mini|Bernd Lucke (2017) rahmenlos|klasse=skin-invert-image notpageimage|Unterschrift Bernd Lucke (* 19. August 1962 in West-Berlin) ist ein deutscher Ökonom und Politiker (Wir Bürger, zuvor CDU, AfD). Er ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg.

Im Februar 2013 war Lucke maßgeblicher Mitbegründer und zugleich Bundessprecher der Alternative für Deutschland (AfD), für die er im Mai 2014 als Spitzenkandidat in das Europäische Parlament einzog. Nach seiner Abwahl als Bundessprecher im Juli 2015 trat er aus der AfD aus und gründete die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA) mit, die sich zunächst in Liberal-Konservative Reformer (LKR) und schließlich in Wir Bürger umbenannte und deren Bundesvorsitzender er bis Juni 2016 sowie von November 2018 bis September 2019 war. Im Mai 2019 scheiterte Lucke als Spitzenkandidat der Partei für das Europäische Parlament und schied damit als Abgeordneter aus.Europawahl 2019: Vorläufiges amtliches Ergebnis. Der Bundeswahlleiter. (Pressemitteilung Nr. 35/19 vom 27. Mai 2019).

Leben Lucke wurde 1962 als Sohn eines Bauingenieurs und einer Schulrektorin in West-Berlin geboren. 1969 zog die Familie nach Neuss und später nach Haan in Nordrhein-Westfalen. Nach dem Abitur 1981 am Städtischen Gymnasium Haan , Städtisches Gymnasium Haan, abgerufen am 30. Juli 2014. leistete er als Querflötist seinen Wehrdienst beim Stabsmusikkorps der Bundeswehr in Siegburg ab. Im Anschluss studierte Lucke 1982 bis 1984 als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes Volkswirtschaftslehre, Philosophie und Neuere Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Nach einem einjährigen DAAD-Stipendium im Graduiertenprogramm des Departments für Wirtschaftswissenschaften der Universität von Kalifornien in Berkeley kehrte er 1985 nach Bonn zurück und schloss sein Studium 1987 als Diplom-Volkswirt ab. Er war anschließend bis 1988 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Agrarpolitik, Marktforschung und Wirtschaftssoziologie der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn. Parallel begann er ein Studium der Mathematik an der Fernuniversität in Hagen.

1988 bis 1990 war Lucke Stipendiat der Volkswagenstiftung am Graduiertenkolleg Angewandte Mikroökonomik des Forschungsbereichs Wirtschaftswissenschaft der Freien Universität Berlin und anschließend 1990 Wissenschaftlicher Referent beim Sachverständigenrat zur Einführung der Sozialen Marktwirtschaft in der DDR. 1991 wurde er bei Jürgen WoltersPhilip Faigle: Der falsche Ökonom. In: Die Zeit, 23. Mai 2014. am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Freien Universität Berlin mit der Dissertation Price Stabilization on World Agricultural Markets: An Application to the World Market for Sugar mit der Note „summa cum laude“ zum Dr. rer. pol. promoviert. 1991 bis 1992 war er Leitungsreferent beim Senator für Finanzen des Landes Berlin Elmar Pieroth (CDU).

1992 bis 1998 war Lucke als Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Statistik und Ökonometrie des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft der Freien Universität Berlin tätig. 1997 erfolgte mit der Arbeit Beiträge zur Theorie und Empirie realer Konjunkturzyklen, die ebenfalls von Wolters betreut wurde, die Habilitation (Venia legendi) in Volkswirtschaftslehre und Ökonometrie. Zwischen 1995 und 1996 war er im Erziehungsurlaub. Lucke leitete 1997 bis 2000 das von der DFG geförderte Forschungsprojekt Ein konsistentes makroökonometrisches Gleichgewichtsmodell. Im Sommersemester 1998 hatte er eine Gastprofessur an der Humboldt-Universität zu Berlin als Vertretung des Fachs Wirtschaftspolitik inne. Seit 1998 ist er als Nachfolger Uwe Westphals Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Wachstum und Konjunktur an der dortigen Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Aufgrund seiner politischen Verpflichtungen als Abgeordneter des Europäischen Parlaments war er ab 2014 beurlaubt und nahm seine Professur zum Wintersemester 2019/2020 wieder auf.AfD-Gründer: Lucke lehrt wieder an der Uni Hamburg, abgerufen am 30. Juni 2019 auf spiegel.de.

2000 und 2001 war Lucke Leiter des durch das FEMISE geförderten Forschungsprojekts Fiscal Impact of Trade Liberalisation – The Case of Jordan and Syria. Nach einem erneuten einjährigen Erziehungsurlaub leitete er zwischen 2002 und 2007 das DFG geförderte Forschungsprojekt Wachstum und Wirtschaftsintegration im Nahen Osten. 2003 bis 2005 war er Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes. Im selben Jahr lehnte er einen Ruf an die Technische Universität Berlin ab. 2003 bis 2004 war er Leiter des FEMISE-geförderten Forschungsprojekts Regional Integration and Resource Use in the Middle East: Oil, Water, and the Need for Peace. 2004 war er in der Funktion eines World Bank Consultant (Trade Liberalization in Syria) und 2006 bis 2007 Leiter des FEMISE-geförderten Forschungsprojekts Assessing the Macroeconomic Effects of the Barcelona Initiative's Liberalization Process. Lucke bekleidete Gastprofessuren an der Universität von British Columbia in Vancouver in Kanada (2007/08), der Indiana-Universität in Bloomington in den USA (2011/12) und bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris (2012/13). Er veröffentlichte Aufsätze in wissenschaftlichen Fachzeitschriften wie European Economic Review, NBER Macroeconomics Annual und Economics Letters.

Lucke ist verheiratet und hat mit seiner Frau fünf Kinder. Die Familie lebt in Winsen (Luhe) (Niedersachsen) und hat einen Zweitwohnsitz in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern), wo seine Frau arbeitet. Lucke ist Mitglied der Evangelisch-reformierten Kirche in Hamburg. Er wandte sich in einer Publikation gegen das „Bekenntnis des Glaubens im Angesicht von wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und ökologischer Zerstörung“, das der Reformierte Weltbund 2004 auf seiner Generalversammlung in Accra (Ghana) verabschiedete.Bernd Lucke: Was der Reformierte Weltbund auch hätte beschließen können. Evangelisch-reformierte Kirche Hamburg, 2004. Er behauptete darin, dass die Liberalisierung der Wirtschaftsordnung in Staaten wie Japan, Südkorea, Australien, China und Indien zu hohem Wohlstand geführt habe, sogar in Japan, wo diese nur unfreiwillig und unter militärischem Druck der USA begonnen habe. In seiner Kirchengemeinde leitete er jahrelang den Kindergottesdienst.. International Business Times, 11. März 2014.Bernd Lucke. Der Mann für die Weltformel, zeit.de vom 9. Mai 2014. Lucke besitzt nach eigenen Aussagen kein Auto und keinen Fernseher.Hendrik Ankenbrand: Bernd Lucke: Der Protestant, faz.net, 14. Dezember 2013.

Wirtschaftswissenschaftliches Werk Lucke veröffentlichte 1994/95 ein Diskussionspapier, das bis dahin die einzige wirtschaftswissenschaftliche Analyse zur Privatisierungspolitik der Treuhandanstalt war.Bernd Lucke: . (1994/95, pdf, 33 S.; 176 kB). Seine Untersuchungen ergaben, dass durch bestimmte Kaufpreisabschläge das Investitionsvolumen steigen konnte und die Arbeitsplatzzusagen höher ausfielen. Wenngleich ein Wirtschaftswachstum verzeichnet wurde, seien die Maßnahmen für den Staat aus haushaltspolitischer Sicht zu teuer gewesen.Karl-Heinz Paqué: Auf dem Weg zur Wettbewerbsfähigkeit. In: Otto Depenheuer, Karl-Heinz Paqué (Hrsg.): Einheit – Eigentum – Effizienz. Bilanz der Treuhandanstalt. Gedächtnisschrift zum 20. Todestag von Dr. Detlev Karsten Rohwedder (= Bibliothek des Eigentums, Band 9). Springer, Berlin 2012, ISBN 978-3-642-33113-8, S. 61.

Der Finanzwissenschaftler Burkhard Heer, Lehrstuhlinhaber an der Universität Augsburg, verfasste 1999 einen Kommentar zu Luckes Konjunktur-Forschung (Modelle der Theorie realer Konjunkturzyklen mit endogenem Wachstum). Darin stellt er dessen „innovative Ergebnisse“ heraus: „1. Konjunkturmodelle mit endogenem Wachstum generieren per se keine Persistenz in der Wachstumsrate des Outputs“ und „2. Eine hinreichende Bedingung um Outputpersistenz in RBC-Modellen zu generieren, ist die Annahme, dass der exogene Schock die endogene Zukunftsvariable drifft“.Burkhard Heer: Neue Wachstumstheorie und Theorie realer Konjunkturzyklen, Kommentar zu Bernd Lucke. In: Wolfgang Franz, Helmut Hesse, Hans Jürgen Ramser, Manfred Stadtler: Trend und Zyklus. Zyklisches Wachstum aus der Sicht moderner Konjunktur- und Wachstumstheorie (= Wirtschaftswissenschaftliches Seminar Ottobeuren, Band 28). Mohr Siebeck, Tübingen 1999, ISBN 3-16-147247-0, S. 71–76.

Der Social Sciences Citation Index (SSCI) führt ihn laut Die Welt 2014 mit zwanzig Artikeln.Martin Greive, Anne Kunz: Als Professor macht Bernd Lucke nicht viel her. In: Die Welt, 22. September 2014. Lucke wurde im Ökonomen-Ranking „Top-250 Forscher Lebenswerk“ der KOF Konjunkturforschungsstelle nach Maßgabe des Handelsblatts auf dem 176. (2010) bzw. dem 148. Platz (2011) gelistet., Handelsblatt-Ranking Volkswirtschaftslehre, abgerufen am 30. März 2014. 2013 erreichte er Platz 240 in der Rangliste der 317 „Top-Forscher“ unter den VWL-Professoren aus dem deutschsprachigen Raum. Diese Rankings basieren auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Ökonomen in Fachzeitschriften und deren Rezeption seit Karrierebeginn.

Lucke gilt laut Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer als neoliberal ausgerichteter Wirtschaftswissenschaftler.Oskar Niedermayer: Eine neue Konkurrentin im Parteiensystem? Die Alternative für Deutschland. In: ders. (Hrsg.): Die Parteien nach der Bundestagswahl 2013. Springer, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-02852-7. S. 175–207, hier: S. 178. Rüdiger Bachmann meinte 2014 „Seine Forschung ist zeitgemäß, allerdings nicht sehr bedeutsam oder herausragend – große Bretter hat er nicht gebohrt: Bis auf einen Artikel halten sich seine Zitationszahlen in Grenzen. Lucke ist mehr ein Rezipient von ökonomischer Forschung als ein Produzent.“ Harald Uhlig ergänzte im gleichen Artikel, dass „man […] heutzutage wohl etwas mehr erwarten [würde], um eine Professur an einer guten Universität zu bekommen, aber die Zeiten waren damals anders“. Luckes Berufung sei darauf zurückzuführen, dass dieser „einer der wenigen in Deutschland [war], die sich um moderne, stochastisch-dynamische Gleichgewichtstheorie in der Makroökonomie kümmerte und zudem etwas von Zeitreihenökonometrie verstand“.

Politisches Wirken Hamburger Appell Lucke war mit Michael Funke und Thomas Straubhaar einer der drei Hauptinitiatoren des kurz vor der Bundestagswahl 2005 von 243 Wirtschaftswissenschaftlern unterzeichneten Hamburger Appells für wirtschaftliche Reformen in Deutschland. Darin wurde die Senkung der Arbeitskosten als Schlüssel zur Überwindung der deutschen Wachstumsschwäche bezeichnet und ein Wechsel der Sozialpolitik von Lohnersatzleistungen zu Lohnzuschüssen gefordert. Finanzpolitische Eingriffe zur Erhöhung der Nachfrage wurden als Störung der Struktur der Gesamtnachfrage abgelehnt. Kritisiert wurde der Aufruf von eher gewerkschaftsnahen Ökonomen wie Gustav Horn.Dietmar Neuerer: . In: Handelsblatt online, 19. April 2013.

Plenum der Ökonomen Lucke veröffentlichte im Oktober 2010 unter dem Eindruck der weltweiten Finanzkrise ab 2007 einen „Gründungsaufruf an alle deutschen Hochschullehrer für Volkswirtschaftslehre“. Darin rief er auf zur

Insgesamt 328 VWL-Professoren unterzeichneten den Aufruf (Stand Juni 2011) und wurden damit Plenumsmitglied; Lucke ist seit dessen Gründung Geschäftsführer des Plenums der Ökonomen. Das Plenum sprach sich im Februar 2012 mit sehr großer Mehrheit gegen eine Verlängerung des Euro-Rettungsschirms aus. Aufgrund von Luckes politischen Aktivitäten für die AfD sagten sich 2014 einige Ökonomen wie Hans-Werner Sinn und Justus Haucap von der Initiative los.Dietmar Neuerer: In: Handelsblatt online, 6. Mai 2014. Die Netzseite des Plenums ist inaktiv, der letzte Eintrag stammt aus dem September 2013.Plenum der Ökonomen: Abschluss der Debatte zur Energiepolitik.