mini|hochkant|Front des Mühlengebäudes mini|hochkant|Portal des Mühlengebäudes von 1765 Untere Papiermühle ist ein Gemeindeteil der Stadt Treuchtlingen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (Mittelfranken, Bayern). Untere Papiermühle liegt in der Gemarkung Schambach.
Lage Die Einöde liegt unterhalb der Oberen Papiermühle am Übergang des Schambachtales zum Altmühltal östlich von Treuchtlingen und südwestlich von Schambach. Westlich der Mühle führt die Bundesstraße 2 vorbei. Das Anwesen ist über die Bachgasse von Schambach aus zu erreichen.
Geschichte Die beiden Papiermühlen Schambachs, deren genaues Alter nicht bekannt ist, galten im 18. Jahrhundert als „gut“.Joh. Georg Friedrich Jakobi: Neue Sammlung geographisch-historisch-statistischer Schriften. 3 Bd., Weißenburg im Nordgau 1784, S. 342 1684 heißt der „unter Müller“ in Schambach Andreas Drießler.Strassner, S. 60 Der bis 1707 in Möhren ansässige Jude Schimmel lieferte der Mühle die benötigten Lumpen;Karl Stöber: Der Erzähler aus dem Altmühltale. Stuttgart: J. F. Steinkopf 1851, S. 4, siehe eine Papiermühle brauchte jährlich im Schnitt 500 Zentner Lumpen zum Verarbeiten.Handlungs-Zeitung oder Wöchentliche Nachrichten von Handel, Manufakturwesen, Künsten und neuen Erfindungen, 44. Stück, Gotha, 3. November 1792, S. 352, siehe Zwischen 1749 und 1786 besaß der aus Frankreich vertriebene Hugenotte Jacob Christoph Quinat die Papiermühle.Schelling. Historisch-kritische Ausgabe, 1988, Bd. 1, Teil 4, S. 11; Heimatbuch Treuchtlingen, S. 144 Er erbaute 1764/65 das noch heute existierende Mühlen- und Manufakturgebäude als großen, zweigeschossigen Satteldachbau, an dem er ein St. Georgs-Wappen mit seinen Initialen anbringen ließ.Informationstafel am Mühlengebäude Sein Papier, das er ab 1770 herstellte, stattete er mit dem Wasserzeichen „IC Q“, seinen Initialen, aus. Am Ende des Heiligen Römischen Reiches gehörte die Untere Papiermühle (mit Walkgang)Repertorium des topographischen Atlasbandes Weissenburg, 1831 S. 21, siehe zur Herrschaft Pappenheim, die auch die Hochgerichtsbarkeit über die Mühle besaß, und zur evangelischen Pfarrei Dietfurt.Hofmann, S. 150
Seit 1806 im Königreich Bayern, wurde die Mühle dem Steuerdistrikt Dietfurt im Untergericht Pappenheim des Rentamtes Greding, ab 1815 des Rentamtes (später Bezirksamt, dann Landkreis) Weißenburg zugeordnet;Hoffmann, S. 199f.; 255 die pappenheimerische Patrimonialgerichtsbarkeit wurde 1848 aufgehoben. Mit dem Gemeindeedikt wurde der Steuerdistrikt 1818 zur Gemeinde Schambach umgestaltet, die im Zuge der Gebietsreform in Bayern zum 1. Juli 1971 nach Treuchtlingen eingemeindet wurde.Heimatbuch Treuchtlingen, S. 209
1811 wurde die Mühle nach dem Konkurs von Jakob Christoph Quinat versteigert.Intelligenz-Blatt der Königl. Baierischen Kreis-Hauptstadt Eichstätt vom 15. Juni 1811 Sein Nachfolger hielt die Papierherstellung bis 1820 aufrecht, danach wurde sie zur Walkmühle, später zur Getreidemühle umgestaltet.Informationstafel am Mühlengebäude; Heimatbuch Treuchtlingen, S. 144 1853 ging das Anwesen an die Familie Fackelmeier, jetzt Schweinesbein, über. 1960 wurde das Getreidemahlen eingestellt und das Mühlenanwesen als landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb weitergeführt.Heimatbuch Treuchtlingen, S. 144
Das steildachige Mühlengebäude von 1765, das bis in die 2010er Jahre von zwei Lindenbäumen aus dem 18. Jahrhundert flankiert wurde, ist nebst einem eingeschossigen Wirtschaftsanbau und einer Scheune in Jura-Bauweise, wohl aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammend, in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.Gotthard Kießling: Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Reihe „Denkmäler in Bayern“. München: Karl M. Lipp Verlag 2000, S. 634
Einwohnerzahlen 1818: 16 EinwohnerHofmann, S. 255 1824: 14 Einwohner, 1 Anwesen 1846: 3 Einwohner, 1 Familie, 1 HausEduard Vetter: Statistisches Hand- und Addreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern, Ansbach 1846, S. 283, siehe 1861: 9 Einwohner, 3 Gebäude 1950: 16 Einwohner, 2 Gebäude 1961: 3 Einwohner, 1 Wohngebäude 1987: 2 Einwohner, 1 Wohngebäude
Literatur Heimat- und Bäderverein Treuchtlingen e. V. (Hg.): Heimatbuch Treuchtlingen. Treuchtlingen, [um 1984], insbes. S. 144.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Treuchtlingen Kategorie:Wassermühle im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Kategorie:Erbaut im 18. Jahrhundert Kategorie:Mühle in Europa Kategorie:Papiermühle Kategorie:Einzelsiedlung im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen