Oswald Friedrich Wilhelm Merz (* 10. Februar 1889 in Schwabach; † 18. Mai 1946 in Augsburg) war ein deutscher Politiker (SPD) der Weimarer Republik.

Leben Oswald Merz wurde im Februar 1889 als ältestes von sechs Kindern in Schwabach bei Nürnberg geboren. Von 1895 bis 1902 besuchte er die dortige Volksschule und anschließend bis 1907 die Lehrerbildungsanstalt, ebenfalls in Schwabach. Anschließend leistete er Vorbereitungsdienst in Schwabach und Sachsen bei Ansbach. Am 1. Oktober 1907 wurde er zum Hilfslehrer an der Volksschule in Sachsen ernannt und am 1. September 1909 als Hilfslehrer an die Volksschule in Schwabach versetzt. Im Jahr 1911 bestand er die Anstellungsprüfung in Ansbach mit der Gesamtnote II. Mit Wirkung vom 16. September 1911 wurde er dem Praeparandenschule in Münchberg zur Unterrichtsaushilfe zugewiesen. Ab 16. Oktober 1914 kam er an die Präparandenschule in Kulmbach.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete er sich im Oktober 1914 freiwillig zum in Bayreuth stationierten Königlich Bayerischen Infanterie-Regiment „Prinz Leopold“ Nr. 7. Ab Mai 1915 wurde er an der Westfront eingesetzt, im Frühjahr 1916 zum Offizier befördert. Im Dezember 1916 traf ein Geschoss seine rechte Hirnhälfte. Durch eine linksseitige Lähmung war er frontuntauglich. Er kam in ein Lazarett in Lach, anschließend in das Elisabethenheim in Mainz und dann nach Bayreuth in die Garnison zurück. Dort wurde er für die Ausbildung von Rekruten verwendet. Im Januar 1919 wurde er als Oberleutnant mit dem Eisernen Kreuz dekoriert aus dem Heer entlassen.

Von März bis Juli 1919 war er als Kompanieführer des Freiwilligenbataillons Hübner an den Auseinandersetzungen mit den Räteaufständen in Nürnberg am Egidienberg, in Regensburg und in München-Giesing, wo das Freiwilligenbataillon Hübner der Gruppen von Oven zugeteilt war, beteiligt.

Bereits im Januar 1919 trat er in die SPD ein. Nach seinen Freikorpsaktivitäten bis Mitte 1919 kehrte Merz ins private Leben zurück, allerdings nicht in den Lehrerberuf. Vom 1. Oktober 1919 beantragte er Urlaub zu Hochschulstudien und belegte an den Universitäten Erlangen und München die Fächer Geschichte, Pädagogik und Erdkunde.Dienststrafverfahren, 12. Dezember 1940. Laut eigenen Angaben studierte er außerdem an den Hochschulen für Musik in Berlin und München die Fächer Gesang, Chorleitung, Dirigieren, Musiktheorie und Musikgeschichte.Material zur Beurteilung der Rehabilitierung …, 20. Oktober 1945 1922 war er als Studienlehrer an der Praeparandenschule in Rothenburg ob der Tauber beschäftigt, 1923 als Studienrat an der Lehrerbildungsanstalt Schwabach, von Dezember 1924 bis März 1933 an der Lehrerbildungsanstalt in Bayreuth. In Bayreuth engagierte er sich in der politischen Bildungsarbeit und im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Merz in der Nacht vom 9. auf den 10. März 1933 unter Führung von Hans Schemm in Bayreuth gemeinsam mit 37 SPD- und KPD-Mitgliedern verhaftet, darunter der Reichstagsabgeordnete Friedrich Puchta und der Redakteur der Volkstribüne Georg Hacke. Merz selbst schildert es folgendermaßen: „In der Nacht vom 9. auf den 10. März wurden wir verhaftet. Hans Schemm selbst ließ es sich nicht nehmen, die Büttel-Rolle zu spielen. Von der vermeintlichen Größe des Augenblicks überwältigtes Volk verfolgte am alten Rathaus mit Begeisterung unsere Überführung ins Gefängnis. Ein tüchtiger SA-Mann hielt den Vorgang mit der Kamera fest.“Manuskript der Rede von Oswald Merz am 18. November 1945 im Gemeindehaus zu Bayreuth, abgeschrieben von Karl Seeser, S. 3.

Aus ganz Oberfranken wurden damals die Nazi-Gegner in sogenannter „Schutzhaft“ in der Justizvollzugsanstalt St. Georgen-Bayreuth untergebracht. Aus Bayreuth waren dies z. B. die bekannten Sozialdemokraten Friedrich Puchta, Kurt de Jonge, Adam Seeser und dessen Sohn Karl Seeser.

Anschließend wurde er von Ende April bis Anfang September 1933 im KZ Dachau festgehalten. Karl Seeser wurde am 21. August wieder entlassen, Merz blieb bis zum 29. August im KZ Dachau. Was er in den gut drei Monaten erleiden musste, darüber berichtete er im Oktober 1934 in der Schweiz der Familie Meyer-Viol/Warburg, die er aus gemeinsamer Zeit in Bayreuth kannte. Lotte Warburg schreibt in ihren Tagebuchaufzeichnungen, dass er über seinen KZ-Aufenthalt stundenlang geredet habe: „Was der Mann in diesem halben Jahr in Dachau erlebt und gesehen hat, ist so furchtbar, dass man es kaum beschreiben kann. Er mußte andauernd den Abort putzen; das mußten besonders auch die Juden. … Zwei der bezahlten und gedungenen Peiniger waren aus der Fremdenlegion gekommen. Er sagt, es sind alles reine Sadisten, die da die Leute peinigen dürfen, soviel sie wollen. … Aber er sagt, das Schlimmste habe er immer noch nicht erzählt und tue es auch nicht. Er sagt, sehr viele Strafen fangen an mit 100 Schlägen auf die Fußsohlen; viele Strafen sind Dunkelarrest mit 25 Hieben alle paar Tage.“Eine vollkommene Närrin durch meine ewigen Gefühle. Aus den Tagebüchern der Lotte Warburg 1925 bis 1947. Herausgegeben von Wulf Rüskamp, 1989, S. 231f.

Anfang September kehrte Merz nach Bayreuth zurück. Hier wurde er allerdings nicht freundlich empfangen. So schrieb ein „Jünger Schemms“ an seine Tür: „Du gehörst nicht entlassen, Merz, du gehörst erschossen.“Manuskript der Rede vom 18. November 1945, S. 4. Anschließend wurde das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums auf ihn angewandt, wodurch er seine Stellung als Lehrer verlor. Unterzeichnet hatte dieses Schriftstück ausgerechnet sein ehemaliger politischer Gegner Hans Schemm als neuer bayerischer Kultusminister. Daraufhin zog Merz mit seiner Familie in ärmsten Verhältnissen nach Frankfurt am Main, wohl auch, weil seine Schwiegermutter Lisette Reingruber dort wohnte.Protokoll Gestapo Nürnberg – Fürth, 1937, S. 176.

In den nächsten beiden Jahren, 1935 und 1936, änderte sich wenig an der Situation der Familie Merz in Frankfurt. Wie aus seinen Briefen aus dieser Zeit an viele Weggenossen hervorgeht, verzweifelte Merz immer mehr an seiner Lage: „Seelisch, geistig, wirtschaftlich, körperlich gleitet man langsam, aber sicher abwärts und – das ist das Wesentliche – hat keine Möglichkeit, dagegen erfolgreich anzukämpfen … Meine Nerven haben stark gelitten. Auf anständige Weise dieser Welt Valet zu sagen, wäre mir das Liebste. Aber ich will weder in den Geruch schlimmer Taten kommen, noch meinen ‚Freunden‘ Freude bereiten …“Brief vom 26. Februar 1936 in Akt StadtABt 11555 => Albrecht Bald, S. 199.

1937 besuchte er seine Freunde des ehemaligen Arbeiter-Sängervereins in Bayreuth.Gedenken an Oswald Merz in: Nordbayerischer Kurier vom 18. Mia 2026, S. 13. Am 7. September 1937 wurden insgesamt acht Personen, darunter Merz, im Tucherbräustübl im Bayreuther Arbeiterviertel Hammerstatt verhaftet.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 336Nordbayerischer Kurier vom 11. Februar 2014, S. 12 Bei Hausdurchsuchungen wurde ihnen von der Gestapo die Weiterführung einer Arbeiter-Sängervereinigung im Unterstützungsverein vorgeworfen, sie stellte 1152 zahlende Mitglieder fest und beschlagnahmte ein Barvermögen von 859,64 Reichsmark. Die Anklageschrift von Oberstaatsanwalt Christian Rößler vom 14. April 1938 nennt 17 Beschuldigte. Laut Anklageschrift waren sie hinreichend verdächtig, es unternommen zu haben, den organisatorischen Zusammenhalt einer anderen politischen Partei als der NSDAP – nämlich den der aufgelösten ehemaligen SPD – aufrechtzuerhalten. Diese Handlungen erfüllten den Tatbestand je eines Verbrechens gemäß Ziff. 2 des Gesetzes gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933.

Bis auf Johann Franz und Oswald Merz wurden alle Beschuldigten freigelassen. Gegen Merz und Franz wurde mit Datum vom 31. Mai 1938 der sogenannte Eröffnungsbeschluss der Strafkammer des Landgerichts Bayreuth erlassen. In ihm werden die Anklagepunkte vom 14. April wiederholt und zusammengefasst: „Die Angeschuldigten handelten in der Absicht, den organisatorischen Zusammenhalt der früheren sozialdemokratischen Partei Deutschlands … für ihren Teil aufrechtzuerhalten.“3 Js. 142/38, Eröffnungsbeschluss, 31. Mai 1938, insgesamt sieben Seiten. Der Angeklagte Merz wurde zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnisstrafe verurteilt, Johann Franz freigesprochen. Man hielt ihm zugute, dass „es sich bei dem Angeklagten Franz um einen einfachen Arbeiter handelt, der die Tragweite seiner Handlungsweise doch nicht völlig überschaute.“Urteil, Blatt 3.

Im Urteil vom 13. Juli 1938 wurden Merz sieben Monate Gefängnis wegen „der erlittenen Untersuchungshaft“ angerechnet. Da er aber schon seit 7. September 1937 eingesperrt war, hätte er demnach im März 1939 seine Gefängnisstrafe verbüßt. Ihm wurde aber nicht seine gesamte Untersuchungshaft angerechnet, und so musste er bis Juli 1939 in den Gefängnissen in Bayreuth und Nürnberg verbringen. Merz befürchtete, dass er danach nicht in Freiheit kommen würde. So hatte ihm sein Rechtsanwalt Zernetschky mitgeteilt, dass die Geheime Staatspolizei einer Freilassung „nicht ohne weiteres näher zu treten gedenkt“. Daraufhin schrieb er am 21. Juni 1939 einen sechsseitigen Brief an Zernetschky und bat ihn, sich bei der Gestapo für seine Entlassung einzusetzen. Merz wies auf seinen Kriegsdienst hin und betonte, nie ein Parteiamt in der SPD angestrebt zu haben. Auch auf seine Verbitterung nach 1933, seinen Schweizer Aufenthalt und auf seinen Besuch in Bayreuth im Jahre 1937 ging er ein: „Ich bin nicht staatsfeindlich gesinnt. Ich war ein seelisch und geistig Ringender und über sein und seiner Familie hartes Los Verbitterter. Ich sehe und sah in Bewunderung die gewaltigen Leistungen des Führers und Reichskanzlers und des nat. soz. Staates …“.Brief O. Merz an RA Zernetschky vom 21. Juni 1939, Abschrift im Besitz des Autors.

Nach Verbüßung der Strafe wurde er sofort in Schutzhaft genommen und ins KZ Dachau gebracht, wobei der genaue Zeitpunkt nicht feststeht; im Zugangsbuch des KZ Dachau ist der 29. Juli 1939 vermerkt. Kurze Zeit später wurde Merz ins KZ Flossenbürg gebracht, da im KZ Dachau eine SS-Division neu untergebracht werden sollte, ein Vorhaben, das nicht verwirklicht wurde. Zu Beginn des Jahres 1940 brach im Lager die Ruhr aus, und es wurde unter Quarantäne gestellt. Auch Merz erkrankte daran, wie er in einem späteren Brief schrieb. Über die weiteren vier Jahre, die er im KZ Dachau verbringen musste, gibt es wenige Quellen. So existieren zwar aus den Jahren 1942 und 1943 rund zwanzig Briefe, die allerdings durchweg „offiziell“ waren, also zensiert wurden. Erst ab Mai 1944 tauchen „illegale“ Briefe auf, die Merz nach außen schmuggeln konnte. Zu dieser Zeit wechselte er des Öfteren zwischen dem KZ Dachau und dem Außenlager Lauingen. Dort wurden für die Messerschmitt rund 3000 Häftlinge bei der Flugzeugproduktion eingesetzt. Merz schreibt über diese Zeit: