mini|Der Garten der Gerechten unter den Völkern. Die Liste der Gerechten unter den Völkern aus Belgien enthält Belgier, die für die Rettung von Juden während der Zeit des Nationalsozialismus von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt wurden.
Hintergrund Am 10. Mai 1940, gut acht Monate nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, griff die deutsche Wehrmacht Belgien, die Niederlande und Luxemburg an, wie schon 1914 unter Verletzung der Neutralität. Dies war zugleich der Beginn des Westfeldzuges. Nach 18 Tagen Widerstand („campagne des 18 jours“) kapitulierten die belgischen Streitkräfte am 28. Mai 1940 bedingungslos. Belgien blieb bis 1944/45 besetzt und stand unter deutscher Militärverwaltung, neben der die belgischen Verwaltungs- und Polizeibehörden weiterbestanden. Militärbefehlshaber war bis 15. Juli 1944 General Alexander von Falkenhausen, mit Hauptquartier in Brüssel.
Zu Beginn der Besatzung lebten etwa 65.000 bis 70.000 Juden in Belgien, hauptsächlich in Brüssel und Antwerpen. Nur ungefähr zehn Prozent besaßen die belgische Staatsangehörigkeit; die große Mehrheit waren Einwanderer oder Flüchtlinge, insbesondere aus Mittel- und Osteuropa.
Die deutschen Besatzungsbehörden erließen seit Oktober 1940 zahlreiche antijüdische Verordnungen und begannen mit der Judenverfolgung. Juden wurden registriert, in den Städten Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Charleroi konzentriert, aus Berufen und dem Wirtschaftsleben verdrängt, ihr Vermögen wurde arisiert (enteignet) und sie wurden seit 1942 zum Tragen des Judensterns verpflichtet. Zwischen August 1942 und Juli 1944 wurden etwa 30.000 Juden aus Belgien über das SS-Sammellager Mechelen nach Auschwitz deportiert. Die meisten wurden dort ermordet; weniger als 2.000 der Deportierten überlebten. Zugleich konnten sich mehr als 25.000 Juden der Deportation entziehen, überwiegend, indem sie untertauchten.
Das Verhalten der belgischen Behörden und der Bevölkerung war nicht einheitlich. Angehörige belgischer Verwaltungs- und Polizeistellen wirkten an der Registrierung, Festnahme und Deportation von Juden mit, wobei Ausmaß und Form der Zusammenarbeit regional unterschiedlich waren. Andere Amtsträger verweigerten die Mitwirkung. Zahlreiche Privatpersonen, Geistliche, Ordensgemeinschaften und Angehörige des Widerstands versteckten Verfolgte, beschafften Lebensmittelkarten und falsche Ausweispapiere oder vermittelten Fluchtwege und Unterkünfte. Eine zentrale Rolle bei der organisierten Rettung spielte das 1942 gegründete Comité de Défense des Juifs beziehungsweise Joods Verdedigingscomité. Das aus jüdischen und nichtjüdischen Mitgliedern bestehende Netzwerk brachte etwa 3.000 jüdische Kinder bei Familien sowie in Schulen, Klöstern und anderen Einrichtungen unter. Die Helfer waren der Gefahr von Denunziation, Verhaftung, Misshandlung, Haft oder Hinrichtung ausgesetzt.
Israel hat nach der Staatsgründung 1948 den Ehrentitel Gerechter unter den Völkern () eingeführt, um nichtjüdische Einzelpersonen zu ehren, die unter nationalsozialistischer Herrschaft während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten.
Yad Vashem hat bis zum 1. Januar 2024 insgesamt 1.819 Menschen aus Belgien für solche Rettungstaten als Gerechte unter den Völkern anerkannt.
Liste
Die Liste ist alphabetisch nach Nachnamen geordnet. Hinter dem Namen ist – soweit bekannt – das Geburts- und das Sterbedatum angegeben sowie der Ort der Rettung, der Grund und das Jahr der Ehrung. Quelle der Informationen ist die Righteous Among the Nations Database der Gedenkstätte Yad Vashem.
A NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrBrüsselAntoine und Flore Abbeloos, ein Ehepaar aus Brüssel, versteckte und versorgte 30 Monate lang die fünfköpfige jüdische Familie Traksbetryger.19751975Jambes20122012Rekem1984Conde sur Huisne1985Borgloon2005Dinant1992Brüssel1996Gent1996Brüssel1994Jambes2000Jambes2000Namur1968Morlanwelz1984Anderlecht und Sint-Pieters-Leeuw2015Brüssel1996GillyMutter Julienne Aneuse20152007Lavacherie (Sainte-Ode)1988Brüssel-Laken1989Noucelles1999Antwerpen1997201020081972198519941998 B NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrDrogenboschBernard Baeck und seine Frau Arlette Baeck versteckten von 1942 bis 1944 in ihrem Haus in Drogenbosch bei Brüssel die Jüdin Hélène Lipshitz und ihre beiden Kinder Céline (geb. 1933) und André (geb. 1936) aus Antwerpen.2009Zonhoven198020032002200020032017200119842010Tournai1985Mutter Marguerite2013Löwen199519992001Brüssel1996Antwerpen1984Brüssel197519991994Lasne199120002000Namur1977Durbuy19851996Brüssel19922002Brüssel/Wasmes19962001Antwerpen1997Antwerpen1978AuvillarSchwester Marguerite1982Sprimont1994Tiège (Jalhay)1978La Louvière1975Brüssel/Agatha-Berchem1996Brüssel1980Marbehan (Habay)1982200019972014Antwerpen19992023Antwerpen1965Lüttich1981La Hulpe19992013Anderlecht19952008Fontin (Esneux)19942008Aiseau1995Lüttich1978Villers-l’Évêque (Provinz Lüttich)1986Brüssel19701995Lüttich199420231973Antwerpen19992013Jamoigne1987Brüssel198620082006202220192021Bois-de-Breux (Lüttich)1995Harnoncourt199920142014Brüssel19912001Gent1976Brüssel1978Antwerpen1999Sorinne-la-Longue19812002Schwester Marie-Louise20012004Brüssel1997Jamoigne1987Brüssel1995
C NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrTillyRené Cabeau, der Bürgermeister der Städte Tilly und Strichon in Südbrabant, und seine Frau Diana Cabeau versteckten die fünfzehnjährige Jüdin Felicja Wajsburt (später Felicja Brawer). René Cabeau half auch einer anderen jüdischen Familie und besorgte gefälschte Papiere für Felicjas Vater und weitere jüdische Mitbürger.19951980Schwester Odile-Leonie20091998Sr. Sainte Marie-Mechtilde2014Schwester Marie-Charles200719711983199520011995198919971997199220141980GotemPater Louis Celis und seine Haushälterin Marie-Louise Tabruyn aus Gotem, einem Dorf in der Region Lüttich, versteckten in ihrem Haus zwei jüdische Jungen: den dreizehnjährigen Wolfgang Rotenberg und den neunjährigen Sigmund Rotenberg. Als Celis erfuhr, dass sein Name auf der Fahndungsliste der Deutschen stand, organisierte er neue Verstecke für die beiden Jungen und tauchte selbst unter.1980198019791995201420002003200720012000197319951996199919941992199820021993200719941979199920092016196819932010199519942023199420131999199519941983199619742019Schwester Marie Gérard199720031999200619971994 D NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrBeyne-HeusayBlanche Dabe und Joseph Dabe versteckten in Beyne-Heusay den jüdischen Mitbürger Georges Goldine.201819712013201820101981198219961994199920021996197520001994198419782009197519752008199719982000200120071997198020001975199920012010Schwester Germaine1998201419711981199019671978Mutter Bernardine20132012200119821980200620121979200119962007200720091993198320072016200019931998199919991976199319972011199220082008198219981969197819752000199719972001Tochter von Marie Houbeau1998Schwester Aline1997Schwester Louise-Marie1997196820141983199420012008200520081999197019871987199619981979199720201997199520072000199819921996200919981982199920131997199719731979198220041995200719701984199620041998200120061994199719892001199719981998198720001995201419902000197720041996199519771999200019801998199619992022199520192021198019941998197020151979199520012022199620021996197519971978197719771977 mini|hochkant=0.6|Elisabeth Gabriele in Bayern (um 1900)
E NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrAntwerpenLouis Ehrenboger und seine Frau Sisrin Ehrenboger aus Antwerpen versteckten in ihrem Haus von September 1942 bis zur Befreiung die jüdischen Brüder Sam und Kalman Wajsberg.19821965199820132001196519672003197719921998
F NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrPéronnes-lez-AntoingMarguerite Faidherbe und ihr Ehemann Léonard Faidherbe aus Péronnes-lez-Antoing (südlich von La Louvière) beschafften gefälschte Ausweise für die jüdische Familie Fajwlewicz aus Brüssel und versteckte sie.1997Schwester Raphael2006199919961996202119871996197819651970199620131996199919982013199719871990201019962022199419952009197720121983197719962001 mini|hochkant=0.6|Andrée Geulen-Herscovici (2010)
G NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrBressoux und EsneuxCharles Gaillot und seine Frau Marie Gaillot aus Bressoux (Lüttich) warnten ihre jüdischen Nachbarn, die Familie Fremder, vor der bevorstehenden Verhaftung und Deportation. Die siebenköpfige Familie Fremder fand zunächst Zuflucht im Haus der Gaillots. Dann organisierte Charles Gaillot andere Verstecke und vorübergehende Unterkünfte für alle Familienmitglieder.19941975197119811987199719781996198719811999198419871995202219961997202319751989199819901996199820082008200819981980199919741992200020121999200020022013199819791975197919982011 H NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrIxellesCatherine Haas-Hendricks aus Ixelles-Elsene, einem südlichen Vorort von Brüssel, versteckte zunächst Valérie Birenbaum, eine jüdische Flüchtlingsfrau aus Wien, in ihrem Haus. Auf deren Wunsch nahm sie danach deren Cousins Anne-Rose und Otto Lowy sowie dessen Mutter Rosa Neulinger auf.2000199519841990199919772007200119871987199420002006200019841992199919962001197419802011201519792000Gent197319972014198319951997198020111995201619842002200119981998199920011992200220121988199720021996199419812016Mutter von Octavie Delbouille1998199819751990200319961999201019822008
I NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrNamurRaymond Itterbeek aus Namur, der ehemaligen Pfadfinderführer des elfjährigen jüdischen Jungen Stephan Rosenbaum und seiner dreizehnjährigen Schwester Marianne aus Brüssel, organisierte Verstecke für die beiden Jugendlichen in einer von Eugene Cougnet geführten Pension in Bassines. Für die Eltern der Kinder, Charles und Susan Rosenbaum, fand er vorübergehend Unterschlupf bei einer älteren Frau, die ein Studentenwohnheim leitete, und versteckte sie dann bei seiner Großmutter Rosalie Cuvelier, die bereit war, das Paar und später auch die Kinder in ihrem Haus in Brüssel aufzunehmen. Itterbeek besuchte die Rosenbaums regelmäßig und versorgte sie mit Essensgutscheinen, einem falschen Personalausweis für Charles Rosenbaum und vor allem mit moralischer Unterstützung für die Kinder.1997 mini|hochkant=0.6|Jean-Baptiste Janssens
J NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrHemiksemCharel Jacobs und seine Frau Anna Jacobs versteckten das jüdische Mädchen Régine Sluszny (geb. 1939) von 1942 bis Kriegsende – insgesamt dreieinhalb Jahre lang. Charel Jacobs versorgte außerdem Yaakov Sluszny und seine Frau Yenta, die Eltern des Mädchens, und ihre zwei Brüder mit Lebensmitteln aus seinem kleinen Lebensmittelgeschäft.20101996197819811999199720152002200419981998198119751978197819811975199319982013198419992016199719911967Maria Morex, ihr Sohn Albert Morex und ihre Nichte Francine Urbain-Kapusta, die im protestantischen Gemeindehaus in Petit-Wasmes (Borinage) nahe Mons (Bergen) wohnten, versteckten – vermittelt und unterstützt von Pater Octave Juvent – die zwölfjährige Jüdin Hanny Schweizer aus Brüssel, ihre ältere Schwester Golda Schweizer und ihre Eltern Kasyl Schweizer und Rosa Schweizer. Maria und Albert Morex fanden zudem ein Versteck für Raymond Goldberg, den dreieinhalbjährigen Neffen von Rosa Schweizer, der als Einziger seiner Familie überlebt hatte.1994
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