mini|hochkant|Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters mini|Grundriss der Klosterkirche Das Franziskanerkloster Eger war eine Niederlassung des Franziskanerordens (lateinisch: ordo fratrum minorum, deutsch Orden der Minderen Brüder, Ordenskürzel OFM) in Eger, heute Cheb, Tschechien. Eger wurde 1277 Reichsstadt, 1322 allerdings an das Königreich Böhmen verpfändet und dadurch de facto an Böhmen angeschlossen.

Wann die Niederlassung gegründet wurde, ist nicht bekannt; die Existenz des Klosters ist für 1247 mit der Nennung eines Guardians (Klostervorstehers) belegt. Es gehörte zur Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia), ab 1603 zur Oberdeutschen (oder Straßburger) Ordensprovinz. Das Kloster bestand bis 1951, als die letzten Brüder auf Anordnung der damaligen kommunistischen Regierung in Prag das Kloster und die Stadt verlassen mussten.

Lage Das Kloster liegt im Südwesten der Altstadt von Cheb, in der Straßenecke, die von Dlouhá und Františkánské náměstí gebildet wird. Gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt die St.-Klara-Kirche, die Klosterkirche des ehemaligen Klarissenklosters Eger.

Geschichte Der Ort Eger wurde 1179 zur Stadt erhoben, 1277 wurde Eger Reichsstadt. Nach der Verpfändung der Stadt 1322 durch König Ludwig den Bayern an den böhmischen König Johann und dem Quasi-Anschluss an Böhmen – das Pfand wurde nicht wieder eingelöst – verlor die Stadt immer mehr ihre Rechte als Reichsstadt und wurde in das Königreich Böhmen eingegliedert. Die ursprüngliche Stadt dehnte sich nur über ein kleines Areal um die Burg aus. Im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts wurde die Stadt nach Osten, Südosten und nach Süden durch die sog. Neustadt mit einem großzügigen Marktplatz vergrößert, der größere Teil der heutigen Altstadt.

Die Brüder des 1210 gegründeten Franziskanerordens kamen bereits vor 1247 nach Eger. Nach Stefan Flemming soll das Franziskanerkloster in Eger von den Bürgern Hecht z Pograthu und Honigar Schmidl ze Seebergu gestiftet worden sein. Der Orden ließ sich aber außerhalb und unmittelbar südwestlich des neuen Mauerrings nieder. Es ist etwas merkwürdig, dass die Franziskaner bereits zeitlich so kurz nach der Stadterweiterung keinen Bauplatz mehr innerhalb des Mauerrings der Neustadt bekamen; evtl. wählten sie freiwillig den Platz vor den Mauern. Aus dieser Ansiedlung entwickelte sich ein dicht bebautes Wohnviertel, die Franziskanervorstadt. Die kleine Siedlung war wie eine kleine Festung angelegt und hatte nur eine Verbindungsstraße zur Stadt. Sie wurde erst später (vor oder nach dem Stadtbrand von 1270?) in den Mauerring der Stadt eingeschlossen. Innerhalb der Organisationshierarchie des Franziskanerordens gehörte das Kloster zur Gründungszeit zur Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia). Das Franziskanerkloster war eines von fünf Klöstern in der Stadt Eger: (Deutschordenskommende, Dominikaner, Kreuzherren mit dem Roten Stern und Klarissen), die sich allerdings z. T. erheblich später als die Franziskaner in der Stadt angesiedelt hatten. Der Seelsorgebereich der Franziskaner beschränkte sich auf das Franziskanerviertel. Ein Jesuitenkollegium wurde 1651 gegründet.

1256 müssen bereits Klostergebäude existiert haben, denn in diesem Jahr übernachtete der Regensburger Bischof Albert I. im Kloster. Bischof Albert überließ dem Kloster auch weitere Zehnte zum Bau eines Spitals.

Beim Stadtbrand von 1270 brannten die Franziskanersiedlung und die alte Burgsiedlung fast völlig ab. In der Kirche kamen fünf Brüder und zehn weitere Personen ums Leben. Kirche und Kloster wurden in den folgenden 15 Jahren wieder aufgebaut. Johann, Bischof von Gurk gewährte 1280 für den Wiederaufbau des Klosters einen Ablass. Die Klosterkirche wurde am 26. Januar 1285 in Anwesenheit von König Rudolf I., vielen Reichsfürsten und sieben Bischöfen wieder geweiht; sie hat das Patrozinium Mariä Verkündigung. Die Wiedereinweihung der Klosterkirche nahm der Regensburger Bischof Heinrich II. vor. Der Grund für die Anwesenheit der zahlreichen politischen und geistlichen Würdenträger war die Hochzeit des böhmischen Königs Wenzel II. mit der Tochter von König Rudolf I., Guta, deren Feierlichkeiten zur gleichen Zeit in Eger begannen. Die Hochzeitsgesellschaft zog dann weiter nach Prag, am 7. Februar fand dort die Vermählung statt.

Nach Václav Vok Filip deutet die ungewöhnlich schnelle Fertigstellung des Klosters – und zwar in beiden Fällen: erster und zweiter Bau – auf großzügige Spenden des Egerer Patriziats und des Landadels der Umgebung hin. Durch diese Schenkungen und weitere Begünstigungen durch die böhmischen Könige erwarb das Kloster einen ansehnlichen Besitz, der bis 1465 weiter anwuchs.

Unmittelbar gegenüber dem Kloster der Franziskaner siedelten sich Klarissen an, deren Kloster ist 1273 als bestehend erstmals erwähnt. Erste unklare Hinweise auf dieses Kloster stammen von 1264.

Die Franziskaner hatten das Asylrecht in ihrem Kloster, das allerdings der Stadt ein Dorn im Auge war. Schon in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts schränkte die Stadt dieses Recht auf 14 Tage ein, im Falle einer Krankheit konnte es um weitere 14 Tage verlängert werden. Personen, die aus der Stadt ausgewiesen wurden, und Geächtete durften das Asylrecht im Franziskanerkloster nicht in Anspruch nehmen.

Am 20. März 1343 erhielt das Klarissenkloster Eger von Elsbeth Gölderl einen Zins von 8 Kahr, der auf einem Hof zu Rohr (?) haftete. Dieser Zins sollte das Kloster zur Verbesserung der Pfründe von Elsbeth Gölderl, der Schwester ihres Mannes und von Anna, der Tochter ihres Mannes aus erster Ehe, verwenden. Nach deren Tod sollten 2 Kahr an das Klarissenkloster fallen, die anderen sechs Kahr sollten zu gleichen Teilen an die Deutschherren, an das Dominikanerkloster und an das Franziskanerkloster verteilt werden.

Ein düsteres Kapitel der Egerer Stadtgeschichte wurde durch einen predigenden Franziskaner am Gründonnerstag (25. März) des Jahres 1350 ausgelöst. Er nahm das Auftauchen der Pest zum Anlass, diese Geißel der Menschheit den Juden anzulasten, und löste damit ein blutiges Pogrom aus, in dem die meisten Egerer Juden ermordet wurden. Den Besitz der jüdischen Gemeinde eignete sich die Stadt Eger an. Da die Juden der königlichen Kammer unterstanden und Schutzgelder an diese bezahlen mussten, verhängte Kaiser Karl IV. eine Geldbuße gegen die Stadt und verlangte Schadenersatz für die nun nicht mehr fließenden Schutzgelder. Nach Erlegung der Geldbuße erhielt die Stadt in Nürnberg den sogenannten Verzeihbrief, in dem der Stadt das Pogrom verziehen wurde.

Das Kloster der Franziskaner in Eger gehörte wohl zu den größeren und bedeutenderen Klöstern der sächsischen Franziskanerprovinz. In den Jahren 1394 und 1397 fanden unter dem Provinzial Johann von Gmünd zwei Provinzialkapitel in Eger statt.

1451/52 predigte Johannes von Capistran in Eger. Er versuchte in der Stadt weitere Unterstützung zur Bekämpfung der Utraquisten in Böhmen zu bekommen. Da er vor allem vom böhmischen Adel nicht den nötigen Rückhalt bekam, ja die Stadt Eger sogar vom Adel wegen der Anwesenheit von Capistrano bedrängt wurde, zog er weiter, zunächst mit sicherem Geleit der Egerer nach Bayreuth. In Breslau angekommen, versuchte er Stimmung gegen den böhmischen König Ladislaus und seinen Gubernator Georg von Podiebrad zu machen. Eger unterstützte dagegen weiter die Politik des böhmischen Königs. Trotzdem bedankte sich Johannes von Capistrano in einem Brief an den Stadtrat für die Gastfreundschaft im Franziskaner- und Klarissenkloster von Eger sowie auch die Unterstützung vom Kloster Waldsassen.

Um das Jahr 1460 wandten sich zwei Franziskaner aus dem Kloster in Eger, Johann und Lewin von Wirsberg, in ihren Predigten, beeinflusst einerseits von Jan Hus, andererseits auch von den Thesen des Joachim von Fiore, gegen die kirchliche Hierarchie, prangerten den Ablasshandel an und stellten sich gegen den Güterbesitz der Geistlichen.

Nur wenige Jahre danach verschlechterte sich die Klosterdisziplin – Václav Vok Filip meint aufgrund der Umtriebe der beiden von Wirsberg –, die Ordensregeln wurden vernachlässigt, und die Mönche führten ein „anstößiges Leben“. Der Stadtrat und die Ritterschaft mit dem königlichen Hauptmann machten eine Eingabe bei Papst Pius II. Der Papst beauftragte den Guardian des Franziskanerklosters Breslau und den Abt des Klosters Waldsassen mit der Wiedereinführung der strengen Ordensregel und der Reformierung des Klosters, jedoch ohne Erfolg. Die reformunwilligen Brüder verließen bis auf einen kranken Bruder das Kloster. 1465 konnte das Kloster wieder mit Mönchen aus Sachsen, die die strenge Observanz einhielten, besetzt werden. Den weltlichen Besitz des Franziskanerklosters erhielt das Klarissenkloster Eger, das erst 1782 aufgehoben wurde.

1541 wurden die Franziskaner von Annaberg in Sachsen mit ihrem Guardian Franz Seidel aus dem Kloster vertrieben; sie fanden Aufnahme teils im Franziskanerkloster Eger, teils im Franziskanerkloster Kaaden (heute Kadaň, Tschechien).

Die Stadt Eger wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts überwiegend protestantisch. Schon 1544 wurde auf dem Provinzkapitel in Halberstadt berichtet, dass das Franziskanerkloster in Eger von der lutherischen Glaubenerneurung verleitet worden sei. Einige Franziskaner aus dem Egerer Konvent traten auch tatsächlich zur neuen Lehre über: namentlich Johann Fritschhans wurde Pfarrer in Magdeburg, und Franz Limberg wurde als Pfarrer in Oberlohma angenommen, 1565 dann als Kaplan in Frauenreuth. 1555 sollen die Franziskaner ihren Konvent verlassen haben. Kaiser Maximilian II. befahl zwar 1569 und 1572 dem Magistrat, die verbliebenen Katholiken nicht zu bedrängen, doch der Magistrat ließ sich nicht beirren und setzte die Reformation fast vollständig um. Allerdings dürfte das Franziskanerkloster nie ganz leer gewesen sein, denn es sind Guardiane aus dieser Zeit nachgewiesen. Aus dem Jahre 1582 wird berichtet, dass in diesem Jahr Bruder Hanns gar ein gelehrter Mönch gestorben und auf dem Friedhof des Franziskanerklosters begraben worden ist. Am 3. August 1583 starb Ludolph Hülber; er war Guardian im Franziskanerkloster und auch Vorsteher des Klarissenklosters. Am 21. Oktober 1591 wurden im Franziskanerkloster drei neue Brüder aufgenommen. Infolge der Klosterschließungen im Zuge der Reformation bestanden Ende des 16. Jahrhunderts in der Saxonia nur noch die beiden Konvente in Halberstadt und Eger.

1604 sollen die Franziskaner aus ihrem Kloster vertrieben worden sein. Heribert Sturm nennt für die Jahre 1601 bis 1604 Christian Springer und für die Jahre 1605 bis 1607 Anton Chelinus als Guardiane des Klosters. Die Guardiane wurden in der Regel alle drei Jahre für drei Jahre vom Provinzkapitel ernannt und bleiben es de iure, auch wenn das Kloster inzwischen erloschen sein sollte.

1607 ordnete die Leitung des Franziskanerordens in Rom, weil die Sächsische Provinz fast erloschen war, die Eingliederung des Egerer Konvents in die Oberdeutsche (Straßburger) Ordensprovinz an. Das temporär verlassene Franziskanerkloster wurde 1608 mit Zustimmung von König Rudolf II. wieder mit neuen Brüdern besetzt und gehörte jetzt zur Straßburger Provinz. Nach der Niederlage der böhmischen Stände unter dem Winterkönig Friedrich V. von der Pfalz gegen die Katholische Liga in der Schlacht am Weißen Berg am 8. November 1620 geriet die Stadt Eger unter zunehmenden politischen Druck durch den böhmischen König und deutschen Kaiser Ferdinand II. Sein Ziel war die Rekatholisierung der protestantischen Gebiete in Böhmen. Für dieses Ziel wurden die Jesuiten nach Eger geholt, die hier 1651 ein Collegium errichteten. Neben den Jesuiten beteiligten sich aber auch die Franziskaner an der Rekatholisierung von Stadt und Land Eger.