Die Straßenbahn Brandenburg an der Havel verkehrt seit dem 1. April 1911 elektrisch in der Stadt Brandenburg an der Havel. Im Februar 2022 existierten zwei Linien, das Netz ist meterspurig und hat eine Streckenlänge von 17,65 Kilometern. Betreiberin ist die im städtischen Besitz befindliche Verkehrsbetriebe Brandenburg an der Havel GmbH.

Geschichte Entstehung und Entwicklung der Pferdebahn Am 8. März 1897 erfolgte der Vertragsabschluss zwischen der Stadtgemeinde und der Berlin-Wilmersdorfer KG „Brandenburger Strassenbahn Havelstadt, Contag & Co. in Brandenburg“ zum Bau und Betrieb einer 4,75 Kilometer langen Pferdebahn-Ringlinie in Spurweite 1000 mm ab Staatsbahnhof (Hauptbahnhof) über vier Klappbrücken der Innenstadt hinweg. Die Brandenburger Straßenbahn wurde am 1. Oktober 1897 mit der Teilstrecke Staatsbahnhof – Hauptstraße – Nicolaistraße (heute Damaschkestraße) eröffnet. Ein Jahr später wurde ab dem 12. November 1898 der komplette innerstädtische Ring befahren.

Im Jahr 1900 wurde mit der Stilllegung des Teilstückes Neuendorfer Straße – Nicolaistraße (Damaschkestraße) – Vereinsstraße und der Herstellung der Verbindung von der Ecke Luckenberger Straße / Neuendorfer Straße über die Strafanstalt am Nicolaiplatz zur Plauer Straße der heutige Verlauf des Ringes hergestellt. Eine Streckenerweiterung vom Nicolaiplatz durch die Magdeburger Straße ermöglichte die Eröffnung einer weiteren Linie vom Staatsbahnhof durch die Hauptstraße zu den westlich vor dem Plauer Torturm der historischen Altstadt gelegenen Kasernengelände.

Am 5. April 1902 wurde eine Linie vom Neustädtischen Rathaus über den Schlachthof hin zu Planebrücke eröffnet und mit ihr wurde ein wichtiges Ausflugsziele wie der derzeit noch außerorts liegende Sportpark mit der Radrennbahn in der Wilhelmsdorfer Landstraße besser erreichbar. Im Zuge dessen wurde der Ringverkehr eingestellt und dafür eine dritte Linie vom Staatsbahnhof über die Bauhofstraße zur Strafanstalt eingerichtet, welche 1904 wieder eingestellt wurde. Die Gleise durch die Bauhofstraße und die Große Gartenstraße wurden weiterhin als Betriebsgleise genutzt. In dieser Zeit verfügte die Brandenburger Straßenbahn über 25 Pferdebahnwagen und ca. 80 Pferde.

Aufnahme des elektrischen Betriebes und Entwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg mini|links|Einweihung der neuen Jahrtausendbrücke im Jahr 1929 Nachdem die Stadt das Unternehmen zum 1. April 1910 übernahm, wurde gleichzeitig die Umstellung auf elektrischen Betrieb beschlossen und ein Jahr später am 1. April 1911 mit der Grünen Linie vom Staatsbahnhof über die Große Gartenstraße, Stein- und Hauptstraße, den Nicolaiplatz bis hin zum Altstädtischen Bahnhof westlich der Stadt eröffnet. Von nun an wurden die Linien mit Farben bezeichnet. Ab dem 16. April fuhr auch die jetzt als Weiße Linie bezeichnete Bahn vom Rathaus am Neustädtischen Markt zur Planebrücke elektrisch. Vier Tage später, am 20. April, wurde der Pferdebahnbetrieb komplett eingestellt. Der Fahrzeugpark bestand aus 16 elektrischen Triebwagen. Am 20. Mai wurde die Rote Linie vom Staatsbahnhof über die St.Annen- und Hauptstraße hin zum Altstädtischen Bahnhof eingerichtet. In diesem Zuge wurde die Grüne Linie verkürzt und verkehrte ab der Plauer Straße über einen neuen Streckenast bis zum Altstädtischen Markt, ab 15. Oktober dann in Erweiterung am Rathenower Torturm vorbei bis hin zur Brielower Straße nördlich der historischen Altstadt.

Am 23. Juni 1912 erfolgte mit der Eröffnung der Blauen Linie vom Kasernenkomplex an der Fouquestraße zum Caféhaus Görden mit der Siedlung Görden eine weitere Erschließung des Umlandes durch die Straßenbahn. Im Verlauf kreuzt sie dabei am Bahnhof Görden die Gleise der im Jahr 1904 eröffneten Brandenburgischen Städtebahn von Treuenbrietzen nach Neustadt (Dosse).

Am 24. Dezember 1912 erfolgte die Eröffnung des weiteren Verlaufs der Strecke der Blauen Linie durch den Forst vorbei an der Brandenburgischen Irrenanstalt und als Überlandbahn über die havelquerende Plauer Brücke bis hin zur Stadt Plaue. Auf ihr verkehrte nun die Blaue Linie bis zur Landesanstalt und die neu eingerichtete Gelbe Linie vom Staatsbahnhof nach Plaue. Ab dem 1. Oktober wurde hier ein Güterverkehr zwischen beiden Städten eingerichtet. Eine Fahrt vom Staatsbahnhof nach Plaue umfasste eine Strecke von 10,4 Kilometern und dauerte 47 Minuten.

Im Jahr 1927 erfolgte im Zuge der Umleitung des Straßenbahnverkehrs (ab 1. Juli 1928 über die Luckenberger Brücke) während der Erneuerung der Langen Brücke ein umfangreicher Streckenum- und neubau in der Innenstadt. Die Grüne Linie wurde 1928 reaktiviert und verkehrte nun über die Steinstraße, Luckenberger Straße, Plauer Straße, Altstädtischer Markt zur Mühlentorstraße. In diesem Jahr verfügte die Brandenburger Straßenbahn über 28 Trieb-, 22 Bei- und 2 Güterwagen, vor allem von der Firma Lindner aus Halle. Am 7. Juli 1929 fuhren die Rote und die Gelbe Linie zur Tausendjahrfeier der Stadt über die neu eröffnete Jahrtausendbrücke.Webpräsenz der Verkehrsbetriebe Brandenburg (Havel) (abgerufen am 6. Mai 2012, 18:10 Uhr MEZ) Ab 15. Mai 1930 beginnt die Blaue Linie zur Landesanstalt bereits am Neustädtischen Rathaus, zwei Jahre später dann am Reichsbahnhof (Hauptbahnhof). Ab Ende 1938 verkehrt eine neu eingerichtete Blau-Weiße Linie zwischen dem Neustädtischen Rathaus und der Kolonie Görden (Waldcafé Görden).

Die nächsten Veränderungen entstanden infolge der Kriegsvorbereitungen des nationalsozialistischen Deutschlands. Nach der Errichtung des Brandenburger Opelwerke im Jahr 1935 wurde zu dessen Umfahrung der Streckenabschnitt Hohenzollernstraße – Fontanestraße – Burggrafenstraße – Gördenbrücke auf der Linie nach Plaue eröffnet. Die ursprüngliche direkte Streckenführung über die nun durch das Werk führende Hohenzollernstraße wurde stillgelegt. 1936 wurde in der Winterfeldallee (Anton-Saefkow-Allee) die vierte und letzte Kreuzung von schmalspurigen Gleisen der Brandenburger Straßenbahn mit normalspurigen Eisenbahnlinien verbaut. Nun querte die Straßenbahn eine Stichstrecke, welche, von der Brandenburgischen Städtebahn abzweigend, zum Flugplatz Briest führte, um den dort ansässigen Montagebetrieb der Arado-Flugzeugwerke und den entstehenden Schulfliegerhorst der Luftwaffe zu versorgen. Weitere Kreuzungen mit normalspurigen Gleisen fanden sich am Schlachthof sowie in der Nähe des Bahnhofs Görden jeweils über die Brandenburgische Städtebahn sowie eine in der heutigen August-Bebel-Straße über die Strecke Roskow – Brandenburg-Altstadt der Westhavelländischen Kreisbahnen. Letztere beiden sind bis heute erhalten und in Betrieb. 1937 erfolgte der zweigleisige Ausbau der Kurve Fouquéstraße sowie des Abschnittes Fouquéstraße – Bahnhof Altstadt. Am 6. Januar 1940 wird die Grüne Linie zum letzten Mal eingestellt und beschließt damit die Bedienung des Streckenastes am Altstädtischen Rathaus vorbei. Das nach den katastrophalen Zuständen im Alten Zuchthaus in den Jahren 1927 bis 1935 als Musteranstalt des „humanen Strafvollzugs“ konzipierte und errichtete neue Zuchthaus Brandenburg befindet sich direkt im Gördenwald an der Straßenbahnstrecke nach Kirchmöser. Mit ihr wurden zahlreiche Häftlinge, die in Spezialwaggons mit der Deutschen Reichsbahn am Reichsbahnhof eingetroffen waren, zum Zuchthaus auf den Görden transportiert, welches in der Zeit zwischen 1940 und 1945 auch Hinrichtungsstätte war.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden viele männliche Straßenbahner zum Militär eingezogen, weshalb zunehmend Frauen für die Arbeiten geschult wurden. Am 1. Oktober 1943 wurde der Betrieb der Weißen Linie zwischen dem Neustädtischen Markt (Rathaus) und der Planebrücke eingestellt, stattdessen verkehrte die Blau-weiße Linie nun von der Kolonie Görden am Neustädtischen Rathaus vorbei bis hin zur Planebrücke. Im Jahr 1944 transportierte die Brandenburger Straßenbahn auf ihren Linien 18,31 Millionen Menschen. Ab dem 29. Januar 1945 folgten weitere Einschränkungen und die Einstellung der Roten Linie zwischen dem Reichsbahnhof und dem Altstädtischen Bahnhof. Am 3. April gab es nur noch Straßenbahnverkehr zwischen der Fouquestraße und Plaue. Am 20. April (eine andere Quelle spricht vom 25. April) wurde der Straßenbahnbetrieb nach den schwersten Bombenangriffen (31. März und 20. April) auf die Industrieanlagen und die Innenstadt in Brandenburg komplett eingestellt. Im Mai 1945 waren Wagenpark, Gleise und Oberleitung der Straßenbahn zum Teil komplett bzw. erheblich zerstört, ebenso wie fast alle Brücken der Stadt. Zeit der SBZ und DDR mini|links|Gothawagenzug auf der Überlandlinie 1 nach Kirchmöser Mitte Juni 1945 konnte die erste Teilstrecke zwischen der zerstörten Gördenbrücke und der Kolonie Görden wieder in Betrieb genommen werden. Bis Mitte Herbst konnte der Verkehr etappenweise auf eine Strecke zwischen der Plauer Straße in der Altstadt und Margarethenhof vor Plaue mit Unterbrechung an der Gördenbrücke ausgedehnt werden. Ab 5. Oktober 1947 ist die Jahrtausendbrücke sowie fast das gesamte Straßenbahnnetz wieder befahrbar. Geschlossen wurde es mit der nun 200 Meter weiter östlich wiedererrichteten Gördenbrücke und der Eröffnung einer eingleisigen Neubaustrecke Gördenbrücke – Rotdornweg am 18. Dezember 1948. Damit erfolgte auch die Wiederaufnahme des Güterverkehrs zwischen Brandenburg, dem Görden und Plaue bzw. Kirchmöser bis zu seiner Einstellung im Jahr 1955.

Am 20. Juli 1950 begannen die Aufnahme des Betriebes auf der Verlängerung des Streckenastes vom Bahnhof Altstadt zum wiedererrichteten Stahlwerk. Vorerst verlief die Strecke ins Werk hinein (zum Rundbau), dann in Etappen gebaut eingleisig am Werk vorbei (ab 18. Oktober 1950 bis Friedrich-Engels-Straße, ab 1. Mai 1951 bis Frankenstraße), bis am 1. Oktober 1952 die gesamte Strecke bis zu ihrem heutigen Endpunkt an der Quenzbrücke eröffnet werden konnte. Am 15. September 1952 ist ein neuer zweigleisiger Streckenabschnitt in der August-Bebel-Straße eröffnet worden, welcher nun als Ersatz der stillgelegten Streckenführung zwischen Karl-Marx-Straße – Fontanestraße etwas weiter nördlich zur Gördenbrücke verläuft. Zwischen 1955 und 1959 wurde der Abschnitt zwischen der Gördenbrücke und dem Waldcafé Görden zweigleisig ausgebaut.

Am 1. Februar 1955 erhielten die Straßenbahnlinien anstatt der bisher verwendeten Farben numerische Zeichen. Die Linie 1 fuhr dabei bis zu ihrer Einstellung am 1. August 1956 als Ringbahn vom Hauptbahnhof über den Puschkinplatz (Nicolaiplatz) zum Hauptbahnhof. Die Linie 2 fuhr vom Hauptbahnhof zur Frankenstraße (ab 1. August 1956 bis Quenzbrücke), die Linie 3 zwischen Plane- und Quenzbrücke, die Linie 4 vom Schlachthof zur Dimitroffallee (Gördenallee) (ab 15. Oktober 1955 Planebrücke – Kolonie Görden bzw. ab 1. August 1956 Neustädtischer Markt – Kolonie Görden) sowie die Linie 5 zwischen Hauptbahnhof und Anton-Saefkow-Allee und die Linie 6 vom Hauptbahnhof über die Anton-Saefkow-Allee und Plaue zum Reichsbahnausbesserungswerk in Kirchmöser West. Letztere beiden Linien wurden im Jahr 1967 zur neuen Linie 1 vereinigt.