Anna Schmidt (* 5. Mai 1897 in Oberkotzau; † 13. Januar 1931 ebenda) war eine deutsche 540 PfundAnsichtskarte (d. h. 270 kg) schwere Schaustellerin, die unter dem Künstlernamen „Rosa Debela“„Debela“ bedeutet in der kroatischen, serbischen und slowenischen Sprache „dick“ und „fett“. ganz Europa bereist hat und im Wiener Prater als „dicke Rosl aus München“ berühmt war.

Leben In den 1920er Jahren trat Anna Schmidt im Wiener Prater auf, wo sie als „dicke Rosl aus München“ berühmt wurde. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre tourte ihr Impresario Jakob Feigl, der als „Barnum von Wien“"Jakob Feigl, von 1897 bis 1933 Besitzer der Schaubude mit dem Titel 'Feigls Weltschau' galt als der weithin beste Rekommandeur des Praters, mit dem schmückenden und schmeichelhaften Beinamen 'der Barnum von Wien', in Anlehnung an den legendären amerikanischen Impresario, Showman, Circuskönig und Meister des Humbugs. [...] Auch 'echte Abnormitäten' wurden hier präsentiert, wie z. B. Albinos oder die 'Dicke Rosl', mit der Feigl auch Gastspielreisen unternahm." Gerhard Eberstaller: (Fast) vergessen: Varieté in Wien. In: Wiener Zeitung. 2. April 2002. bekannt war, mit ihr durch zahlreiche europäische Städte. Kurz vor ihrem frühen Tod gastierte „Rosa Debela“ noch in Griechenland und der Türkei.

Wesentliche Teile dieses Nachrufes der „Illustrierten Kronenzeitung“ wurden 1968 von Hans Pemmer, dem Gründer des Pratermuseums, und 1997 vom Wiener Historiker Marcello La Speranza in ihre einschlägigen Publikationen über Artisten, Schausteller und Kuriositätenschauen übernommen und damit gleichsam als Forschungsstand abgesegnet, obwohl weder Sterbetag, Sterbealter noch Familienname stimmen.

Der Großteil der in diesen Berichten genannten biographischen Angaben (Prater-Auftritte in den 1890er Jahren, Sterbealter und -tag, Familien- und Ortsname) ist fehlerhaft. Manche dieser Angaben entstammen jenen Marketingmaßnahmen, mit denen Schmidts Auftritte beworben wurden: Als die 32-Jährige im Winter 1929/30 in Slowenien und SerbienSiehe die kommentierte Porträtfoto-Dokumentation: 'Fat Rozika', sitting. tourte, wurde sie in der Pressearbeit teils als „dickste Frau der Welt“, teils als „das dickste Mädchen der Welt“ vorgestellt und ihr Alter mit 23 Jahren angegeben.Eine Weltsensation in Maribor. Das dickste Mädchen der Welt. In: Mariborer Zeitung vom 16. Mai 1930. Zudem wurde ihre Körpergröße mit 178 cm angeführt und lanciert, dass sie sich mit „Friedrich Zilmann aus Wien verlobt“ habe und demnächst ihre Hochzeit stattfinde.„Die dickste Frau der Welt“ heiratet. In: Mariborer Zeitung vom 24. Dezember 1929.

Der Wiener Germanist Andreas Weigel fand 2012 dank gezielter Nachforschungen amtliche Dokumente, die nachweisen, dass „Rosa Debela“ (Nomen est omen) entgegen dem langjährigen Forschungsstand kein bürgerlicher Name, sondern der Künstlername von Anna Schmidt war, die in ihrer Heimatgemeinde als die „Riesendame“Mitteilung von Doris Rödel (Evangelisch-Lutherisches Pfarramt Oberkotzau) an Andreas Weigel. 23. Mai 2012. bekannt war: „Als sie in Oberkotzau verstarb, musste ihr Leichnam durch das Fenster nach draußen gebracht werden“. In diesem Sinne hält auch der Eintrag im amtlichen Sterbebuch eigens fest: „war über 400 Pfund schwer und bereiste als Schauobjekt ganz Europa.“Sterbebuch des Evangelisch-Lutherischen Pfarramtes Oberkotzau.

Weigels Interesse an der Klärung von Anna Schmidts Lebensdaten und Identität wurde durch das Vorarlberger Künstleroriginal Max Riccabona ausgelöst, der behauptete, im Sommer 1932 den irischen Schriftsteller James Joyce in der „Löwenschwemme“ in Feldkirch kennengelernt zu haben, wo „damals“ unter anderem auch die „Dicke Rosl aus München“ Gast gewesen wäre. Weigels Recherchen nach Anna Schmidts allfälligen Aufenthalten in Vorarlberg brachten ans Licht, dass sie Ende 1928 in Bregenz war:

Anna Schmidt ist am 13. Jänner 1931 im Alter von 33 Jahren gestorben: „Auf den Tag genau zehn Jahre vor James Joyce, dem sie das wissenschaftliche Interesse an ihrer Identität und ihren Lebensdaten verdankt.“

Fotografien Ansichtskarte „Die dicke Rosl, 540 Pfund“. Fotografie: Die schwerste Frau der Welt. Rosa Schmidt (Illustration zu: Lisbeth Kaupenjohann: „Riesendame“ aus Oberkotzau. Als „dicke Rosl“ ist Anna Barbara Schmidt einst berühmt geworden. In: Frankenpost. 31. Juli 2012.) Porträt-Fotografie Dicke Rosl am 28. November 1929 in Belgrad.

Quellen Sterbebuch des Evangelisch-lutherischen Pfarramtes Oberkotzau. Auskunft des Einwohnermeldeamtes Oberkotzau (am 25. Mai 2012 an Andreas Weigel).

Literatur Die „dicke Rosl“ gestorben. In: „Illustrierte Kronen-Zeitung“. 15. Jänner 1931. Der Tod der „dicken Rosl“. In: „Illustrierte Kronen-Zeitung“. 16. Jänner 1931, S. 5. Hans Pemmer: Schaustellungen von Abnormitäten in Wien von der Mitte des 18. Jahrhunderts an. In: Wiener Geschichtsblätter. Herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Wien. Nr. 1. 1968, S. 265–270, S. 268. Max Riccabona: Epiphanien in der Löwenschwemme. James Joyce in Vorarlberg. In: Protokolle. Wiener Halbjahresschrift für Literatur, bildende Kunst und Musik (1977). Heft 1, S. 133–141, S. 138f. – Behauptet, dass die „dicke Rosl“ in der Feldkircher „Löwenschwemme“ war. Marcello La Speranza: Prater-Kaleidoskop. Eine fotohistorische Berg- und Talfahrt durch den Wiener Wurstelprater. Wien: Picus 1997, S. 58f. Gabriele Edelmann: „Zurschaustellungen von ,Abnormitäten‘ und ,Freaks‘ in Wien. Eine Untersuchung der Aufführungspraxis von Prodigien.“ (PDF-Datei; 2,06 MB) Diplomarbeit. 2009. Siehe S. 114. Abschnitt 8.2.5. Namensgebung: „… Die Wiener Kolossaldamen griffen gerne zu Kosenamen wie „Prater-Mizzi“ (Maria Zacharias) oder „Die dicke Rosl“ (Rosa Debela). …“. Andreas Weigel: Max Riccabonas erfundene Begegnung mit James Joyce. Erforderliche Korrektur einer zweifelhaften Zeitzeugenschaft. In: „miromente“. Nr. 25. September 2011, S. 34–44, S. 38f. – Dieser Beitrag enthält einen längeren Abschnitt über Max Riccabonas Beschreibung der „dicken Rosl aus München“. Andreas Weigel: Max Riccabonas James-Joyce-Münchhausiaden. Berichtigung seiner zweifelhaften Zeitzeugenschaft. In: Rheticus. Schriftenreihe der Rheticus-Gesellschaft. Nr. 55, 2012, S. 92–107, besonders S. 96–97. Dieser Beitrag enthält erstmals die amtlich verbürgten Lebensdaten der „dicken Rosl aus München“.

Weblinks Andreas Weigel: Max Riccabonas erfundene Begegnung mit James Joyce. Berichtigung seiner zweifelhaften Augen- und Zeitzeugenschaft. – Die aktualisierte und wesentlich erweiterte Web-Version des „Miromente“- und „Rheticus“-Beitrages enthält einen Abschnitt über Max Riccabonas Beschreibung der „dicken Rosl aus München“ sowie amtlich verbürgte biografische Details zu Rosa Debela. Lisbeth Kaupenjohann: „Riesendame“ aus Oberkotzau. Als „dicke Rosl“ ist Anna Barbara Schmidt einst berühmt geworden. In: Frankenpost. 31. Juli 2012. Stadt und Landkreis Hof, S. 13.

Einzelnachweise

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