Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern ist gemäß Artikel 20 Absatz 1 Satz 1 Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern die Volksvertretung bzw. das Landesparlament von Mecklenburg-Vorpommern. Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern ist damit auch ein Verfassungsorgan des Landes.
Geschichte mini|Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern seit 1990 mit Nichtwähleranteilen und Ausschöpfungsquoten Siehe Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern für tabellarische und grafische Übersichten über Wahlergebnisse und Sitzverteilungen.
Landtag Mecklenburg-Vorpommern (1946–1952)
Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern war das Landesparlament des Landes Mecklenburg-Vorpommern in der SBZ und DDR von 1946 bis zur Suspendierung der Länder 1952. Im Januar 1947 wurde das Land in Land Mecklenburg umbenannt. Die Bezeichnung des Landtags lautete danach Landtag Mecklenburg.
Landtag Mecklenburg-Vorpommern (seit 1990) Nach der Wiederbegründung des Landes Mecklenburg-Vorpommern 1990 infolge der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 fand am 14. Oktober 1990 die erste Landtagswahl statt. Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern konstituierte sich dann erstmals am 26. Oktober 1990, zwölf Tage nach der ersten Landtagswahl.
1. Wahlperiode (1990–1994)
Die erste Landtagswahl des neu gegründeten Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern fand am 14. Oktober 1990 statt.Gemeinsames statistisches Bundesamt in Berlin: Wahl zum Landtag von Mecklenburg-Vorpommern(1990) S. 10. Partei Zweitstimmenanteil Sitze (1990) Sitze (1994)CDU 38,33 % 29 30SPD 27,03 % 21 19LL/PDS 15,67 % 12 11FDP 5,5 % 4 4fraktionslos – – 2 Die erste Landesregierung war eine von Alfred Gomolka geführte Koalition aus CDU und FDP, welche zunächst als Minderheitsregierung von einem fraktionslosen Abgeordneten, der bis September der SPD angehört hatte, toleriert wurde, sich jedoch durch den Übertritt dieses Abgeordneten auf eine eigene Mehrheit stützen konnte. 1992 kam es zu einem Zerwürfnis, nachdem Gomolka seinen Justizminister Ulrich Born aufgrund des Vorwurfes von „Illoyalität“ entlassen hatte. Die CDU-Fraktion entzog ihm daraufhin das Vertrauen. Auch aufgrund der Werftenkrise, bei der das ehemalige Schiffbaukombinat an die Bremer Vulkan AG verkauft werden sollte, trat Gomolka am 15. März 1992 zurück. Er hatte sich als einziger gegen einen Verkauf der ostdeutschen Werften an die Westkonkurrenten gewehrt. Am 19. März folgte ihm Berndt Seite (CDU) als Ministerpräsident (Kabinett Seite I).
2. Wahlperiode (1994–1998)
Die Wahl zum 2. Landtag erfolgte am 16. Oktober 1994 und brachte folgendes Ergebnis:Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern: Statistische Sonderhefte, Wahlen 94. S. 24. Partei Zweitstimmenanteil SitzeCDU 37,3 % 30SPD 29,5 % 23PDS 22,7 % 18 Während die CDU ihre Position behaupten konnte, verpasste ihr Koalitionspartner FDP mit 3,8 % den Wiedereinzug in das Parlament. Ministerpräsident Seite bildete daraufhin eine Große Koalition (Kabinett Seite II).
3. Wahlperiode (1998–2002)
Die Wahl zum 3. Landtag am 27. September 1998 ergab folgendes:Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern: Statistische Sonderhefte, Wahlen 98. S. 17. Partei Zweitstimmenanteil SitzeSPD 34,3 % 27CDU 30,2 % 24PDS 24,4 % 20 Wahlsiegerin und zum ersten Mal seit 1990 stärkste Kraft wurde die SPD. Der ehemalige Minister für Wirtschaft und Angelegenheiten der europäischen Union sowie amtierende Fraktionsvorsitzende der SPD, Harald Ringstorff, bildete infolgedessen die bundesweit erste SPD-PDS-Koalition.
4. Wahlperiode (2002–2006)
Die Wahl zum 4. Landtag fand am 22. September 2002 statt.Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern: Statistische Sonderhefte, Wahlen 2002. S. 15. Partei Zweitstimmenanteil SitzeSPD 40,6 % 33CDU 31,4 % 25PDS 16,4 % 13 Bei starkem Stimmenzuwachs der SPD konnte die Koalition unter Ministerpräsident Ringstorff trotz herber Verluste auf Seiten der PDS fortgeführt werden. Die CDU verblieb in der Opposition. Im Juli 2006 beschloss der Landtag Mecklenburg-Vorpommern unter anderem die Dauer der Wahlperiode von 4 Jahre auf 5 Jahre zu erhöhen.
5. Wahlperiode (2006–2011) Die Wahl zum 5. Landtag fand am 17. September 2006 statt.
Wahlberechtigte 1.415.321 Wähler 837.018 Wahlbeteiligung 59,1 % Gültige Erststimmen 816.088 (97,5 %) Gültige Zweitstimmen 818.061 (97,7 %)
Die 71 Sitze im Landtag Mecklenburg-Vorpommern verteilten sich nach der Wahl am 17. September 2006 wie folgt:
SPD: 23 Sitze CDU: 22 Sitze Die Linke: 13 Sitze FDP: 7 Sitze NPD: 6 Sitze
Ministerpräsident blieb zunächst Harald Ringstorff, der jedoch sein Amt zu seinem 10. Dienstjubiläum aus Altersgründen an Erwin Sellering (SPD) übergab. Beide führten eine Koalitionsregierung aus SPD und CDU. Stellvertretender Ministerpräsident war in der kompletten Wahlperiode Jürgen Seidel (CDU).
6. Wahlperiode (2011–2016)
Die Wahl zum 6. Landtag des Landes Mecklenburg-Vorpommern fand am 4. September 2011 statt. Am 18. September 2011 wurde im Wahlkreis Rügen I aufgrund des Todesfalls des CDU-Kandidaten Udo Timm eine Nachwahl durchgeführt. Am 4. Oktober 2011 konstituierte sich der 6. Landtag.
Die 71 Sitze im Landtag Mecklenburg-Vorpommern verteilten sich nach der Wahl am 4. September 2011 wie folgt: SPD: 27 Sitze CDU: 18 Sitze Die Linke: 14 Sitze Bündnis 90/Die Grünen: 7 Sitze NPD: 5 Sitze
Die SPD und CDU einigten sich auf eine Fortsetzung der großen Koalition unter Ministerpräsident Erwin Sellering und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Lorenz Caffier.
Dem Ältestenrat der 6. Wahlperiode gehörten an: Sylvia Bretschneider – Landtagspräsidentin Beate Schlupp – 1. Landtagsvizepräsidentin Regine Lück – 2. Landtagsvizepräsidentin Silke Gajek – 3. Landtagsvizepräsidentin Heinz Müller – Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion Wolf-Dieter Ringguth – Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion Peter Ritter – Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE Johann-Georg Jaeger – Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Stefan Köster – Parlamentarischer Geschäftsführer der NPD-Fraktion
7. Wahlperiode (2016–2021)
Nach der Landtagswahl am 4. September 2016 konstituierte sich der 7. Landtag am 4. Oktober 2016. Er hatte seitdem 71 Abgeordnete, verteilt nach Stimmenanteil auf die Fraktionen der SPD, AfD, CDU und Die Linke.
Die größten außerparlamentarischen Oppositionsparteien waren nach der Wahl Bündnis 90/Die Grünen, FDP und NPD. Unter den Kleinparteien erhielten die Tierschutzpartei (1,2 Prozent), die Familien-Partei und das Anti-Windkraft-Bündnis Freier Horizont die meisten Stimmen (jeweils 0,8 Prozent).
Die 71 Sitze im Landtag Mecklenburg-Vorpommern verteilten sich nach der Wahl am 4. September 2016 und den Änderungen bis Oktober 2019 wie folgt: SPD: 26 Sitze CDU: 18 Sitze AfD: 14 Sitze Die Linke: 11 Sitze fraktionslos: 2 Sitze
Am 8. Dezember 2016 wählte der Landtag Mecklenburg-Vorpommern den ehemaligen Landtagsabgeordneten Heinz Müller auf Vorschlag der SPD-Landtagsfraktion zum Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern für fünf Jahre. Müller setzte sich gegen den von der Landtagsfraktion die Linke vorgeschlagenen ehemaligen Datenschutzbeauftragten von Mecklenburg-Vorpommern und ehemaligen Landtagsabgeordneten Karsten Neumann (Die Linke) durch. Am 4. Juli 2017 wählte der Landtag Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig (SPD) zur Ministerpräsidentin des Landes. Damit wurde erstmals eine Frau Regierungschefin in Mecklenburg-Vorpommern. Am 31. August 2017 trat der Abgeordnete Holger Arppe aus der AfD-Fraktion aus und war seitdem fraktionsloser Abgeordneter. Am 25. September 2017 traten die Abgeordneten Christel Weißig, Matthias Manthei, Bernhard Wildt und Ralf Borschke aus der AfD-Fraktion aus und gründeten die Fraktion Bürger für Mecklenburg-Vorpommern (kurz: BMV). Am 13. November 2018 benannte sich die Fraktion der BMV um in FREIE WÄHLER/Bürger für Mecklenburg-Vorpommern, Kurzform FREIE WÄHLER/BMV. Am 22. Mai 2019 wählte der Landtag Birgit Hesse (SPD) zur Landtagspräsidentin. Ihre Vorgängerin, Sylvia Bretschneider (SPD), verstarb Ende April 2019. Am 1. Oktober 2019 löste sich die Fraktion FREIE WÄHLER/BMV auf. Die Abgeordneten Matthias Manthei und Bernhard Wildt traten der CDU bei, Ralf Borschke wieder der AfD und Christel Weißig war seitdem fraktionslos.
8. Wahlperiode (2021–2026)
Die Wahl zum 8. Landtag des Landes Mecklenburg-Vorpommern fand am 26. September 2021 statt.
Der Landtag hat 79 Abgeordnete (siehe Liste der Mitglieder des Landtages Mecklenburg-Vorpommern).
Die 79 Sitze im Landtag Mecklenburg-Vorpommern verteilen sich derzeit wie folgt: Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD): 34 Sitze Alternative für Deutschland (AfD): 13 Sitze Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU): 12 Sitze Die Linke: 9 Sitze Bündnis 90/Die Grünen: 4 Sitze Freie Demokratische Partei (FDP) 3 (nur Gruppe; seit 25. Juni 2025) fraktionslos: 4 Sitze (je 1 ehemaliger Abgeordneter von AfD, CDU, FDP und Grünen)
Die konstituierende Sitzung fand am 26. Oktober 2021 statt, eröffnet von Alterspräsident Horst Förster. Birgit Hesse wurde vom Landtag zur Präsidentin gewählt, zur 1. Vizepräsidentin Beate Schlupp und zur 2. Vizepräsidentin Elke-Annette Schmidt. Ein vorläufiger Ausschuss, der bis zur Einsetzung der ständigen Ausschüsse des Landtages deren Aufgaben erledigt, wurde eingesetzt. In der 2. Sitzung am 15. November 2021 wurde die Einsetzung von neun Ausschüssen beschlossen. Am 25. April 2023 trat die Abgeordnete Eva Maria Schneider-Gärtner aus der AfD-Fraktion aus und ist seitdem fraktionslose Abgeordnete. Die Abgeordnete Sabine Enseleit erklärte am 10. September 2024 ihren Austritt aus der FDP-Fraktion und schloss sich unmittelbar danach der CDU-Fraktion an. Mit nun 13 Abgeordneten ist die CDU so stark wie die bislang größte Oppositionspartei AfD. Am 27. April 2025 trat Sandy van Baal aus der FDP-Fraktion aus, welche daraufhin ihren Fraktionsstatus verlor. Am 25. Juni 2025 beschloss der Landtag daraufhin, den verbliebenen drei FDP-Abgeordneten den Gruppenstatus zuzugestehen. Am 19. Dezember 2025 wurde der Landtagsabgeordnete Hannes Damm aus der bündnisgrünen Fraktion ausgeschlossen. Am 29. Mai 2026 trat Thomas Diener aus der CDU-Fraktion aus. Am 30. Juni 2026 wurde er in die AfD-Fraktion aufgenommen.
9. Wahlperiode (ab 2026) Die Wahl zum 9. Landtag des Landes Mecklenburg-Vorpommern fand am 20. September 2026 statt. Die konstituierende Sitzung ist noch nicht bekanntgegeben, findet aber spätestens am 20. Oktober 2026 statt.
Aufgaben und Rechte Auszüge aus der Landesverfassung Als Stätte der politischen Willensbildung ist der Landtag als zentrales Organ der Legislative des Landes zuständig für die Wahl des Ministerpräsidenten, die Verabschiedung beziehungsweise die Änderung von Landesgesetzen sowie die Kontrolle der Landesregierung und der Landesverwaltung. Die Wahlperiode beträgt seit 2006 fünf Jahre. Der Landtag (Artikel 20)Artikel 20 der Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist die gewählte Vertretung des Volkes ist Stätte der politischen Willensbildung wählt den Ministerpräsidenten übt die gesetzgebende Gewalt aus kontrolliert die Tätigkeit der Landesregierung und der Landesverwaltung behandelt öffentliche Angelegenheiten
Die Abgeordneten (Artikel 22)Artikel 22 der Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern sind Vertreter des ganzen Volkes an Aufträge und Weisungen nicht gebunden nur ihrem Gewissen unterworfen
Die Fraktionen (Artikel 25)Artikel 25 der Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern sind Vereinigungen von mindestens vier Mitgliedern des Landtages selbstständige und unabhängige Gliederungen des Landtages
Die Parlamentarische Opposition (Artikel 26)Artikel 26 der Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern bilden die Fraktionen und die Mitglieder des Landtages, welche die Regierung nicht stützen