mini|Jakob F. Dörr: Prof. Wilhelm Gottfried Ploucquet (1744–1814), (Öl auf Leinwand, 1783; Tübinger Professorengalerie) Jakob Friedrich Dörr (auch verkürzt Jakob Dörr, * 1750 in Tübingen; † 1788 ebenda)Werner Fleischhauer: Das Bildnis …, S. 58 war ein württembergischer Porträtmaler in Tübingen. Er war der Vater des Malers Christoph Friedrich Dörr.
Leben Jakob Friedrich Dörr wurde als Sohn des Knopfmachers und des späteren Bürgermeisters von Tübingen Christoph Adam Dörr und seiner zweiten Frau Juliane Friederike geb. Hagmaier, Tochter des Pfarrers von Beihingen am Neckar, im Haus Holzmarkt 5 geboren. Der einzige Tübinger Maler damaliger Zeit, der Universitätsmaler Wolfgang Dietrich Majer, starb, als Jakob noch Kind war, so dass es sich nicht mal vermuten lässt, wer seine ersten Lehrer waren. Dörr war jedenfalls später nach Düsseldorf gegangen, wo er angeblich französische und niederländische Kunst studierte.
Zurück in Tübingen wohnte er weiterhin in dem väterlichen Haus am Holzmarkt und malte Porträts u. a. der Tübinger Professoren für die Galerie der Aula. Werner Fleischhauer: Das Bildnis …, S. 59 Offiziell wurde er 1780 als Universitätsmaler in die Matrikel aufgenommen. Dies bedeutete, dass er als offizieller Universitätsmaler anerkannt wurde, brachte aber keine festen Einnahmen. Die Einnahmen brachten ihm die einzelnen Aufträge, die er jetzt bevorzugt bekam. Außerdem gab er offenbar seit dieser Zeit den Studenten Privatlektionen im Zeichnen. Silke Schöttle: „Mahler Glocker …“, S. 18/22 Dafür spricht nicht nur der Umstand, dass sich nach Dörrs Tod, 1789, der Maler und Kupferstecher Christian Friedrich Schouckard ausdrücklich auch als Zeichenlehrer auf die freigewordene Stelle des Universitätsmalers bewarb, sondern auch ein Eintrag Dörrs in einem studentischen Stammbuch. (Silke Schöttle: „Mahler Glocker …“, S. 18) Dörr fertigte nicht nur Ölgemälde, sondern auch Schattenrisse, Miniaturen und „kleinbürgerliche, mehr dekorative“ Darstellungen kleinen Formates an.
Kritik mini|Silhouette und Eintrag von Jakob Friedrich Dörr im Stammbuch eines Studenten (11. März 1783) Dörrs frühen Bildnissen, wie z. B. dem von Johann Friedrich Stockmayer, ist nichts von den Studien der französischen und niederländischen Kunst anzusehen. Sie unterscheiden sich aber deutlich von den dekorativ-eleganten, wenn auch gleichartigen Tübinger Professoren- und Honoratiorenbildern, die in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts von Majer geprägt waren. Die einfache, nüchterne Auffassung Dörrs ist unrepräsentativ, kleinbürgerlich. Nur seine Bilder für die Professoren-Galerie haben aus Bindung an Brauch und Herkommen etwas Besonders. Die aufwendige Darstellung der Kleidungsstoffe und auch die Farben werden von der Sachlichkeit bestimmt, die Einzelheiten der prallgeformten Gesichter zeigen alle Sorgfalt und eine gelegentlich trockene Gewissenhaftigkeit. Dazu gesellt sich mit den Jahren steigerndes Bemühen, über die rein objektive Wiedergabe hinaus individuelle Merkmale und Eigenheiten herauszuarbeiten. Beides bestimmt, dass Dörrs Porträts sich zur persönlichen Auffassung entwickeln, und dadurch fortschrittlicher sind, als die Porträts der Schüler von Nicolas Guibal. Seine Porträts seien gleichförmig und gleichartig, was Werner Fleischhauer als „einen Mangel an Gedanken und künstlerischer und geistiger Beweglichkeit“ interpretiert. Trotzdem hat Dörr die schlichtbürgerliche Auffassungsweise seiner Bilder durch eine bewusst individuelle, selbstbewusste Haltung und durch sein physiognomisches Interesse vor einer trivialen Sachlichkeit zu bewahren gewusst.
Berühmtere Arbeiten 1774 Philipp Gottlieb Seeger, Theologe, Altphilosoph und Autor (Zeichnung) 1776 Johann Friedrich Stockmayer [Regierungsrat] 1783 Professor Wilhelm Gottfried Plouquet (Öl auf Leinwand, 81 × 65 cm; Universität Tübingen, Professorengalerie)
Anmerkungen und Einzelnachweise
Literatur Silke Schöttle: „Mahler Glocker informirt im Zaichnen“. Spuren ersten Zeichenunterrichts im 18. Jahrhundert. In: Künstler für Studenten. Bilder der Universitätszeichenlehrer 1780–2012, hrsg. von Evamarie Blattner, Wiebke Ratzeburg, Ernst Seidl, Stadtmuseum Tübingen 2012 (= Tübinger Kataloge Nr. 94), ISBN 978-3-941818-13-2 Werner Fleischhauer: Das Bildnis in Württemberg 1760–1860. Geschichte, Künstler und Kultur, Stuttgart : Metzler 1939
Weblinks
Studion: Tübinger Professorengalerie
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Porträtmaler Kategorie:Maler des Klassizismus Kategorie:Maler (Tübingen) Kategorie:Künstler (Württemberg) Kategorie:Person (Württemberg bis 1803) Kategorie:Maler der Tübinger Professorengalerie Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1750 Kategorie:Gestorben 1788 Kategorie:Mann