Der Verband Sozialistischer Student_innen in Österreich (VSStÖ)zvr.bmi.gv.at Zentrales Vereinsregister: ZVR Nummer: 687701153, abgerufen am 4. September 2015. ist eine sozialistische Studierendenorganisation an den österreichischen Hochschulen und Fraktion in der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH). Der VSStÖ ist statutarisch in den Parteistrukturen der SPÖ verankert und stellt drei ordentliche Delegierte beim SPÖ-Bundesparteitag.SPÖ Organisationsstatut (PDF; 253 kB) SPÖ; abgerufen am 24. April 2017. Verband Sozialistischer Student_innen in Österreich (VSStÖ)zentriert|rahmenlosVorsitzendeMiriam AmannSekretärinMia NöbauerGründung1893HauptsitzAmtshausgasse 4, 1050 WienInternationale VerbindungenInternational Union of Socialist Youth (IUSY)
Young European Socialists (YES)Websitevsstoe.at
Derzeitige Bundesvorsitzende ist Miriam Amann. Er versteht sich selbst als einen feministischen Verband, der eine Ausbeutung von Frauen, Lesben, Inter, Non-binary und Trans-Personen im kapitalistischen Wirtschaftssystem sieht und befürwortet eine Umverteilung von Besitz.
Der VSStÖ ist unter anderem in den österreichischen Universitätsstädten Wien, Graz, Linz, Salzburg, Klagenfurt, Innsbruck und Leoben vertreten und stellt aktuell die erste Vorsitzende der ÖH-Bundesvertretung.
Geschichte
mini|Foto von der VSStÖ-Gründung Als erste Vorläuferorganisation des VSStÖ konstituierte sich 1893 in Wien die Freie Vereinigung Sozialistischer Studenten.https://rotbewegt.at/epoche/einst-jetzt/artikel/die-geschichte-des-verband-sozialistischer-student_innen-vssto Gründungsobmann wurde Max Adler. Im Zuge der Revolution 1918/19 gründeten sich auch in Innsbruck und Graz sozialistische Studierendenorganisationen. 1922 schlossen sich die Gruppen in Wien, Graz und Innsbruck dem damals noch großdeutsch orientierten Verband Sozialistischer Studenten (ab 1929: Sozialistische Studentenschaft Deutschlands und Österreichs) an. In der Ersten Republik machte der Widerstand gegen deutschnationale und antisemitische Umtriebe an Österreichs Universitäten die sozialistischen Studierenden zu Zielscheiben rechtsextremer Gewalt. Im Austrofaschismus und dem späteren Nationalsozialismus wurde der Verband verboten.
+ Vorsitzende des VSStÖ seit 1946 Jahr Vorsitzende 1946–1947 Raoul Schmiedeck 1947–1949 Heinz Damian 1949–1950 Fritz Marsch 1950–1951 Ferdinand Maly 1951–1952 Peter Proksch 1952–1954 Günter Haiden 1954–1956 Karl Blecha 1956–1957 Peter Jankowitsch 1957–1960 Günter Steinbach 1960–1962 Franz Bauer 1962–1963 Hannes Androsch 1963–1964 Kurt Hawlitschek 1964–1966 Helmut Sommer 1966–1967 Günter Rehak 1967–1968 Günter Blecha 1968–1969 Silvio Lehmann 1969–1970 Herbert Ostleitner 1970–1971 Kurt Puchinger 1971–1973 Johann Dvořák 1973–1974 Fritz Weber 1974–1975 Manfred Matzka 1975–1977 Michael Häupl 1977–1979 Karl Öllinger 1979–1980 Walter Schwarzenbrunner 1980–1982 Herbert Buchinger 1982–1983 Kurt Stürzenbecher 1983–1984 Alexander Wrabetz 1984–1985 Marc Hall 1985–1988 Bernhard Heinzlmaier 1988–1989 Josef Kletzmayr 1989–1991 Karin Kern-Wessely 1991–1992 Erich König 1992–1993 Alfred Kausl 1993–1995 Agnes Berlakovich 1995–1997 Julian Jäger 1997–1999 Eva Czernohorszky 1999–2000 Jürgen Wutzlhofer 2000–2001 Dagmar Hemmer 2001–2003 Eva Schiessl 2003–2005 Andrea Brunner 2005–2007 Sylvia Kuba 2007–2008 Ilia Dib 2008–2009 Maria Maltschnig 2009–2010 Sophie-Marie Wollner 2010–2011 Stefanie Grubich 2011–2012 Mirijam Müller 2012–2014 Jessica Müller 2014–2015 Rasha Abd El Mawgoud 2015–2017 Katrin Walch Zentrales Vereinsregister: ZVR Nummer: 687701153, abgerufen am 4. September 2015 2017–2019 Katharina Embacher 2019–2020 Marlene Spitzy2020–2022Dora Jandl2022–2024Hannah CzernohorszkySeit 2024Miriam Amann
Nach 1945 war der wiedergegründete VSStÖ an der Gründung der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) beteiligt. Der VSStÖ kämpfte – relativ erfolglos – gegen die Rückkehr von (ehemaligen) Nazis an die Hochschulen und die Verbreitung von nazistischem Gedankengut in Lehrveranstaltungen an. Mitte der sechziger Jahre schrieb zum Beispiel das damalige VSStÖ-Mitglied und spätere Finanzminister Ferdinand Lacina die antisemitischen Äußerungen des Wiener Wirtschaftsprofessors Taras Borodajkewycz in einer Vorlesung mit. Nach politischen Turbulenzen und heftigen Protesten, die vor allem auf Wirken des späteren Bundespräsidenten Heinz Fischer ins Rollen kamen, wurde 1965 bei einer Demonstration der ehemalige KZ-Häftling und Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger von einem Burschenschafter erschlagen. Im Zuge der Auseinandersetzungen um die Geschehnisse musste Borodajkewycz sein Amt aufgeben.rotbewegt.at
Der Verband erreichte Anfang der 1980er Jahre im Zusammenhang mit den Universitätsreformen unter Bruno Kreisky und Wissenschaftsministerin Firnberg hohe Wahlergebnisse. Danach begann eine Serie von Wahlniederlagen bei den alle zwei Jahre stattfindenden ÖH-Wahlen, die bis Mitte der 1990er Jahre andauerte und parallel zu den Niederlagen der SPÖ verlief. 1995 konnte der VSStÖ zusammen mit anderen linken und liberalen Gruppen erstmals die konservative Mehrheit an der ÖH-Spitze brechen und die erste Vorsitzende in der Geschichte der ÖH stellen. Nach den ÖH-Wahlen 2001 wurde abermals zusammen mit den Grünen & Alternativen Student_Innen (GRAS) eine rot-grüne Koalition in der ÖH-Bundesvertretung gebildet, die 2003 und 2005 von den Studierenden wiedergewählt wurde, 2005 wurde der VSStÖ sogar erstmals mandatsstärkste Studentenvertretung. Bei der Wahl 2007 büßte der VSStÖ 4 Mandate ein und verlor damit zwar seine Mandatsführerschaft, stellte aber gemeinsam mit der GRAS und den Fachschaftslisten Österreichs erneut die Exekutive. Nach weiteren Verlusten konnte 2011 wieder dazugewonnen werden. Im Jahr 2014 ist es zu einer umfangreichen Novelle des Hochschülerinnen- und Hochschülerschaftsgesetzes gekommen. Nach der Wiedereinführung der Direktwahl verlor der VSStÖ zunächst, konnte aber bei den ÖH Wahlen 2017 wieder 4 Mandate dazu gewinnen und erneut die ÖH-Vorsitzende stellen.
Auch bei den ÖH-Wahlen 2019 erzielte der VSStÖ einen Zugewinn von einem Mandat, wurde aber von der GRAS knapp überholt. Es bildete sich erneut eine Zusammenarbeit zwischen GRAS, VSStÖ und FLÖ, die nach einem Jahr im September 2020 zerbrach. Daraufhin übernahm eine AG-Mandatarin den ÖH-Vorsitz und die ÖH Bundesvertretung arbeitete mit wechselnden Mehrheiten. Bei den ÖH-Wahlen 2021 erzielte der VSStÖ mit Spitzenkandidatin Sara Velic den ersten Platz. Zwei Jahre später wurde bei den ÖH-Wahlen 2023 das Ergebnis erneut übertroffen. Mit 26,52 % und 15 von 55 Mandaten konnte mit Spitzenkandidatin Nina Mathies das historisch beste Ergebnis des VSStÖ eingeholt werden. Seither führt Mathies eine Koalition aus VSStÖ, GRAS und KSV LiLi an der Österreichischen Hochschüler_innenschaft an.
Seit 2025 geriet der Verband wiederholt in die Kritik aufgrund von Boykotten gegenüber der Jüdischen Hochschülerschaft und aktiver Unterstützung von antisemitischen Protestierenden, was im November 2025 in einem Bruch der ÖH-Koalition der Universität Wien zwischen GRAS und VSStÖ aufgrund fehlender Aufarbeitung und Distanzierung des sozialistischen Studierendenverbands endete.
Politische Position Das politische Engagement erfolgt hauptsächlich im sozialpolitischen Bereich: hier sind die Hauptforderungen die Abschaffung bestehender Studiengebühren und eine bessere Studienförderung, hin zu einer echten sozialen Absicherung von Studierenden. Weitere Schwerpunkte sind die Frauenpolitik und die Gleichberechtigung ausländischer Studierender. Innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) tritt der VSStÖ für eine „linkere“ Politik ein. Der VSStÖ ist Mitglied der International Union of Socialist Youth (IUSY) und der Young European Socialists (YES).
Bei der SPÖ-Mitgliederbefragung 2023 sprach sich der VSStÖ offen für Andreas Babler als SPÖ-Chef aus.
Wahlergebnisse
Der VSStÖ kandidiert bei den ÖH-Wahlen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die erreichten Prozente bei den vergangenen Wahlen. 1989 20,0 % 1991 15,5 % 1993 13,8 % 1995 10,4 % 1997 12,4 % 1999 15,1 % 2001 21,5 % 2003 20,4 % 2005 23 % (16 Mandate in der Bundesvertretung) 2007 16,95 % (11 Mandate in der Bundesvertretung) 2009 14,28 % (8 Mandate in der Bundesvertretung) 2011 17,48 % (12 Mandate in der Bundesvertretung) 2013 17,04 % (12 Mandate in der Bundesvertretung) 2015 14,95 %wahlergebnisse2015.oeh.ac.at Wahlergebnisse ÖH Wahlen 2015; abgerufen am 4. September 2015 (8 Mandate in der nur mehr 55 Mandate großen Bundesvertretung) 2017 20,54 %wahlergebnisse2017.oeh.ac.at Wahlergebnisse ÖH Wahlen 2017; abgerufen am 4. September 2017 (12 von 55 Mandaten)201922,44 % (13 von 55 Mandaten)202124,55 % (14 von 55 Mandaten)202326,52 % (15 von 55 Mandaten)202530,16 % (18 von 55 Mandaten)Verlautbarung des Wahlergebnis der Bundesvertretungswahl 2025 auf oeh.ac.at
Exekutiven der ÖH-Bundesvertretung mit VSStÖ-Beteiligung
1995–1997 Koalition von VSStÖ, GRAS, LSF, FLÖ und KSV 2001–2003 Koalition von GRAS und VSStÖ (bis 2002 inkl. KSV) 2003–2005 Koalition von GRAS und VSStÖ 2005–2007 Koalition von VSStÖ und GRAS 2007–2008 Koalition von GRAS, FLÖ und VSStÖ (im Juni 2008 vorzeitig beendet) 2009–2011 Koalition von GRAS, FEST und VSStÖ 2011–2017 Koalition von GRAS, FLÖ, VSStÖ und FEST 2017–2023 Koalition von VSStÖ, GRAS und FLÖ 2023–2025 Koalition von VSStÖ, GRAS und KSV-Lili ab 2025 Koalition von VSStÖ und GRAS
Literatur
Marie Tidl: Die Roten Studenten. Dokumente und Erinnerungen. 1938–1945. 1976. Wolfgang Speiser: Die sozialistischen Studenten Wiens. 1927–1938. Vorwort von Heinz Fischer. Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung, Europaverlag, Wien 1986, ISBN 3-203-50949-0. Ariane Heilingsetzer, Maria Mesner, Heinz Rögl, Fritz Weber (Hrsg.): Zur Geschichte des Verbandes sozialistischer Studenten Österreichs (VSSTÖ) 1945–1970. 1989. Helge Zoitl: „Student kommt von Studieren!“ Zur Geschichte der sozialdemokratischen Studentenbewegung in Wien. 1992. Hans-Peter Weingand, Werner Winkler: Diese Welt muss unser sein – Die sozialistischen Studierenden in Graz 1919–1991. Graz 1992. Paulus Ebner, Karl Vocelka: Die zahme Revolution. ’68 und was davon blieb. 1998. Sigrid Nitsch: Die Entwicklung des allgemeinpolitischen Vertretungsanspruches innerhalb des Verbandes Sozialistischer StudentInnen Österreichs (VSStÖ) in Wien im Zeitraum von 1965 bis 1973 (PDF; 2,46 MB) 2004. Martin Amschl, Hans-Peter Weingand: StudentInnen, hört die Signale! 100 Jahre Verband Sozialistischer StudentInnen Graz. 1918–2018. 2018.
Weblinks
https://vsstoe.at/
Einzelnachweise
Kategorie:Fraktion in der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft Kategorie:Sozialdemokratische Partei Österreichs Kategorie:Verbandsgründung 1893 Kategorie:Sozialistische Jugendorganisation