Die Känguru-Chroniken sind fünf Textsammlungen des deutschen Autors, Liedermachers und Kabarettisten Marc-Uwe Kling. Der Begriff steht pars pro toto für alle fünf bisher erschienenen Sammlungen, obwohl tatsächlich nur der erste Band Känguru-Chroniken heißt. Der Verlag vermarktet alle Bände hingegen unter dem Titel Känguru-Werke. Erste Texte wurden zunächst ab 2008 im wöchentlichen Podcast Neues vom Känguru beim Berliner Radio Fritz gesendet. 2009 erschien eine erste Auswahl in Buchform unter dem Titel Die Känguru-Chroniken: Ansichten eines vorlauten Beuteltiers im Berliner Ullstein Verlag. 2011 folgte der zweite Band Das Känguru-Manifest, der dritte (damals offiziell letzte) Band Die Känguru-Offenbarung folgte 2014. Im Herbst 2018 erschien der vierte Band Die Känguru-Apokryphen. Im Frühling 2026 erschien als bislang letzter Band Die Känguru-Rebellion. Alle fünf Bände wurden auch als Hörbücher im Verlag Hörbuch Hamburg publiziert. Die Bände der Känguru-Chroniken zählen zu den größten Erfolgen der Gegenwartsliteratur im Taschenbuch- und vor allem Hörbuch-Bereich in Deutschland und halten sich seit Jahren in den oberen Rängen entsprechender Bestsellerlisten. Die ersten drei Bände hatten sich Anfang 2018 in gedruckter Form über 2,5 Millionen Mal verkauft, bis Herbst 2018 wurden außerdem mindestens 1,7 Millionen Känguru-Hörbücher abgesetzt, Ende 2019 wurde bekanntgegeben, dass sich allein das erste Hörbuch über 1 Million Mal verkauft hatte. Anfang 2020 begann der Hörfunksender Fritz damit, die Ur-Folgen der Känguru-Chroniken als „Neues vom Känguru reloaded“ als Podcast und auf dem gleichnamigen Youtube-Kanal zu veröffentlichen. Eine stilistische Besonderheit ist, dass die Bücher nicht im Präteritum, sondern im Präsens verfasst sind.
Inhalt Die Känguru-Chroniken (2009) Zu Beginn der Handlung steht ein Känguru vor der Tür des Ich-Erzählers und möchte sich ein paar Eier ausborgen, weil es Eierkuchen machen möchte. Der ist verblüfft über die Begegnung mit dem sprechenden Tier, leiht ihm aber die Eier. Kurz darauf klingelt das Känguru erneut, weil ihm noch Salz, Milch und Mehl fehlen, Öl und auch eine Pfanne, um dann erneut vor der Tür zu stehen und resigniert zu sagen: „Kein Herd!“. Der Ich-Erzähler bittet das Känguru in seine Küche, und kurze Zeit später zieht das Tier, ihn mehr überrumpelnd als nach seiner Zustimmung fragend, in das bisherige Wohnzimmer des Autors ein. Die beiden bilden fortan eine Wohngemeinschaft. Das Känguru geht keiner geregelten Arbeit nach und antwortet auf die Frage nach seinem Beruf lediglich: „Ich bin Kommunist! Was dagegen?“ Deshalb muss der Ich-Erzähler, ein Kleinkünstler, für den Lebensunterhalt des Kängurus aufkommen.
Die Chroniken bestehen im Wesentlichen aus den Gesprächen und Erlebnissen der beiden Protagonisten. Sie werden in kurzen, in sich abgeschlossenen Kapiteln mit viel wörtlicher Rede erzählt, wobei die Kapitel immer wieder aneinander anknüpfen und aufeinander aufbauen. So zieht der Erzähler beispielsweise einmal ein Buch aus einer Stoppersocke. In einem vorangegangenen Kapitel wird erwähnt, dass die Bücher nicht mehr vom schiefen Regalbrett rutschen, weil sie nun in Stoppersocken stecken. Solche verbindenden Elemente, in denen vergangene Pointen, ähnlich einem Running Gag, erneut zitiert werden, und die zum Verständnis die Kenntnis des bisherigen Geschehens erfordern, tauchen immer wieder auf.
In den einzelnen Kapiteln entsteht wie in einem Mosaik ein Bild dieser ungewöhnlichen Wohngemeinschaft. Die Gesprächsthemen der beiden reichen von Medien- und Sprachkritik bis zu Problemen von Staat und Kapitalismus sowie Glaubensfragen; von der zeitgenössischen Protestkultur zu Karl Marx, Bertolt Brecht, der RAF und dem Vietcong, d. h. es geht um „Gott und die Welt“. Gegen Ende des Buches zieht in der Wohnung gegenüber der WG ein Pinguin ein. Dieser stellt sich als Vertreter für Tiefkühlkost vor und zieht sofort das Misstrauen des Kängurus auf sich („Irgendetwas ist verdammt fischig an diesem falschen Vogel“).
Ort der Handlung ist Berlin und gelegentlich das Berliner Umland. Gelegentlich werden Kreuzberg und Orte wie die U-Bahn-Station Kottbusser Tor als Handlungsorte erwähnt.
Das Känguru-Manifest (2011) Der zweite Band knüpft an die Geschehnisse am Ende des ersten Bandes an. Der Leser erfährt von einem fiktiven „Ministerium für Produktivität“, das mit seiner „Initiative für mehr Arbeit“ gegen Arbeitslosigkeit vorgehen will. Derweil bildet sich zwischen dem Känguru und dem Pinguin eine Rivalität heraus. Das Känguru hängt z. B. seinen Boxsack so, dass er bei Benutzung gegen die Wand des Pinguins stößt, der Pinguin stellt im Gegenzug mehrere Wecker an die Wand zum Känguru, um es zu stören. Der Lektor des Ich-Erzählers bringt das Känguru auf die Idee, dass der Pinguin sein Antagonist sei, der einen „kapitalistischen Weltverschlechterungsplan“ durchführen wolle. Die beiden Protagonisten lernen auf einer Preisverleihung – Die Känguru-Chroniken wurden für einen Preis in der Kategorie „Buch mit sprechendem Tier“ nominiert – die Brüder Jörg und Jörn Dwigs kennen, welche die rechtspopulistische Partei Sicherheit und Verantwortung (SV) gegründet haben. Das Känguru beschließt das Asoziale Netzwerk zu gründen, mit dem es fortan Anti-Terror-Anschläge gegen „das System“ verübt.Wolfgang Ayaß: „Asozial“. Aufstieg und Niedergang eines Kernbegriffs sozialer Ausgrenzung, Freiburg i.Br. 2023, ISBN 978-3-7841-3682-0. Die SV schafft es bei den nächsten Wahlen aus dem Stand, in die Berliner Regierung zu kommen und plant, alle Ausländer in eine von zwei Kategorien einzuteilen: Produktiv oder unproduktiv. Diese Einteilung wird von dem fiktiven „Ministerium für Produktivität“ vorgenommen, in dem der Ich-Autor, das Känguru und weitere Mitglieder des Asozialen Netzwerks kurz vor dem Ende des zweiten Teils einbrechen, um die dortige Datenbank zu zerstören. Das Känguru, das den Pinguin an der Spitze der Kampagne vermutet, wird zum Ende des Buches als „unproduktiv“ abgeschoben.
Im zweiten Teil entwickelt sich zusätzlich zu den losen Kurzgeschichten eine übergeordnete Handlung, wobei die einzelnen Kapitel auch unabhängig voneinander verständlich bleiben. Während die Geschichten des ersten Bandes den – bis auf das sprechende Känguru – typischen Alltag in Berlin erzählen, werden im zweiten Band Institutionen und Handlungen geschaffen, die zwar nicht real sind, so jedoch denkbar wären.
Die Känguru-Offenbarung (2014) Der dritte Band ist in zwei Teile gegliedert, das erste und zweite Buch der Offenbarung.
Zu Beginn des ersten Teils ist der Ich-Autor schon mehrere Monate allein und in eine Depression verfallen, jedoch kehrt bald das Känguru zurück. Da es sich jetzt offiziell illegal in Deutschland aufhält, verkleidet es sich stets. Wie sich herausstellt, ist der Pinguin nicht mehr in seiner Wohnung anzutreffen. Der Ich-Autor und das Känguru machen es sich zur Aufgabe, den Pinguin zu finden. Sie gehen dabei keiner besonderen Strategie nach, sondern suchen an vielen verschiedenen Stellen, verpassen den Pinguin aber jedes Mal knapp. Nach der Forderung des Lektors nach mehr „Grandeur“ setzen die Protagonisten ihre Suche im Ausland fort. Davon handelt der zweite Teil. Über New York, Toronto, Brüssel, Seattle, Caracas und nochmals Toronto kommen sie nach Ho-Chi-Minh-Stadt. Es stellt sich heraus, dass das Asoziale Netzwerk mittlerweile Sektionen in der ganzen Welt hat. In Ho-Chi-Minh-Stadt finden die beiden eine Fabrik des Pinguins. Um herauszufinden, was dort produziert wird, fahren sie mit dem Schiff den Gütern hinterher. Sie landen auf einer Insel in der Ägäis, die nach dem Vorschlag eines deutschen Politikers an eine Firma verkauft wurde. Das Känguru entwickelt die Theorie, dass die Pinguine die gesamte Welt in einen Flughafen verwandeln wollen. Sie finden die Zentrale der Pinguine, wo kleine Pinguine herangezüchtet werden. Nur knapp und mit der Hilfe eines abtrünnigen Pinguins können sie sich ins australische Outback retten. Dort treffen sie auf eine Gruppe von Kängurus, die, vom Asozialen Netzwerk unabhängig, auch gegen „das System“ und die Pinguine kämpfen. Dann folgt ein Anhang, bei dem viele Gegner des Kängurus, z. B. Dwigs, wieder vorkommen, um von Anti-Terror-Anschlägen heimgesucht zu werden. Das Buch endet damit, dass die Eröffnung des ersten Pinguin-Flughafens vom Känguru sabotiert wird.
Der erste Teil ist ähnlich dem Känguru-Manifest, beinhaltet also einzelne abgeschlossene Episoden, im zweiten Teil sind die Geschichten jedoch sehr stark aufeinander aufbauend. Gegen Ende bauen die Kapitel direkt aufeinander auf und haben keine separate, in sich abgeschlossene Handlung mehr. In der Känguru-Offenbarung finden sich viele Elemente, die aus Fantasyromanen bekannt sind, auf die auch auf der Handlungsebene eingegangen wird. Im dritten Band finden sich außerdem viele innerhalb des Buches wiederkehrende Elemente, beispielsweise, dass fast alle Personen, die der Ich-Erzähler und das Känguru im Ausland treffen, „zufälligerweise“ deutsch sprechen und dies auch jeweils unterstrichen wird.
Die Känguru-Apokryphen (2018) Im Oktober 2018 erschien ein vierter Band. Der Band enthält mehr als 30 verschiedene Geschichten, die laut Angaben des Autors nicht chronologisch sortiert sind. Jedoch sind aufeinander aufbauende Kapitel wie die, die den Charakter Dietmar Kötke enthalten, chronologisch geordnet. Einige Geschichten spielen während der Känguru-Chroniken, einige auch erst nach dem Ende der Känguru-Offenbarung. Einige Geschichten wurden bereits früher in Büchern der Lesedüne veröffentlicht und nun auf das Känguru umgeschrieben.
Der Titel Känguru-Apokryphen ist eine Anlehnung an die eigentlichen Apokryphen, biblische Bücher und ähnliche Schriften, die nicht in den Kanon aufgenommen wurden, und bezeichnet somit Kurzerzählungen, die es nicht in die Känguru-Trilogie „geschafft“ haben.
Die Känguru-Rebellion (2026) Band 5 erschien am 12. März 2026. Zu Beginn fängt das Känguru eine Rebellion gegen die momentanen Zustände auf der Welt an. Kurze Zeit später veröffentlicht Herta ihren Rebellionspodcast „Bei Herta“. Etwa zeitgleich schließen Marc-Uwe und das Känguru eine Wette darüber ab, wer von ihnen mehr Leute überzeugen kann, sich der Rebellion anzuschließen. Als „Preis“ für den Gewinner vereinbaren sie, dass dieser vom Verlierer bestimmte Dienstleistungen geboten bekommt (z. B. für immer das Badezimmer putzen).
Figuren und Organisationen
Hauptfiguren
Der Erzähler Protagonist der Chroniken ist ein Ich-Erzähler namens Marc-Uwe, dessen Identität folgendermaßen erläutert wird: Er ist ein gebildeter, kritischer und reflektierender junger Intellektueller, ein Vertreter der Berliner Kleinkunstszene. Geboren und aufgewachsen in Baden-Württemberg, lebt er bis zum Einzug des Kängurus allein in seiner Wohnung. Andere Freunde werden nicht erwähnt, und erst gemeinsam mit dem Känguru lernt er andere Menschen in Berlin kennen, was die Interpretation nahelegt, dass er vor der Begegnung mit dem Känguru noch nicht allzu lange Zeit dort gelebt hat. Gelegentliche Geldsorgen gehören ebenso zu seinem Alltag wie unverhoffte Auftrittsmöglichkeiten oder Preise für seine Kunst. Mit seiner Band oder allein geht er regelmäßig auf Tour, wovon er dem Känguru nach seiner Rückkehr berichtet; er liest ihm seine Gedichte vor und teilt ihm seine Gedanken, Pläne und Ideen mit, wobei sich das Känguru als schonungsloser Kritiker erweist. Dabei kommt es gelegentlich zu Streitgesprächen und Diskussionen, in denen die beiden einander ebenbürtig sind. Das Känguru gewinnt zwar häufiger, da es dazu neigt, rücksichtslos auch unfaire und boshafte Mittel einzusetzen, stellt sich damit gelegentlich allerdings selbst ein Bein.
Das Känguru