R1b ist eine Haplogruppe des Y-Chromosoms und wird zur Bestimmung von genetischen Verwandtschaftsverhältnissen verschiedener Bevölkerungsgruppen angewandt. Sie ist eine Untergruppe von R. R1b wird definiert durch die Mutation M343 eines Einzelnukleotid-Polymorphismus (SNP), die im Jahr 2004 entdeckt wurde.C. Cinnioglu, R. King, T. Kivisild, E. Kalfoglu, S. Atasoy, G. L. Cavalleri, A. S. Lillie, C. C. Roseman, A. A. Lin, K. Prince, P. J. Oefner, P. Shen, O. Semino, L. L. Cavalli-Sforza, P. A. Underhill: Excavating Y-chromosome haplotype strata in Anatolia. In: Human genetics. Band 114, Nummer 2, Januar 2004, S. 127–148. . PMID 14586639. Von 2001 bis 2005 wurde R1b durch den SNP P25 definiert. In anderen Systemen wird sie auch als Hg1 und Eu18 klassifiziert. Der aktuelle Stand kann über die Seiten der International Society of Genetic Genealogy (ISOGG) abgerufen werden.http://isogg.org/tree/ISOGG_HapgrpR.htmlhttps://docs.google.com/spreadsheets/d/1n9MBaZWKBWUx2DN9aEN0CLCDmtnp64Hts-GrYGGPRRI/edit?pli=1#gid=0

Aufspaltung Die Haplogruppe R1b stammt von R1 ab, wie auch R1a. R1b entstand nach derzeitiger Schätzung vor weniger als 18.500 JahrenT. M. Karafet, F. L. Mendez, M. B. Meilerman, P. A. Underhill, S. L. Zegura, M. F. Hammer: New binary polymorphisms reshape and increase resolution of the human Y chromosomal haplogroup tree. In: Genome research. Band 18, Nummer 5, Mai 2008, S. 830–838. . PMID 18385274. . in Asien. Die Aufspaltung der Haplogruppe R in R1 und R2 ist durch einen Fund in Mal'ta am Baikalsee belegt.

mini|400px|Die Verteilung der Haplogroup R1b in Prozent im westlichen Eurasien mini|400px|Die Karte zeigt die Verteilung der Haplogruppe R1a zum Vergleich, in Prozenten, die als farbliche Schattierungen dargestellt werden. Die männliche Haplogruppe R (Y-DNA) soll auf sibirische Jäger-und-Sammler-Kulturen, die zwischen 18.000 und 25.000 Jahren lebten, zurückgehen.Wolfgang Haak, Iosif Lazaridis et al.: Massive migration from the steppe was a source for Indo-European languages in Europe. Nature volume 522, S. 207–211 (2015) (auf nature.com) Sie ist die Basis der heute häufigsten Haplogruppen in Europa, wobei die R1b-Gruppe in Westeuropa und R1a-Gruppe in Osteuropa dominieren. So hat die R1b-Gruppe in Westeuropa einen mittleren Anteil von 70 %, mit Höchstwerten von über 80 % etwa in Irland, Schottland, Wales und auch Nordfrankreich. Eine Studie von Haak (2015)Wolfgang Haak et al: Massive migration from the steppe was a source for Indo-European languages in Europe. Nature. 2015 Jun 11; 522(7555): 207–211. . ergab, dass R1b sowie R1a sich ab 3000 v. Chr. aus der Region der pontisch-kaspischen Steppen in Richtung Westen verbreitete. Vor dieser Zeit wiesen nur 1 von 70 westeuropäischen Individuen eine R1-Gruppe auf. Von den männlichen Proben aus der indoeuropäischen, in den kaukasischen Steppen heimischen Jamnaja-Kultur dagegen verfügen alle über R1b. Hypothetisch gelangten die Haplogruppen R1b und R1a in mehreren Migrationswellen der Jamnaja-Kultur nach Westeuropa. Genetisch wiesen die regionalen Jamnaja-Kulturen eine differente Verteilung der R1-Gruppen auf, die südliche Ethnien dieser Kultur zeigen vorwiegend R1b, während die nördliche Wald-Steppen-Kultur, vorwiegend R1a-Merkmale aufweisen. Mit der ersten Migrationswelle gelangte R1b um 4200 v. Chr. in die Donau-Region und von dort aus in die Balkangebiete und auch nach Ungarn. Vermutet wird, dass die R1b-Migranten von einer Minderheit von R1a-Männern begleitet wurden.

Die Aufspaltung der R1* Haplogruppe fand wohl eher im zentralen bis westlichen Teil Asiens statt, wo sowohl R1a als auch R1b in relativer Nähe zueinander gefunden wurde.Haak et al. (2015) R1b-U106 ist eine Schwestergruppe zur mittelneolithischen R1b-M269 und wird heute vorwiegend im germanischen Sprachraum, den nördlichen Alpen und entlang des Rheins gefunden, während R1b-P312 vorwiegend im romanischen Sprachraum gefunden wird. Die Aufspaltung der Haplogruppe R1b-M269 wird auf das mittlere Neolithikum vor etwa 5000 Jahren angesetzt. Unklar ist, ob diese Aufspaltung im Alpenraum stattfand oder es sich um zwei Ausbreitungswellen handelt, die jeweils in den nördlichen und südlichen Alpenraum expandierten.

Daraus entstanden in der Bronzezeit vor etwa 4176 ± 696 Jahren die Haplogruppen DF27 mit der größten Konzentration in Iberien (rund 44 %), R1b-U152, das vorwiegend im nördlichen Italien und im südlichen Alpengebiet konzentriert ist, und R1b-M529, das sich am stärksten in England und der Bretagne konzentriert. Die Entstehung aller drei Gruppen fällt damit in die Bronzezeit und deutet auf Kontakte mit Einwanderern.

Alle vier Haplogruppen sind Träger der Glockenbecherkulturen und werden im Zuge der Vermischung mit den Schnurkeramikern zu Trägern der Becherkulturen. Weitere Untergruppen wie Z196/Z195, geschätzt auf 3173 ± 502, sind deutlich mit der sogenannten Orientalisierung (d. h. orientalisch-griechischen Importfunden) der beginnenden Eisenzeit entlang der Mittelmeerküsten in Verbindung gebracht. Archäologisch sind Phönizier etwa 200 Jahre später in Portugal nachgewiesen. Diese Ergebnisse widersprechen den Schätzungen von yfullsiehe offizielle Webseite deutlich. Kontrovers wird auch der erhöhte Anteil der baskischen Bevölkerung diskutiert, wobei angrenzende Regionen wie Aragon und Cantabrien ebenfalls erhöhte Werte eisenzeitlicher Schwesterlinien aufweisen. Jüngere Gruppen lassen sich erwartungsgemäß deutlich mit der spanischen Kolonialisierung Amerikas in Verbindung bringen.Characterization of the Iberian Y chromosome haplogroup R-DF27 in Northern Spain, P. Villaescusa at all Dez. 2016,

Untergruppen

Beispiel R1b1a2a1a1a (R-U106) Diese Untergruppe ist definiert durch den SNP U106, auch bekannt als S21 und M405. Sie repräsentiert über 25 % der gesamten R1b-Population in Europa und findet sich vorwiegend entlang des Rheins, daher wird sie als „germanisch“Dabei unterschieden sich die einzelnen Ethnien zum Teil deutlich. Die Identität der Ethnien wird in der Forschung traditionell über die Sprache bestimmt wird. Kennzeichen der germanischen Sprachen sind unter anderen bestimmte Lautwandel gegenüber der rekonstruierten indogermanischen Ursprache, die als germanische oder erste Lautverschiebung zusammengefasst werden. betrachtet. Die höchste Prävalenz (35%) wurde aus den Niederlanden berichtet.

+ Daten nach Myres et al. (2010)HerkunftProbenR-M269R-U106R-U106-1 Österreich2227 %23 %0,0 % Zentral/Süd-Amerika330,0 %0,0 %0,0 % Tschechien3628 %14 %0,0 % Dänemark11334 %17 %0,9 % Ost-Europa445 %0,0 %0,0 % England13857 %20 %1,4 % Frankreich5652 %7 %0,0 % Deutschland33243 %19 %1,8 % Irland10280 %6 %0,0 % Italien28437 %4 %0,0 % Jordanien760,0 %0,0 %0,0 % Mittlerer Osten430,0 %0,0 %0,0 % Niederlande9454 %35 %2,1 % Ozeanien430,0 %0,0 %0,0 % Oman290,0 %0,0 %0,0 % Pakistan1773 %0,0 %0,0 % Palästina470,0 %0,0 %0,0 % Polen11023 %8 %0,0 % Russland5621 %5,4 %1,8 % Slowenien10517 %4 %0,0 % Schweiz9058 %13 %0,0 % Türkei52314 %0,4 %0,0 % Ukraine3225 %9 %0,0 % USA585 %5 %0,0 % USA (Europäer)12546 %15 %0,8 % USA (Afroameriker)11814 %2,5 %0,8 %

Beispiel R1b1a2a1a2 (R-P312/S116) Neben R-U106, ist R-P312 die zweite große Gruppe in Europa, die beide von R1b1a2 (R-M269) abstammen. Sie ist auch als S116 bekannt. Myres et al. beschreiben sie als sich vom westlichen Einzugsgebiet des Rheins her ausbreitend. Allgemein betrachtet man sie als atlantische Gruppe die mit der keltischen und römischen Expansion in Zusammenhang gebracht wird.

LandSamplingsampleR-M269Quelle WalesNational6592,3 %Balaresque et al. (2009) SpanienBasken11687,1 %Balaresque et al. (2009) IrlandNational79685,4 %Moore et al. (2006) SpanienKatalonien 8081,3 %Balaresque et al. (2009) Frankreich Ille-et-Vilaine8280,5 %Balaresque et al. (2009) FrankreichHaute-Garonne5778,9 %Balaresque et al. (2009) EnglandCornwall6478,1 %Balaresque et al. (2009) FrankreichLoire-Atlantique4877,1 %Balaresque et al. (2009) FrankreichFinistère7576,0 %Balaresque et al. (2009) FrankreichBasken6175,4 %Balaresque et al. (2009) SpanienOst-Andalusien9572,0 %Balaresque et al. (2009) SpanienKastilien-La Mancha6372,0 %Balaresque et al. (2009) FrankreichVendée5068,0 %Balaresque et al. (2009) FrankreichSomme-Bucht4362,8 %Balaresque et al. (2009) EnglandLeicestershire4362,0 %Balaresque et al. (2009) ItalienNordosten (Ladiner)7960,8 %Balaresque et al. (2009) SpanienGalicien8858,0 %Balaresque et al. (2009) SpanienWest-Andalusien7255,0 %Balaresque et al. (2009) PortugalSüden7846,2 %Balaresque et al. (2009) ItalienNordwesten9945,0 %Balaresque et al. (2009) DänemarkNational5642,9 %Balaresque et al. (2009) NiederlandeNational8442,0 %Balaresque et al. (2009) ItalienNordosten6741,8 %Battaglia et al. (2008) ArmenienArarat-Tal4137,3 %Herrera et al. (2012) RusslandBaschkiren47134,40 %Lobov (2009) DeutschlandBayern 8032,3 %Balaresque et al. (2009) ArmenienVansee3332,0 %Herrera et al. (2012) ArmenienGardman3031,3 %Herrera et al. (2012) ItalienWestsizilien12230,3 %Di Gaetano et al. (2009) PolenNational11022,7 %Myres et al. (2007) SerbienNational10010,0 %Belaresque et al. (2009) SlowenienNational7521,3 %Battaglia et al. (2008) SlowenienNational7020,6 %Balaresque et al. (2009) TürkeiZentrum15219,1 %Cinnioğlu et al. (2004) MazedonienNational6418,8 %Battaglia et al. (2008) ItalienOstsizilien11418,4 %Di Gaetano et al. (2009) KretaNational19317,0 %King et al. (2008) ItalienSardinien93017,0 %Contu et al. (2008) ArmenienSasun1615,4 %Herrera et al. (2012) IranNorden3315,2 %Regueiro et al. (2006) Moldau26814,6 %Varzari (2006) GriechenlandNational17113,5 %King et al. (2008) TürkeiWesten16313,5 %Cinnioğlu et al. (2004) RumänienNational5413,0 %Varzari (2006) TürkeiOsten20812,0 %Cinnioğlu et al. (2004) AlgerienNordwesten (Oran-Gebiet)10211,8 %Robino et al. (2008) RusslandRoslavl (Oblast Smolensk)10711,2 %Balanovsky et al. (2008) IrakNational13910,8 %Al-Zahery et al. (2003) NepalNewar6610,60 %Gayden et al. (2007) BulgarienNational80810,5 %Karachanak et al. (2013) TunesienTunis1397,2 %Adams et al. (2008) AlgerienAlgier, Tizi Ouzou466,5 %Adams et al. (2008) Bosnien-HerzegowinaSerben816,2 %Marjanovic et al. (2005) IranSüden1176,0 %Regueiro et al. (2006) RusslandRepjewka (Oblast Woronesch)965,2 %Balanovsky et al. (2008) VAE1643,7 %Cadenas et al. (2007) Bosnia-HerzegovinaBosniaken853,5 %Marjanovic et al. (2005) Pakistan1762,8 %Sengupta et al. (2006) RusslandBelgorod1432,8 %Balanovsky et al. (2008) RusslandOstrow (Oblast Pskow)752,7 %Balanovsky et al. (2008) RusslandPristen (Oblast Kursk )452,2 %Balanovsky et al. (2008) Bosnien-HerzegowinaKroaten902,2 %Marjanovic et al. (2005) Katar721,4 %Cadenas et al. (2007) China1280,8 %Sengupta et al. (2006) Indienverschiedene7280,5 %Sengupta et al. (2006) KroatienOsijek290,0 %Battaglia et al. (2008) Jemen620,0 %Cadenas et al. (2007) Tibet1560,0 %Gayden et al. (2007) NepalTamang450,0 %Gayden et al. (2007) NepalKathmandu770,0 %Gayden et al. (2007) Japan230,0 %Sengupta et al. (2006)

Verbreitung R1b ist die häufigste Haplogruppe in Westeuropa und im südlichen Ural. Es tritt auch im südlichen Sibirien, Zentralasien, Mittel-Osteuropa, Nordafrika und Westasien auf. Jüngere Auswanderungen von europäischen Kolonisten verbreitete die Gruppe nach Amerika, Australien, Afrika und Indien. Allein 100 Länder gehörten zeitweilig zur englischen Krone, historisch sind noch weitaus mehr Auswanderungen dokumentiert. So finden sich mittlerweile rund um den Erdball Bevölkerungsteile, die dieses Merkmal tragen und durchaus nicht dem europäischen Phänotyp entsprechen müssen. R1b gehört heute neben einer chinesischen Gruppe und der Schwestergruppe R1a zu den einflussreichsten und am weitesten verbreiteten y-Haplogruppen der Welt, wobei mit der Dominanz auch immer eine Verdrängung anderer Haplogruppen einhergeht.

Europa In Mitteleuropa ist die R1b bisher erst mit der Glockenbecherkultur nach 3000 v. Chr. nachweisbar.