Chmelnyzkyj ( ; ; ursprünglich Плоскиривцы / Ploskiriwzy. 18. Jahrhundert bis 1954 ukrainisch / , russisch , ) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Oblast in der Ukraine mit gut 270.000 Einwohnern, Industriestadt, kultureller Mittelpunkt der Oblast mit Theater, Philharmonie, Hochschule und Fachschulen.
Geographie links|mini|Stadtplan der Stadt Die Stadt wird vom Oberlauf des Südlichen Bugs durchflossen und liegt an der Eisenbahnhauptstrecke Lwiw–Odessa bzw. – Kiew. In der Stadt kreuzen sich die Fernstraßen M 12 und N 03. Nach dem nordöstlich gelegenen Kiew sind es 278 Kilometer (Luftlinie) und nach Lwiw im Westen sind es 217 Kilometer.
Geschichte mini|Postkarte der Aleksandrovskaya-Straße im frühen 20. Jahrhundert|links mini|Ein Bild aus dem jüdischen Viertel (ca. 1900–1925)|links mini|Die große Synagoge der Stadt (ca. 1938)|links mini|Gebäude an der Hauptstraße im Zentrum der Stadt|links Die erste Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahre 1431, als sie auf Ukrainisch Ploskyriw und auf Russisch Ploskurow hieß. Damals war sie ein kleines Dorf, aber schon im 16. Jahrhundert ein respektierter befestigter Ort. Im Chmelnyzkyj-Aufstand, benannt nach dessen Anführer Bohdan Chmelnyzkyj, spielte der Ort eine wichtige Rolle. Später wurde die Stadt deshalb nach Bohdan Chmelnyzkyj benannt.
Die Stadt gehörte bis zur 2. Teilung Polens 1793 innerhalb der Adelsrepublik Polen zur Woiwodschaft Podolien.Rizzi Zannoni, Karta Podola, znaczney części Wołynia, płynienie Dniestru od Uścia, aż do Chocima y Ładowa, Bogu od swego zrzodła, aż do Ładyczyna, pogranicze Mołdawy, Woiewodztw Bełzkiego, Ruskiego, Kiiowskiego y Bracławskiego.; 1772 Danach kam sie zum Russischen Reich und wurde in das Gouvernement Podolien eingegliedert.
Die Stadt entwickelte sich seit dem 17. Jahrhundert bis zum Holocaust zu einem großen jüdischen Zentrum. Um 1900 betrug der jüdische Bevölkerungsanteil rund 49 %.P. R. Magocsi: Historical Atlas of Central Europe. University of Washington Press, Seattle 2002, S. 109. 1939 waren es 39 %. 1901 zählte die Stadt 23.961 Einwohner.Meyers Konversationslexikon, 6. Auflage Leipzig – Wien 1908, Band 16, Stichwort „Proskurow“ Sie hatte vor dem Ersten Weltkrieg das 46. russische Linien-Infanterieregiment und das 12. russische Ulanen-Regiment in Garnison.
Während des Russischen Bürgerkriegs, am 15. und 16. Februar 1919, massakrierte die Armee der Ukrainischen Volksrepublik unter Führung von Symon Petljura und unter dem lokalen Kommando von Iwan Semessenko während ihres Rückzugs vor der Roten Armee in einem Pogrom innerhalb einiger Stunden 1600 bis 2000 Juden in Proskurow.
Ab Ende 1922 gehörte die Stadt im Bestand der Ukrainischen SSR zur Sowjetunion. mini|Eine Kolonne sowjetischer T-34 fährt in Proskurow ein (März 1944) Im Zweiten Weltkrieg wurde Proskurow während des Unternehmens Barbarossa am 8. Juli 1941 durch deutsche Truppen erobert und fast vollständig zerstört. Sie wurde dann im Zuge der Proskurow-Czernowitzer Operation am 25. März 1944 durch die Rote Armee zurückerobert und nach Kriegsende wieder aufgebaut.mini|Ein als Denkmal aufgestellter T-34 erinnert an die Befreiung von den Deutschen am 25. März 1944Am 16. Januar 1954, dem 300. Jahrestag der von Moskau sog. Wiedervereinigung der Ukraine mit Russland, wurde Proskuriw zu Ehren von Bohdan Chmelnyzkyj, einem Ataman der Ukraine, Staatsmann, Truppenführer und Diplomaten, in Chmelnyzkyj umbenannt.
Im 20. Jahrhundert begann sich in der Stadt eine Industrie zu entwickeln. In großem Umfang entstanden vor allem nach Ende des Zweiten Weltkriegs Industriebetriebe und Wohnhäuser, Lehranstalten und Kulturstätten. In Chmelnyzkyj befindet sich einer der größten Märkte der Ukraine, auf dem fast alles von Kleidung bis Elektronik erhältlich ist. Dort verdienen viele Einwohner ihren Lebensunterhalt.
Die Stadt erhielt am 15. April 2021 den Europapreis des Europarates für ihre herausragenden Bemühungen um den europäischen Einigungsgedanken.
Während des Ukrainekriegs ereigneten sich am 13. Mai 2023 zwei gewaltige Explosionen in der Stadt, über der ein riesiger Feuerball emporstieg, der einen kilometerhohen Rauchpilz bildete. Beobachtern zufolge wurde ein Munitionsdepot von russischen Kampfdrohnen getroffen. Nach Angaben des Bürgermeisters, Oleksandr Symtschyschhyn, gab es durch die Druckwelle etwa 30 Verletzte.
Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Chmelnyzkyj (Хмельницька міська громада Chmelnyzka miska hromada). Zu dieser zählen auch die 23 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer sowie die Ansiedlung Bohdaniwzi;Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 727-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Хмельницької області" bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Chmelnyzkyj (Хмельницька міська рада Chmelnyzka miska rada) im Zentrum des Rajons Chmelnyzkyj.
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Chmelnyzkyj Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch Bachmatiwzi Бахматівці Бахматовцы (Bachmatowzy) Beresowe Березове Берёзовое (Berjosowoje) Bohdaniwzi Богданівці Богдановцы (Bogdanowzy) Bohdaniwzi Богданівці Богдановцы (Bogdanowzy) Dawydkiwzi Давидківці Давыдковцы (Dawydkowzy) Iwankiwzi Іванківці Иванковцы (Iwankowzy) Iwaschkiwzi Івашківці Ивашковцы (Iwaschkowzy) Klymkiwzi Климківці Климковцы (Klimkowzy) Kolyban Колибань Колыбань Kopystyn Копистин Копыстин (Kopystin) Mala Kolyban Мала Колибань Малая Колыбань (Malaja Kolyban) Malaschiwzi Малашівці Малашевцы (Malaschewzy) Massiwzi Масівці Богдановцы (Bogdanowzy) Mazkiwzi Мацьківці Масевцы (Massewzy) Oleschyn Олешин Олешин (Oleschin) Parchomiwzi Пархомівці Пархомовцы (Parchomowzy) Pyrohiwzi Пирогівці Пироговцы (Pirogowzy) Prybuske Прибузьке Прибугское (Pribugskoje) Scharowetschka Шаровечка Шаровечка (Scharowetschka) Tscherepiwka Черепівка Череповка (Tscherepowka) Tscherepowa Черепова Череповая (Tscherepowaja) Welyka Kalyniwka Велика Калинівка Великая Калиновка (Welikaja Kalinowka) Wodytschky Водички Водички (Woditschki) Wolyzja Волиця Волица (Woliza)
Partnerstädte Partnerschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen bestehen zwischen Chmelnyzkyj und folgenden Städten:Website der Stadt – Cooperation programs (), abgerufen am 11. Oktober 2018.
Söhne und Töchter der Stadt mini|Pogrom-Denkmal
Siehe auch Höhere Berufsschule Nr. 25, Chmelnyzkyj Kernkraftwerk Chmelnyzkyj
Literatur Proskurov. In: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Yad Vashem, Jerusalem 2009, ISBN 978-965-308-345-5, S. 613 f.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Chmelnyzkyj Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in der Ukraine Kategorie:Ort am Südlichen Bug Kategorie:Bohdan Chmelnyzkyj als Namensgeber Kategorie:Ersterwähnung 1431 Kategorie:Hauptstadt einer Oblast in der Ukraine
Kategorie:Ghetto Kategorie:Träger des Europapreises