Aufteilung nach Stadtbezirken In Würzburg gibt es 727 Baudenkmäler und zwei denkmalgeschützte Ensembles (Stadt August 2024). Daher ist diese Liste in Teillisten für die einzelnen Stadtbezirke Würzburgs aufgeteilt. Zwischen den Denkmallisten kann über eine nach den Nummern der Stadtbezirke sortierte Navigationsleiste gewechselt werden.
Nr. Stadtbezirk 01 Altstadt 02 Zellerau 03 Dürrbachtal 04 Grombühl 05 Lindleinsmühle 06 Frauenland 07 Sanderau 08 Heidingsfeld 09 Heuchelhof 10 Steinbachtal 11 Versbach 12 Lengfeld 13 Rottenbauer
Ensembles Altstadt Würzburg mini|Festung Marienberg
Die Umgrenzung des Ensembles Altstadt Würzburg wird rechtsmainisch durch die äußere Randbebauung des Ringparks definiert und linksmainisch durch die barocke Befestigung der Festung Marienberg sowie die Grenze des Parks auf dem Nikolausberg. Von der nach dem Dreißigjährigen Krieg unter Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (1642–1673) ab 1656 errichteten Bastionärbefestigung um Kernstadt und Festung, die nach der 1866 erfolgten Aufhebung der Festungseigenschaft von Stadt und Burg zum größten Teil niedergelegt wurde, bestehen noch Teile östlich der Würzburger Residenz, um die Festung und nordwestlich des Mainviertels.
Im Grundriss der heutigen Großstadt, deren Ausdehnung die Altstadt etwa um das Vierfache übertrifft, ist der Verlauf der barocken Befestigung noch deutlich erkennbar, da die Anlage des Ringparks ab 1880 weitestgehend auf dem alten Glacis erfolgte. Der barocke Stadtraum Würzburg geht bereits auf die zweite Erweiterung zurück. Der mittelalterliche Stadtkern, der sich rechtsmainisch in Form einer Mitra darstellt, wurde durch einen Bering entlang der heutigen Straßen Juliuspromenade, Theaterstraße, Balthasar-Neumann-Promenade, Neubaustraße und Wirsbergstraße begrenzt.
Die spätere Bischofsstadt Würzburg hat ihren Ursprung bereits in vorgeschichtlicher Zeit. Wohl durch die topografische Lage über dem Main begünstigt, fand bereits durch die Kelten eine erste Besiedlung des Marienbergs statt. Vom 6. Jahrhundert an war die Volksburg Sitz der fränkisch-thüringischen Herzöge, die das Umland beherrschten. Ihr letzter Vertreter, Hetan II., urkundete 704 in castro wirteburch. Bis um 700 blieb der befestigte Ort auf dem Marienberg einziger Bezugspunkt der Besiedlung. Erst im Laufe des 8. Jahrhunderts bildeten sich zwei neue Siedlungsbereiche heraus: Linksmainisch, unterhalb der Burg mit der Gründung eines Andreasklosters und rechtsmainisch um einen fränkischen Saalhof und die anliegende Grabkapelle des heiligen Kilian. Das Kloster St. Andreas (später St. Burkard) hatte der erste, 742/43 ordinierte Bischof Würzburgs, der heilige Burkard, gegründet. Die Grabkapelle des heiligen Kilian war am angeblichen Ort des Martyriums des irischen Missionars und seiner Gefährten Totnan und Kolonat erbaut worden. Der Siedlungskern um die Kapelle muss als Wachstumszelle der späteren, erstmals 1030 als civitas bezeugten Stadt betrachtet werden.
mini|hochkant|Kiliansdom
Diese bereits in karolingisch-ottonischer Zeit erkennbare Bipolarität von Burg und rechtsmainischem Siedlungskern (mit Salvatordom über dem Kiliansgrab) fand im 11. Jahrhundert, als Stifte und Klöster den spezifisch geistlichen Charakter der Stadt zu formen begannen, ihre erste Ausprägung von Gewicht. Zu gleicher Zeit entstanden 1045 unter Bischof Adalbero über dem Grab des heiligen Kilian das Stift Neumünster und daneben der neue Kiliansdom mit der salischen Triumphstraße vom Main her. Diese Triumphalstraße (sie war zugleich Markt mit dem sogenannten Grafeneckartbau als Sitz des Schultheißen und Burggrafen) und der Dom bildeten das Herzstück der aufstrebenden Stadt. Diese Anlage ist bisher nur mit der Situation vor dem Dom zu Speyer vergleichbar und dokumentiert die enge Verbindung zum salischen und später staufischen Kaiserhaus. Mit dem Besitz mehrerer Grafschaften gelangten die Bischöfe früh zu landesfürstlicher Gewalt, wobei sie sich auf den 1168 von Kaiser Friedrich I. förmlich anerkannten Anspruch auf den ducatus Franciae orientalis berufen konnten. Die Bischöfe, deren Einflussbereich zunächst auf das Gebiet des Salvatordomes beschränkt war, erlangten im 10. und 11. Jahrhundert mit der Gerichtshoheit die Souveränität über die zuvor königliche Stadt. In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurden auch das Kloster St. Peter und Stephan (Petersgasse) und außerhalb der Stadtmauer (beim heutigen Bahnhof) das Stift Haug, sowie jenseits des Mains neben dem älteren Andreaskloster das Burkarduskloster gegründet. Stift und Klöster mit ihren eigenrechtlichen Immunitätsbezirken, aber auch Reste des agrarischen Siedlungsverbandes im engsten Umkreis der Stadt wurden seit dem 11. Jahrhundert zu Ansatzpunkten neuer suburbaner Siedlungen.
Diese Entwicklung setzte sich im 12. und besonders im 13. Jahrhundert fort: Linksmainisch siedeln 1146 die sogenannten Schottenmönche im Jakobskloster mit den noch erhaltenen Türmen der romanischen Basilika, rechtsmainisch entsteht in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts das Mühlenviertel an der Pleichach mit seiner Pfarrkirche St. Gertraud (vor 1133, neu erbaut 1613). Inzwischen war eine endgültige Zusammenbindung der beiden sich gegenüberliegenden Siedlungsbereiche Kernstadt und Mainviertel notwendig geworden: Im frühen 12. Jahrhundert wurde die Alte Mainbrücke in Verlängerung der seit 1328 als Marktstraße dienenden DomstraßeBruno Rottenbach: Würzburger Straßennamen. Band 1, Fränkische Gesellschaftsdruckerei, Würzburg 1967, S. 41 f. (Domstraße). als steinerne Brücke erbaut. Hier lag das Bestreben zugrunde, die bipolar situierten Gebiete für einen Gesamtstadtraum zu gewinnen.
Neue Ordensniederlassungen an den Rändern des ottonischen Stadtkerns, deren Seelsorge der jetzt sozial reicher differenzierten Stadtbevölkerung galt, bereicherten und veränderten im 13. Jahrhundert das Gesamtbild der Stadt. Die Karmeliten gründeten ihr Kloster nahe der alten Nikolauskirche am Mainufer, die Deutschherren, die in die Besitznachfolge des Königshofes traten, im Mainviertel (seit 1219 bezeugt, Kirche 1296 vollendet), die Franziskaner 1221 am Franziskanerplatz, die Dominikaner 1239 am Dominikanerplatz (heute Augustinerkirche), für deren Kirchenbau 1264–1266 Albertus Magnus den Grundstein legte, und die Augustiner-Eremiten 1262 in der heutigen Augustinerstraße (früher RittergasseBruno Rottenbach: Würzburger Straßennamen. Band 1, Fränkische Gesellschaftsdruckerei, Würzburg 1967, S. 43.). Ab etwa 1200 entstanden um Dom und Stift Neumünster die Domherrenhöfe als eine Art adliger Ansitze mit selbstständigem Bereich. Sie wurden bis in die Neuzeit durchgehend ausgebaut.
Mit der allmählichen Vergrößerung der Stadt und der Zunahme ihrer verschiedenen Bevölkerungsschichten erwachte auch das Selbstbewusstsein ihrer Bürger: Es zeigte sich in Befreiungsversuchen vom Diktat der allmächtigen Bischöfe, die sich im 13. Jahrhundert gezwungen sahen, ihren Sitz auf die von Bischof Hermann I. von Lobdeburg (1225–1234) ausgebaute Festung zu verlegen. Diese war ab diesem Zeitpunkt Symbol der bischöflichen Gewalt. Die Versuche der Bürgerschaft, mündig zu werden, scheiterten endgültig – bis zum Ende der Bischofsherrschaft unter Karl Georg von Fechenbach mit der Niederlage bei Bergtheim im Jahr 1400.
Zu dieser Zeit hatte das Stadtbild des spätmittelalterlichen Würzburg sein Gesicht geformt, nachdem 1348 in die zahlreichen schmalläufigen und vielwendigen Gassen mit der Zerstörung des Judenviertels ein weiträumiger Marktplatz geschaffen werden konnte. Hier errichtete sich die Bürgerschaft als einzigen Beitrag zum Kirchenbau der Stadt ab 1377 die Marienkapelle, mit dem Anspruch, als großartige Hallenkirche in Konkurrenz zum Dom zweiter Mittelpunkt der Stadt zu werden. Ferner bauten sich die Bürger Würzburgs 1319 außerhalb der Mauern das Bürgerspital und schufen sich damit ihre eigene soziale Einrichtung.
Das Bild des spätmittelalterlichen Stadtgefüges mit Ummauerung seiner mitraförmigen Gestalt hat sich – abgesehen von dem Gebäudekomplex der Alten Universität, der unter Julius Echter von Mespelbrunn anstelle des Ulrichsklosters errichtet wurde – bis in die Barockzeit erhalten. Bestimmt wurde dieses Bild durch die Bipolarität von Festung und Wohngebiet (beidseitig des Mains) mit dem kirchlichen Zentrum um den Dom. Diese heute noch erkennbare Bipolarität erklärt sich aus der günstigen topografischen Lage der Stadt am Main bei gleichzeitiger Umsäumung mit weinbestandenen Hängen. Sie ist gleichzeitig sichtbarer Ausdruck der Abhängigkeit zwischen dem allmächtigen Fürstbischof und dem als unmündig angesehenen Bürger.
Die Spannung zwischen geistlicher Herrschaft und Stadtbevölkerung fand ihren Höhepunkt in den Kämpfen des Bauernkrieges 1525, an denen sich die Bürger beteiligten (unter anderem Tilman Riemenschneider, Bürgermeister der Stadt und bedeutendster fränkischer Bildhauer seiner Zeit). Nach dem Ende des Aufstandes, der auch als Glaubenskrieg geführt wurde, war die Macht des Fürstbischofs neu gefestigt. Schauplatz der Kämpfe war das Gelände um die Festung. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, am Beginn der Gegenreformation, ließen sich unter Fürstbischof Friedrich von Wirsberg 1567 die Jesuiten in Würzburg nieder, die die Glaubenserneuerung weiter vorantrieben. Die Michaelskirche (der erste Bau von 1606–1610) war ihr Beitrag zur Baukunst in der Stadt.
mini|hochkant|Alte Universität
Große Baukörper – die letzten vor dem Bau der Residenz – entstanden unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (1573–1617), der als Hauptinitiator der deutschen Gegenreformation gilt und während seiner selbstherrlichen Regentschaft Würzburg und Franken finanziell und religiös sanierte. Ausdruck seiner geistig-religiösen Erziehungsbestrebungen ist die Alte Universität (1582) mit der als Grabeskirche des Bauherrn ursprünglich in Renaissance-Formen reich ausgestatteten Neubaukirche (geweiht 1591, unter Antonio Petrini erneuert). Die Alte Universität, erbaut an der Stelle des spätgotischen Ulrichsklosters, war der erste als Universität errichtete Gebäudekomplex auf deutschem Boden. Die eigens von Julius Echter gewünschte Sichtbeziehung Festung–Universität–Grabeskirche ist bis heute erhalten geblieben. Außerhalb der spätmittelalterlichen Stadtmauern ließ Echter als zweite soziale Einrichtung für die Stadt 1576 das Juliusspital errichten. Seine dritte große Bauleistung in Würzburg war der schlossartige Ausbau der Festung 1600, wie er sich heute noch großenteils präsentiert. In der Pleich baute Echter schließlich die Kirche St. Gertraud neu auf. Durch diesen Neubau ergab sich ein interessanter Bezug von Kirchen untereinander: Die Türme von St. Gertraud, der Marienkapelle am Marktplatz und der Neubaukirche liegen auf einer Achse, genauso wie der Turm der Neubaukirche, der Turm von St. Burkard und die Kuppel der Marienkirche auf der Festung (erbaut um 1000).
Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges – größter Verlust war der Raub der Echter-Bibliothek durch die Schweden 1631 – begann unter Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (1642–1673) eine rege Bautätigkeit. Seine Hauptleistung war die ab 1656 erfolgte Umgürtung der gleichzeitig erweiterten Stadt und der Festung mit der wuchtigen Bastionärbefestigung. Ihr musste allerdings Stift Haug mit seiner romanischen Basilika weichen. Dafür wurde dann unter der Leitung des oberitalienischen Baumeisters Antonio Petrini der frühbarocke Bau der neuen Stiftskirche an seinem heutigen Standort errichtet. Auf diesen bedeutenden Baumeister der Zeit um 1700 gehen noch zahlreiche andere Gebäude der Stadt zurück, etwa der erste Barockbau in Würzburg, die sogenannte Reuererkirche (Neubau der Karmelitenkirche), die Umgestaltung des Juliusspitals und der Neubaukirche oder der später in den Residenzplatz einbezogene Rosenbachhof.
mini|Residenz mit Hofgarten