Der Kreis Monschau (bis 1920 Kreis Montjoie, 1953 bis 1969 Landkreis Monschau) war von 1816 bis zum 31. Dezember 1971 ein Kreis im Regierungsbezirk Aachen. Er gehörte zunächst zur preußischen Rheinprovinz und seit 1946 zum neu gebildeten Land Nordrhein-Westfalen. Kreisstadt war Monschau.

Geographie

Der Kreis Monschau grenzte 1971 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Aachen, Düren und Schleiden. Im Westen grenzte er an die belgische Provinz Lüttich.

Geschichte

Auf dem Wiener Kongress wurde 1815 die Neuordnung der staatlichen Verhältnisse nach der Niederlage Napoleons beschlossen. Dank seiner Beteiligung an den Freiheitskriegen erhielt Preußen durch das Wiener Traktat neben anderen Bereichen auch das Aachener Gebiet zugesprochen. Im November 1815 erfolgte die Einteilung des Rheinlandes in zwei Provinzen (Provinz Jülich-Kleve-Berg und Provinz Großherzogtum Niederrhein) mit jeweils drei Regierungsbezirken. Einer davon war der Regierungsbezirk Aachen in der Provinz Großherzogtum Niederrhein. Entsprechend der preußischen Verwaltungsgliederung wurden darüber hinaus Kreise gebildet, deren Grenzen durch die französischen Kantone weitgehend vorbestimmt waren. Die Größe dieser neuen staatlichen Verwaltungsbezirke wurde so festgelegt, dass ein Bürger seine Geschäfte bei der Landratsverwaltung ohne Übernachtung erledigen konnte. Bei einer Wegezeit von ungefähr einer Stunde ergaben die Verhältnisse Anfang des 19. Jahrhunderts eine Geschwindigkeit – zu Fuß oder mit dem Pferdewagen – von 5 Kilometern pro Stunde.

An der Spitze der neuen Verwaltungseinrichtung stand nach den Bestimmungen des § 34 der Allerhöchsten Kabinettsorder Friedrich Wilhelm III. ein „Landrath“. Die Geburtsurkunde des Kreises Montjoie war die Anordnung der königlich preußischen Regierung zu Aachen, die im Amtsblatt Nr. 1 vom 27. April 1816 veröffentlicht wurde. Mit dem 1. Mai 1816 trat der Landrat Bernhard Böcking für den Kreis Montjoie sein Amt an. Dem Kreis Montjoie wurden 6,60 geografische Quadratmeilen Fläche für 16.983 Bürger zugeteilt. 1822 wurde per Kabinettsorder die Provinz Großherzogtum Niederrhein mit der Provinz Jülich-Kleve-Berg zur preußischen Rheinprovinz vereinigt.

Der Kreis Montjoie war zunächst in die zwölf Bürgermeistereien Dedenborn, Eicherscheid, Höfen, Imgenbroich, Kalterherberg, Kesternich, Lammersdorf, Montjoie, Roetgen, Rurberg, Schmidt und Simmerath gegliedert.territorial.de: Geschichte des Kreises Monschau Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Bürgermeistereien Dedenborn und Lammersdorf aufgehoben sowie die Bürgermeisterei Zweifall neu eingerichtet. Mit der Einführung der Gemeindeordnung für die Rheinprovinz von 1845 wurden einige Bürgermeistereien des Kreises in mehrere Gemeinden untergliedert. Im Kreis Montjoie bestanden seitdem eine Stadt und 18 weitere Gemeinden: mini|Der Kreis Montjoie auf einer Karte aus dem Jahr 1905 Bürgermeisterei Gemeinden Eicherscheid Eicherscheid Höfen Höfen, Rohren Imgenbroich Imgenbroich, Konzen, Mützenich Kalterherberg Kalterherberg Kesternich Kesternich, Steckenborn, Strauch Montjoie Montjoie (Stadt) Roetgen Roetgen, Rott Rurberg Rurberg Schmidt Schmidt, Vossenack Simmerath Lammersdorf, Simmerath Zweifall Zweifall Noch während des Ersten Weltkriegs wurde am 9. August 1918 die Stadt Montjoie in Monschau umbenannt. Die Umbenennung des Kreises Montjoie in Kreis Monschau folgte am 1. Juni 1920. Im Rahmen des Versailler Vertrages und nach Beschlüssen einer deutsch-belgischen Grenzkommission musste der Kreis Monschau 1922 die Trasse der Vennbahn sowie große unbewohnte Flächen der Vennwälder und des Truppenübungsplatzes Elsenborn an Belgien abgeben. Die Kreisfläche verringerte sich hierdurch um etwa 70 km².

Wie in der gesamten Rheinprovinz wurden seit dem 1. Januar 1928 die Bürgermeistereien des Kreises als Ämter bezeichnet. In den 1930er Jahren wurde eine neue Ämtereinteilung geschaffen, die bis 1969 Bestand hatte: Ämter Gemeinden amtsfrei Monschau (Stadt) Höfen Höfen, Kalterherberg, Rohren Imgenbroich Eicherscheid, Imgenbroich, Konzen, Mützenich Kesternich Kesternich, Rurberg, Schmidt, Steckenborn, Strauch Roetgen Roetgen, Rott, Zweifall Simmerath Lammersdorf, Simmerath, Vossenack Ein einschneidendes Ereignis in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bildete der Bau des Westwalles im Kreisgebiet, das in besonderem Maße von den Auswirkungen der Bautätigkeiten betroffen war. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten erneute Grenzkorrekturen. An Belgien mussten 850 Hektar Land abgetreten werden, später fielen Gebiete von 487 Hektar, insbesondere bei Fringshaus-Roetgen-Lammersdorf, aufgrund des Brüsseler Vertrages von 1956 wieder an den Kreis zurück.

Im Jahr 1962 waren Monschau und sein Umland Schauplatz einer der letzten Pockenepidemien in Deutschland. Die damals in Deutschland schon fast als ausgerottet geltende Krankheit wurde durch einen Mitarbeiter eines Maschinenbauunternehmens, welcher auf Montage in Indien tätig war, eingeschleppt. Insgesamt forderte der Ausbruch eine Tote, vier sehr schwer und 33 mittelschwer Erkrankte. Für rund 700 Personen wurde Quarantäne angeordnet. Die medizinische Versorgung auch der nicht erkrankten Bevölkerung gestaltete sich teilweise schwierig, da umliegende Krankenhäuser sich aus Angst, die Infektion einzuschleppen, kategorisch weigerten, Patienten aus der Region aufzunehmen. – „Jeder Monschauer stand im Verdacht, die Pocken einzuschleppen.“

Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurden zunächst am 1. Juli 1969 Roetgen, Rott und Zweifall zu einer neuen amtsfreien Gemeinde Roetgen zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurde das Amt Roetgen aufgelöst.Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden des Amtes Roetgen Der Landkreis Monschau umfasste danach noch 17 Gemeinden.

Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis wieder der Kreis Monschau.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff. (PDF) Das Aachen-Gesetz brachte am 1. Januar 1972 weitere Gemeindezusammenschlüsse und das Ende des Kreises Monschau: Höfen, Imgenbroich, Kalterherberg, Konzen, Monschau, Mützenich und Rohren wurden zu einer neuen, größeren Stadt Monschau zusammengeschlossen. Eicherscheid, Kesternich, Lammersdorf, Rurberg, Simmerath, Steckenborn und Strauch wurden zu einer neuen, größeren Gemeinde Simmerath zusammengeschlossen. Schmidt wurde in die Stadt Nideggen im neuen Kreis Düren eingegliedert. Vossenack wurde in die Gemeinde Hürtgenwald im neuen Kreis Düren eingegliedert. Der Kreis Monschau mitsamt allen Ämtern wurde aufgelöst. Monschau, Roetgen und Simmerath wurden Teil des neuen Kreises Aachen.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1816 16.984 1825 17.604 1852 20.266 1871 18.276Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1885, S. 248 (PDF) 1880 18.176 1890 18.483 1900 17.688 1910 18.249 1925 20.192 1939 22.860 1950 25.361 1960 27.200 1971 32.615Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1973

Politik

Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946

In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD FDP FUWV DZP 1946 69,8 7,0 13,6 1948 65,1 16,4 14,7 1952 63,4 8,2 9,0 17,4 1956 61,6 10,9 11,3 14,9 1961 64,7 11,6 6,1 9,0 8,7 1964 60,7 19,5 8,1 8,2 3,5 1969 62,3 22,5 11,2 4,0

Bei der Wahl im Jahr 1946 erreichten unabhängige Kandidaten 9,7 % der gültigen Stimmen. 1948 waren es 3,8 % und 1952 2,1 %.

Fußnote

1 1952: zusätzlich: BHE: 2,3 %

Landräte 1816–1824: Bernhard Böcking 1824–1846: Carl Zoepffel 1846–1854: Friedrich Hardt 1854–1855: Amand von Harenne (vertretungsweise) 1856–1863: Bernhard von Scheibler 1864–1870: Karl Hasse 1870–1873: Alphons Anthoni (auftragsweise) 1873–1876: Joseph von Ayx 1876–1877: Hermann Delhougne (auftragsweise) 1877–1889: Ludwig Rennen 1889–1898: Ludwig Sassé 1898–1905: Theodor von Guérard, Zentrum 1905–1917: Friedrich von Kesseler 1917–1920: Philipp Heimann 1920: Viktor von Solemacher-Antweiler (vertretungsweise) 1920–1925: Hans von Chamier Glisczinski, Zentrum 1926–1933: Franz Schwenzer 1933–1934: Franz Laumen 1934–1939: Alfred von Gescher 1939–1945: Kurt Dingerdissen 1941–1942: Heinz Ehmke (stellvertretend während des Kriegsdienstes von Dingerdissen) 1942–1943: Axel von Rappard (verwaltungsweise) 1943–1944: Josef Schramm (vertretungsweise) 1944–1945: Walter Scheibler (kommissarisch eingesetzt durch Capt. Robert A. Goetcheus) 1945: Alfred von Gescher 1945–1946: Reinhold Heinen, CDU 1946–1949: Johann Weishaupt, CDU 1949: Alois Gerards, CDU 1949–1958: Peter Schütt, CDU 1958–1964: Alois Gerards, CDU 1964–1971: Hans Georg Weiss, CDU

Altkreis Monschau / Südkreis Aachen Der ehemalige Kreis Monschau bildet den Südteil der Städteregion Aachen sowie den Südwestzipfel des Kreises Düren. Die drei südlichen Kommunen der Städteregion Aachen, nämlich

Monschau Roetgen und Simmerath,

werden häufig als Altkreis Monschau oder Südkreis Aachen bezeichnet. Im Norden schließt sich der ebenfalls zur Städteregion Aachen gehörige Wirtschaftsraum Eschweiler-Stolberg an. Ähnlich wie der Nordkreis Aachen betreiben die drei südlichen Kommunen eine gemeinsame Volkshochschule Südkreis Aachen.VHS Südkreis Aachen (abgerufen am 26. Juli 2011)

Wappen

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MON zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1971 ausgegeben. Aufgrund der Kennzeichenliberalisierung ist es seit dem 2. Juli 2013 wieder in der Städteregion Aachen und seit dem 15. Juli 2015 im Kreis Düren erhältlich.

Weblinks

Grenzänderungen im Raum Eupen-Monschau-Malmedy nach dem Ersten Weltkrieg

Einzelnachweise

Monschau Monschau Kategorie:Geschichte (Monschau) Kategorie:Ehemalige Verwaltungseinheit (Städteregion Aachen) Kategorie:Geschichte der Eifel Monschau Kategorie:Aufgelöst 1972