Das Schützen-(Füsilier-)Regiment „Prinz Georg“ Nr. 108 war ein Infanterieverband der Sächsischen Armee.
Organisation Unterstellung 1867 XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps 2. Division Nr. 24 4. Infanteriebrigade Nr. 48 Schützen-Füsilier-Regiment Nr. 108
1870 3. Armeekorps XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps 1. Division Nr. 23 1. Infanteriebrigade Nr. 45 Schützen-Füsilier-Regiment Nr. 108
1871 – Okkupationsarmee 3. Armeekorps XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps 2. Division Nr. 24 3. Infanterie-Brigade Nr. 47 Schützen-Füsilier-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108
1880 XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps 1. Division Nr. 23 1. Grenadierbrigade Nr. 45 Schützen-Füsilier-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108
1890 XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps 3. Division Nr. 32 6. Infanterie-Brigade Nr. 64 Schützen-Füsilier-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108
Friedensformation 1914 XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps 1. Division Nr. 23 2. Infanterie-Brigade Nr. 46 Schützen-Füsilier-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108
1. Juni 1915 XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps 1. Division Nr. 23 1. Infanteriebrigade Nr. 45 Schützen-Füsilier-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108
Gliederung 1867 Es wurden drei Schützenbataillone, mit jeweils vier Kompanien gegründet.
1870 Zu den drei Bataillonen wurde ein Ersatzbataillon gegründet, welches zur Aufgabe die Rekrutierung und Ausbildung neuer Soldaten für die Front hatte. Dieses wurde mit Heimkehr im Oktober 1871 wieder aufgelöst.
2. Oktober 1893 Wurden aus allen Kompanien zwei neue Kompanien (13. und 14.) aufgestellt. Diese bildeten das IV. Bataillon und bestand nur bis zum 1. April 1897 (siehe Abgänge).
1. Oktober 1903 Gründung der Maschinengewehrkompanie Nr. 12, die dem I. Bataillon unterstellt war.
1914 Aufstellung von zwei Ersatzbataillonen.
Abgaben 1. April 1881 – zur Bildung des neuen 10. Infanterie-Regiment Nr. 134 wurden die 4., 6. und 12. Kompanie abgegeben. 1. April 1887 – zur Bildung des 3. Jäger-Bataillons Nr. 15 musste das Regiment die 5. und 9. Kompanie abgeben. Das Bataillon wurde in Wurzen aufgestellt und nutzte die alte Schützenkaserne der 108er in Wurzen 1. April 1897 – das IV. Bataillon (13. und 14. Kompanie wurde nach Kamenz versetzt als Bestandteil des neu formierten 13. Infanterie-Regiment Nr. 178)
Geschichte Das Regiment wurde 1866 mit der Einbindung der Sächsischen Armee in den Norddeutschen Bund gegründet. Im Frühjahr 1867 wurde aus der Halbbrigade Leichte Infanterie das Schützenregiment Nr. 108, das 1. Jäger-Bataillon Nr. 12 das 2. Jäger-Bataillon Nr. 13 gebildet.
König Albert ernannte Prinz Georg am 1. April 1867 zum Regimentschef. Ab 11. Juli 1871 führte der Verband die Bezeichnung Schützen-(Füsilier-)Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108.
Ehrenkompanien Durch die im Regiment vertretenen Mitglieder des Königshauses wurde das Regiment oft für Ehrenformationen eingesetzt.
7. Juli 1874 für den Kaiser von Russland 2. Juli 1875 für den König von Schweden 1891 Ehrenkompanie für die Erzherzogin Luise von Toskana, Gemahlin des Prinzen Friedrich August, damaliger Kommandeur des I. Bataillons, später letzter König von Sachsen 22. Oktober 1893 Ehrenwache für den Prinzenpalais von Prinz Georg, anlässlich seines 50-jährigen Militärjubiläums 14. April 1894 Empfang der Prinzessin Isabella von Württemberg, Gemahlin des Prinzen Johann Georg, damals Kommandierender des III. Bataillons 1897 Besuch des Königs von Siam 1898 Empfang des Kaisers Franz Joseph von Österreich am Hauptbahnhof als Ehrenkompanie seiner Majestät. 1904 Ehrengeleit des Sarges ihres Regimentschefs König Georg von Sachsen 1906 Ehrenformation für die 2. Gemahlin des Prinzen Johann Georg, Prinzessin Maria Immaculata von Bourbon-Sizilien. 1906 Ehrenformation für den Erzherzog Franz Ferdinand 1908 Ehrenformation für den Herzog Ernst II. von Altenburg
Auszeichnungen Das Regiment errang durch seine hervorragenden Schießleistungen in den Jahren 1895, 2. Kompanie (erstes Preisschießen), 1900 die 5. Kompanie und 1908 ebenfalls die 5. Kompanie das Königsabzeichen.
Die sächsischen Truppen sowie die Württemberger und Bayern trugen stets die Königs- statt der Kaiserkrone im Abzeichen. Das Königsabzeichen zeigte zwei gekreuzte Gewehre im Eichenkranz mit der Königskrone. Es wurde auf dem rechten Oberarm der Uniform befestigt und nur von den Mannschaften und Unteroffizieren getragen.
Der Kompaniechef erhielt ein silbernes Schild mit Gravur.
Die Gewinnerkompanie des Schießwettbewerbes erhielt eine bronzene Büste (Kaiserpreis genannt) mit Gravur des Siegerjahres.
Kaisermanöver Als Kaisermanöver wurde während der Zeit des Deutschen Kaiserreichs das bedeutendste und umfassendste Militärmanöver bezeichnet, das alljährlich in Gegenwart des Kaisers stattfand. Derartige Großübungen waren zu jener Zeit auch in anderen europäischen Ländern üblich, etwa dem Russischen Kaiserreich, dem Königreich Italien oder der Schweiz. 1876 Teilnahme am Großen Kaisermanöver von Leipzig 1896 Teilnahme am Manöver bei Görlitz
Manöverteilnahme im Rahmen der Sächsischen Armee 1872 – Zwickauer Land 1873 – Zwickauer Mulde 1874 – Berge bei Oederan 1875 – Freiberger Mulde 1876 – Kaisermanöver 1877 – Chemnitz 1878 – Chemnitz/Zschopau 1879 – Voigtland 1880 – Dresden Elbauen 1881 – Dresden/Riesa 1882 – Dresden/Riesa – Kaiser Wilhelm I. und Moltke prüften bei diesem Manöver den Ausbildungsstand der sächsischen Armee. 1883 – Zittau 1884 – Bergstadt Freiberg 1885 – Bautzen 1886 – Dippoldiswalde 1887 – Mittweida 1888 – Voigtland 1889 – Oschatz – Kaiser Wilhelm II. wohnte diesem Manöver, auf Einladung des Sächsischen Königs, bei. 1890 – Stollberg 1891 – Dippoldiswalde 1892 – Voigtland 1893 – Annaberg 1894 – Flöha 1895 – Lausitz 1896 – Kaisermanöver 1897 – Neiße bei Hirschfelde 1898 – Leisnig 1899 – Durch die Bildung des XIX. Armeekorps nur kleinere Übungen 1900 – Sächsische Schweiz 1901 – Lausitz 1902 – Gebirge nahe Freiberg 1903 – Riesa 1904 – Kamenz 1905 – Gebirge nahe Freiberg 1906 – Lausitz 1907 – Sächsische Schweiz
Schaumanöver für die Dresdener Einwohner 1877 – Dresden Altstädter Elbufer 1878 – Dresden Altstädter Elbufer Bei diesen Manövern konnten die Einwohner Dresdens zusehen und nach Gefechtsbeendigung mit den Soldaten reden und sich alles erklären lassen. Diese Maßnahme sollte das Verhältnis zwischen den Zivilisten und den Soldaten verbessern.
Truppenübungsplatz des Regimentes Ab 1893 wurde der Truppenübungsplatz Königsbrück für Schießübungen genutzt.
Ab 1898 übte das Regiment Gefechtsausbildung und Exerzieren im Regimentsrahmen auf dem neu angelegten Truppenübungsplatz Zeithain.
Garnison mini|Schützenkaserne am Alaunplatz Die Kaserne des Schützenregiments befand sich am Alaunplatz in Dresden. 1867 Leipzig (I., II.) Wurzen (III.) 1869 Dresden (I., II., III.) 1893–1897 IV. Halbbataillon
Bewaffnung und Ausrüstung Uniform mini|Regimentsschützen bei einer Übung
Die Schützen behielten die Uniformen der Leichten Infanterie. Grüner Rock und schwarzer Kragen. Die Knöpfe und Unteroffizierstessen blieben gelb. Ab 1917 wurde im Feld der Tschako gegen den Stahlhelm ausgetauscht. Der Tschako wurde nur noch in Reserve und beim Exerzieren getragen. Das Regiment trug ein messingfarbenes Koppelschloss mit Neusilberauflage, darauf befand sich ein gespiegelte Monogramm „GG“ für Prinz Georg.(RS)
Bewaffnung Mit dem Beitritt in den Norddeutschen Bund, wurde das Zündnadel-Füsiliergewehr der Preußischen Armee eingeführt.
Ab 1871 wurde das Gewehr 71 in der Preußischen und Sächsischen Armee als Standardbewaffnung der Infanterie benutzt und ab 1886 bis 1890 das Modell 71/84 der Firma Mauser als erster Mehrlader.
Von 1890 bis 1902 wurde das Modell Gewehr 88 und dann das Gewehr 98 genutzt. Später auch die Weiterentwicklung 98a. Die Soldaten der Jäger- und Schützenbataillone waren mit einem Hirschfänger als Seitenwehr ausgerüstet. Die Offiziere trugen von Beginn an einen Offizierssäbel; ab 1862 den sächsischen Offizier-Säbel (Es handelt sich hierbei in Wirklichkeit um einen Degen mit gerader Klinge!), welcher 1867 als Infanterie-Offizier-Säbel (Degen) M/1867 neu reglementiert wurde. Als Kurzwaffen den Revolver M 79, Reichsrevolver M79/83 oder Revolver M 83. mini|Das MG 08 Die MG-Bataillone waren mit MG 08 oder 08/15 ausgestattet.
Feldzüge Deutsch-Französischer Krieg
Am 26. Juli erfolgte der Abtransport des Regiments Richtung Westen, wo es am 30. Juli beim Fort Montebello den Rhein übertrat. Am 11. August wurde auf Höhe Frauenberg die deutsch-französische Grenze überschritten. Hier ließ der Kronprinz Albert die Division an sich vorbeimarschieren.
Den ersten Verlust an Menschenleben erlitt das Regiment Mitte August bei St. Marie. Der Adjutant des Regiments Leutnant von Minckwitz wurde auf einem Patrouillenritt von einem Scharfschützen tödlich verwundet.
Der Kampf um den Ort St. Marie war die erste Kampfhandlung des Regiments. Gemeinsam mit den Infanterie-Regimentern Nr. 104 und 105 gelang es, den Feind aus dem Ort zu drängen. Diese beiden Regimenter stürmten nach der Eroberung gen Roncourt; als sie aber in starkes Infanteriefeuer gerieten und der Angriff ins Stocken geriet, stürmten auch die 108er gen Roncourt.
Bei diesem Angriff erlitt das Regiment schwere Verluste; auch der Bataillons-Kommandeur Major Allmer starb. Nachdem Roncourt gesichert war, rückte die 45. und die 48. Infanterie-Brigade Richtung St. Privat. Während die Regimenter Nr. 100, 101 und 107 zum Sturm auf St. Privat rückten, diente das 108. als Reserve.
Nachdem die Deutschen die Schlacht von St. Privat gewonnen hatten, wurde das Regiment zur Verwundetenversorgung eingeteilt. Gefangengenommene französischen Soldaten wurden genauso versorgt wie die eigenen Truppen.
Am 23. August marschierte das XII. Armee-Korps Richtung Maas gegen Verdun. Am 24. August begann der Sturm gegen die Festung von Verdun. Nach der Beschießung der Festung mit Artillerie sah der Kronprinz Albert ein, dass ein Sturm zu hohe Verluste kosten würde. Die Festung wurde nur belagert. Das Armeekorps zog am 25. August Richtung Maas, um die Armee von Mac-Mahon zum Kampf zu stellen.
Bei Beaumont entwickelte sich ein starkes Gefecht mit dem 5. französischen Armeekorps. Nachdem die Franzosen die Schlacht bei Beaumont verloren hatten, war es Mac-Mahon nicht mehr möglich, die deutsche Armee zu umgehen.
Verluste bei Beaumont zwei Tote zwei Offiziere und 25 Mann verwundet
Am 31. August stellte sich die französische Armee bei Sedan zur Entscheidungsschlacht. Nach heftigen Kämpfen ergab sich der Französische Kaiser Napoleon III. am 2. September. Zu Beginn der Schlacht wurde das Regiment zur Deckung der bayrischen und sächsischen Artillerie verwandt. Später nahmen die Schützen am Sturm auf die Dörfer La Moncelle und Givonne teil.
Im Rahmen der Schlacht gelang es der 6. Kompanie, sechs Geschütze der Franzosen zu erobern. Zwei dieser Geschütze standen später vor der Schützenkaserne in Dresden.
Die 5., 8. und 11. Kompanie wurde mit dem Abtransport der Gefangenen beauftragt.
Verluste bei Sedan Die Verluste des Regimentes waren im Gegensatz zu anderen Regimentern der Sächsischen Armee gering: acht Tote (ein Offizier und sieben Mannschaftsgrade) 35 Verwundete.
Nachdem am 4. September in Paris die Republik ausgerufen wurde und die Losung „Kampf bis zum bitteren Ende“ rausgegeben wurde, marschierte das Regiment gemeinsam mit der deutschen Armee Richtung Paris.