Dies ist eine Abhandlung zur Geschichte der katholischen Kirche in Kasachstan vom 12. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan.
Die Anfänge
Das Christentum in Kasachstan lässt sich bereits auf das 2. Jahrhundert n. Chr. zurückführen. Die katholische Kirchengeschichte in Kasachstan nahm mit Beginn des 12.–13. Jahrhunderts ihren Anfang. Verbunden mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und China keimten damals entlang der Großen Seidenstraße erste katholische Metropolitbezirke und Bistümer auf.
Missionsreisen franziskanischer Ordensmänner
Auf dem Gebiet Kasachstans lässt sich die früheste katholische Präsenz auf das Jahr 1246 datieren und fällt unter das Pontifikat des römischen Papstes Innozenz IV. In der Folgezeit hielten sich hier immer wieder katholische Missionare auf, die im Auftrag der römischen Apostolischen Autorität zu den Großkhans unterwegs waren. Die ersten katholischen Missionare in Kasachstan waren franziskanische Ordensmänner. Ihre Missionen fanden wie folgt statt: 1245: Der italienische päpstliche Legat Johannes de Plano Carpini, begleitet von seinem polnischen Mitbruder Benedikt. 1253: Der Flame Wilhelm von Rubruk.
Die Reise des Franziskaners Wilhelm von Rubruk, dessen Route von Konstantinopel nach Karakorum verlief, wo die Residenz des Großkhans war, dauerte von 1253 bis 1255. Ein Teil dieses 16.000 Kilometer weiten Weges führte durch das Gebiet des heutigen Kasachstan. Der Erfolg der Evangelisierung durch die franziskanischen Brüder veranlasste Papst Nikolaus III. dazu, 1278 das Bistum Kiptschak zu errichten (das jedoch nie aktiv wurde, weil es keinen Bischof erhielt). Khan Möngke Timur gewährte den Franziskanern, die im Gebiet Kiptschak lebten (das in etwa dem heutigen Kasachstan entspricht), umfangreiche Privilegien. Diese wurden auch von seinen Nachfolgern Khan Tokta und Usbek Khan bestätigt und bestanden in der Befreiung vom Wehrdienst, vom Frondienst und von allen Steuern.
Einer der bedeutendsten katholischen Missionare des 13./14. Jahrhunderts war der Franziskaner Giovanni (Johannes) de Montecorvino. Er wurde 1291 von Papst Nikolaus IV. nach Asien entsandt. Zu seinen Tätigkeiten zählt die Übersetzung der Bibel ins Mongolische, die Gründung neuer Bischofssitze im Gebiet der Metropolitregion Kambalik (Khanbalik, heutiges Peking) und die Bekehrung des mongolischen Khans Kirgis zum katholischen Glauben. Vor dessen Bekehrung war der Khan nestorianischer Christ gewesen und wurde Georg genannt. Da „Georg“ in der türkischen Sprache Kirgiz (Kerghiz) ausgesprochen wurde, soll auf seinen Namen die ethnische Bezeichnung der Kirgisen zurückgehen (wörtlich „Das Volk des Heiligen Georg“). 1330 erstellten franziskanische Missionare ein Lateinisch-Persisch-Türkisches Wörterbuch mit der Bezeichnung Codex Cumanicus.
Die Diözese Almalygh
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde eine Diözese in Almalygh, Hauptstadt des tschagataischen Reiches und Residenz des regierenden Khans, errichtet (heute Gulja (Yining), Hauptstadt des Kasachischen Autonomen Bezirks Ili in der Volksrepublik China). Die Diözese gehörte zum Metropolitanbistum Kambalik, ihr erster Bischof wurde Carlino de Grassis. 1338 sandte Papst Johannes XXII. dem tschagataischen Khan einen Brief Laeti rumores, in dem er ihm für seine Gunst dankte, die er den Christen in seinem Reich erwies, insbesondere dem Erzbischof von Kambalik und Franziskanerbruder Nikolaus. Vom selben Tag datiert ein weiterer Brief Laetanter de vobis, der an „Karasmon und Jochan, zwei dem Großkhan Khansi Nahestehende“, gerichtet war, die den christlichen Glauben angenommen hatten. Der Papst empfahl den franziskanischen Bischof Richard von Burgund ihrer Fürsorge und stellte ihn als einen „vollkommenen Mann“ und Bischof von Almalygh vor, wo „zur Ehre des Namens Gottes eine sehr schöne Kirche erbaut wurde“.
Der Schutz für die Franziskaner in Almalygh bestand bis 1339 (oder 1342). Nach dem Tod von Giovanni de Montecorvino und Kirgis Khan wurde die religiöse Situation schwieriger: Der neue Khan Ali-Sultan nahm aus politischen Gründen den Islam an und damit begannen die Christenverfolgungen. Im Zuge dieser Verfolgungen wurde 1339 (oder 1342) in Almalygh der Bischof Richard von Burgund zusammen mit sechs Franziskanern umgebracht (darunter drei Priester). In den folgenden Jahrhunderten wurde der katholische Glaube vom Islam derart verdrängt, dass der Katholizismus im gesamten kasachischen Gebiet kaum noch vorkam.
Unter der Zarenherrschaft
Zwangsumsiedlungen
Mitte des 19. Jahrhunderts begann eine neue Phase des Christentums im Gebiet des heutigen Kasachstan. Hervorgerufen wurde dies durch Reformen und eine Umsiedlungspolitik seitens der Regierung des russischen Zarenimperiums. Durch diese Politik wurde auch die Geschichte der katholischen Kirche in Kasachstan in der zweiten Hälfte des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts entscheidend beeinflusst.
Der katholische Glaube hielt (hauptsächlich) mit Vertretern europäischer Volksgruppen (Polen, Litauer, Tschechen, Deutsche, Franzosen, Letten, Ungarn, Österreicher) in der Region Einzug. Dies waren überwiegend Verbannte, Angehörige der Zaristischen Armee, Kriegsgefangene und Flüchtlinge. In den „Konfessionsregistern der Militärbataillons von 1842 bis 1852“ finden sich Aufzeichnungen zu Mitgliedern sibirischer Militäreinheiten. Demnach befanden sich unter ihnen 202 katholische Armeeangehörige und zwei Katholiken, die in der Administration tätig waren.
Katholische Gemeinden in der Zarenzeit
Zur Zeit der Zarenherrschaft gehörten die katholischen Pfarreien in Kasachstan zur Erzdiözese Mogilew (heute Mahiljou in Weißrussland). Die Gläubigen in den nördlichen Bezirken Kasachstans (Akmola, Semipalatinsk und sogar Semiretschensk) wurden überwiegend von den Priestern der Pfarrei Omsk (Sibirien) betreut und hatten lange Zeit weder Kirche noch Kapelle. Von 1883 bis 1885 war Pfarrer Ferdinand Sentschikowski der erste offizielle katholische Priester in der Region Turkestan (das Gebiet im heutigen Südkasachstan).
Die ersten katholischen Gemeinden entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts / Anfang 20. Jahrhundert. Ihre Entstehung wurde insbesondere durch eine Massenverbannung von polnischen Gefangenen nach Sibirien mitbegründet, die an den Aufständen 1830–1831 und 1863–1864 teilgenommen hatten und anschließend eine Umsiedlung nach Kasachstan erfuhren. 1848 wurde die Diözese Tiraspol gegründet mit Sitz in Saratow (Europäisches Russland). In sie wurden möglicherweise die katholischen Pfarreien im Nordwesten Kasachstans integriert. Folgende Absolventen des Saratower Priesterseminars waren im Gebiet des heutigen Kasachstan tätig: Joseph Wolf und Adam Garreis (in Kustanai und Umgebung), Karl (oder Eduard) Gopfauf (im Bezirk Turgay), später in den 1950er- / Anfang 1960er-Jahren Alexander Staub in Karaganda, wo er auch beigesetzt wurde.
1905 kam es zu einer entscheidenden Wende, die zu einem Aktivismus in den katholischen Pfarreien führte: Am 17. April 1905 hatte Zar Nikolaus II. ein Manifest zur Duldung herausgegeben, wonach die katholische Kirche in ihren Rechten teilweise der orthodoxen gleichgestellt wurde. Zudem benötigte sie für die Organisation der Pfarreien nicht mehr die Zustimmung der Hierarchen der orthodoxen Kirche. Somit blühten die katholischen Pfarreien Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Der Bau katholischer Kirchen in Kasachstan begann. Die Kolonien der polnischen und deutschen katholischen Einwanderer in den Bezirken von Akmolinsk und Semipalatinsk wurden jetzt von den Priestern der Pfarrei Kustanai (heute Kostanai im Norden Kasachstans) betreut. In der Stadt Semipalatinsk und in Marienburg (Peremenovka) wurden Gebetshäuser eröffnet.
Zu den ersten Priestern, die in den verschiedenen Diözesen in Kasachstan, tätig waren, gehörten P. Kubilis (Semipalatinsk), M. Bugenis (Dekanat Omsk), I. Senvaitis (Petropavlovsk), A. Biljakevic (Peremenovka-Marienburg, Semipalatinsk), I. Jakschtas, P. Radzinski, I. Kozakevic, J. Wolf (Kustanai) A. Garreis (Kustanai), A. Rometzki, Gopfauf (Bezirk Turgay), Uklei (Pawlodar, Semipalatinsk), V. Tschaplinski (Peremenovka-Marienburg, Semipalatinsk) und andere.
Unter den katholischen Pfarreien gab es auch große Gemeinden. So bestand zum Beispiel die katholische Pfarrei in Petropavlovsk vor der Revolution 1917 aus 3000 Gläubigen. Zur Pfarrei der Siedlung Ozernoje (die Teil der Pfarrei Kustanai war) gehörten 3342 deutsche Katholiken, die aus der Diözese Tiraspol eingewandert waren, und etwa 300 bis 400 Polen. Der restliche Teil der Pfarrei Kustanai zählte rund 5000 Katholiken. Die Pfarrei der deutschen Kolonie Marienburg (Peremenovka) im Osten Kasachstans bestand aus etwa 4000 Mitgliedern. Die Pfarrei Omsk zählte am 27. Juli 1886 2660 Gemeindemitglieder. Nach der Revolution wurden alle Pfarreien zerstört, der Klerus und die aktiv Gläubigen unterdrückt. Viele Polen kehrten wieder nach Polen und in die Ukraine zurück, so dass sich auch dadurch viele Pfarreien unweigerlich auflösten.
Unter dem Sowjetregime
Zwangsarbeitslager und Verbannung
Nach der Oktoberrevolution 1917 erlebte die katholische Kirche zusammen mit anderen Glaubensrichtungen in der Sowjetunion die schwersten Verfolgungen. Von 1921 bis 1935 wurde die katholische kirchlich-administrative Struktur so gut wie komplett zerstört, die Hierarchie sowohl des lateinischen als auch des byzantinischen Ritus ausgetilgt. Die Priester, die noch am Leben waren, wurden in Zwangsarbeitslager deportiert, die sich insbesondere auch in Kasachstan befanden (KARLag, Spassk (Sandlager) etc.). Viele Priester wurden nach Kasachstan verbannt.
Im Gebiet der künftigen Diözese Karaganda waren folgende Priester in Verbannung: Michael Keller (Köhler), Joseph Gotlibovic Kölsch, Joseph Johannovic Neigum, der griechisch-katholische Bischof Alexander Chira, Wladyslaw Bukowinski. Die griechisch-katholischen Priester waren: Aleksei Saritzki, Michail Ivanovic Suljatitzki, Nikolaj Wladimirovic Wonsul, Dmitri Iwanowic Kuzminski sowie Michael Bendas (Bengas), Radko, Mitsko und andere. Die Sowjetregierung machte Kasachstan zu einem Ort der Zwangsumsiedlung für verschiedene Volksgruppen. Unter ihnen waren auch Katholiken: Deutsche, Polen, Litauer und andere. Viele Priester blieben, obwohl überwiegend unfreiwillig nach Kasachstan gebracht, nach Ablauf ihrer Haftstrafe in Kasachstan, um diesen Katholiken zu helfen.
Die Untergrundkirche
In Karaganda und an vielen anderen Orten übte der seliggesprochene Aleksej Saritski bis zu seinem Märtyrertod 1963 den Priesterdienst aus. Er war vom Metropoliten Joseph Slipyi zum apostolischen Visitator für die griechisch-katholischen Gläubigen in Kasachstan beauftragt worden und hatte seinen Sitz in Karaganda. Außer ihm waren folgende Priester in Karaganda im Untergrund tätig: Alexander Staub (bis zu seinem Tod 1961), der griechisch-katholische Priester Dmitri Kusminski (bis zu seinem Tod 1964), der „Apostel Kasachstans“ Wladyslaw Bukowinski (bis zu seinem Tod 1974), dessen Seligsprechungsprozess 2006 in Krakau eröffnet wurde, Michael Stonets (Stones), Michael Bengas und andere. An anderen Orten Kasachstan übten Joseph Kuczynski, Bronislaw Dzhepetzky, Aloysius (Seraphim) Kaschuba und viele andere den Priesterdienst aus. Ihre Arbeit unterstützte im Untergrund die katholische Kirche in Kasachstan.