mini|The Art of Video Games feierte 2012 Premiere im Smithsonian American Art Museum.
The Art of Video Games ist eine Ausstellung des Smithsonian American Art Museum vom 16. März 2012 bis 30. September 2012 in Washington, D.C. Ziel der Ausstellung ist es, die Evolution der Kunst von Computerspielen im Laufe ihrer mittlerweile vierzigjährigen Geschichte herauszustellen. Im Anschluss an die Ausstellung im Smithsonian American Art Museum wird die Ausstellung an zehn weiteren Ausstellungsorte innerhalb der USA zu sehen sein. Kurator der Ausstellung ist Chris Melissinos, ehemaliger Chief Evangelist und Chief Gaming Officer für Sun Microsystems.
Konzeption und Ausstellungsziel
The Art of Video Games ist das Ergebnis der Bemühungen des Smithsonian American Art Museum, Anschluss im Bereich der Modernen Medien zu finden. Im Rahmen der Konferenz Smithsonian 2.0, die sich mit der Zukunft des Smithsonian American Art Museum im digitalen Zeitalter beschäftigte, kam der Kontakt zu Chris Melissinos zustande, der die Rolle des Kurators der Ausstellung übernahm. Es ist eine der ersten Ausstellungen mit dem Ziel, die vierzigjährige Evolution der Computerspiele als ein künstlerisches Medium zu erkunden, und die erste Computerspiel-bezogene Ausstellung eines landesweit bedeutenden US-Museums. Der Fokus liegt auf herausragenden visuellen Effekten und dem kreativen Einsatz neuer Technologien. Der Ausstellung geht es nicht um den Nachweis, dass Computerspiele das Produkt eines Zusammenspiels kunstfertiger Disziplinen wie Schreiben oder Zeichnen sind, sondern dass sie Einflüsse aus all diesen Bereichen zu einer neuen Kunstform verbinden:
mini|Ausstellungsort in der National Portrait Gallery Laut Kurator Melissinos besteht die Einzigartigkeit der Computerspiel-Kunst darin, dass sie insgesamt drei Ebenen besitzt:
Die Sicht des Erschaffers, der ein kreatives Ziel verfolgt. Das eigentliche Spiel, bestehend aus Spielmechanik und der Präsentation. Die persönliche Erfahrung des Spielers, als Resultat der Interaktion mit dem Spiel und der persönlichen Rezeption.
Das Zusammenkommen von Künstler, Spiel und Spieler erhebe das Softwareprodukt über den Status eines simplen Spiels. In diesem Zusammenhang sei auch nicht so sehr der technische Fortschritt bedeutend, sondern vielmehr die Kernmechaniken, die im Lauf der Spielegeschichte gleich geblieben seien.
Mit einer Zusammenstellung herausragender Computer- und Videospiele aller Plattformen, vom Atari VCS bis zur 7. Konsolengeneration, soll das Zusammenspiel von Grafik, Technologie und Erzählung dargelegt werden. Die Ausstellung unterteilt die Spielegeschichte dabei in fünf Technologiezeitalter (englisch: „Era“) und präsentiert mit Hilfe der Spiele die Arbeiten einiger der einflussreichsten Künstler und Designer, von den frühen Anfängen bis in die zeitgenössische Zeit hinein. Die Ausstellung wurde von zahlreichen US-amerikanischen Spieledesignern und Spielejournalisten beratend unterstützt, darunter Louis Castle, Steve Meretzky, Ray Muzyka, Greg Zeschuk, David Perry und Tim Schafer.PastPixels: (englisch), zuletzt abgerufen am 30. Mai 2012. Der größte Teil der ausgestellten Originalhardware sind Leihgaben Melissinos' und auch die in der Ausstellung verwendeten Screenshots der Referenzspiele wurden von Melissinos selbst angefertigt.
Das Smithsonian American Art Museum lud alle Interessierten dazu ein, bei der Auswahl der Spiele für die Ausstellung mitzuwirken.Smithsonian American Art Museum: , The Art of Video Games (abgerufen am 5. Juni 2012). Kurator Chris Melissinos trug zusammen mit seinem Beraterteam eine Auswahl von 240 Spiele zusammen. Alle Titel wurden mit Blick auf die Ausstellungsziele ausgewählt und dabei erst nach Plattform und innerhalb der Plattform schließlich noch nach Genre bzw. Spielkonzept unterschieden. Für jede Plattform und jedes Genre wurde die gleiche Zahl an Kandidaten präsentiert, woraus sich 80 Themengruppen mit jeweils drei Kandidaten ergaben. Ziel dieser Auswahl war es dagegen nicht, eine Liste der besten Spiele aller Zeiten aufzustellen. Im Zeitraum vom 14. Februar bis zum 17. April 2011 stellte das Museum diese Auswahl online zur freien Abstimmung. Jeder Teilnehmer konnte für jede der 80 Gruppen jeweils seinen Favoriten festlegen, das Spiel mit den meisten Stimmen wurde dann in die Ausstellung aufgenommen. Die Abstimmung stieß auf großes Interesse und führte unmittelbar nach Freischaltung der Webseite zum Zusammenbruch der Server. Insgesamt nahmen 119.000 Personen aus 175 Ländern an der Abstimmung teil.
Nach drei Jahren Vorbereitungszeit eröffnete die Ausstellung am 16. März 2012. Die Eröffnung wurde durch eine dreitägige Festveranstaltung, das sogenannte GameFest!, begleitet, unter anderem mit einer Keynote von Nolan Bushnell und einer Gesprächsrunde mit Hideo Kojima. Für weitere Podiumsdiskussionen und Vorträge konnten die Spieleentwickler Don Daglow, Robert J. Mical, Mike Mika, Rand Miller, Keith Robinson, Paul Barnett, Mark DeLoura, Ken Levine, Kellee Santiago und Robin Hunicke gewonnen werden. Weiterhin gab es Vorführungen des eng mit dem Thema Computerspiele verknüpften Films Tron und der Dokumentation The King of Kong: A Fistful of Quarters, die einen Wettstreit zweier Donkey-Kong-Spieler um die höchste Punktzahl und den damit verbundenen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde illustriert.Smithsonian American Art Museum: , The Art of Video Games (abgerufen am 5. Juni 2012).
Aufbau
mini|Eingangsbereich der Ausstellung (National Portrait Gallery)
Im Eingangsbereich werden Besucher von einer 3,5 Meter hohen Projektion begrüßt, die Motive nahezu aller 80 ausgestellten Spiele beinhaltet. Sie ist mit einem Chiptune-Soundtrack unterlegt, der von 8 Bit Weapon und ComputeHer komponiert und aufgenommen wurde.
Die Ausstellung unterteilt sich in drei Bereiche. Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit den Menschen hinter den Spielen. Gezeigt werden unter anderem eine Reihe von Konzeptzeichnungen, Skulpturen, Booklets und 3D-Modelle. Daneben beschäftigen sich fünf Themenvideos mit Fragen zu den Anfängen der Videospiele, Inspirationsquellen für Designer, der Rolle der Erzählung, besonderen Spielerfahrungen und den Zukunftsaussichten. Die Videos setzen sich unter anderem aus Spielszenen zusammen und sind unterlegt mit Ton- und Bildausschnitten aus Interviews mit insgesamt 20 einflussreichen Designern und Entwicklern der Computerspiele-Geschichte. Diese Videos sind auch auf der Webseite des Museums abrufbar.Smithsonian American Art Museum: , The Art of Video Games (abgerufen am 5. Juni 2012).
Interviewliste:
Nolan Bushnell David Cage Steve Cartwright Jenova Chen Don Daglow Noah Falstein Ed Fries Ron Gilbert Robin Hunicke Henry Jenkins Jennifer MacLean Robert J. Mical Mike Mika David Perry Jane Pinckard Kellee Santiago Tim Schafer Jesse Schell Warren Spector Tommy Tallarico
Eine Installation mit der Bezeichnung „Gamer Faces“ zeigt in Echtzeit die Gesichtsausdrücke und Körpersprache der Besucher, die zu diesem Zeitpunkt in den anderen Räumen mit den Spielen interagieren. Die gespielten Spielen sind dabei nicht sichtbar, der Fokus liegt auf den Reaktionen der Spieler auf das Spiel.
Der zweite Teil der Ausstellung präsentiert fünf direkt vor Ort anspielbare Titel, jeweils einer pro Zeitalter: Pac-Man, Super Mario Bros., The Secret of Monkey Island, Myst und Flower. Sie demonstrieren, wie Spieler mit den virtuellen Welten interagieren und heben die innovativen Techniken hervor, die zum Maßstab für nachfolgende Spiele wurden. Die Spiele wurden von Kurator Chris Melissinos ausgewählt und stehen stellvertretend für Spiele, die ihrerzeit die Sicht auf Videospiele nachhaltig verändert haben und von großer Bedeutung für die Entwicklung der Spielebranche waren, weil sie Spieler wie Designer zum Umdenken zwangen. Eine fünfteilige Installation, die die Fortschritte im Bereich der Kernmechaniken wiedergibt, demonstriert die erhebliche Weiterentwicklung der Computerspiele seit ihrer Entstehung in den 1970ern durch Elemente wie Avatare, das Springen in Spielen, Rennen, Klettern, Fliegen, die Verwendung von Zwischensequenzen und die Darstellung von Landschaften.Smithsonian American Art Museum: , The Art of Video Games (abgerufen am 5. Juni 2012).
Der dritte Teil der Ausstellung handelt von der Entwicklung der Computerspiele anhand der ausgewählten Titel. Auch die Entwicklung der Hardware wird dabei beleuchtet. Interaktive Informationsstände decken 20 Spielesystemen aus allen fünf Technologiezeitaltern ab, vom Atari VCS / Atari 2600 bis zur PlayStation 3. Jeder Informationsstand behandelt vier Titel, jeweils einen aus den Genres „Action“ (Spiele um Geschicklichkeit & Reaktionsvermögen), „Target“, „Adventure“ (erzählende Spiele) und „Tactics“ (Strategietitel). Hier erhält der Besucher Informationen in Form von Kommentierungen, Spieldialogen und Musikwiedergabe. Innerhalb von 60 bis 90 Sekunden werden darin die Bedeutung und der künstlerische Aspekt des Spiels erklärt.
Ausgestellte Spiele
mini|Ausstellungsbesucher während des Eröffnungswochenendes im Smithsonian American Art Museum
Die folgende Liste enthält sämtliche Spiele, die Melissinos und das Expertengremium als mögliche Ausstellungsobjekte für die Ausstellung zusammengestellt haben. Die Gewinner der öffentlichen Abstimmung sind hervorgehoben. Zusätzlich bietet die Ausstellung dem Besucher die Möglichkeit, fünf Spiele vor Ort anzuspielen. Dabei handelt es sich um die Titel Pac-Man, Super Mario Bros., The Secret of Monkey Island, Myst und Flower.Smithsonian American Art Museum: , The Art of Video Games (abgerufen am 5. Juni 2012).
Era 1: Start! (1970er – 1983)
Plattform Genre Titel Jahr Atari VCS Target Space Invaders 1980 Missile Command 1981 Yars’ Revenge 1981 Adventure Adventure 1980 Pitfall! 1982 E.T. the Extra-Terrestrial 1982 Action Tunnel Runner 1983 Haunted House 1981 Pac-Man 1981 Tactics Combat 1977 Star Raiders 1979 Video Chess 1979 Colecovision Target Carnival 1982 Zaxxon 1982 Buck Rodgers: Planet of Doom 1982 Adventure Alcazar: The Forgotten Fortress 1985 Gateway to Apshai 1983 Pitfall II: Lost Caverns 1984 Action Donkey Kong 1982 Jungle Hunt 1983 Smurf: Rescue in Gargamel's Castle 1982 Tactics Evolution 1982 Star Trek: Strategic Operations Simulator 1983 Artillery Duel 1983 Intellivision Target Demon Attack 1982 Star Strike 1981 Space Battle 1979 Adventure Advanced Dungeons & Dragons: Cloudy Mountain 1982 Swords and Serpents 1982 Thunder Castle 1986 Action Microsurgeon 1982 Tron: Maze-atron 1982 Masters of the Universe: The Power of He-Man 1983 Tactics Armor Battle 1977 B-17 Bomber 1982 Utopia 1981
Era 2: 8-bit (1983–1989)
Plattform Genre Titel Jahr Commodore 64 Target Attack of the Mutant Camels 1983 Paradroid 1985 Raid on Bungeling Bay 1984 Adventure Wasteland 1988 The Bard’s Tale III: Thief of Fate 1988 Zak McKracken and the Alien Mindbenders 1988 Action Impossible Mission 1984 Boulder Dash 1984 Jumpman 1983 Tactics M.U.L.E. 1983 Little Computer People 1985 Sid Meier's Pirates! 1987 Nintendo EntertainmentSystem Target 1943: The Battle of Midway 1988 Top Gun 1987 Salamander 1987 Adventure Final Fantasy 1987 The Legend of Zelda 1986 Shadowgate 1987 Action Mega Man 2 1988 Super Mario Bros. 3 1988 Metroid 1986 Tactics Archon: The Light and the Dark 1983 Desert Commander 1989 North & South 1989 Sega Master System Target Fantasy Zone 1986 After Burner 1988 Missile Defense 3D 1987 Adventure Phantasy Star 1987 Heroes of the Lance 1988 Ultima IV: Quest of the Avatar 1985 Action Shinobi 1988 Land of Illusion starring Mickey Mouse 1992 Marble Madness 1986 Tactics Gain Ground 1990 Spy vs Spy 1984 Rampart 1991
Era 3: Bit Wars! (1989–1994)