mini|Urbos 1 bei der Straßenbahn Bilbao|class=notpageimage mini|Urbos 2 der Metro Sevilla|class=notpageimage mini|Die Urbos 3 „von der Stange“ wurden mit drei unterschiedlichen Fahrzeugfrontvarianten ausgeliefert. Beispielsweise nach Debrecen …|class=notpageimage mini|Besançon … mini|oder Sydney Als Urbos bezeichnet die baskische Firma Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) ihre seit 2002 gefertigten niederflurigen Straßenbahnwagen. Nachdem die ersten Fahrzeugserien der Generationen Urbos 1 und Urbos 2 vor allem an spanische Betriebe geliefert wurden, überwiegt mit den Urbos 3 inzwischen der Exportanteil. Ab etwa 2010 diversifizierte sich das Angebot von CAF mit weiteren Varianten und auch grundsätzlich abweichenden Fahrzeugtypen, beispielsweise dem vollständig auf Drehgestellen laufenden Urbos AXL.

Im September 2025 wurde der 1000. Urbos-Straßenbahnwagen fertiggestellt.

Bezeichnungen Die gemeinsame Bezeichnung für die Fahrzeuge wurde erst 2009 eingeführt. Dabei wurden zunächst die Typen Urbos 1, Urbos 2 und Urbos 3 unterschieden. Mit der Aufnahme weiterer Typen in die Urbos-Familie änderte CAF das Bezeichnungssystem jedoch von der Durchnummerierung der Generationen zu Angaben über die Eigenschaften oder das vorgesehene Einsatzgebiet.

Die Variante Urbos 100 ist die am häufigsten verkaufte und vollständig niederflurig. In der Standardausführung ist sie als Multigelenkwagen mit kaltgefügter Karosserie aus rostfreiem Stahl und Aluminium, mit Losradsätzen und voll abgefedertem, auf einzelne Räder wirkendem Antrieb ausgeführt. Eine Variante des Urbos 100 mit klassischen Radsätzen wird als Urbos 100X bezeichnet. Die Urbos 70 haben dem Konzept Multigelenkwagen entsprechende Mittelteile und darauf aufgesattelte Endteile mit Drehgestellen an den Führerstandsenden, über denen der Wagenboden höher liegt. Damit beträgt der Niederfluranteil einer dreiteiligen Einheit nur 70 %. Die Urbos AXL sind Drehgestellwagen mit klassischen Radsätzen.

Zwei Varianten sind entsprechend ihrer Einsatzgebiete benannt: Die Urbos TT sind als Tram-Train konzipiert, während Urbos LRV insbesondere in Nordamerika verbreitete Light-Rail-Fahrzeuge sind. Es ist jedoch unklar, welche Fahrzeugtypen genau als Urbos LRV eingeordnet wurden. In einer späteren Angebotsübersicht (April 2025) ist der Urbos LRV nicht mehr vertreten.

Urbos 1

Von der ersten Generation werden nur acht Wagen im baskischen Bilbao eingesetzt. Es handelt sich um dreiteilige meterspurige Gelenkwagen. Die Endteile laufen auf je einem Triebdrehgestell unter dem Führerstandsende, sie sind auf das Mittelteil mit einem nicht gegenüber dem Wagenkasten ausdrehbaren Laufgestell aufgesattelt. Wegen fehlender Wendeschleifen an den Endpunkten der Strecke in Bilbao sind es Zweirichtungswagen. Die Fahrzeuge basieren auf der FGV-Baureihe 3800 der Straßenbahn Valencia. Beim achten Wagen ist zur Technikerprobung statt eines der Drehgestelle das mittlere Gestell angetrieben. Ziele waren einerseits die Möglichkeit der Verlängerung der Fahrzeuge ohne zusätzliche Hochflurbereiche und andererseits die Möglichkeit zum Bau vollständig niederfluriger Fahrzeuge. Teilweise wurde berichtet, das Fahrzeug selbst sei bereits vollständig niederflurig. Dies ist jedoch nicht der Fall. + Fahrzeuge der Generation Urbos 1 Betrieb Ort Land Anzahl Spurweitein mm Wagenteile Einrichtungswagen /Zweirichtungswagen Längein m Breitein m Auslieferung BemerkungStraßenbahn BilbaoBilbao Spanien710003Zweirichtungswagen24,4 2,4200212004Erprobungsträger für Urbos-2-Triebgestell

Urbos 2 mini|Urbos 2 bei der Straßenbahn Sevilla Mit den drei Fahrzeugen für die Straßenbahn Vélez-Málaga wurden die Urbos erstmals als vollständig niederflurige Multigelenkwagen ausgeführt. Alle Wagen der Generation Urbos 2 sind fünfteilig in der Konfiguration Endteil mit Führerstand – Sänfte – Mittelteil – Sänfte – Endteil mit Führerstand.

Zur Bedienung oberleitungsfreier Strecken wurde ein Wagen aus Sevilla zunächst auf einer Teststrecke im CAF-Werk Zaragoza mit zwei Energiespeichersystemen erprobt, einem Schwungradspeicher und einem Superkondensator. Der Superkondensator erzielte bessere Ergebnisse und es folgten weitere Testfahrten auf der Strecke der Straßenbahn Vélez-Málaga. Anschließend wurde er mit ausgetauschtem Superkondensator bei der Straßenbahn Sevilla eingesetzt, bis die dortige Flotte durch Fahrzeuge des Typs Urbos 3 ersetzt wurde. Das System erhielt die Bezeichnung Acumulador de Carga Rápida (ACR).

CAF konnte Urbos 2 an die Straßenbahnbetriebe Vélez-Málaga, Vitoria-Gasteiz, Antalya und nach Sevilla (Metro und Straßenbahnlinie) verkaufen.

Ein Jahr nach Einstellung der Straßenbahn Vélez-Málaga wurden deren Fahrzeuge nach Sydney verliehen, wo sie bis zur Ankunft der bestellten Urbos 3 die Dullwich Hill Line (L1) bedienten. Seit Ende 2014 befinden sich die Wagen wieder in Vélez-Málaga.

Für die Verlängerung auf der ehemaligen Euskotrenstrecke nach Bolueta wurden drei fünfteilige Urbos 2 aus dem Bestand der Straßenbahn Vitoria-Gasteiz nach Bilbao überführt. Einer davon kehrte Ende 2023 zurück. +Fahrzeuge der Generation Urbos 2BetriebOrtLandAnzahlSpurweitein mmWagenteileEinrichtungswagen / ZweirichtungswagenLängein mBreitein mAuslieferungBemerkungStraßenbahn AntalyaAntalyaTürkei1414355Zweirichtungswagen2009Metro SevillaSevillaSpanien2114355Zweirichtungswagen31,32,652007–2009U-Bahn, ATO-Betrieb mit BahnsteigtürenStraßenbahn Vélez-MálagaVélez-MálagaSpanien314355Zweirichtungswagen2,65Einsatz 2006–2012 in Spanien, danach zwei Jahre bei Stadtbahn SydneyStraßenbahn Vitoria-GasteizVitoria-GasteizSpanien1110005Zweirichtungswagen2008–20093 Stück 2021 abgegeben an Straßenbahn Bilbao, 1 Ende 2023 zurück

Urbos 3 mini|Urbos 3 in Belgrad mini|thumbtime=32|Urbos 3 in Budapest (Video)

Acumulador de Carga Rápida Nachdem CAF das Akku-System ACR () zur Serienreife gebracht hatte, wurde es im Urbos 3 als Bestelloption eingeführt. Die Akkus ermöglichen den Bau oberleitungsloser Strecken, die Vorteile hinsichtlich der Stadtverträglichkeit haben. Im öffentlichen Straßenraum werden keine Masten und andere störende Elemente benötigt. Beim System ACR in der ursprünglichen Ausführung werden an jeder Haltestelle Doppelschichtkondensatoren (Supercaps) soweit geladen, dass sie die nötige Energie zum Erreichen der nächste Haltestelle speichern. Daneben verfügen die mit ACR ausgerüsteten Fahrzeuge über Akkumulatoren, die längerfristig die Energieversorgung sicherstellen. CAF untersuchte auch andere Systeme wie eine Stromschiene (ähnlich dem APS-System), Brennstoffzelle und Schwungrad, verwarf sie aber wegen hoher Kosten oder mangelnder Eignung. Das komplette System wird inzwischen als Freedrive vermarktet. Damit das System auch zum Aufladen an den Haltestellen kein kurzes Stück Oberleitung erfordert, wurde auch ein kurzer, zwischen den Schienen angeordneter Kontaktstreifen entwickelt, welcher dort angeordnet wird, wo ein Mittelteil mit Laufwerk zum Halten kommt. Er liegt etwas oberhalb der Schienenoberkante und ist spannungslos und geerdet, solange sich kein Fahrzeug darüber befindet. Die Fahrzeuge erhalten dafür einen Stromabnehmer an der Unterseite der mittleren Laufwerke. Die erste Anwendung erfolgte bei der Straßenbahn Saragossa. Erstmals bei den Fahrzeugen der Straßenbahn Lüttich wurde das System ohne Superkondensatoren, sondern nur mit Akkumulatoren ausgeführt.

Technik

Neben ACR wurden weitere Verbesserungen an den Wagen vorgenommen. Das Design wurde überarbeitet und die Innengestaltung wurde nach ergonomischen Gesichtspunkten verändert. Die Traktionsstromrichter nutzen IGBTs und ermöglichen Rekuperation.

Es werden Varianten in Regel- und Meterspur angeboten. Die Wagenkastenbreite kann zwischen 2300, 2400 und 2650 Millimeter gewählt werden. Die Wagen können aus 3, 5, 7 oder 9 Modulen bestehen, so dass die Länge zwischen 23 und 56 Metern (längste Straßenbahnwagen der Welt für Budapest) variiert.

Die ersten Wagen der Bauart Urbos 3 gingen am 21. März 2011 bei der nun teilweise oberleitungslosen Straßenbahn Sevilla in Betrieb. Einen Monat später, am 19. April 2011 ging mit der Straßenbahn Saragossa ein zweites Straßenbahnsystem mit Urbos-3-Wagen in Betrieb. Zahlreiche weitere Einheiten mit und ohne ACR wurden für Straßenbahnsysteme weltweit gefertigt und bestellt.

Für einige Städte und Betriebe wurden stark angepasste Urbos entwickelt, etwa für Amsterdam, Boston, Oslo, Saint-Étienne oder De Lijn. Diese unterscheiden sich konstruktiv beispielsweise durch kürzere Segmente, eine schmalere Ausführung, verbesserte Wintertauglichkeit oder Verwendung von durchgehenden Achsen von den Standardversionen. Zur Unterscheidung gegenüber einer Variante mit nur 70 % Niederfluranteil (Urbos 70) werden die vollständig niederflurigen Fahrzeuge von CAF als Urbos 100 (Losradsätze) oder Urbos 100X (klassische Radsätze) bezeichnet.

Charakteristisch für die Inneneinrichtung der Fahrzeuge ist, dass über den angetriebenen Laufwerken bei jeweils zwei Sitzreihen nur die Anordnung von je einem Sitz zu beiden Seiten des Gangs möglich ist, weil der Raum an den Fenstern nicht nutzbar ist. Auch bei den verbleibenden Sitzen ist der Fußraum seitlich eingeschränkt. Für die nicht angetriebenen Laufwerke gilt dies nicht.

Übersicht der Urbos 100