Die Schlacht um Toungoo fand zwischen dem 25. und 29. März 1942 während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg in Zentralburma statt und war eine militärische Operation während der Japanischen Eroberung Burmas. Einheiten der nationalchinesischen Armee (Kuomintang) kämpften dabei gegen angreifende Truppen der 15. Armee der Kaiserlich Japanischen Armee. Die chinesischen Truppen, die unter dem Kommando von General Dai Anlan, einem persönlichen Freund Chiang Kai-sheks standen, hatten vom britischen General Harold Alexander den Befehl erhalten, die Stadt Toungoo gegen die japanischen Truppen so lange wie nur möglich zu verteidigen. Ziel des japanischen Angriffes war es, zum einen die chinesischen Truppen in der Stadt aufzureiben und zum anderen die rechte Flanke der britischen Armee zu überrollen. Nach einer verzweifelten Verteidigung mussten General Anlans Truppen, die enorme Verluste erlitten hatten, die Stadt evakuieren und sie den japanischen Soldaten überlassen.

Vorgeschichte Bereits vor dem Angriff auf Pearl Harbor und dem Ausbruch des Krieges wurden im Kaiserlichen Heeresministerium in Tokyo Pläne zur Invasion und Eroberung Südostasiens formuliert. Premier- und Kriegsminister Hideki Tojo, Stabsoberhaupt Marschall Hajime Sugiyama, Marineminister Osami Nagano und der gesamte Kaiserliche Generalstab setzten bereits im Februar 1941 den endgültigen Eroberungsplan fest. Die Philippinen, mehrere amerikanische Stützpunkte im Pazifik wie Wake und die Marianen, Niederländisch-Indien, Britisch-Malaya, Singapur, Britisch-Borneo und auch Burma sollten wenige Tage nach der Kriegserklärung angegriffen werden. Burma besitzt zahlreiche Erdölquellen um die Stadt Yenangyaung, welche eine kriegswichtige Ressource für die japanische Kriegsindustrie darstellten. Zudem wurden in Burma Leinen, Kautschuk und große Mengen Reis hergestellt.William Slim: Defeat Into Victory: Battling Japan in Burma and India, 1942–1945. 1957, S. 20

Als die Invasion Burmas im Januar 1942 zusammen mit der Eroberung der weiteren alliierten Stützpunkte im Pazifik erfolgte, wurden drei komplette chinesische Armeen, die unter dem Namen Chinese Expeditionary Force zusammengefasst wurden, von Generalissimus Chiang Kai-shek nach Nordburma gesandt, um die britischen Truppen bei der Verteidigung zu unterstützen. Die chinesischen Generäle fürchteten, nach einem britischen Rückzug aus dem Land würden die japanischen Truppen China durch einen Vorstoß aus Burma angreifen, und somit den seit 1937 andauernden Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg beenden.

Chinesische Lage Bereits am 8. März 1942 wurde die wichtige Stadt Toungoo, welche die rechte Flanke der Alliierten beschützte, von chinesischen Truppen unter der Führung vom amerikanischen Militärberater und Stabschef von Chiang Kai-shek, General Joseph Stilwell, besetzt.India-Burma: The U.S.-Army Campaigns in World War II Im Falle einer Eroberung der Hauptstadt würden damit die chinesischen Truppen in Toungoo den Rückzug der Briten schützen.

General Dai Anlans 200. Division war eine kampffähige und eingespielte Einheit, die von anderen Kommandeuren der Chinese Expeditionary Force als Elitetruppe angesehen wurde. Vor der Schlacht um Toungoo bestand sie aus etwa 12.000 Soldaten, meistens Veteranen, die bereits gegen die japanischen Soldaten oder die Kommunisten von Mao Zedong in Nordchina gekämpft hatten. Die meisten hatten eine harte Ausbildung hinter sich und besaßen auch Kampferfahrung. Aufgrund der zahlreichen Verluste bei den anhaltenden Gefechten in China waren viele der älteren Soldaten jedoch im Kampf gefallen, und die 200. Division wurde vor ihrer Abreise nach Burma mit etwa 3000 jüngeren Rekruten verstärkt, die in zwei Bataillonen zusammengefasst wurden. Es waren meist junge Bauern, die keine Kampferfahrung besaßen und eine unzureichende Ausbildung erhalten hatten. Dazu kam die schlechte Bewaffnung der chinesischen Einheiten: die meisten Soldaten waren mit veralteten Gewehren bewaffnet, vor allem amerikanische Springfield M1903 und Mauser Modell 98, vom Deutschen Reich im Rahmen der Chinesisch-Deutschen Kooperation in großen Mengen erhalten.

General Dai Anlan erfuhr erst Anfang März von dem britischen Rückzug aus Rangun und der japanischen Eroberung der burmesischen Hauptstadt. Die chinesische 200. Division wurde daraufhin durch den alliierten Nachschub der Hump-Flugzeuge in kürzester Zeit auf volle Stärke gebracht und bevorzugt mit neuen, amerikanischen Waffensystemen ausgerüstet, insbesondere mit Panzerabwehrgeschützen, einigen M3-Stuart Panzern und Pioniermaterial. General Anlan und General Stilwell erwarteten nun jeden Augenblick einen feindlichen Angriff, welcher die Stadt einnehmen und somit die rechte Flanke der alliierten Armee überrollen sollte.

Hinter dem bis zu 30 Kilometer tiefen statischen Verteidigungssystem, das die chinesischen Truppen indessen gebaut hatten, wurden große mobile Reserven, vor allem aus neu aufgestellten oder erweiterten chinesischen Verbänden, geschaffen, die mögliche Durchbrüche japanischer Truppen vor der Ankunft der britischen Truppen aus Rangun abfangen sollten.Daniel Marston: Phoenix from the Ashes, 2003, p. 69 Seit dem 9. März wurde deswegen bei Toungoo unter Heranziehung von burmesischen Zivilisten der Aufbau einer befestigten Verteidigungslinie betrieben. Mehrere Zivilisten, chinesische und britische Pioniere und Ingenieure verbesserten inzwischen den Zustand der zweiten Straße nach Mandalay, die durch japanische Luftangriffe schwer beschädigt worden war. Bis zum Beginn der japanischen Offensive waren jedoch nur sehr wenige der verschiedenen Verteidigungsbauten (Bunker, Panzersperren, Gräben) fertiggestellt worden. Teilweise war auch die Frontlinie zu dünn besetzt. Die sechs chinesischen Bataillone der 200. Division verteidigten einen Abschnitt von 40 Kilometern, wobei jede Einheit nur 600 Mann in erster Linie und weitere 900 in Reserve hatte. Die chinesischen Truppen konnten auch zwei Kavallerieregimenter aufbringen.

Japanische Lage Nach der erfolgreichen Operation um Rangun und dem Rückzug der britischen Armee aus Südburma hatten die japanischen Truppen zunächst versucht, die fliehenden Briten durch Flankenangriffe aufzureiben. Dieser Versuch war jedoch aufgrund des zähen feindlichen Widerstandes gescheitert. Der Angriff gegen Toungoo sollte die rechte Flanke der zurückweichenden britischen Armee eindrücken, wodurch die feindlichen Einheiten eingekesselt würden. Die japanischen Truppen waren durch die Ankunft der 56. Infanteriedivision verstärkt worden, wodurch die 33. Division als Garnisonstruppe nach Rangun zurückkehrte.

Am Morgen des 18. März eröffneten chinesische Einheiten erstmals das Feuer gegen japanische Späher des 143. Regiments der 55. Division unter dem Befehl von Generalleutnant Takeuchi Hiroshi, nahe dem Ort Tachiao (→ Schlacht bei Tachiao). Nach einigen Stunden griffen drei chinesische Panzerspähwagen ins Gefecht ein und vertrieben die japanischen Soldaten. Die Japaner griffen am selben Abend wieder an. Die nationalrevolutionären Truppen setzen sich ab und zogen sich am selben Abend in die Ortschaft Tachiao zurück. Die japanischen Truppen marschierten am nächsten Morgen in Tachiao ein. Nachdem sie die Ortschaft eingenommen hatten, konnten die japanischen Einheiten im Schutz der motorisierten Truppen an der Spitze weiter in Richtung Toungoo marschieren. Der Ort Pyu wurde ebenfalls eingenommen. Die Japaner richteten in Pyu ein Lazarett sowie einen Versorgungsposten ein und verstärkten die Truppen, die sich bereits auf dem Weg nach Toungoo, durch weitere Einheiten. Die an der Front verbliebenen Truppen, die Einheiten der 55. und 56. Division, starteten bereits am 24. März mit ihrem Angriff gegen die Stadt Toungoo. Am Morgen des 24. März begann das japanische 112. Infanterieregiment mit seiner Artillerievorbereitung. An dem Trommelfeuer, das 15 Minuten anhielt, beteiligten sich 19 Geschütze verschiedenen Kalibers. Währenddessen flogen leichte japanische Bomber Luftangriffe gegen identifizierte chinesische Stellungen und die drei japanischen Panzer rückten, gedeckt durch das Feuer der Infanterie, gegen die ersten feindlichen Stellungen vor.India-Burma: The U.S.-Army Campaigns in World War II, General Stillwell in Burma.

Schlacht Eröffnungsoperationen mini|Nationalchinesische Soldaten der 200. Division in Toungoo, wenige Tage vor den ersten Gefechten Wenig später starteten die japanischen Truppen des 112. Regiments nach dem vorhergehenden massiven Trommelfeuer einen Angriff auf die chinesischen Stellungen vor der Stadt. Die Truppen des 143. Regiments hingegen wurden nach Westen abgedreht, um den Bahnhof und das dortige Flugfeld einzunehmen. Diese Einheiten marschierten schnell durch den dichten Dschungel, wobei sie von burmesischen Kollaborateuren geführt wurden. Die chinesischen Truppen des 1. Pionierbataillons, welche die Eisenbahngebäude und das Flugfeldgelände kontrollierten wurden durch einen japanischen Sturmangriff in die Flucht getrieben, wobei sie schwere Verluste erlitten. Damit waren die Versorgungs- und Kommunikationsmöglichkeiten der chinesischen Truppen in der Stadt abgeschnitten.Alan Warren: Burma 1942: The Road from Rangoon to Mandalay, 2011, S. 170 Die Einheiten des 600. Regiments versuchten mehrmals, die japanischen Soldaten aus dem Flugfeld und dem Bahnhof zu vertreiben, doch konzentriertes Artillerie- und Infanteriewaffenfeuer warf sie unter hohen Verlusten zurück.

Auch im südlichen Teil der Front operierten die japanischen Verbände offensiv: die Truppen des 112. Infanterieregiments starteten einen Angriff auf die chinesischen Verteidiger des 599. Regiments. Die Attacke verlief erfolgreich, sodass Teile des chinesischen Regiments überrannt werden konnten. Dabei wurden die ersten feindlichen Stellungen eingenommen. Gegenangriffe einiger Truppen der anderen Regimenter stoppten den japanischen Vorstoß jedoch wieder.Frank McLynn: The Burma Campaign: Disaster into Triumph, 1942–1945. 1957, S. 56

General Dai Anlan versuchte mehrmals, Kontakt mit seinen abgeschnittenen Einheiten des 600. Regiments aufzunehmen, doch diese Versuche verliefen ergebnislos. Die chinesische Verteidigung konzentrierte sich nahe den Wällen der Stadt, wobei die chinesischen Truppen mehrere Artilleriebatterien errichtet hatten und einige Gebäude im Zentrum durch MG-Nester und Schützenpositionen befestigt hatten. Ein chinesisches Ersatzbataillon wurde eingesetzt, um die Lücke zwischen dem 599. und 600. Regiment zu füllen und somit die einzige noch freie Rückzugsroute der chinesischen Einheiten zu schützen. Diese Truppen bestanden zumeist aus Reservisten und wurden durch einige erfahrene Soldaten des 599. Regiments verstärkt. General Dai Anlan und sein Stab versetzten ihr Divisions-Hauptquartier und die Befehlszentrale vom Kern der Stadt zum Fluss Sittang, um feindlichem Artilleriefeuer und Luftangriffen durch japanische Flugzeuge zu entgehen. Mehrere chinesische Telefonleitungen in der Stadt wurden durch japanische Luftangriffe unterbrochen, wodurch nicht alle verteidigenden Einheiten die Befehle vom Hauptquartier empfangen konnten.

Erster japanischer Angriff