mini|Atelier Goldstein (2012) Das Atelier Goldstein der Lebenshilfe e. V. Frankfurt am Main ist eine Künstleragentur in einem Atelier in Frankfurt-Sachsenhausen. Es vertritt Künstler mit kognitiver Behinderung, mit Unterstützung durch Fachbetreuer mit künstlerischer bzw. kunstpädagogischer Ausbildung. Aufnahmebedingungen für das Atelier sind eine kognitive Behinderung und außergewöhnliche künstlerische Begabung. Die Arbeiten der Künstler finden in Ausstellungen, Museen und Sammlungen und auch auf dem internationalen Kunstmarkt ihren Platz.
Im Atelier Goldstein arbeiten Künstler in den Bereichen Malerei, Zeichnung, Grafik, Bildhauerei, Objektkunst, Fotografie, Sound und Performance. Arbeiten aus dem Atelier Goldstein befinden sich u. a. in der Bundeskunstsammlung, der Museumslandschaft Hessen sowie in den Sammlungen des Centre Pompidou in Paris, des Museum of Everything in London und der Collection Bruno Decharme.
Geschichte Im Jahr 2000 hatte die Bühnen- und Kostümbildnerin Christiane Cuticchio die Idee für das Atelier, zu der sie unter anderem durch die Präsentation der Werke des Schweizer Künstlers Adolf Wölfli (1864–1930) auf der documenta 5 angeregt wurde. Sie suchte dafür in Frankfurt am Main den Kontakt zum Verein Lebenshilfe e. V. Frankfurt am Main. Da sie keine Ausbildung für die Arbeit mit behinderten Menschen und Künstlern hatte, machte sie parallel zu ihrer Tätigkeit für die Frankfurter Oper bei verschiedenen Stellen des Vereins ein zweijähriges Praktikum. Danach fanden sich durch einen befreundeten Künstler Atelierräume in einem Weltkriegsbunker in Frankfurt-Goldstein. Das Stadtviertel wurde zum Namensgeber des Ateliers.
mini|Atelier Goldstein, rechts (2015) Später konnten die Künstler durch die Unterstützung der Peter Paul und Emy Wagner-Heinz Stiftung an ihren jetzigen Standort umziehen, die Remise einer 1881 – im Auftrag von Philip Peter Heinz – erbauten Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen.
Seit 2013 betreibt das Atelier Goldstein die Goldstein Galerie in Frankfurt-Sachsenhausen, wo seither neben Ausstellungen auch Events wie Konzerte oder Lesungen stattfinden. Unter dem Namen Goldstein Akademie sind seit 2017 Künstler des Ateliers als Kunstlehrende an Frankfurter Schulen tätig.
Bis 2020 wurde das Atelier von Christiane Cuticchio geleitet. Sie wurde von der Regisseurin Sophia Edschmid und dem Künstler Sven Fritz abgelöst.
Gestaltungsprojekte Neugestaltung der Marienkirche bei Rüdesheim, 2009–2015 mini|hochkant|Kirchenraum Marienkirche (2016) Im Jahr 2009 wurde das Atelier Goldstein mit der Neugestaltung einer Zisterzienserkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert im Rheingau beauftragt. Die Arbeit an der Marienkirche des Klosters Marienhausen in Rüdesheim am Rhein wurden 2015 abgeschlossen. Die Kirche befindet sich auf dem Gelände des Sankt Vincenzstifts Aulhausen. In Zusammenarbeit mit Theologen gestaltete das Atelier Goldstein den gesamten Kirchenraum, darunter Fenster, Kreuz und Marienaltar, entsprechend der römisch-katholischen Ikonografie und den Zisterzienserbräuchen neu. Vom Konzept über den Entwurf bis zur baulichen Umsetzung zur Marienkirche war eine inklusive Gruppe von 14 Künstlern an dem Gesamtkunstwerk beteiligt.
„Never Forget“, Max-Planck-Institut Frankfurt, 2020–2022 2020 beauftragte das Max-Planck-Institut für Hirnforschung das Atelier Goldstein mit der Konzeption und Realisierung eines Mahnmals für den Eingangsbereich des Instituts in Frankfurt am Main. „Never Forget“ ist eine Gedenkskulptur, die an 58 Kinder erinnert, die während der NS-Zeit durch das Vorgängerinstitut Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für neurologische Studien ermordet wurden. Die Gedenkskulptur besteht aus 9 Betonstühlen in Kindergröße, die auf einem Sockel angeordnet sind. In den Sockel sind Namen der Opfer als Intarsien eingelassen.
Künstler
Ausstellungen seit 2015 (Auswahl) 2023: Der weltbekannte Planet. Gruppenausstellung des Atelier Goldstein im NKR – Neuer Kunstraum Düsseldorf 2023: Wolken. Von Gerhard Richter bis zur Cloud. Julius Bockelt u. a., Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg vor der Höhe 2023: I Love The Movement That Displaces Lines. Julius Bockelt, Galerie Christian Berst, Paris 2022: Cartographie. Julia Krause-Harder u. a., Galerie Plein Jour, Douarnenez 2022: Noah’s Planes. Hans Jörg Georgi, Galerie Christian Berst, Paris 2022: Atelier Goldstein im Lenbachhaus München. Julius Bockelt, Hans Jörg Georgi, Tina Herchenröther, Julia Krause-Harder und Franz von Saalfeld 2022: Stadt-Blicke. Eine subjektive Frankfurt Kartographie. Dustin Eckhardt, Selbermann u. a., Historisches Museum Frankfurt 2022: documenta fifteen. Julius Bockelt, Hans Jörg Georgi, Franz von Saalfeld und Juewen Zhang, Kassel 2021: La Creation du monde N°2. Julia Krause Harder, Dommuseum Frankfurt am Main 2021: Ostinato. Julius Bockelt, Galerie Christian Berst, Paris 2020: Julius Bockelt, u. a., Galerie Christian Berst, Paris 2019: Julia Krause-Harder u. a., Musée Visionnaire, Zürich 2019: Flying High. Perihan Arpacilar, Julia Krause-Harder, Birgit Ziegert u. a., Bank Austria Kunstforum Wien 2018: L´envol. Hans-Jörg Georgi u. a., La Maison Rouge, Paris 2018: Summer Exhibition. Hans-Jörg Georgi u. a., Royal Academy of Arts, London 2018: Königsklasse IV. Hans-Jörg Georgi u. a., Pinakothek der Moderne / Schloss Herrenchiemsee 2018: Phase Shifter. Julius Bockelt, Museum Folkwang, Essen 2018: Touchdown. Birgit Ziegert, Christa Sauer, u. a., Zentrum Paul Klee, Bern 2017: Living In Art Brut. Perihan Arpacilar u. a., Museumkrems, Krems/Donau 2017: „Ballastexistenzen“ –?. Paulskirche, Frankfurt am Main 2017: 1000 Patronen. Julius Bockelt u. a., Museum Texture, Kortrijk 2016: Tell it Slant. Julius Bockelt, Louise Bourgeois, Polly Apfelbaum, u. a., Frith Street Gallery, London 2016: Fürchtet euch nicht!. Julia Krause-Harder, Dommuseum, Frankfurt am Main 2016: Touchdown. Birgit Ziegert, Christa Sauer, u. a., Bundeskunsthalle Bonn 2016: Bühnenreif 1. Akt (1900–2016). Franz von Saalfeld u. a., Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen 2015: Julius Bockelt, Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main 2015: Art Brut Live. Hans-Jörg Georgi u. a., Dox, Prag 2015: Flugzeuge. Hans-Jörg Georgi, Luftmuseum Amberg 2015: Julia Krause-Harder, Kunstverein Bad Nauheim
Auszeichnungen 2012 Binding-Kulturpreis
Literatur
Weblinks
Atelier Goldstein Lebenshilfe e. V., Frankfurt am Main Perihan Arpacilar auf YouTube Mehrere Künstler bei der Arbeit
Einzelnachweise
Kategorie:Kunst (Frankfurt am Main) Kategorie:Frankfurt-Sachsenhausen Kategorie:Künstlergruppe (Bildende Kunst)