mini|Die Pfarrkirche St. Josef in St. Ingbert mini|Blick aus nordöstlicher Richtung auf St. Josef
Die Kirche St. Josef ist eine katholische Pfarrkirche in der Stadt St. Ingbert im Saarland, die im neugotischen Stil erbaut wurde. Sie liegt am Hang über der Kaiserstraße und bildet zusammen mit dem Beckerturm eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Zur Kirche gehört das weiter südlich gelegene Pfarrhaus. St. Josef ist die größte Kirche des Bistums Speyer auf saarländischem Gebiet. In der Denkmalliste des Saarlandes ist das Kirchengebäude als Einzeldenkmal aufgeführt.
Geschichte Vorgeschichte Aufgrund des Bevölkerungswachstums im 19. Jahrhundert in St. Ingbert beschloss man den Bau einer neuen Kirche für die damals einzige Pfarrei in St. Ingbert und gründete 1878 einen Kirchenbauverein. Dabei standen sich zwei Auffassungen gegenüber: Die eine Seite wollte neben der Engelbertskirche eine weitere, neue Kirche, die andere wollte die Engelbertskirche umbauen oder sogar abreißen, um Platz für einen neuen Kirchenbau zu schaffen. Der damalige Stadtpfarrer Dengel war stets ein strikter Gegner einer zweiten Kirche und der Kirchenbauverein konnte sich anfänglich nur heimlich treffen, um tätig zu sein.Die Vorgeschichte des Baues Auf: www.pfarrei-st-josef-igb.de, abgerufen am 3. Juni 2012
Zunächst war zwischen drei Bauplätzen zu entscheiden: einer hinter der Engelbertskirche, einer „Auf dem Hobels“ und ein dritter auf der vorderen Hobelsahnung an der Kaiserstraße. Für die Finanzierung wandte sich die Kirchenverwaltung im Jahre 1880 in einer Eingabe an die königliche Regierung der Pfalz zur Bewilligung einer Prämienlotterie mit zwei Ziehungen zu Gunsten des Kirchenbauvereins.
Erst am 16. Januar 1882 forderte eine Regierungsentschließung zunächst die Baukostenfeststellung sowie die Vorlage der Detailpläne und des Kostenaufschlages für die neue Kirche. Noch ehe die Bauplatzfrage entschieden war, beauftragte am 13. April 1882 der Ausschuss des Kirchenbauvereins unter Zuziehung der Kirchenverwaltung den Architekten Franz Schöberl aus Speyer mit dem Entwurf eines Planes. Die neue Kirche sollte etwa 3.500 Menschen Platz bieten.
Eine Kommission, der auch Pfarrer Dengel angehörte, plädierte zunächst entschieden für einen Bauplatz hinter der Engelbertskirche, was die königliche Regierung jedoch ablehnte. Wegen der freien, hohen und von drei Seiten zugänglichen Lage, in nächster Nähe der Kaiserstraße entschied man sich nach langen Überlegungen schließlich für den Bauplatz auf der vorderen Hobelsahnung, so dass der Erwerb des Platzes beschlossen wurde.
Der am 21. Juni 1883 eingereichte Plan von Architekt Schöberl wurde von der Regierung aus Kostengründen abgelehnt. Die Summe für den Kirchenbau sollte 350.000 Mark betragen.
Am 1. Oktober 1888 verstarb Pfarrer Dengel. Sein Nachfolger, Pfarrer Jakob Zimmer, setzte sich mit ganzer Kraft für den Kirchenneubau ein. 1889 wurde der Bauplatz gekauft und die Kirchenverwaltung setzte sich mit Architekt Ludwig Becker aus Mainz in Verbindung, der einen neuen Plan entwerfen sollte.
Der Plan Beckers war einfacher und daher auch kostengünstiger als der des Architekten Schöberl und so entschied man sich für den Plan von Becker. Allerdings kostete der Bauplatz 42.000 Mark, weil zuvor eine Reihe von Wohnhäusern aufgekauft und abgerissen werden musste.
Grundsteinlegung und Einweihung Am 28. September 1890 wurde im südwestlichen Eckpfeiler des Chores der Grundstein gelegt. Vorgenommen wurde dies durch Dekan Eugen Huth aus Zweibrücken in Vertretung des Bischofs von Speyer. In den Grundstein eingelegt wurden ein Dokument über die Geschichte des Kirchenbaus in einer verzinnten Blechbüchse, dazu die Grundsteinurkunde, eine Nachbildung des in Rom aufbewahrten Nagels vom Kreuz Christi und geweihte Erde aus Jerusalem aus den Katakomben Roms. Beigefügt wurden außerdem eine Anzahl der gangbaren Münzen sowie eine Nummer der „Saarbrücker Zeitung“ und der „Pfälzer Zeitung“.Von der Grundsteinlegung bis zur Einweihung Auf: www.pfarrei-st-josef-igb.de, abgerufen am 3. Juni 2012
Am Ende des zweiten Baujahres, 1891, war der Turm und das gesamte Langhaus bis zur Oberkante des Dachsimses fertiggestellt. Im dritten Baujahr, 1892, war die Kirche im Rohbau fertiggestellt. Auch mit dem Innenausbau war bereits begonnen worden, der bis zum Tag der Einweihung im Wesentlichen abgeschlossen werden konnte.
Zwischenzeitlich kam es allerdings zu einigen Vorfällen. So war das erste Kirchenschiffgebälk schief geraten und das zweite abgebrannt.
Am 13. Mai 1893 konnte die neue Kirche St. Josef schließlich durch den Speyerer Bischof Joseph Georg von Ehrler, eingeweiht werden.
Die Gesamtkosten beliefen sich auf 250.000 Mark.
Brand der Kirche und Wiederaufbau Bei einem Großfeuer am 17. Juli 2007 wurde das Gebäude schwer beschädigt. Das Dach des Kirchenschiffes verbrannte vollständig und der Turmhelm stürzte ein. Dem ersten Anschein nach war die gesamte Inneneinrichtung einschließlich Altäre, Orgel, Kanzel, Beichtstühle weitgehend unversehrt geblieben,Schäden und Aufräumarbeiten Auf: www.pfarrei-st-josef-igb.de, abgerufen am 4. Juni 2012 aber alle fünf alten Glocken der ehemaligen Glockengießerei Otto (die heute nicht mehr existiert) waren in der großen Hitze gesprungen.Lediglich eine Tonaufnahme des zerstörten Otto-Geläutes ist erhalten; abgerufen am 8. Dezember 2022. Schweißen war unmöglich, da der Riss der großen Glocke (A°) etwa 1 Meter lang war. Die Brandursache war möglicherweise ein bei Bauarbeiten überlastetes Kabel.
Nach einer großen Anteilnahme und Spendenbereitschaft der Bevölkerung wurde der Sakralbau wieder aufgebaut, nachdem die statische Realisierbarkeit geklärt worden war. Am 28. August 2011 wurden die neuen Glocken geweiht, die renovierte Orgel am 1. November des gleichen Jahres. Am 20. November 2011 wurde die Kirche in einem feierlichen Pontifikalamt wieder in Dienst genommen.
Baubeschreibung Ausmaße Die Josefskirche weist folgende Maße auf:Beate Braun-Niehr: St. Josef, St. Ingbert, Regensburg 2008, S. 12–15. Turm: 73 m Lichtes Maß im Langhaus: 21 m Breite Lichtes Maß im Querhaus: 28,30 m Breite Breite des Mittelschiffes: 12,40 m Höhe des Kreuzrippengewölbes: 15,50 m Höhe des Sterngewölbes in der Vierung: 17 m Höhe des Chorgewölbes (Ausrichtung des Chores nach Südost): 12,80 m Gesamtinnenlänge der Kirche mit Chor: 50,50 m
Nach der evangelischen St. Johanner Johanneskirche mit 74 m Turmhöhe und nach der Kriegszerstörung des Turmes der Saarbrücker Josefskirche mit ursprünglich 75 m Höhe ist der Turm der St. Ingberter Josefskirche der zweithöchste Kirchturm im Saarland.
Das Kircheninnere mini|hochkant|links|Der Hochaltar
Der Hochaltar, ein Flügelaltar, ist ein Werk des Bildhauers Stuchtei aus Münster, der auch für den Orgelprospekt und die Kanzel verantwortlich zeichnet. Die Mensa des Hochaltars, bestehend aus weißem Baumberger Kalksandstein, ist aufgebaut auf einem Unterbau von fünf Stufen. In der Mitte der Mensa sieht man eine Darstellung des Lamm Gottes. Links und rechts davon befinden sich Glasmosaikbilder mit Tierdarstellungen. Der Aufbau des Hochaltars zeigt den Tabernakel, darüber ein verschließbares Expositorium, hinter dem sich der hohe mittlere Baldachin des Altars erhebt. In diesem Baldachin sieht man eine figürliche Darstellung Christi als Weltenrichter, darüber thront Gottvater und über diesem der Heilige Geist in der Darstellung der Taube. Der mittlere Baldachin wird flankiert von zwei weiteren Baldachinen. Im linken sehen wir die Mutter Gottes, in dem rechten Johannes den Täufer. Die Reliefs unterhalb der Seitenbaldachine zeigen die Geißelung und die Dornenkrönung Jesu. Sie beziehen sich, ebenso wie die Altarflügelbilder, auf das heilige Messopfer. An den Reliefs sind bemalte Flügel angebracht, die entweder auf- oder zugeschlagen werden können. Die aufgeschlagenen Flügel zeigen Christus am Ölberg und die Kreuztragung Christi, während auf den Rückseiten das Wunder der Brotvermehrung und der Mannaregen in der Wüste zu sehen sind.Das Kircheninnere Auf: www.pfarrei-st-josef-igb.de, abgerufen am 3. Juni 2012 mini|Inneres von St. Josef mini|Blick in Richtung Orgelempore
Stilistisch passen sich die beiden Seitenaltäre dem Hauptaltar an. Der linke Seitenaltar ist der Marienaltar mit einer Statue der Gottesmutter unter einem Baldachin. Auf dem rechten Seitenaltar, dem Josefsaltar, ist eine Statue des heiligen Josef aufgestellt, ebenfalls unter einem Baldachin. Davor steht der Taufstein.
An den Wänden in den Quer- und Seitenschiffen befinden sich 14 Kreuzwegstationen mit freistehenden holzgeschnitzten Figuren.
Im Vergleich zum übrigen Kirchenraum ist der Chor, an dessen rechter Seite sich der Zugang zur Sakristei befindet, in seiner Breite und Höhe reduziert. Durch einen Spitzbogen ist der Chor von Kirchenraum getrennt.
Die Empore, die 1930 vergrößert wurde, zeigt auf ihrer hölzernen Brüstung Figuren in hellem Lindenholz. Der Orgelprospekt auf der Empore passt sich im Stil der Ausstattung der Kirche an.
mini|Die Kanzel Die aus Holz gefertigte Kanzel, die mit einem der Vierungspfeiler direkt verbunden ist, befindet sich auf einem Unterbau aus Sandstein, der auf kleinen grauen Marmorsäulen ruht. Die Brüstung der Kanzel zeigt bemalte Reliefs der vier Evangelisten und ihren Symbolen: Matthäus mit dem geflügelten Menschen, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler. In der Mitte des Schalldeckels der Kanzel sieht man eine Darstellung der Taube, das Symbol des Heiligen Geistes.
Die Kommunionbank zeigt abwechselnd Nischen mit sitzenden Figuren und Maßwerkfeldern und besaß ursprünglich zwei Mitteltüren. Diese Türen wurden bei einer Umgestaltung des Chorraumes 1971 herausgenommen und 1980 zu einem neuen Zelebrationsaltar umgefertigt.
Das Kirchenäußere mini|Eingangsportal der Kirche Die Kirche ist im neofrühgotischen Stil erbaut. Sie ist als dreischiffige Hallenkirche mit Querschiff angelegt. Die Haupttreppe mit zwei Podesten, die die Symbole der Evangelisten tragen sollten, führt von der Kaiserstraße in 33 Stufen (die traditionelle Zahl der Lebensjahre Jesu) hinauf zur Plattform, die den Turm umgibt. Von dieser Stelle führen weitere 11 Stufen ins Innere der Kirche. Über dem Eingangsportal befindet sich ein Relief mit der Szene, in der Jesus im Tempel von seinen Eltern wiedergefunden wird.Das Äußere der Kirche Auf: www.pfarrei-st-josef-igb.de, abgerufen am 3. Juni 2012 Unter diesem Relief ist ein Bibelzitat in den Stein gemeißelt ().
Turm und Glocken mini|Die neuen Glocken von St. Josef im August 2011 Der Kirchturm steht an der Vorderseite und hat von der Kaiserstraße bis zur Spitze eine Höhe von 73 Metern. In einer Nische des Portalgiebels an der vorderen Turmfront befindet sich die Statue des Kirchenpatrons, des heiligen Josef, die ihn als Zimmermann darstellt. Die Seitennischen, die die Figuren der Apostelfürsten aufnehmen sollten, blieben zunächst leer. Am 19. August 2012 wurden schließlich Figuren der heiligen Barbara und des heiligen Ingobertus in den Nischen aufgestellt.Rund um den Kirchturm – St. Barbara und St. Ingobertus machen das Hauptportal komplett Auf: www.pfarrei-st-josef-igb.de, abgerufen am 5. Oktober 2012
Der äußere Bogen über dem Portal der offenen Vorhalle im untersten Turmabschnitt zeigt in seinem Schlussstein die segnende Hand Gottes. In der Vorhalle ist im Schlussstein des Gewölbes ein Engel dargestellt, der die Wappen des Bistums Speyer und der Stadt St. Ingbert beschützt.