mini|hochkant=2|Raumfahrtnationen, ESA-Mitgliedstaaten und Länder mit Orbitalraketen-Entwicklungsprojekten Als Raumfahrtnation oder raumfahrender Staat wird ein Land bezeichnet, das in der Lage ist, mit eigenen Trägerraketen eigene Satelliten in den Weltraum zu befördern.

Bemannte Raumfahrt betreiben bzw. betrieben bislang nur die USA, die Sowjetunion, Russland und China. Indien entwickelt derzeit ein eigenes Raumschiff, dessen erster bemannter Start für 2027 angestrebt wird.

Siehe auch: Übersicht heutiger Trägerraketen, geordnet nach Staaten

Aktive Raumfahrtnationen China

Seit 1992 fördert die Volksrepublik China die Raumfahrt in verstärktem Maße. Am 15. Oktober 2003 schickte das Büro für bemannte Raumfahrt den ersten Raumfahrer mit einem Shenzhou-Raumschiff in die Erdumlaufbahn. Neben Russland und den USA ist China somit als drittes Land in der Lage, bemannte Raumflüge durchzuführen. Der Schwerpunkt des Landes liegt momentan beim Aufbau des Nationalen Netzwerks mit zahlreichen Satelliten in verschiedenen Umlaufbahnen, die Navigation, Erdbeobachtung und Internetzugang über Satellit bieten. Mit der Chinesischen Planetenerkundung besteht ein Programm zur Erforschung des Sonnensystems. Es wurde eine eigene Raumstation gebaut, außerdem fanden unbemannte Mondlandungen statt (Chang’e 3 bis Chang’e 5). Für die 2030er Jahre sind bemannte Mondlandungen geplant.

China verfügte Ende 2024 über die weltweit größte Auswahl an Trägerraketen (22, gegenüber 13 in den USA) und ist nach den USA das Land mit den zweitmeisten orbitalen Starts. Seit Ende 2014 gestattet die chinesische Regierung privaten Kapitalgebern, auf dem Markt für Trägerraketen und Kleinsatelliten aktiv zu werden.

Europäische Staaten im Verbund der ESA

Europa hatte von den 1990ern bis Mitte der 2010er Jahre mit der Ariane-Rakete eine marktbeherrschende Stellung beim Transport kommerzieller Satelliten in den Weltraum, nachdem zuvor in den 1960er und 1970er Jahren die Entwicklung einer eigenen Trägerrakete Europa erfolglos blieb. Allerdings brachten in den 1960er und 1970er Jahren mehrere französische Raketen vom Typ Diamant und 1971 eine britische Rakete des Typs Black Arrow erfolgreich Satelliten in eine Erdumlaufbahn. Nachdem die ESA in den 1980er Jahren sehr eng mit den USA zusammenarbeitete, beispielsweise mit dem Spacelab-Projekt, ergaben sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch andere Kooperationsmöglichkeiten. Erste Schritte wurden durch den Besuch von europäischen Astronauten auf der Raumstation Mir vollzogen. Am Bau und Betrieb der Internationalen Raumstation (ISS) nimmt Europa mit eigens dafür entwickelten Elementen teil. Das Columbus-Modul ist ein Wissenschaftslabor, das am 11. Februar 2008 an der ISS montiert wurde. Das Automated Transfer Vehicle (ATV) diente einige Jahre lang als Versorgungsraumschiff für die ISS. Auch am Artemis-Mondprogramm ist Europa beteiligt.

In den frühen 2020er Jahren geriet die europäische Raumfahrt in eine Krise. Sämtliche von Europa betriebenen Raketen – die Ariane, die Vega und die gemeinsam mit Russland betriebene Sojus ST – fielen wegen Verzögerungen bei der Entwicklung von Nachfolgemodellen, wegen technischer Probleme oder aus politischen Gründen aus, sodass Europa im Herbst 2023 erstmals seit 1979 über kein eigenes betriebsbereites Trägersystem mehr verfügte. Die ESA griff daher auf Startdienste des US-amerikanischen Unternehmens SpaceX zurück.

Indien

Auch Indien verstärkt seine Raumfahrtaktivitäten und kann bereits auf mehrere im eigenen Land gebaute Satelliten und Trägerraketen (ASLV, PSLV, GSLV, SSLV) verweisen. Den ersten erfolgreichen Satellitenstart führte Indien am 18. Juli 1980 aus, die erste Mondsonde Chandrayaan-1 wurde am 22. Oktober 2008 auf den Weg gebracht. Triebfeder der Entwicklung war der ehemalige Staatspräsident A. P. J. Abdul Kalam, der früher für die Entwicklung des Raketen- und Raumfahrtprogramms des Landes zuständig war und neben Vikram Sarabhai als Vater der indischen Raumfahrt gilt. Am 23. August 2023 gelang Indien mit Chandrayaan-3 als viertem Land eine unbemannte Mondlandung. Langfristig verfolgt die indische Raumfahrtbehörde das Ziel eines eigenen bemannten Raumstation und einer bemannten Mondlandung.Andrew Jones: India sets 2040 target for crewed moon landing. Spacenews, 17. Oktober 2023.

Iran

Am 2. Februar 2009 gelang es dem Iran erstmals, einen Satelliten (Omid) ins Weltall zu befördern. Der Satellit umrundete iranischen Angaben zufolge 15 Mal täglich die Erde und nahm nicht näher spezifizierte Messungen vor. Bis 2023 gelangen dem Iran sechs weitere Satellitenstarts. Mittlerweile verfügt das Land über drei aktive Trägeraketenprojekte: Die bei den ersten Starts eingesetzte Safir und die vom Militär betriebenen Raketen Ghased und Ghaem.

Israel

Israel führte 1988 den ersten erfolgreichen Start seiner Trägerrakete Shavit durch. Seitdem erfolgten weitere Starts, meist mit mehreren Jahren Abstand. Die Nutzlast bestand aus militärischen Satelliten vom Typ Ofeq. Die Starts vom Startplatz Palmachim erfolgen ungewöhnlicherweise in westlicher Richtung, um in der Startphase nicht die östlichen Nachbarländer überfliegen zu müssen.

Japan

In Japan werden ebenfalls eigene Trägerraketen, Satelliten und Raumsonden entwickelt. Daneben beteiligt sich Japan mit dem Kibō-Modul auch an der ISS. Die sehr visionär ausgerichtete Weltraumpolitik konnte aber bisher nicht vollständig in die Praxis umgesetzt werden. Immer wieder führten Rückschläge und Finanzprobleme zu Verzögerungen, obwohl die Bevölkerung im Gegensatz zu den Europäern den Projekten aufgeschlossener gegenübersteht.

Neuseeland Die in Neuseeland gegründete Firma Rocket Lab (Hauptsitz heute in den USA) entwickelte die leichte Trägerrakete Electron, die vom Rocket Lab Launch Complex 1 auf der neuseeländischen startet. Seit 2018 etablierte sie sich als weltweit meistgenutzte Kleinrakete, mit rund 40 Starts bis zum Jahr 2023.

Nordkorea

Das Raumfahrtprogramm von Nordkorea stützte sich zunächst auf die Interkontinentalrakete Taepodong-2 und steht somit in Spannung zur Resolution 1718 des UN-Sicherheitsrates von 2006, die Nordkorea den Start von ballistischen Raketen untersagt. Nordkorea beruft sich jedoch auf das Recht der Weltraumerforschung gemäß dem Weltraumvertrag.

Ein Start dieser Rakete fand am 5. April 2009 statt. Nordkorea behauptete, der Satellit Kwangmyŏngsŏng-2 habe die Umlaufbahn planmäßig erreicht, doch US-Radarstationen, die den Start verfolgten, meldeten, dass die Rakete die Umlaufbahn nicht erreicht habe und in den Pazifischen Ozean gestürzt sei. Erfolgreich war dagegen ein Start am 12. Dezember 2012, bei dem ein Satellit in eine Erdumlaufbahn gebracht wurde.

Seit 2023 testet Nordkorea die neuen Trägerrakete Chŏllima-1.

Russland

Der sowjetischen Raumfahrt gelangen Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre viele Erstleistungen, vor allem der Start des ersten künstlichen Satelliten (Sputnik 1, 1957) und der erste bemannte Raumflug (Wostok 1, 1961). Das sowjetische bemannte Mondprogramm scheiterte jedoch, und nach der US-amerikanischen Mondlandung konzentrierte sich die sowjetische Raumfahrt auf Raumstationen in der Erdumlaufbahn und auf Langzeitflüge. Mit Buran sollte ein eigener Raumgleiter entwickelt werden, das Programm wurde aber nach nur einem unbemannten Testflug eingestellt.

Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gehört Russland zu den führenden Raumfahrtnationen. Zur Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) gehört immer mindestens ein russischer Raumfahrer, und die Sojus-Raumschiffe sind unverzichtbarer Teil des Betriebs, ebenso wie die unbemannten Progress-Transporter. Auch in der unbemannten Raumfahrt spielt Russland eine starke Rolle. Bis 2015 wurden die meisten Satellitenstarts mit russischen Raketen durchgeführt, vor allem mit den Typen Sojus und Proton.

Russland verlor die Marktführerschaft für Satellitenstarts an Arianespace, das diese wiederum 2017 an SpaceX verlor. Zum Verlust der russischen Marktführerschaft trugen Verzögerungen bei der Einführung neuer Trägerraketen wie der Angara und der Sojus-5 bei. Auch für die Versorgung der ISS entstanden US-amerikanische Alternativen. Zudem gingen durch den Russisch-Ukrainischen Krieg ab 2014 Know-how, Zulieferer und Raketenmodelle wie die Dnepr und die Zyklon verloren, die zuvor in Russland gestartet waren.

Südkorea

Seit 2002 plante Südkorea auf der Basis der eigenständig entwickelten Höhenforschungsrakete KSR eine eigene Trägerrakete mit der Bezeichnung „KSLV-I“ zu bauen, um kleine bis zu 100 Kilogramm wiegende Satelliten in den Weltraum transportieren zu können. Doch schon bald entschied die südkoreanische Regierung, dass Südkorea bis 2015 zu den zehn führenden Raumfahrtnationen gehören sollte. Um die ehrgeizigen Pläne zu verwirklichen, war das ursprüngliche KSLV-Programm zu limitiert. Daraufhin wurde Ende 2004 russischen Raumfahrtunternehmen GKNPZ Chrunitschew mit der Entwicklung der ersten Stufe des KSLV-I beauftragt, die nun auf der weitaus größeren Angara basieren sollte. Nach zwei Fehlstarts 2009 und 2010 glückte der dritte Start der KSLV-1 vom Naro Space Center am 30. Januar 2013. Sie beförderte den Satelliten STSAT-2C planmäßig in einer Erdumlaufbahn, womit auch Südkorea zur Raumfahrtnation wurde.

Anfang der 2020er wurde die KSLV-I durch die wesentlich größere KSLV-II ersetzt. Diese kann Nutzlasten mit über einer Tonne Gewicht in den Weltraum bringen und ermöglicht Südkorea auch den Start von Raumsonden. Darüber hinaus bestehen Pläne für die mittelschwere Trägerrakete KSLV-III.

USA Die Geschichte der Raumfahrt in den Vereinigten Staaten begann offiziell mit dem am 29. Juli 1958 von Präsident Dwight D. Eisenhower unterzeichneten National Aeronautics and Space Act, der die Schaffung der NASA vorsah. Die neue Behörde nahm am 1. Oktober 1958 ihre Arbeit auf. Damals bestand sie aus vier Laboratorien und rund 8000 Mitarbeitern, die aus dem schon 43 Jahre alten National Advisory Committee for Aeronautics (NACA) stammten. Gut elf Jahre später feierte die NASA mit der ersten bemannten Mondlandung ihren spektakulärsten Erfolg. Weitere Meilensteine waren der Erstflug des Space Shuttle im April 1981 – es blieb 30 Jahre lang in Betrieb – und die erfolgreiche Einführung wiederverwendbarer Raketenstufen durch das US-Unternehmen SpaceX im Jahr 2017.

Die USA verfügen heute als einziges Land über Superschwerlastraketen wie die Falcon Heavy und das SLS. Sie sind führend in der Zahl der Raketenstarts, der ins All transportierten Nutzlastmasse, der Anzahl der betriebenen Satelliten und der bemannten staatlichen wie touristischen Raumflüge, wobei der Großteil dieser Höchstleistungen durch das Unternehmen SpaceX erbracht wird, welches auch die Falcon Heavy betreibt. Mit mindestens zwei Astronauten sind die USA ständig an Bord der ISS präsent.

Ehemalige Raumfahrtnationen Großbritannien Das Vereinigte Königreich ist bekannt als der einzige Staat, der erfolgreich eine eigene Trägerrakete – die Black Arrow – entwickelte und sein Raumfahrtprogramm wieder aufgab.

Ukraine Die Ukraine suchte seit dem Zerfall der Sowjetunion Kooperationen mit westlichen Unternehmen. So fanden gemeinsam mit der Schweizer Sea Launch Starts der ukrainischen Rakete Zenit statt, die weiterhin russische Bauteile enthielt. Die ukrainische Raumfahrtindustrie entwickelte und produzierte auch die Erststufe der amerikanischen Rakete Antares und war an dem amerikanischen Raketenbauer Firefly Aerospace beteiligt. Zudem baute sie die AVUM Oberstufe der italienischen Vega.