Nowokolchosnoje (, , ) ist der gemeinsame Name von ehemals vier eigenständigen Orten in der russischen Oblast Kaliningrad innerhalb der kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Neman im Rajon Neman.

Geographische Lage Nowokolchosnoje am Flüsschen Arge (russisch: Slaja) liegt 11 Kilometer südwestlich der früheren Kreisstadt Sowetsk (Tilsit) und 15 Kilometer südwestlich der jetzigen Kreismetropole Neman (Ragnit). Im Nordosten grenzt der ehemals so genannte Schilleningker Wald an den Ort, durch den die russische Fernstraße A 216 (ehemalige deutsche Reichsstraße 138, heute auch Europastraße 77) verläuft. Die nächste Bahnstation ist Barsukowka (Pamletten) an der Bahnstrecke Tschernjachowsk–Sowetsk (Insterburg–Tilsit).

Geschichte Neu Argeningken (Argenbrück) Der bis 1947 Neu ArgeningkenOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Neu Argeningken (Argenbrück) (um 1785 Neu Argeningcken) genannte Ort wurde am 25. März 1874 Amtsdorf und damit namensgebend für den neu errichteten Amtsbezirk Neu Argeningken und gehörte zum Landkreis Tilsit, von 1922 bis 1945 Landkreis Tilsit-Ragnit im Regierungsbezirk Gumbinnen (russisch: Gussew) der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 – in diesem Jahr wurde der Ort Kirchdorf – lebten in Neu Argeningken 639 Einwohner, deren Zahl bis 1933 auf 654 stieg und 1939 noch 576 betrug.

Am 18. Januar 1918 stieß bei Argeningken ein Militär-Urlauberzug auf der Fahrt von Insterburg nach Tilsit mit einem Personenzug zusammen. 32 Menschen starben, 36 wurden verletzt.Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd. 1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 134.

Am 3. Juni 1938 – mit amtlicher Bestätigung vom 16. Juli 1938 – erhielt Neu Argeningken den neuen Namen „Argenbrück“, und ein Jahr später wurde auch der Amtsbezirk entsprechend umbenannt.

Amtsbezirk Neu Argeningken (Argenbrück) (1874–1945) In der Zeit von 1874 bis 1945 bildete Neu Argeningken einen eigenen Amtsbezirk, der bis 1922 zum Landkreis Tilsit, danach zum Landkreis Tilsit-Ragnit gehörte. Anfangs waren sieben kommunale Einheiten eingegliedert, aufgrund struktureller Veränderungen waren es am 1. Januar 1945 insgesamt neun:

Name (bis 1938) Name (ab 1938) Russischer Name (ab 1946) Landgemeinden: Alt Lenkonischken Großschenkendorf Lukjanowo Bartken Bartken Semelnoje Laukandten Waldeneck Pelewino Neu Argeningken Argenbrück Nowokolchosnoje Szameitkehmen, ab 1899: Eichenhof Eichenhof Kisseljowo Willkischken, ab 1894: Bublauken Argenfurt Nowokolchosnoje, bis 1993: Grigorjewo Gutsbezirk: Neu Lenkonischken Spätere Eingliederungen: ab 1875: Bublauken Angerfurt Nowokolchosnoje, bis 1993: Tschernyschewo ab 1925: Puskeppeln Argenfelde Prototschnoje ab 1925: Skrobienen Waldreuten Sadoroschnoje ab 1925: Smaledumen Fichtenberg (Ostpr.) Peski

Willkischken / Grigorjewo Das ehemals WillkischkenOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Willkischken genannte Dorf liegt elf Kilometer südwestlich von Sowetsk (Tilsit). Der Ort kam 1874 zum Amtsbezirk Neu Argeningken (ab 1938 Argenbrück, seit 1946 russisch: Nowokolchosnoje) im Landkreis Tilsit (1922 bis 1945 Landkreis Tilsit-Ragnit) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Am 19. März 1894 wurden der Nachbarort Bublauken (ab 1938 Argenfurt, ab 1950 russisch: Tschernyschewo, seit vor 1976 Nowokolchosnoje) in die Landgemeinde Willkischken eingegliedert, und am 24. Juli 1894 wurde diese in „Bublauken“ umbenannt. 1945 kam Willkischken zur Sowjetunion und erhielt 1950 die russische Bezeichnung „Grigorjewo“.

Sandlauken (Sandfelde)/Schtschukino Das vormals SandlaukenOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Sandlauken (Sandfelde) (um 1785 Sandlaucken) genannte kleine Dorf liegt zwölf Kilometer südwestlich der Stadt Sowetsk (Tilsit) und bestand vor 1945 aus verstreuten kleinen Höfen. Im Jahre 1874 wurde der Ort in den Amtsbezirk Brettschneidern (russisch: Grusdewo) eingegliedert, der zum Landkreis Niederung, ab 1922 zum Landkreis Tilsit-Ragnit im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Im Jahre 1910 waren in Sandlauken 81 Einwohner registriert, deren Zahl bis 1933 auf 149 stieg und 1939 noch 139 betrug. Am 3. Juni 1938 (amtlich bestätigt am 16. Juli 1938) erhielt Sandlauken den neuen Namen „Sandfelde“. 1945 kam Sandfelde zur Sowjetunion und wurde 1950 in Schtschukino umbenannt.

Bublauken (Argenfurt) / Tschernyschewo Der seinerzeit BublaukenOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Bublauken (Argenfurt) (um 1785 Bublaucken) genannte Orte bestand vor 1945 aus ein paar kleinen Höfen, die zehn Kilometer südwestlich von Sowetsk (Tilsit) lagen. 1874 kam Bublauken zum Amtsbezirk Brettschneidern (russisch: Grusdewo) im Landkreis Niederung im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Am 21. Juli 1875 wurde Bublauken in den Amtsbezirk Neu Argeningken eingegliedert, der zum Landkreis Tilsit, ab 1922 Landkreis Tilsit-Ragnit, gehörte. Am 19. März 1894 wurde Bublauken nach Willkischken eingemeindet. Am 24. Juli 1894 dann wurde Willkischken in Bublauken umbenannt, bis es dann ab 1938 aus politisch-ideologischen Gründen den Namen Argenfurt erhielt. Im Jahre 1950 – der Ort war inzwischen zur Sowjetunion gekommen – erhielt Argenfurt den russischen Namen „Tschernyschewo“.

Nowokolchosnoje Infolge des Zweiten Weltkrieges kam das Dorf Neu Argeningken (Argenbrück) mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und wurde 1947 in „Nowokolchosnoje“ umbenannt. Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Sowetsk. Vor 1976 wurden die Nachbarorte Grigorjewo, Schtschukino und Tschernyschewo an Nowokolchosnoje angeschlossen.Gemäß dem Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976. Von 2008 bis 2016 gehörte Nowokolchosnoje zur Landgemeinde Schilinskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Neman.

Nowokolchosnenski selski Sowet/okrug 1947–2008 Der Dorfsowjet Nowokolchosnenski selski Sowet (ru. Новоколхозненский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet. Im Jahr 1954 wurde der Kanaschski selski Sowet an den Nowokolchosnenski selski Sowet angeschlossen.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad) Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Nowokolchosnenski selski okrug (ru. Новоколхозненский сельский округ). Etwa im Jahr 1997 wurde der Kanaschski selski okrug (wieder) als eigenständige Verwaltungseinheit aus dem Nowokolchosnenski selski okrug herausgelöst. Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Nowokolchosnenski selski okrug in die neugebildete Landgemeinde Schilinskoje selskoje posselenije eingegliedert.