mini|hochkant|Wappen derer von Fabrice (1644) Fabrice, auch Fabricius, ist der Name eines deutschen Adelsgeschlechts, das sich ausgehend in Hessen über Mecklenburg und Sachsen ausbreiten konnte, schließlich auch in Preußen zu Ansehen gelangte. Zweige der Familie bestehen bis heute fort.

Geschichte Bei der Familie Fabrice handelt es sich ursprünglich um ein hessisches Beamten- und Gelehrtengeschlecht, dessen gesicherte Stammreihe mit dem gräflich-isenburgischen Rat Weiprecht Schmidt genannt Fabricius (* 1551; † 1610) beginnt.GHdA. Adelslexikon, Band III, Band 61 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1975, S. 208–210. ISBN 3-7980-0761-6. Eine Verwandtschaft zu dem in Koblenz geborenen Sebastian Schmidt genannt Fabricius (* 1515; † 1553), seit 1543 Oberpastor in Potsdam und Stammvater derer von Richthofen, ist nicht bekannt, doch ist augenfällig, dass auch jene einen Kranich im zusammengefügten Wappen führen.Christoph Franke, Klaus von Andrian-Werburg: GHdA, Adelslexikon, Band XI, Band 122 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2000, S. 391 ff. ISBN 3-7980-0822-1.

Am 19. November 1644 wurden die Brüder Esaias (* 1579; † 1660), landgräflich Hessen-Darmstädter Rat und Vizekanzler, und Philipp Ludwig (* 1599; † 1666), landgräflich Hessen-Darmstädter Geheimer Rat und Kanzler,Gedruckte Trauerpredigt für Philipp Ludwig Fabricius, Comes Palatinus Caesareus, Fürstlich Hessen-Darmstädtischer Geheimer Rat und Kanzler, Darmstadt 1666 sowie deren Neffen Conrad Jacob, landgräflich Hessen-Darmstädter Hofrat, nachmals Kanzler, und Johann Reinhard, Söhne des Philipp, gräflich isenburgischer Rat und Kanzleidirektor, von Kaiser Ferdinand III. in Linz in den Reichsadelsstand erhoben. Philipp Ludwig wurde dabei auch zum (nicht erblichen) kaiserlichen Hofpfalzgrafen ernannt.

Die Linie des Hessen-Darmstädter Vizekanzlers Esaias von Fabricius, erwarb durch dessen Sohn, Johann Esaias von Fabricius, Kaiserlicher Hofrat, Kanzler des Wetterauischen Grafenkollegiums und Gesandter der Rheinischen Reichsritterschaft am Kaiserlichen Hof, 1660 den Hof Graß bei Hungen, wurde 1662 vom Kurfürsten von Trier damit belehnt und führte danach den Namen Fabricius von Graß, ab etwa 1730 allein den Namen von Graß, und bekam 1843 vom Herzog von Nassau den Freiherrenstand anerkannt.GHdA, Adelslexikon, Band IV, Band 67 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1978, S. 237 f. ISBN 3-7980-0767-5.

Die Linie des Hessen-Darmstädter Kanzlers Conrad von Fabricius (* 1611; † 1675) führte später den Namen Fabrice von Westerfeld, hier: S. 729. so die Söhne Johann Philipp Martin senior (* 1642, † 1692) Hessen-Darmstädtischer Vormundschaftsrat und Comitialgesandter, und Johann Christoph Fabrice von Westerfeld (* 1648; † 1698), gräflich Hanauischer Regierungs-, Justiz- und Konsistorialrat, die beide je eine Tochter des Hessen-Darmstädter Vize-Kanzlers und Gesandten Nikolaus Martin von Drach heirateten.Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band III, Friedrich Voigt, Leipzig 1861, S. 186–188., schreibt irrig Fabrice von Westerstetten Der Lehnsbrief der Übertragung der Lehnsgüter derer von Westerfeld datiert von 1703.

Hannover Von Hessen verbreitete sich die Familie zunächst nach Kurhannover, wo Weipart Ludwig von Fabrice (* 1640; † 1724), ein Sohn des Obengenannten Philipp Ludwig Fabricius, Geheimer Rat und Präsident des Oberappellationsgerichts war. Von seinen Söhnen war Johann Ludwig von Fabrice (* 1676; † 1733) hannoverscher Geheimer Rat und Friedrich Ernst von Fabrice (* 1683; † 1750) hannoverscher Kammerherr und späterer Landdrost. Letzterer genoss das besondere Vertrauen des Kurfürsten und Königs von Großbritannien Georg I., der auch in seinen Armen verstorben sein soll. Der hannoverische Zweig der Familie fand keine weitere Entfaltung und ist erloschen.

Die Fabrice besaßen in Hannover die Güter Brockwinkel, Estorff, Langenhagen und Weihe.Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 1, Ludwig Rauh, Berlin 1855, S. 212.

Mecklenburg Der Drost und Erbherr auf Roggendorf August Georg Maximilian von Fabrice erhielt am 11. November 1801 das mecklenburgische Indigenat. Roggendorf war neben den Gütern Stammsitz der Familie in Mecklenburg, jedoch auch die Güter Dutzow, Marienthal, Dorotheenhof und Klein Salitz, sämtlich im Amt Gadebusch gelegen, bereits seit 1694 in Familienbesitz. In den Jahren 1737 und 1738 gehörten den Fabrice auch die Güter Harkensee und Rosenhagen im Amt Grevesmühlen. Roggendorf blieb bis zum Jahre 1887 bei der Familie.Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. Band 2, in Commission Stiller, Schwerin 1898, S. 512 Fußnote 1. und S. 517–519 ff.

Im Einschreibebuch des Klosters Dobbertin befinden sich zehn Eintragungen von Töchtern der Familie von Fabrice von 1816–1870 aus Roggendorf, Burg Stargard und Neustrelitz zur Aufnahme in das adelige Damenstift im Kloster Dobbertin.

1822 wurde diese Linie auch Teil der Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten Limpurg und damit des Patriziats von Frankfurt am Main (s. u.).

Am 20. Juni 1882 kam es mecklenburg-strelitzischen Namensvereinigung Fabrice-Falk, geknüpft an den Besitz des von Falkschen Geldfideikommis dessen Nutznießer Maximilian von Fabrice war.

Sachsen Von Mecklenburg begab sich die Familie nach Sachsen in diplomatische Dienste mit Georg Phillipp Fabricius (* 2. Nov. 1642; † 12. Jan 1708) als Gesandter für Sachsen Weimar am Reichstag in Regensburg. Er wurde begleitet von seiner Ehefrau Anna Susanna, geb. Steiner. Sie verstarb mit ihrem Ehemann am gleichen Tag, So ist es beschrieben in der Inschrift der auf dem Gesandtenfriedhof in Regensburg erhaltenen Grabplatte. Die Platte ist Bestandteil des dort gut erhaltenen Barock-Epitaphs für das Ehepaar.Albrecht Klose, Klaus-Peter Rueß: Die Grabinschriften auf dem Gesandtenfriedhof in Regensburg. Texte, Übersetzungen, Biographien, Historische Anmerkungen, in: Regensburger Studien, Band 22, Hrsg. Stadtarchiv Regensburg, Verlag Stadtarchiv Regensburg, Regensburg 2015, S. 42. ISBN 978-3-943222-13-5.

Später trat man auch in militärische Dienste von Sachsen. So trat Friedrich Joseph Anton von Fabrice (* 1786; † 1850) im Jahre 1804 in königlich sächsische Dienste und avancierte 1832 zum Generalmajor und Oberstallmeister. Sein Sohn Georg Friedrich Alfred von Fabrice (* 1818; † 1891 in Dresden) war ein sächsischer General der Kavallerie und von 1876 bis zu seinem Tod Vorsitzender des sächsischen Gesamtministeriums und damit mehr als 24 Jahre lang sächsische Kriegsminister. Er wurde am 1. Juli 1884 in den sächsischen Grafenstand gehoben. An seinen jüngeren Bruder August Friedrich Oswald von Fabrice (* 1820; † 1898) ist am 9. April 1898 der sächsische Freiherrnstand gekommen. Er verehelichte sich 1844 mit Gräfin Helene von Reichenbach-Lessonitz (* 1825; † 1898), aus der Familie der Hessischen Kurfürsten. Der einzige Sohn Freiherr Wilhelm Friedrich Maximilian von Fabrice (* 1845; † 1914), war zeitweise kurfürstlicher hessischer Kammerherr des letzten Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. und außerordentlicher sächsischer Gesandter in München. Mit ihm hat auch die freiherrliche Linie der Fabrice ihren Ausgang gefunden.

Frankfurt Johann Philipp Martin Fabrice von Westerfeld junior war Kaiserlicher Wirklicher Rat in der Freien und Reichsstadt Frankfurt, wo seine Cousine Amalia Wilhelmina Fabrice von Westerfeld († 1769) der Patriziergesellschaft Alten Limpurg angehörte, da sie mit Johann Adolph von Glauburg verheiratet war.Das Frankfurter Patriziat: Fabrice von Westerfeld, Amalia Wilhelmina. Hrsg. Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung zu Frankfurt am Main.

1822 wurden die von Fabrice in die Frankfurter Patriziergesellschaft Alten Limpurg aufgenommen, begründet aus Einheirat in das Mitgliedsgeschlecht von Günderrode in den Jahren 1819: Luise Wilhelmine Rosalie Freiin von Günderrode (1800–1832) ⚭ Georg Adolph August Friedrich von Fabrice (1784–1832) bzw. 1821: Marie Friederike Auguste Freiin von Günderrode (1797–1852) ⚭ Christian von Fabrice (1782–1842). Die damals rezipierten Linien erloschen 1945/1966.Das Frankfurter Patriziat: Frankfurter Patriziat. Fabrice., Hrsg. Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung zu Frankfurt am Main.

Der Geheime Sanitätsrat Philipp Fabricius (* 1839; † 1911), praktizierender Arzt in Frankfurt/Main, erhielt am 27. Mai 1889 preußische Anerkennung des Adelstandes als zum Geschlecht von Fabricius/von Fabrice gehörig. Nach ihm benannte der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann die Figur Zappel-Philipp in seinem Kinderbuch Struwwelpeter von 1846. Hoffmann war ein Kollege seines Vaters aus dem Team der Frankfurter Armenklinik, des Arztes Friedrich Wilhelm Fabricius. Dr. med. Philipp Julius von Fabricius war verheiratet mit der Gerichtsratstochter Juliane Renner, verwitwete Wagner. Ihr Sohn Wolfgang Philipp fiel als Oberstleutnant 1941 und hatte mit seiner Ehefrau Mila Gerwig keine Nachfahren. Eine gesonderte heraldische Darstellung ist nicht überliefert.

Wappen