Das Amt Zehdenick war eine kurfürstlich-brandenburgische, später königlich-preußische Verwaltungseinheit im heutigen Landkreis Oberhavel um die Stadt Zehdenick herum. Teile des alten Amtes gehören heute auch zum Landkreis Uckermark. Sie entstand im Spätmittelalter aus der kleinen Herrschaft Zehdenick, die 1524 in ein landesherrliches Amt (auch Schlossamt Zehdenick) umgewandelt worden war. 1551 wurde sie durch die Besitzungen des säkularisierten Klosters Zehdenick stark vergrößert (und nun auch Klosteramt Zehdenick genannt). Durch die Angliederung des Amtes Badingen 1815 erfuhr das Amt eine weitere Vergrößerung. 1872/4 wurde das Amt Zehdenick aufgelöst.

Geschichte Das Amt Zehdenick bestand um 1820 aus drei völlig verschiedenen Herrschaftskomplexen: der kleinen Herrschaft Zehdenick, dem Besitz des ehemaligen Klosters Zehdenick und dem Besitz des ehemaligen Klosters Himmelpfort (als Amt Badingen 1815 angegliedert).

Herrschaft Zehdenick Burg und Stadt Zehdenick waren im ausgehenden Mittelalter das Zentrum einer kleinen Herrschaft, deren Umfang jedoch erst 1438 fassbar wird. Sie ging aus der Vogtei Zehdenick hervor, d. h. das Gebiet, das vom Vogt der Burg Zehdenick verwaltet wurde. 1438 gab sie der Kurfürst Friedrich I. den von Arnim zu Lehen. Zur Herrschaft gehörten: Schloss Zehdenick mit Zubehör (mit den Vorstädten Damm und Hast), mit dem Eisenhammer und der Sägemühle, Einkünfte aus der Mühle zu Zehdenick und den Diensten der Dörfer Gollin, Kleinmutz, Hammelspring, Hindenburg, Storkow, Krewelin und Wesendorf. Die Dörfer selber (Ober- und Untergericht, Abgaben der Bauern, Patronat) gehörten dem Kloster Zehdenick. 1468 bestätigte Kurfürst Friedrich II. und 1473 Kurfürst Albrecht Achilles diese Belehnung. Ein erster beabsichtigter (Wieder-)Kauf der kleinen Herrschaft durch Kurfürst Joachim I. scheiterte 1503 zunächst an der mangelnden Finanzkraft des Landesherrn. Erst 1528 konnte er die Herrschaft wieder erwerben, allerdings im Tausch gegen die Herrschaft Boitzenburg. Er wandelte den neuen Besitz in ein landesherrliches Amt um, das Amt Zehdenick.

Kloster Zehdenick Das um 1250 gegründete Zisterzienserinnenkloster Kloster Zehdenick erwarb bis zur Säkularisation 1541 umfangreichen Grundbesitz, Einkünfte und Rechte in der Uckermark, Barnim, Ruppin und Havelland. Einige Besitztitel gingen schon vor der Säkularisation wieder verloren bzw. wurden wegen der großen Entfernung wieder veräußert (z. B. im Havelland). Der größte Teil der Besitzungen wurde 1551 zum Amt Zehdenick gelegt, das dadurch eine enorme Vergrößerung erfuhr. Ein kleinerer Teil der Klosterbesitzungen kam zur Herrschaft Badingen und Himmelpfort. Ein Teil der weiter entfernt liegenden ehemaligen Klosterbesitzungen wurden im 17. Jahrhundert vom Amt Zehdenick abgetrennt und anderen Ämter angeschlossen.

Amt Badingen 1815 wurde Amt Zehdenick abermals vergrößert, indem das Amt Badingen aufgelöst und dessen Rechte und Einkünfte dem Amt Zehdenick übertragen wurden.

Das Amt Zehdenick wurde 1872/4 mit der Kreisreform in Preußen aufgelöst. Die letzten Rechte wurden auf die Kreisverwaltungen übertragen.

Zugehörige Orte Da sich der Verwaltungsbereich des Amtes Badingen nach 1815 nicht mehr wesentlich veränderte, bzw. durch Verkäufe lediglich kleiner wurde, wird hier der Zustand des Amtes Zehdenick vor der Zusammenlegung der beiden Ämter dargestellt. Ackerhof (siehe Damm bzw. Dammhast) Ahrensfelde (Gem. im Landkreis Barnim). Das Kloster Zehdenick hatte hier nicht weiter spezifizierte Hebungen (Standezinsen), die an das Amt Zehdenick übergingen und noch 1590 eingefordert wurden. Altlüdersdorf (heute ein Ortsteil der Stadt Gransee) (siehe Lüdersdorf) Amtsfreiheit Kamp (1801: Amtsfreiheit)(heute in Zehdenick aufgegangen). 1590 hatte das Amtsvorwerk Acker in der Nähe des Zollhauses, genannt der „Kamp“. 1706 wurde das Areal vor und neben dem Amt, die große und kleine Amtsfreiheit, und auch der Kamp mit neuen Stellen besiedelt. Der Gemeindebezirk der Amtsfreiheit Kamp wurde erst 1900 mit Zehdenick vereinigt. Bebersee (heute ein Gemeindeteil im Ortsteil Groß Dölln, Stadt Templin). 1723 wurde eine Zaunsetzerstelle am sogenannten „Großen Wildzaun“ im Reiersdorfer Forst zum Vorwerk gemacht. 1749 wurden vier Kolonistenfamilien angesetzt. Bebersee bildete zunächst zusammen mit Groß Väter eine Gemeinde; war ab 1782 selbständige Gemeinde. Beiersdorf (Ortsteil der Gem. Beiersdorf-Freudenberg). Schon vor 1375 hatte das Kloster Zehdenick hier die Hebungen von fünf Hufen, die später an das Amt Zehdenick übergingen. Bergluch (heute Wohnplatz im Ortsteil Vogelsang der Stadt Zehdenick). 1718 wurde die Zaunsetzerstelle des Gottfried Wittkopp am Wildzaun im Zehdenicker Revier erstmals genannt. 1725 wurde die Zaunsetzerstelle in ein Vorwerk umgewandelt. 1766 verließen drei angesetzte Kolonisten das Vorwerk wieder. 1767 wurde das Vorwerk einschließlich der drei verlassenen Kolonistenhöfe in Erbpacht an Oberamtmann Lufft gegeben. Beutel. Das Dorf war bereits 1375 verlassen. Es kam 1376 von den von Barsdorf in den Besitz der Familie Glutzer, die die Feldmark 1387 zunächst auf Wiederkauf, dann 1393 endgültig an das Kloster Zehdenick verkauften. 1404 verkaufte das Kloster die Trift über die Feldmark Beutel an die Bauern von Röddelin. 1558 kam Röddelin zunächst pfandweise, dann 1577 endgültig an die von Trott in Himmelpfort und damit zur Herrschaft Badingen und Himmelpfort. Es dürfte in der kurzen Zwischenzeit von der Säkularisation des Klosters Zehdenick 1541 bis zur Verpfändung an die von Trotts 1558 vom Amt Zehdenick verwaltet worden sein. Buberow (heute ein Ortsteil der Stadt Gransee). Das Dorf war schon vor 1438 in den Besitz des Klosters Lindow gekommen. 1542 wurde der Klosterbesitz säkularisiert und die Klosterbesitzungen kamen zum Amt Lindow. Anfang 1765 wurde es nach Auflösung des Amtes Lindow in das Amt Zehlendorf (bzw. nach dessen Umbenennung in das Amt Friedrichsthal) eingegliedert, und 1819 nach Auflösung des Amtes Friedrichsthal wurde es dem Amt Alt Ruppin zugeordnet. 1846 trat das Amt Alt Ruppin den Ort an das Amt Zehdenick ab. Burgwall (heute ein Ortsteil der Stadt Zehdenick). 1790/1 wurde hier auf Betreiben des Entrepreneurs Rathmann eine Glashütte mit Steinkohlenfeuerung errichtet, die aber bereits 1797 wieder schließen musste. 1801 wohnten neben dem Erbpächter Rathmann 19 Einlieger in Burgwall. Dammhast (1801: Vorstadt Damm, auch Ackerhof genannt) (heute in Zehdenick aufgegangen). Bereits 1528 wird der Damm vor dem Schloss Zehdenick, der Zollstation war, erwähnt. Die selbständige Gemeinde Dammhast wurde erst 1900 mit Zehdenick vereinigt. 1689 ist ein Heideläufer (Unterförster) in Hast ansässig. 1801 werden Hast und Damm von Bratring noch getrennt behandelt. Densow. Das Dorf war bereits 1375 wüst. Von der Familie von Barsdorf kam es 1376 in den Besitz der Familie Glutzer, die die Feldmark 1387 zunächst auf Wiederkauf, dann 1393 endgültig an das Kloster verkauften. 1558 kam die Feldmark zunächst pfandweise, dann 1577 endgültig an die von Trott in Himmelpfort und damit zur Herrschaft Badingen und Himmelpfort. Es dürfte in der kurzen Zwischenzeit von der Säkularisation des Klosters Zehdenick 1541 bis zur Verpfändung an die von Trott's 1558 vom Amt Zehdenick verwaltet worden sein. Deutschboden (heute Wohnplatz im Ortsteil Vogelsang, Stadt Zehdenick). 1745 wird erstmals ein Unterförsterhaus in der Heide bei Storkow erwähnt. Die Stelle war seit 1721/2 besoldet, d. h. das Forsthaus könnte bereits seit dieser Zeit bestanden haben. Dusterlake (heute ein Wohnplatz im Ortsteil Grunewald, Stadt Templin). 1793 wurde im Forst Reiersdorf ein Forsthaus erbaut. Exin (heute Wohnplatz auf der Gemarkung Falkenthal, einem Ortsteil der Gem. Löwenberger Land). 1745 wurde auf dem Feld Exin eine Unterförsterei angelegt. Es ist unklar, ob das Feld Exin die Feldmark eines mittelalterlichen, wüst gefallenen Dorfes ist. Urkundliche Nachweise liegen nicht vor. Das Gebiet war 1541 im Besitz des Klosters und kam 1551 zum Amt Zehdenick. 1801 war es Sitz eines Königlichen Hegemeisters. Falkenthal (heute ein Ortsteil der Gem. Löwenberger Land). Das Dorf gehörte zum ursprünglichen Besitz des Klosters Zehdenick. Es wurde 1541 dem Amt Zehdenick zugeordnet. 1801 war es Nebenzollamt. Fischerwall (Etablissement und Zollhaus). Schon 1698 stand hier auf dem Gebiet des Amtes Alt Ruppin ein baufälliges Häuschen, 1800 auch Firscherhaus genannt. 1800 und 1817 war hier auch eine (Neben-)Zollstelle. 1846 wurde die Lokalität an das Amt Zehdenick abgegeben. Hammelspringer Försterei (heute Wohnplatz auf der Gemarkung Hammelspring, Ortsteil der Stadt Templin). 1803 wurde durch den Entrepreneur Pritzkow von Vogelsang eine Maulbeerplantage an der Brücke über das Dölln-Fließ angelegt. 1825 entstand nebenan eine Unterförsterei. Germendorf (Quadengermendorf) (heute Ortsteil der Stadt Oranienburg). Der Ort gehörte bis 1448 zur Burg bzw. Schloss Bötzow, dem späteren Oranienburg. Er muss also vor 1450 an das Kloster Zehdenick gekommen sein. Germendorf kam 1541 zunächst an das Amt Zehdenick; 1652 wurde es dem Amt Oranienburg zugeordnet. Görlsdorf (ab ca. 1400 wüste Feldmark, heute zu Hammelspring und Röddelin gehörend). Der Große Lankesee und der Kuhwallsee gehörten seit 1309 dem Kloster. 1375 war das Dorf noch bewohnt. Vermutlich wurde es um 1400 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die Feldmark des Dorfes muss wohl nach 1500 an das Kloster Zehdenick gekommen sein, denn 1560 erhielt das Amt Zehdenick Abgaben von den Bauern von Hammelspring. Noch 1590 ist die Feldmark von Görlsdorf ein Teil der sog. Zehdenicker Klosterheide. Gollin (heute Ortsteil der Stadt Templin). Seit 1576 existierte in Gollin eine kurfürstliche Heidereiterei (Oberförsterei). Möglicherweise hatte das Amt auch sechs gr. Hufenzins und das Rauchhuhn der 36 (oder 44 Hufen) von Gollin. 1704/06 wurde die Heidereiterei nach Reiersdorf verlegt und das Grundstück mit dem Gebäude an die von Holzendorf, die Besitzer des Dorfes Gollin verkauft. Groß Dölln (heute ein Ortsteil der Stadt Templin). 1560 wurde der Dellensche Teich erwähnt, der dem Amt Zehdenick gehörte. 1725 wurde hier eine Glashütte errichtet, dazu zwei kleine Wohnhäuser für die Arbeiter in der Glashütte. Großenhof. Die Kolonie und das Vorwerk Großenhof wurde vor 1800 angelegt. Großenhof war bis 1858 ein selbständiges Etablissement und wurde damals an Dammhast angeschlossen. Dammhast war bis 1900 eine eigenständige Gemeinde und wurde erst in diesem Jahr in Zehdenick eingegliedert. Großmutz (Ortsteil der Gem. Löwenberger Land). Das Dorf kam 1323 in den Besitz des Klosters Zehdenick. 1551 kam es zum Amt Zehdenick. 1671 wurde es vom Amt Zehdenick in das Amt Oranienburg umgegliedert. Groß Väter (heute Gemeindeteil von Groß Dölln, einem Ortsteil der Stadt Templin). 1723 wurde aus einer Zaunsetzerstelle am sog. „Großen Wildzaun“ im Reiersdorfer Forst ein Vorwerk eingerichtet. 1749 wurden dann fünf Kolonistenfamilien angesetzt. Groß Väter und Bebersee bildeten zunächst eine Gemeinde. 1782 wurde Groß Väter eine eigenständige Gemeinde. Großwoltersdorf (Gemeinde im Landkreis Oberhavel). Das Dorf gehörte bis 1502 dem Kloster Lindow. Vor 1525 war es dann an das Kloster Zehdenick gegangen und gelangte dann 1551 an das Amt Zehdenick. Grunewald (heute ein Ortsteil der Stadt Templin). 1727 wurde hier eine Zaunsetzerstelle am sog. „Großen Wildzaun“ in ein Vorwerk umgewandelt. 1751 wurden zehn Kolonistenfamilien aus Mecklenburg angesetzt. Gutengermendorf. Der Ort gehörte schon zum Hausbesitz der Grafen von Lindow, die im Ort aber nur die Gerichtsbarkeit hatten. Grundherr war das Kloster Zehdenick, dem Dienste und Pächte zustanden. 1664 kam der Ort zunächst pfandweise, später erblich an die Herrschaft Liebenberg.