Enzheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Altenstadt im Wetteraukreis in Hessen.

Geografie Enzheim liegt in einer Höhe von 125 m über NN, neun Kilometer westlich von Büdingen, nordöstlich von Lindheim, am linken Ufer der Nidder.

Enzheim war ursprünglich ein Haufendorf, da im Westen das von Überschwemmungen bedrohte Tal der Nidder und im Osten die Basaltkuppe des Enzheimer Kopfs wenig Raum ließen, wandelte sich die Bebauungsstruktur in die eines Straßendorfes.

Geschichte miniatur|Die Kirche von Enzheim

Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung Enzheims als „Hansinesheimer marca“ (Enzheimer Mark) erfolgte am 10. Mai 773 in einer Schenkungsurkunde des Lorscher Codex anlässlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch. Die Namensform „Ansuinesheim“ von 792 verweist auf den Personennamen „Answin.“Ortsliste zum Lorscher Codex, Enzheim, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg.

Im gleichen Jahr 792 schenkte ein Hunold fünf Tagewerk Ackerland in Düdelsheim und Enzheim dem Kloster Lorsch. Ein Erkenbert macht 792 eine Seelgerätstiftung an Lorsch an beiden Orten in der Größe von 20 Tagwerken. Steen zeigte auf, dass in Düdelsheim von zwölf Personen acht Traditionen an das Kloster Lorsch geben, während in Enzheim von sieben Personen sechs Traditionen überliefert sind.Jürgen Steen: Königtum und Adel in der frühmittelalterlichen Siedlungs-, Sozial- und Agrargeschichte in der Wetterau. Studien zum Verhältnis von Landnahme und Kontinuität am Beispiel einer Randlandschaft des Merowingerreichs (= Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main. Band XIV). Krmaer, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-7829-0223-8, S. 154 f. (Zugl.: Frankfurt (Main), Univ., Fachbereich 08 – Geschichtswiss., Diss., 1973).

Eine Burganlage wird im Bereich der Flur Auf der Burg auf einer Insel in der Nidder vermutet.

Enzheim gehörte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zum Amt Ortenberg, einem Kondominat, das von drei Landesherren aus dem Kreis der Mitglieder des Wetterauer Grafenvereins gebildet wurde. Zu den Einzelheiten siehe: hier.

Neuzeit 1601 teilten die Inhaber des Kondominats das Gebiet real untereinander auf, wobei das Dorf Enzheim an die Grafschaft Hanau-Münzenberg, ab 1642: Grafschaft Hanau, fiel.

1662 kam es im Hanauer Amt Ortenberg zu einer massiven Hexenverfolgung. Eine zentrale Rolle bei der Verfolgung der „Hexen“ spielte wahrscheinlich der Hanauer Amtmann Ludwig Geis.Peter Gbiorczyk: Zauberglaube und Hexenprozesse in der Grafschaft Hanau-Münzenberg im 16. und 17. Jahrhundert. Shaker Verlag, Düren 2021, ISBN 978-3-8440-7902-9. Auch eine Frau aus Enzheim, Köper-Grit (Margarete Köper), wurde als Hexe hingerichtet und mit dem Schwert geköpft.

Der hanau-münzenberger Landesteil der Grafschaft Hanau fiel 1736 beim Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., aufgrund eines Erbvertrages an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Das Hanauer, später hessische Amt Ortenberg bildete dann ab 1810 einen Teil des großherzoglich-hessischen Amtes Ortenberg. Bereits 1855 verlor der Orts seine Selbständigkeit und wurde durch die Gemeinde Lindheim verwaltet. Letztendlich kam das Dorf zusammen mit Lindheim zum Landkreis Büdingen, der mit der Gebietsreform in Hessen 1972 im Wetteraukreis aufging. Lindheim wurde im Zuge der Gebietsreform in die Gemeinde Altenstadt eingemeindet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Enzheim angehört(e):

vor 1601: Heiliges Römisches Reich, Amt Ortenberg (Kondominat des Wetterauer Grafenvereins) ab 1601: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Ortenberg ab 1736: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Ortenberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Amt Ortenberg ab 1806: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonischen Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Ortenberg (Militärverwaltung) ab 1810: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Fürstentum Oberhessen,Staatsvertrag mit Frankreich. Amt Ortenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Ortenberg (zur Standesherrschaft Stolberg gehörig) ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk NiddaTrennung zwischen Justiz (Landgericht Ortenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1855: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda, Gemeinde Lindheim

Einwohnerentwicklung Im Jahr 1876 wohnen in Enzheim 109 Personen in 17 Häusern. Beim Zensus 2011 wurden 192 Einwohner gezählt und zwischen 2005 und 2020 pendelte die Einwohnerzahl um die 200.

Politik Für Enzheim besteht gemeinsam mit Lindheim ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinden Lindheim und Enzheim) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 61,0 %. Dabei wurden gewählt: drei Mitglieder der CDU, jeweils zwei Mitglieder der SPD und der „Freien Wählergemeinschaft Altenstadt“ (FWG) und jeweils ein Mitglied der FDP und des Bündnis 90/Die Grünen. Der Ortsbeirat wählte Natascha Baumann (FDP) zur Ortsvorsteherin.

Kulturdenkmäler Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Enzheim

Literatur Siegfried R.C.T. Enders: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Abteilung: Baudenkmale in Hessen. Wetteraukreis I. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 1982, ISBN 3-528-06231-2, S. 50–55. Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 352.

Weblinks

Internetauftritt der Gemeinde Altenstadt

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Wetteraukreis Kategorie:Geographie (Altenstadt, Hessen) Kategorie:Ersterwähnung 773 Kategorie:Gemeindeauflösung 1855