Polpenazze del Garda ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz Brescia, Region Lombardei.
Geographie mini|hochkant|Lage der Gemeinde Polpenazze del Garda in der Provinz Brescia Die Gemeinde liegt etwa 21 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Brescia und etwa vier Kilometer westlich vom Westufer des Gardasees. Sie erstreckt sich auf den mit Weinbergen und Olivenhainen bedeckten Moränenhügeln des Oberen Valtenesi auf einer Höhe von Die Strada Provinciale 572 Garda Occidentale begrenzt die Gemeinde im Osten.
Zum knapp über 9 km² große Gemeindegebiets gehören auch die vier Fraktionen Bottenago, Castelletto, Fontanelle und Picedo. Die Nachbargemeinden sind Calvagese della Riviera, Manerba del Garda, Muscoline, Puegnago del Garda sowie Soiano del Lago.
Das Gebiet von Polpenazze entstand im Quartär durch den Rückzug des großen Seitenarms des Etschgletschers, der einen Großteil des Gebiets bedeckte und nach und nach die Moränenhügel der Valtenesi formte, während zwischen den einzelnen Gletscherrändern einige Seenbecken und torfreiche Böden zurückblieben.Polpenazze del Garda. In: Antonio Fappani: Enciclopedia Bresciana. Band 13, S. 246 f.
Etymologie Im 12. Jahrhundert taucht erstmals das Toponym de Pulpinazzo auf. Es scheint auch mit dem 1155 dokumentierten Pomponacio übereinzustimmen. Es könnte sich dabei um eine Derivation des römischen Personennamens Pompona oder Pomponius in Form des Pejorativ Pomponacius handeln. Nach Dante Olivieri leiten sich aus dem Ortsnamen die in Mantua üblichen Nachnamen Pomponazzo und Pomponazzi ab, darunter auch der Humanist Pietro Pomponazzi.Dizionario di Toponomastica: Storia e significato dei nomi geografici italiani. S. 505.
Im 12. Jahrhundert taucht auch die Variante Pulpinaze, im 13. Jahrhundert die Varianten Pulpenaziis und Polpenaci und im 17. Jahrhundert in der Form Polpenazi auf. 1967 wurde der Ortsname um den Zusatz del Garda ergänzt.
Geschichte mini|Die Pfarrkirche Natività della Madonna Die Gegend von Polpenazze war bereits ab der späten Jungsteinzeit besiedelt. Davon zeugen die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Pfahlbauten von Polpenazze, die im trockengelegten Seebett des Lago di Lucone ab den 1960er Jahren freigelegt wurden. Es handelt sich dabei um mehrere Pfahlbausiedlungen, die zwischen der späten Jungsteinzeit und der frühen Mittelbronzezeit bewohnt waren.Marco Baioni, Gabriele Bocchio, Claudia Mangani: Il Lucone di Polpenazze: storia delle ricerche e nuove prospettve. In: Annali Benacensi. Band 13–14. Associazione Museo: Gruppo archeologico Cavriana, Cavriana 2007, S. 85.
Nach Aufgabe der Pfahlbausiedlungen am Luconesee gibt es für etwa tausend Jahre keine Hinweise mehr auf eine menschliche Besiedlung im Gebiet von Polpenazze. Archäologische Spuren tauchen erst wieder aus der Zeit der Kelten auf, wie einige Gräber, die auf das 2. Jahrhundert v. Chr. datiert wurden. Wesentlich zahlreicher sind die Funde aus der Römerzeit. In den 1980er Jahren wurde in der Lokalität Castelletto ein Kultplatz ausgemacht, der während der römischen Kaiserzeit vom 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. genutzt wurde, wie über 100 dort gefundene Münzen unterstreichen. Unter den Römern war das Gebiet Teil des Pagus der Valtenesi mit Manerba als Zentrum.
Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches belegen nur spärliche Funde die Zeit der Völkerwanderung in Polpenazze. Einige Flurnamen deuten auf eine langobardische Herkunft hin. Auf die Präsenz der Langobarden weisen sonst nur ein bei Castelletto entdecktes Grab und eine Silbermünze mit dem Bildnis von König Lothar I. hin. Erst gegen Ende des Jahrtausends zeichnete sich langsam wieder eine wirtscaftlich-soziale Belebung ab, was sich in der Bildung von kleineren Siedlungen niederschlug.
Zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert entstand auch die Kirche S. Pietro in Lucone, die traditionsgemäß an der Stelle eines heidnischen Tempels von Mönchen errichtet worden sein soll. Ob sich um die kleine Kirche ein erster Siedlungskern reihte, ist archäologisch nicht belegt. Möglicherweise wurde zum Schutz der Bevölkerung im 9. Jahrhundert eine Burg errichtet. Nach anderen Quellen wurde sie erst im 10. Jahrhundert während der Ungarneinfälle erbaut. Um diese einfache vermutlich aus Holzpalisaden errichtete Burg, entwickelte sich ab dem 11. Jahrhundert die Gemeinde Polpenazze. Sie war maßgebend, dass die Gemeinde eine gewisse administrative Autonomie entwickelte.
Ab dem 13. Jahrhundert wurde Polpenazze, wie die Nachbarorte auch, zunehmend in den Konflikt zwischen Guelfen und Ghibellinen verwickelt. Gegen Polpenazze, das sich der Partei der Guelfen angeschlossen hatte, entlud sich 1275 der Zorn von Alberto I. della Scala. 1330 musste sich der Ort erneut den ghibellinischen Scaligern, nun unter Mastino II., unterwerfen. Nach dem Ende der Scaligerherrschaft, war Polpenazze ab 1386 Teil des kommunalen Zusammenschlusses der Riviera del Garda und der Valli Tenesi und Sabbia, wie aus dem Statut des Zusammenschlusses hervorgeht.
Anfang des 15. Jahrhunderts gelangte Polpenazze erstmals unter venezianischen Einfluss. Unter der Republik Venedig erhielt die Gemeinde ihr erstes Gemeindestatut, das am 29. August 1454 in der im Auftrag des Dogen Francesco Foscari restaurierten Burg von 38 Familienoberhäuptern unterzeichnet wurde. Nachdem sich die politische Lage unter der Serenissima wieder stabilisiert hatte, erlebte Polpenazze eine Phase wirtschaftlicher Entwicklung, die sich vor allem auf den Fischfang im Lucone-See und die Landwirtschaft in den angrenzenden Gebiete konzentrierte. In mehreren Rechtsstreitigkeiten mit den Nachbargemeinden Puegnago und Muscoline konnte sich die Gemeinde die Fischrechte im Lucone-See absichern.
Nach der venezianischen Niederlage in der Schlacht von Agnadello 1509 kehrten unruhige Zeiten ein, in denen Polpenazze von den Franzosen, Spaniern und schließlich von kaiserlichen Landsknechten besetzt wurde. Mit der Rückkehr Venedigs 1517 setzte eine längere Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs ein, der sich insbesondere in zahlreichen städtebaulichen Maßnahmen äußerte. Den baulichen Veränderungen fiel 1589 zum Großteil auch die Burg zum Opfer, deren Baumaterial für die Errichtung der neuen Pfarrkirche wiedervendet wurde. Im 17. Jahrhundert entstanden auf dem Gemeindegebiet zahlreiche Herrenhäuser. Ein weiteres Zeichen für den wirtschaftlichen und sozialen Aufschwungs zeigte sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als der Lucone-See um mehr als zwei Drittel trockengelegt wurde, um neue Ackerflächen zu gewinnen. Eine kurze Unterbrechung dieser Blütezeit erfuhr Polpenazze während des Spanischen Erbfolgekrieges, als im Mai 1705 die Truppen unter Prinz Eugen plündernd und beschlagnahmend durch Polpenazze zogen.
Persönlichkeiten Gasparo da Salò (1540–1609), Geigenbauer und Kontrabassist
Literatur La Lombardia: paese per paese 6: Padenghe sul Garda–Seregno. Bonechi, Florenz 1986. Polpenazze del Garda. In: Antonio Fappani: Enciclopedia Bresciana. Band 13: Ph–Po. La voce del popolo, Brescia 1996, S. 246 f. Dizionario di Toponomastica: Storia e significato dei nomi geografici italiani. Garzanti, Mailand 1996, ISBN 88-11-30500-4.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Lombardei