 1838 wurde in Dresden mit einer ersten Pferdeomnibus-Linie ein Vorläufer des öffentlichen Personenverkehrs eingerichtet. In den folgenden Jahren wurde dieses Netz weiter ausgebaut und verband auch nähere Vororte. Am 26. September 1872 wurde die erste Pferdestraßenbahnlinie eröffnet. Arnold von Ettlinger hatte die Konzession erworben, die Bahn von Blasewitz nach Dresden-Plauen gebaut und an die Continentale-Pferdebahn-Aktiengesellschaft (Unternehmenssitz in Berlin) verkauft.Martin Metz, Matthias Bethge: Dresden in Die Straßenbahnen in der DDR. Berlin/Stuttgart 1978, ISBN 3-87943-625-8, S. 186–250. Pferdebahnen ersetzten nach und nach die Pferdeomnibusse, dessen letzte zwei Linien 1913 eingestellt wurden.
Die Gelbe und die Rote Straßenbahn Die erste Straßenbahnstrecke führte vom Pirnaischen Platz (dem östlichen Zugang zur Innenstadt) zum wohlhabenden Vorort Blasewitz. Bis 1873 wurde die Strecke bis Plauen verlängert. Nach dieser ersten Linie wurden aber erst zögerlich Pferdeomnibus-Linien ersetzt. 1879 pachtete die Tramways Company of Germany Ltd. mit Sitz in London diese Linie und setzt sich in Folge für einen weiteren Ausbau ein. Wegen der Farbe ihrer Wagen wurde diese Gesellschaft im Volksmund Die Gelbe genannt.
Nach Meinungsverschiedenheiten zwischen der Stadt und der englischen Gesellschaft wurde 1889 die Deutsche Strassenbahn-Gesellschaft in Dresden konzessioniert. Wegen der Farbe ihrer Wagen wurde diese Gesellschaft im Volksmund Die Rote genannt. Anfangs war diese Gesellschaft stark benachteiligt, da sie nicht dieselben Strecken wie die Gelbe benutzen durfte. Das änderte sich am 6. Juli 1893, als die rote Gesellschaft die erste elektrische Straßenbahn Sachsens vom Schloßplatz nach Blasewitz eröffnete. Die Tramways Company konnte nur auf der Vorortstrecke zwischen Blasewitz und Laubegast einen elektrischen Betrieb durchführen, weil die Stadt ausländischen Gesellschaften keine Konzession für den elektrischen Straßenbahnbetrieb erteilte. 1894 wurde die gelbe Gesellschaft deshalb aufgelöst und für ihre Anlagen in Dresden die Dresdner Straßenbahn-Gesellschaft gegründet.
Vereinigung des Nahverkehrs – Die Städtische Straßenbahn Die Stadt Dresden übernahm 1905 beide Straßenbahngesellschaften und schloss sie am 1. Januar 1906 zur Städtischen Straßenbahn zu Dresden zusammen. Ab 1906 übernahm die Städtische Straßenbahn auch die Betriebsführung auf der meterspurigen, nur dem Güterverkehr dienenden Güterbahn Deuben. 1912 wurden auch die beiden Bergbahnen integriert.
Am 1. April 1914 wurde die erste Kraftomnibuslinie eröffnet. Diese führte vom Bahnhof Dresden-Neustadt zur Nürnberger Straße und bestand nur wenige Monate. Bereits am 4. August 1914 wurden die Omnibusse wegen des Ersten Weltkriegs von der Heeresverwaltung beschlagnahmt und kehrten nicht nach Dresden zurück. Erst 1925 wurde wieder ein Kraftomnibusverkehr eingerichtet.
Ende der 1920er Jahre plante die Stadt, das Unternehmen wieder zu privatisieren. Für die Überlandstrecken (außerhalb der Stadtgrenzen) wurde 1926 die Dresdner Überland-Verkehr GmbH (DRÜVEG) gegründet. In dieses Unternehmen brachte der Freistaat Sachsen die von ihm gebauten und von der Dresdner Straßenbahn betriebenen Überlandlinien der Lößnitzbahn, der Plauenschen Grundbahn, der Vorortbahn Loschwitz–Pillnitz, der Bühlauer Außenbahn und der Vorortbahn Cotta–Cossebaude sowie Industriegelände – Klotzsche/Hellerau ein. 1928 kam die Lockwitztalbahn hinzu. Die Betriebsführung oblag dabei mit Ausnahme der Lockwitztalbahn, die die DRÜVEG als einzige Linie selbst betrieb, weiter der Dresdner Straßenbahn.
Dresdner Straßenbahn AG mini|Straßenbahnbetrieb 1949 im Trümmerfeld der Inneren Altstadt (Blick vom Ende der Prager Straße entlang der See- und Schloßstraße zur Katholischen Hofkirche und dem Georgenbau des Residenzschlosses)
Am 1. Januar 1930 wurde die städtische Straßenbahn wieder in eine private Form umgewandelt und die Dresdner Straßenbahn AG gegründet. 1941 wurde die DRÜVEG von der Dresdner Straßenbahn AG übernommen. Damit gehörte nun auch die bislang von der DRÜVEG betriebene Lockwitztalbahn zum Netz der Dresdner Straßenbahn AG.
Die Zeit nach dem Krieg – Dresdner Verkehrsgesellschaft Durch die Luftangriffe am 13. und 14. Februar 1945 fiel das Omnibusnetz weitestgehend aus. Noch betriebstaugliche Fahrzeuge wurden zunächst als Lastwagen eingesetzt. Erst ab 20. Februar 1949 wurden sie als Straßenbahn-Ersatzverkehr (Bühlau – Weißig) eingesetzt. Die erste reguläre Omnibuslinie verkehrte am 24. Oktober 1949 (Linie A Wölfnitz – Gompitz).
Bereits 1945 wurde zur Beseitigung der absolut dringendsten Schäden am Gleisnetz der Dresdner Straßenbahn AG der Ratssteinbruch im Plauenschen Grund zugeordnet.Dresdner Verkehrsbetriebe AG (Hrsg.): Von Kutschern und Kondukteuren – Die Geschichte der Straßenbahn zu Dresden von 1872 bis 2007. Junius-Verlag, Dresden 2007, ISBN 978-3-88506-018-5, S. 154 Am 31. August 1946 wurde der Dresdner Straßenbahn AG unter gleichzeitiger Umbenennung zur Dresdner Verkehrsgesellschaft AG (DVG) die erst am 1. Januar 1946 gegründete Dresdner Transport GmbH zugeordnet. Am 19. Dezember 1946 übernahm die DVG Anteile an der neugegründeten Dresdner Ratssteinbruch-Betriebs-Gesellschaft GmbH. Nach dem Volksentscheid vom 30. Juni 1946 wurden der DVG am 14. Januar 1947 die ehemals privaten Unternehmen Union-Krafttransport-Betriebe und der Reparatur- und Garagenbetrieb Friedrich Metzner komplett zugeordnet (d. h. auf die DVG verschmolzen). Am 20. März 1947 folgte die Übernahme des Städtischen Verkehrsamtes, das ab diesem Zeitpunkt als eigenes Reise- und Auskunftsbüro der DVG betrieben wurde. Am 13. Oktober 1947 übernahm die DVG das Diabas-Schotterwerk in Nentmannsdorf und am 3. Februar 1948 Anteile am Dachziegelwerk Gröba GmbH in Riesa. Kurz vor Bildung des KWU wurden die Dresdner Ratssteinbruch-Betriebs-Gesellschaft GmbH und die Dachziegelwerk Gröba GmbH vollständig auf die DVG verschmolzen.Dresdner Verkehrsbetriebe AG (Hrsg.): Von Kutschern und Kondukteuren – Die Geschichte der Straßenbahn zu Dresden von 1872 bis 2007. Junius-Verlag, Dresden 2007, ISBN 978-3-88506-018-5, S. 167/168.
Die DVG wurde am 1. Januar 1949 mit weiteren Betrieben zu einem Eigenbetrieb der Stadt Dresden, Kommunales Wirtschaftsunternehmen der Stadt Dresden (KWU), umgewandelt und erhielt im September 1949 noch die Aufgabe des Krankentransportes zugewiesen.Dresdner Verkehrsbetriebe AG (Hrsg.): Von Kutschern und Kondukteuren – Die Geschichte der Straßenbahn zu Dresden von 1872 bis 2007. Junius-Verlag, Dresden 2007, ISBN 978-3-88506-018-5, S. 180.
Im Jahr 1949 wurde auf der Grundlage der vor dem Zweiten Weltkrieg verkehrenden Buslinie C, die noch nicht wieder in Betrieb gegangen war, schrittweise eine Oberleitungsbus-Linie aufgebaut. Als neue Buslinie C wurde sie Ende 1949 in Betrieb genommen (nach dem Liniensystem 1969 und bis heute: Linie 61).
VEB Verkehrsbetriebe der Stadt Dresden mini|Ikarus 180 vor dem neuerbauten Interhotel Newa, um 1970
Am 1. April 1951 werden die Verkehrsbetriebe als VEB Verkehrsbetriebe der Stadt Dresden verstaatlicht und erneut ein eigenständiger Betrieb. Dabei wurden die sachfremden Aufgaben (Dachziegelwerke, Krankentransport usw.) wieder herausgelöst. Lediglich der Betriebsteil Elbfähren verblieb bei dem neuen Betrieb.
Änderungen der Betriebsbezeichnung, wie zum Beispiel zeitweise in VEB (K) Verkehrsbetriebe der Stadt Dresden, hatten keine inhaltliche Änderungen zur Folge: Das (K) stand zeitweilig für kreisgeleitet und kennzeichnete Unternehmen (wie auch (B) für bezirksgeleitet), die nicht der zentralen Bilanzhoheit eines Ministeriums in Berlin unterstanden.
Im Jahr 1953 wurde den Verkehrsbetrieben die Betriebsführung der Industriebahn im Industriegelände von der Deutschen Reichsbahn übergeben. Ein Jahr später erhielten die Verkehrsbetriebe den ersten Stadtbus vom ungarischen Hersteller Ikarus (Typ 60) und vier Vorort-Busse vom Typ 601. In den Jahren 1955/56 folgten 25 weitere Stadtbusse des Typs 60 und fünf gebrauchte Busse des Typs 30 (Baujahr 1952) für Vorortlinien. Zwischen 1958 und 1967 kamen 63 Linienbusse mit Heckmotor (Typ 66) in verschiedenen Ausführungen und neun der Reisebusvariante Typ 55 dazu; die letzten von ihnen wurden bis 1975 ausgemustert. Die drei, mit zwei Schlagtüren, versehenen Busse des Typs 630, die 1964 insbesondere für die Linie vom Hauptbahnhof zum Flughafen angeschafft wurden, wurden 1975 verkauft.
Zwischen 1968 und 1973 kamen mit dem Typ 180 die ersten Gelenkbusse nach Dresden, zwei davon in der zweitürigen Überlandbusvariante. In den Jahren 1971/72 wurden auch 32 Wagen der dreitürigen Solobusvariante vom Typ 556 beschafft. Von der zweiten Generation der Ikarus-Unterflurbusse wurden zwischen 1972 und 1989 107 Solobusse des Typs 260 und zwischen 1974 und 1990 142 Gelenkbusse des Typs 280 beschafft, davon auch einige in der zweitürigen Überlandvariante 280.03 für den Einsatz auf der Flughafenlinie 99 und den Berufsverkehrslinien 78 und 79.60 Jahre Ikarus-Busse in Dresden· Die Dresdner IKARUS-Geschichte. Herausgeber: Historische Kraftfahrzeuge des Dresdner Nahverkehrs e.V., Dresden 2014 Für den Verkehr von Reisegruppen, Stadtrundfahrten und Ähnlichem wurden von 1962 bis 1988 insgesamt 30 Ikarus-Busse der Typen 55, 630, 250, 255, 256, 211 und 425 eingesetzt.Hans-Joachim Hentschel u. a.: Vier Jahrzehnte sozialistische Entwicklung des VEB Verkehrsbetriebe der Stadt Dresden. Broschüre erschienen zum 40. Jahrestag der DDR, VEB Verkehrsbetriebe Dresden, Dresden 1989, S. 24
Im September 1963 begann wegen Personalmangel die Ausrüstung der Fahrzeuge mit Zahlboxen, die Umstellung auf schaffnerlosen Betrieb (OS-Betrieb) fand nach und nach linienweise – beginnend mit der Linie 20 – bis 1967 statt.Hans-Joachim Hentschel u. a.: Vier Jahrzehnte sozialistische Entwicklung des VEB Verkehrsbetriebe der Stadt Dresden. Broschüre erschienen zum 40. Jahrestag der DDR, VEB Verkehrsbetriebe Dresden, Dresden 1989, S. 18 Ende April 1973 wurden alle Stadtverkehrs-Fahrzeuge der Verkehrsbetriebe Dresden – als erstes Verkehrsunternehmen in der DDR – mit mechanischen Lochentwertern ausgerüstet. Damit waren die Fahrzeuge bargeldlos, die Fahrkarten mussten im Vorverkauf erworben werden.Hans-Joachim Hentschel u. a.: Vier Jahrzehnte sozialistische Entwicklung des VEB Verkehrsbetriebe der Stadt Dresden. Broschüre erschienen zum 40. Jahrestag der DDR, VEB Verkehrsbetriebe Dresden, Dresden 1989, S. 25
Im Dezember 1975 wurde der O-Bus-Betrieb (Linie 61) eingestellt und alle Fahrten mit Dieselbussen durchgeführt.
Dresdner Verkehrsbetriebe AG