Nossener Brücke ist die gemeinsame Bezeichnung für einen Zug aus vier Straßenbrücken südwestlich des Dresdner Stadtzentrums. Er ist etwa 700 Meter lang und Teil des Äußeren Stadtrings, der Süd- und Westumfahrung der Dresdner Altstadt. Die Brücken überspannen die Bahnstrecke Dresden–Werdau, zwei Stadtstraßen sowie das Außengelände des nach der Brücke benannten Heizkraftwerks.
Lage und Verkehrsbedeutung mini|links|Blick über die Nossener Brücke von Löbtau aus Die Nossener Brücke verbindet in Nordwest-Südost-Richtung die Stadtteile Löbtau und Südvorstadt bzw. die Stadtbezirke Cotta und Plauen miteinander. Sie liegt rund zwei Kilometer südwestlich des Zentrums der Inneren Altstadt und östlich der durch Löbtau fließenden Weißeritz.
Sie beginnt südöstlich des Ebertplatzes in Löbtau und verbindet diesen mit der Kreuzung aus Nürnberger, Budapester und Chemnitzer Straße in der Südvorstadt. Über den Verkehrsknoten Ebertplatz besteht Anschluss an die Tharandter Straße (Richtung Freital), Kesselsdorfer Straße (Richtung Gorbitz), Löbtauer Straße (Friedrichstadt) und Freiberger Straße (Stadtzentrum). Der äußere Stadtring setzt sich über das den Ebertplatz und die Weißeritz überspannende Anschlussbauwerk Löbtauer Brücke in Richtung Cotta und zur Flügelwegbrücke über die Elbe fort. Über die sich im Osten anschließende Nürnberger Straße wird die zentrale Südvorstadt mit dem Hauptcampus der Technischen Universität Dresden um Nürnberger Platz und Fritz-Foerster-Platz mit Anschluss an die Nord-Süd-Verbindung Dresdens (Bundesstraße 170) erreicht. Die Budapester Straße stellt den Anschluss ins Stadtzentrum her und über die Chemnitzer Straße ist der Stadtteil Plauen angebunden.
Als Bestandteil des Äußeren Stadtrings ist die Nossener Brücke eine wichtige Straßenverbindung zwischen den westlichen und südlichen Dresdner Stadtteilen und dient zudem als innerstädtische Umfahrung bei Sperrungen auf den Bundesautobahnen 4 und 17 (etwa am Tunnel Coschütz/Dölzschen). Sie ist die nördlichste der drei Ost-West-Querungen der Bahnstrecke Dresden–Werdau im Hauptverkehrsstraßennetz Dresdens und mit einer Verkehrsbelastung von 37.500 Kfz pro Tag (Stand Januar 2025) eine der meistbefahrenen Brücken der Stadt. Die Nossener Brücke ist Teil der aus Freiberg kommenden Bundesstraße 173 in ihrem Abschnitt zwischen Fröbelstraße und Budapester Straße.
Die Kfz-Verkehrsbelastung entwickelte sich wie folgt:
Die Dresdner Verkehrsbetriebe befahren die Nossener Brücke mit der stark frequentierten Stadtbuslinie 61 zwischen Löbtau und Weißig bzw. dem Fernsehturm. Der Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge betreibt die Regionalbuslinie 333 zwischen dem Dresdner Hauptbahnhof und Hetzdorf. Auf bzw. unmittelbar neben der Brücke befinden sich die Bushaltestellen Fabrik- und Zwickauer Straße. Im Radverkehr ist die Brücke Bestandteil einer innerstädtischen Hauptradroute zwischen Löbtau und der Südvorstadt.
Hohenzollernbrücke/erste Nossener Brücke Das erste Brückenbauwerk wurde 1889 als Hohenzollernbrücke eröffnet. Sie war als Stahlträgerbrücke realisiert und bekam um 1900 erstmals den Namen Nossener Brücke. Sie wurde nach der sächsischen Stadt Nossen benannt, in der sich das Kloster Altzella befindet. Von dort aus führte eine Altstraße, der nach dem Kloster benannte Zellesche Weg, etwa im Bereich der Nossener Brücke zum Klosterbesitz in Leubnitz-Neuostra (damit konnten die Zölle der spätmittelalterlichen Stadt umgangen werden).
Das Vorkriegsbauwerk begann an der ebenerdigen Kreuzung mit der Zwickauer Straße als Fortsetzung der Nossener Straße, die ab der Chemnitzer Straße in einem starken Gefälle bis zur Zwickauer Straße hinabführte. Es überbrückte lediglich die Bahnstrecke und führte als Siebenlehner Straße bis zur Kreuzung mit der Fabrikstraße und weiter bis zum Crispiplatz, dem heutigen Ebertplatz.
Brücke der Jugend/zweite Nossener Brücke Planung und Bau Nach Ende des Zweiten Weltkrieges genügte einerseits das Bauwerk der alten Nossener Brücke den Anforderungen nicht mehr, andererseits wurde planerisch die Lösung eines südlichen Tangentenrings verfolgt. Somit wurde anstelle der einfachen Brücke über die Bahnanlagen ein aus vier Teilbauwerken bestehender Verkehrszug mit zwei Kfz-Fahrstreifen je Richtung sowie beidseitigen Geh- und Radwegen projektiert: die erste Teilbrücke führt über die Fabrikstraße, die zweite Brücke überspannt das spätere Außengelände des Heizkraftwerkes Nossener Brücke. An diese schließt die Überführung die Gleise der Bahnstrecke Dresden–Werdau an – das Bahnareal ist hier ca. 100 Meter breit. Die letzte der vier Brücken führt über die Zwickauer Straße.
miniatur|Direkt auf den Anrampungen der „alten“ Nossener Brücke von der Zwickauer Straße aus wurden Treppenaufgänge angelegt Die vorherigen ebenerdigen Kreuzungen mit der Fabrikstraße und Zwickauer Straße wurden aufgegeben, für eine fußläufige Verbindung zwischen der Brücke und den unterführten Straßen bestehen Treppenanlagen. Die Oederaner Straße (vormalige Hohenzollernstraße) wurde von der neuen Brücke geteilt, ihr südlicher Abschnitt dient seitdem der Auffahrt auf die Brücke. Das nordwestliche Ende lag etwas südlicher als zuvor und nicht mehr in geradliniger Verlängerung der Siebenlehner Straße, die wesentlich zurückgebaut nur noch als kurze Stichstraße von der Oederaner Straße ohne Anbindung an den Ebertplatz oder die Brücke erhalten blieb.
Mit dem Neubau der Teilbrücke Zwickauer Straße, die von 1959 bis 1961 errichtet wurde, begann das Gesamtvorhaben. Es folgten die Einweihung der Brücke über das Kraftwerksgelände 1960 und die Fertigstellung der Brücke über die Fabrikstraße im Jahre 1962.Peter Hilbert: Von der Hohenzollernbrücke zur Brücke der Jugend. In: Sächsische Zeitung, 2. Februar 2013 Im Bereich der Oederaner Straße mussten dafür mehrere Gebäude abgerissen werden., abgerufen am 1. Oktober 2025 Bis 1964 wurde dann noch die Teilbrücke über die Gleise errichtet. Die Einweihung des kompletten Bauwerks fand am 28. Juni 1964 statt. Die neue Brücke bekam den Namen Brücke der Jugend.
Mit der Eröffnung der Brücke wurde der Oberleitungsbus Dresden vom Nürnberger Ei über die Nürnberger Straße und die Brücke der Jugend bis zum Willi-Ermer-Platz (heutiger Ebertplatz) verlängert.
Technische Daten Die Teilbrücke Fabrikstraße ist 35 m lang und mehr als 40 m breit, sie verfügt über eine Brückenfläche von 1600 m². Die Brücke über das Kraftwerksgelände ist 107 m lang und 26,3 m breit bei einer Brückenfläche von 2803 m². Die Brücke über die Bahnstrecke misst 119 m Länge und 26,4 m Breite und hat eine Brückenfläche von 3151 m². Die Teilbrücke Zwickauer Straße ist 23 m lang und 26,4 m breit, die Brückenfläche beträgt 605 m².
Bauvorleistungen und weitere Entwicklung miniatur|Übergang zwischen Löbtauer und Nossener Brücke Am nordwestlichen Ende der Brücke wurden zur Bauzeit bereits Vorleistungen für die Fortführung des Verkehrszuges mit einer Brücke über den Ebertplatz und die Weißeritz hinweg bis zum Wernerplatz erbracht: die Brücke über die Fabrikstraße wurde breiter ausgeführt, sodass sie Auf- und Abfahrtsrampen von und zum Ebertplatz hätte aufnehmen können, wenn das Anschlussbauwerk errichtet worden wäre. Diese Planungen wurden jedoch bis zum Ende der 1980er Jahre nicht realisiert und schließlich erst mit dem Bau der Löbtauer Brücke bis 1996 in veränderter Form umgesetzt. Mit der Eröffnung der Löbtauer Brücke, die entgegen der ursprünglichen Planungen nicht nur bis zum Wernerplatz, sondern bis zum Emerich-Ambros-Ufer gebaut wurde, erhielt auch die Nossener Brücke, wie sie nach der Deutschen Wiedervereinigung erneut genannt wurde, eine Sanierung und Umgestaltung des nordwestlichen Straßenanschlusses an den Ebertplatz. Die Auffahrt vom Ebertplatz zur Brücke wurde unter Berücksichtigung der Löbtauer Brücke neu trassiert und der zuvor in einem weitläufigen Bogen verlaufende Anschluss der Oederaner Straße fast rechtwinklig an diese angebunden.
Der Oberleitungsbus über die Brücke wurde im Juli 1974 nach zehnjährigem Betrieb eingestellt und durch dieselbetriebene Gelenkomnibusse ersetzt.
miniatur|Anbindung des Ebertplatzes (Löbtau). Der nicht angebundene Einfädelstreifen ist die Bauvorleistung der nicht realisierten Rampe zur Fabrikstraße im Zuge der Siebenlehner Straße. Zu Beginn der 1990er Jahre war außerdem im Zuge des geplanten Ausbaus des Straßenzugs Hofmühlenstraße/Fabrikstraße zur Hauptverkehrsstraße ein Straßenanschluss der Fabrikstraße an die Nossener Brücke vorgesehen, der letztlich nicht umgesetzt worden ist: nördlich und südlich der Teilbrücke Fabrikstraße sollten Auf-/Abfahrtsrampen errichtet werden, nördlich in Verlängerung der Siebenlehner Straße bis auf Höhe Oederaner Straße, südlich als Teil der Straße „Am Weißeritzmühlgraben“ bis zur Kreuzung Oederaner Straße/Ebertplatz. Nördlich waren hierzu im Zuge der Errichtung der Löbtauer Brücke bereits die Anbindungen von der Rampe zum Ebertplatz samt Aus- und Einfädelstreifen als Vorleistung errichtet worden, sie gingen aber nie vollständig in Betrieb und wurden nur provisorisch an die Oederaner und Siebenlehner Straße angebunden.
Nach Fertigstellung des Bramschtunnels im Jahr 2002 wurde die Bundesstraße 173 von der Kesselsdorfer/Freiberger Straße auf die Nossener Brücke verlegt.
In den Sommermonaten der Jahre 2001, 2006 und 2009 waren umfassende Reparaturen an der Nossener Brücke notwendig; 2010 wurden die Bewegungen des Bauwerks mehrere Monate lang vermessen und ein Schwerbelastungstest durchgeführt. Anfang 2012 traten neue Schäden auf.bild.de: Nossener Brücke in Dresden hat einen Riss, 24. Januar 2012. 2017 wurden nach Brückenprüfungen aufgrund von Schäden die Fahrstreifen unter Verzicht auf Teile des südlichen Rad- und Gehweges auf der Teilbrücke Fabrikstraße neu angeordnet, seit Juni 2019 gilt eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h.
Die Bauwerksprüfung 2018 ergab für die Teilbrücken folgende Ergebnisse: Fabrikstraße: ungenügend (3,5) Außengelände Heizkraftwerk: nicht ausreichend (3,0) Bahnstrecke: nicht ausreichend (3,0) Zwickauer Straße: ausreichend (2,8)
Dritte Nossener Brücke Planungsphase
miniatur|Buslinie 61 auf der Nossener Brücke Anlass für die Planung eines Neubaus der Nossener Brücke war zum einen der schlechte bauliche Zustand des bestehenden Bauwerks, zum anderen das 2008 erstmals formulierte Ansinnen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), die stark frequentierte Busverbindung von Löbtau über die Südvorstadt nach Strehlen (Buslinie 61) durch eine Straßenbahnstrecke zu ersetzen.Thomas Baumann-Hartwig: Nossener Brücke muss neu gebaut werden. Verkehrsbetriebe planen Straßenbahntrasse. In: Dresdner Neueste Nachrichten, Ausg. vom 24. September 2011, S. 15. Eine Machbarkeitsstudie bestätigte, dass sich die vorhandenen Brückenbauwerke nicht für die Aufnahme einer Straßenbahnstrecke eignen. Dieses Projekt wurde ab 2011 zunächst unter der Bezeichnung „Stadtbahn 2020“ vorangetrieben und besteht neben dem Brückenneubau aus dem Umbau der Haltestelle Tharandter Straße, der Verlegung der Straßenbahnstrecke zum Bahnhof Strehlen sowie dem Neubau von Straßenbahnstrecken entlang des Zelleschen Wegs und der Nürnberger Straße.
Die Planung des Neubaus der Nossener Brücke sowie des Umbaus der sich anschließenden Nürnberger Straße bis zum Nürnberger Ei (bisheriger Straßenbahn-Endpunkt „Südvorstadt“) wurde als Teilabschnitt 2 ab 2012 gemeinsam durch den Baulastträger von Brücke und Straße, die Landeshauptstadt Dresden, sowie die DVB vorangetrieben. Im September 2013 wurden erste Variantenentwürfe vorgestellt und die Vorplanung im Februar 2014 abgeschlossen. Mitte Mai 2014 stimmte der Stadtrat für den Neubau der Nossener Brücke mitsamt der Straßenbahnstrecke zum Nürnberger Ei in der ermittelten Vorzugsvariante. Ende 2013 war vorgesehen, den Bau 2017 zu beginnen und Ende 2019 abzuschließen.