mini|Wappen Badens Das Heerwesen des Staates Baden bis 1871 wird als Badische Armee bezeichnet. Die Ursprünge des badischen Heerwesens lagen zum einen in Verbänden, die die badischen Markgrafschaften Baden-Durlach und Baden-Baden im Barockzeitalter aufgestellt hatten, zum anderen im stehenden Heer des Schwäbischen Reichskreises, zu dem beide Territorien Truppen beisteuern mussten. Die Wiedervereinigung der beiden Kleinstaaten zur Markgrafschaft Baden 1771 und ihre Vergrößerung und Erhebung zum Großherzogtum Baden durch Napoleon 1806 schuf die Möglichkeiten und Verpflichtung zur Unterhaltung eines größeren Heeres, das Napoleon in seinen Feldzügen gegen Österreich, Preußen, Spanien und vor allem Russland unterstützen musste. Nach dem Ende von Napoleons Herrschaft stellte das Großherzogtum Baden eine Division des Deutschen Bundesheers. 1848 halfen Badische Truppen bei der Niederschlagung des Hecker-Aufstandes, ein Jahr später schlug sich jedoch ein großer Teil auf die Seite der Badischen Revolutionäre. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Revolution durch preußische und württembergische Truppen wurde die Armee wieder aufgestellt und kämpfte im Deutschen Krieg 1866 auf Seiten Österreichs und der süddeutschen Staaten sowie im Deutsch-Französischen Krieg auf deutscher Seite. Beim Beitritt Badens zum Deutschen Reich 1870/71 gab das Großherzogtum seine Militärhoheit ab, die badischen Truppen wurden unter preußischer Führung Teil des XIV. Armeekorps.

Dreißigjähriger Krieg mini|Matthäus Merian: Die Schlacht bei Wimpfen Während der Oberbadischen Okkupation konnte Georg Friedrich von Baden-Durlach die beiden Landesteile Baden-Baden und Baden-Durlach nochmals vereinigen und um 1600 über eine Streitmacht von 200 Reitern, 600 Fußsoldaten und 40 Geschützen verfügen. Der protestantische Markgraf, dessen Territorium in Nachbarschaft zum habsburgischen Vorderösterreich lag und der in Erbstreitigkeiten mit der katholischen baden-badischen Linie war, trat 1608 der Protestantischen Union bei und vergrößerte sein Heer bis 1617 auf rund 15 000 Mann.

Für seine Söhne Friedrich, Karl und Christoph schrieb Georg Friedrich 1614–1617 ein eigenes kriegswissenschaftliches Werk, das er aber nie im Druck veröffentlichte.Karl Friedrich Ledderhose: Aus dem Leben des Markgrafen Georg Friedrich von Badens, S. 79–81. Er stützte sich dabei auch auf die ritterliche Kriegsschule, die 1616 durch Johann VII. (Nassau-Siegen) in Siegen gegründet wurde.Karl Freiherr von Reitzenstein: Der Feldzug des Jahres 1622 am Oberrhein und in Westfalen bis zur Schlacht bei Wimpfen. München 1891/93, II. Heft S. 172.

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges stellte er sich auf die Seite des „Winterkönigs“ Friedrich von der Pfalz. Nachdem spanische Truppen die Pfalz besetzt und sich die Protestantische Union aufgelöst hatte, wollte Georg Friedrich sein nunmehr 20 000 Mann starkes Heer mit den Truppen Ernst von Manfelds vereinigen, der in der Pfalz gegen die katholischen Truppen Tillys kämpfte. Der Markgraf und Mansfeld wurden sich jedoch nicht darüber einig, wer den Befehl über die vereinigte Armee innehaben sollte, sodass ein Zusammenschluss nicht zustande kam. Stattdessen kämpfte die badische Streitmacht am 6. Mai 1622 ohne die Truppen Mansfelds gegen Tilly und unterlag in der Schlacht bei Wimpfen, einer der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges. Georg Friedrichs Armee wurde dabei zerschlagen, der Markgraf selbst entkam der Überlieferung nach nur durch einen Opfergang von 400 Pforzheimern, die seinen Rückzug deckten und dabei mit Ausnahme des Fahnenträgers allesamt umkamen. Infolge der Niederlage wurde die Oberbadische Okkupation rückgängig gemacht, Teile von Baden-Durlach wurden außerdem durch Truppen der Liga besetzt und geplündert.Kohnle, Kleine Geschichte der Markgrafschaft, S. 118–124.

Georg Friedrich führte in seiner Armee auch etwa 70 so genannte Spieß- oder Spitzwagen mit. Die Spitzwagen werden als eine Erfindung Georg Friedrichs bezeichnet.J.G.F. Pflüger: Geschichte der Stadt Pforzheim, Pforzheim 1861, S. 382. Es handelt sich um Wagen mit zwei oder drei Achsen, auf denen zwei Balken so befestigt sind, dass die Räder leicht und weit drehbar sind. Auf den Balken sind kleine schwenkbare Haubitzen (teilweise wird auch von Mörsern gesprochen) befestigt und zudem eiserne Spitzen (daher der Name) die nach außen gerichtet sind, um insbesondere die feindliche Reiterei abzuhalten.

Erst 1631 war Georg Friedrichs Sohn und Nachfolger Friedrich V. wieder finanziell in der Lage, eigene Truppen auszuheben, was jedoch durch einen Einmarsch bayrischer Truppen verhindert wurde. Die badischen Gebiete blieben in der Folgezeit weiter Kriegsschauplatz, allerdings vor allem aufgrund der Kämpfe zwischen schwedischen Truppen (denen sich Friedrich anschloss) und kaiserlichen Truppen. Ab 1634 erhielten die Kaiserlichen die Oberhand, Friedrich verlor sein Territorium und konnte es erst im Zuge des Westfälischen Friedens wieder zurückerhalten, allerdings ohne die baden-badischen Gebiete, die wieder an die katholische Linie kamen. Im Falle Badens stellte der Westfälische Frieden deswegen nicht den Zustand vor 1618, sondern jenen vor der Oberbadischen Okkupation wieder her.Kohnle, Kleine Geschichte der Markgrafschaft, S. 124–126.

Schwäbischer Reichskreis und Territorialverbände bis 1780 mini|links|Die 1771 wiedervereinigte Markgrafschaft Baden (hellbraun) Unter der Federführung des Kreisfeldmarschalls Ludwig Wilhelm von Baden-Baden und des Herzogtums Württemberg beschloss der Schwäbische Reichskreis 1694 die Aufstellung eines stehenden Kreisheeres, für das die verschiedenen Kreisteile bestimmte Truppenkontingente zu stellen hatten.Harder: Handbuch, S. 31 f. Zwischen 1732 und 1796 umfasste das Heer des Reichskreises fünf Regimenter, die nach Konfessionen getrennt aufgestellt wurden. Die protestantische Markgrafschaft Baden-Durlach stellte hierbei 23 Dragoner für das Kreisdragonerregiment und 121 Infanteristen für das 1. Kreisinfanterieregiment. Angehörige des baden-durlachschen Herrscherhauses hatten darüber hinaus den Oberbefehl über ebendieses 1. Kreisinfanterieregiment inne. Die katholische Markgrafschaft Baden-Baden stellte 19 Kürassiere für das Kreiskürassierregiment und 122 Infanteristen für das 3. Kreisinfanterieregiment. Neben den beiden badischen Markgrafschaften trugen vor allem das Herzogtum Württemberg, das Bistum Augsburg und die Reichsstädte die Hauptlast des Kreisheeres, allerdings mussten auch kleinere Graf- und Herrschaften Kontingente stellen (so zum Beispiel das Kloster Gengenbach einen Kürassier und zwei Infanteristen).Harder: Handbuch, S. 36–40.

mini|Uniformen verschiedener badischer Verbände Ende des 18. Jahrhunderts. Von links nach rechts: Füsilieroffizier, zwei Offiziere des Leibinfanterieregimentes, Unteroffizier der Füssiliere, Grenadier des Leibinfanterieregimentes, Musketier des Leibinfanterieregiments, Füssilier. Zeichnung von Richard Knötel

Unabhängig von den Truppen für den Kreis unterhielten sowohl Baden-Baden als auch Baden-Durlach eigene Truppenverbände – sogenannte Haustruppen, wozu insbesondere die Leibgarde gehörte. In Baden-Durlach wurde 1752 ein Grenadierbataillon zu vier Kompanien sowie eine Dragonerkompanie aufgestellt, Baden-Baden folgte 1763 mit einem gleich starken Grenadierbataillon, einer Kürassierkompanie und einer Schwadron Husaren.Harder: Handbuch, S. 80 ff. Nach dem Tod des letzten baden-badischen Markgrafen August Georg Simpert konnte Karl-Friedrich von Baden-Durlach die beiden Landesteile endgültig zur Markgrafschaft Baden wiedervereinigen. Das vereinigte Baden hatte nun eine Bevölkerung von rund 257 000 Menschen,Kohnle, Kleine Geschichte der Markgrafschaft, S. 187. und obwohl Karl Friedrich mit dem baden-badischen Gebiet auch die Schuldenlast der alten Markgrafschaft übernommen hatte und abbezahlen musste, gelang ihm auch eine Vergrößerung des Heeres. 1780 vereinigte er das baden-badische und baden-durlachsche Grenadierbataillon zum Leibinfanterieregiment, bestehend aus einem Bataillon Musketiere und einem Bataillon Grenadiere. Die Husarenschwadron blieb als eigenständiger Verband bestehen, die baden-badischen Kürassiere und baden-durlachschen Dragoner bildeten die Garde du Corps und obendrein wurden zwei Füsilier-Bataillone eingerichtet. Zusammen mit einer Garnisonskompanie und vier Dreipfünder-Geschützen umfasste die badische Armee damit 1 125 Mann, der Militäretat belief sich 1782/83 auf etwas mehr als 105.000 Gulden.Heunisch/Bader: Das Großherzogtum Baden, S. 36.

Der uneheliche Sohn des Markgrafen Karl Friedrich, Carl Friedrich Hermann von Freystedt schuf ein Milizsystem und gilt als Wegbereiter der allgemeinen Wehrpflicht. Mit einer Reform des badischen Militärrechts sorgte er 1782 auch für einen gewissen Schutz der Soldaten vor willkürlichen Vorgesetzten.

Koalitionskriege und Rheinbund Die Französische Revolution und die daraus resultierenden Spannungen zwischen Frankreich und den Großmächten des Heiligen Römischen Reiches versetzten Baden in eine schwierige Lage; zum einen verlor es im Zuge der Revolution endgültig die Kontrolle über einige linksrheinische Besitzungen, zum anderen war es, am Oberrhein zwischen Frankreich und Vorderösterreich gelegen, wie auch im Dreißigjährigen Krieg der Gefahr ausgesetzt, Kriegsschauplatz zu werden.

Im Herbst 1792 trat die Markgrafschaft der antifranzösischen Koalition bei und verpflichtete sich, 1000 Soldaten zu stellen. Die Koalition versprach im Gegenzug, die besetzten linksrheinischen Gebiete bei einem Friedensschluss für Baden zurückzufordern und die Kriegskosten zu erstatten.Kohnle, Kleine Geschichte der Markgrafschaft, S. 189 ff. Neben den regulären Truppen organisierte Heinrich Medicus eine badische Landmiliz, bestehend aus ledigen 19–50-Jährigen, sodass die militärische Stärke der Markgrafschaft auf rund 16.000 Mann anwuchs. Auch die Militärausgaben stiegen drastisch, der zehnjährige Durchschnitt zwischen 1789 und 1798 betrug rund 158.000 Gulden. Durch die Niederlage im ersten Koalitionskrieg wurden die Versprechungen der Koalition jedoch nicht erfüllt und die linksrheinischen Besitzungen Badens gingen 1794 de facto endgültig verloren. Preußen verständigte sich 1795 mit Frankreich, und auch der badische Markgraf setzte sich für den Frieden ein: 1796 wurde ein Separatfrieden geschlossen, Baden trat aus der Koalition aus und verzichtete auf sein linksrheinisches Territorium.Kohnle, Kleine Geschichte der Markgrafschaft, S. 192. Da jedoch Österreich den Krieg fortsetzte, wurde das nunmehr eigentlich neutrale Baden Kriegsschauplatz: Bei EmmendingenJ. Rickard: Battle of Emmendingen, 19 October 1796. In: historyofwar.org.de 17. Februar 2009, abgerufen am 21. April 2026. und Schliengen kam es im Oktober 1796 zu Gefechten und Teile Südbadens wurden von den französischen Armeen geplündert.

Im Zweiten Koalitionskrieg erklärte sich Markgraf Karl Friedrich neutral.Kohnle, Kleine Geschichte der Markgrafschaft, S. 193. Durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 und den Frieden von Pressburg erhielt Baden große Gebietszuwächse: Neben geistlichen Gebieten und ehemaligen Reichsstädten wurden auch die Kurpfalz und der Breisgau Teil der Markgrafschaft, die 1803 zum Kurfürstentum, 1806 ein Großherzogtum wurde. Zahlreiche der neuen badischen Territorien hatten zuvor eigene kleine Streitkräfte unterhalten, die nun Teil der badischen Armee wurden. Diese wuchs dadurch und umfasste 1806:Harder: Handbuch, S. 81.

mini|Badische Dragoner, 1809 (Zeichnung von Richard Knötel) Infanterie Kavallerie ArtillerieEin Leibinfanterieregiment und drei LinieninfanterieregimenterDie Garde du CorpsDrei BatterienJe ein selbständiges Bataillon Grenadiere und JägerEin Regiment DragonerVier GarnisonsregimenterEin Regiment Husaren

Die Gesamtstärke betrug 14 Bataillone Infanterie, 10 Schwadronen Kavallerie und drei Batterien Artillerie. Das Kurfürstentum/Großherzogtum wurde nach preußischem Vorbild in vier Kantone eingeteilt.Harder: Handbuch, S. 84.